Stellungnahme zur Debatte um Agnes Miegel


Website der Agnes-Miegel-Gesellschaft

25.10.10
AntifaschismusAntifaschismus, Kultur, NRW, TopNews 

 

Von Luca Plette, Antifa Erftstadt

In dem, in der letzten Ausgabe der „Werbe Post“, erschienen Artikel wird die Agnes-Miegel-Gesellschaft umfangreich zitiert. Ein Blick auf das Leben Agnes Miegels nach 1945 und eine genauere Betrachtung ihrer Tätigkeit im Nationalsozialismus offenbaren ein anderes Bild.
Hat sich Agnes Miegel wirklich vom Nationalsozialismus distanziert bzw. hat sie diese Ideologie nie geteilt?

Im Nationalsozialismus verfasste sie zahlreiche nazistische Gedichte (z.B. „An Deutschlands Jugend“, „An den Führer“ und „Dem Führer“). Außerdem war sie Mitglied der NSDAP, der NS-Frauenschaft und wurde von der Hitlerjugend auf Grund ihrer NS-Lyriken geehrt. [1]
Erwiesen ist außerdem, dass sie „Exklusivbeiträge“ für die extrem rechte Zeitschrift „Nation Europa“ geschrieben hat. [2] Die Monatszeitung wurde 1951 vom ehemaligen SS-Sturmbannführer und „Chef der Bandenbekämpfung“ im Führerhauptquartier, Arthur Ehrhardt und dem Schriftsteller und ehemaligen SA-Obersturmführer Herbert Böhme gegründet. [3] Sogar der Verfassungsschutz NRW nennt die Zeitschrift ein „wichtiges“ rechtsextremistisches Theorie- und Strategieorgane in der Bundesrepublik Deutschland. [4] Das „Collegium Humanum“, ein auf Grund von Antisemitismus inzwischen verbotener Verein, veranstaltete noch im 21. Jahrhundert ein Wochenendseminar in Vlotho [5] mit dem Thema: „Ostpreußens Beitrag zur Kultur Europas – Schwerpunkt Agnes Miegel und Ordensstaat.“. Auch über ihren Tod hinaus ist sie damit für Rechtsradikale und Neonazis ein Anziehungspunkt geblieben. [6]

http://antifaaktionerftstadt.blogsport.de/images/ag_cd.jpgAuf der Internetseite der Agnes-Miegel-Gesellschaft wird eine CD angeboten, auf der Gisela Limmer von Massow zusammen mit dem Wiener Neofaschisten Walter Marinovic Gedichte von Miegel rezitiert. [7] Marinovic war bereits mehrfach Referent auf Veranstaltungen der NPD. [8]

Die in der britischen Besatzungszone lebende Miegel wurde zwar rehabilitiert; allerdings ist auch hier eine genauere Betrachtung nötig. Ab dem Frühjahr 1946 wurden Deutsche von den Briten offiziell an der Durchführung der Entnazifizierung beteiligt. Bereits Ende 1947 legen die Briten die Verantwortung für die Entnazifizierung weitgehend in deutsche Hände. [9] Das Entnazifizierungsurteil Miegels stammt aus dem Jahr 1949. Es ist daher nicht verwunderlich, dass es hieß sie sei „entlastet“. Schließlich waren die Anfangsjahre der BRD durch eine Schlussstrichmentalität und Schuldverdrängung gekennzeichnet. Die Verantwortung für das Entnazifizierungsurteil lag also längst in deutschen Händen und nicht mehr bei den Alliierten. Von diesen hingegen war Miegel bis 1949 von einem Veröffentlichungsverbot belegt. [10] In der Bundesrepublik hingegen kam sie zu Ansehen. Ehrenbürgerschaften wurden ihr verliehen, Schulen und Straßen nach ihr benannt. Im Geiste blieb sie der undemokratischen bis neonazistischen Rechten verfallen. Dieses Versäumnis behebt die Stadt Erftstadt – nach Jahrzehnten – endlich. Das ist gut so und die Verantwortlichen der Agnes-Miegel-Gesellschaft sollten endlich aufhören sich diesen Tatsachen zu verschließen.

Für die Stadt Erftstadt kann es nur eine moralisch tragbare Entscheidung geben: die Straße nach einem Opfer des Nationalsozialismus zu benennen. Wir haben deswegen Salomon Franken als neuen Namensgeber vorgeschlagen. Seine heute in Israel lebende Familie sympathisiert mit unserer Forderung an die Stadt. [11] Denn es geht darum zu zeigen, dass nicht NS-Täter geehrt, sondern NS-Opfern gedacht wird. Es geht darum zu zeigen, dass kein Schlussstrich unter die deutsche Geschichte gezogen wird!

Erftstadt, 24.10.2010
Luca Plette für die Antifa Erftstadt







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