Zur Debatte um die Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße in Erftstadt-Friesheim

01.10.10
AntifaschismusAntifaschismus, NRW, TopNews 

 

Von Antifa Erftstadt

Ende August hatten Jugendliche der „Antifa Erftstadt“ die Friesheimer Agnes-Miegel-Straße mit einem selbstgebastelten Namensschild überklebt und in die Salomon-Franken-Straße umbenannt. Sie hatten damit auf den nationalsozialistischen Hintergrund Miegels aufmerksam machen wollen. Nun rufen sie für den 5. Oktober zu einer Kundgebung unter dem Motto „Kein Vergeben den NS-TäterInnen – Kein Vergessen den NS-Opfern“ auf. Die Kundgebung beginnt um 16 Uhr vor dem Rathaus in Liblar und findet damit unmittelbar vor der nächsten Stadtratssitzung statt. Die Forderung der Antifa Erftstadt nach Umbenennung der Straße stieß unterdessen auf prominente Unterstützung: Achim Kröger (Lehrer und Leiter des Israelaustausches am Ville Gymnasium), Felix von Hatzfeld (Lehrer und Leiter der „AG Courage“ gegen Rechtsextremismus am Gymnasium Lechenich), Doris Schmitten (u.a. tätig im neugegründeten Verein zur Förderung jüdischer Musik, Kunst und Kultur – „OpenKlezmerScales“), die Deutsch-Israelische Gesellschaft e.V. Bonn, die Jüdische Gemeinde Köln e.V., das Jüdische Forum Köln e.V und Helmut Schneider-Leßmann (Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde) fordern ebenso die Umbenennung. Dass Agnes Miegel sich „nachweislich zur Herrschaft Hitlers und zur Ideologie des Nationalsozialismus bekannt hat“ davon ist auch der Historiker Prof. Dr. phil. Hans-Jürgen Döscher überzeugt. Döscher fertigte ein Gutachten für eine nach Miegel benannte Schule in Osnabrück an indem es weiter heißt: „Diese Identifikation [mit dem Nationalsozialismus], von der sie sich nach 1945 öffentlich nicht distanziert hat, steht im Widerspruch zum Bildungsauftrag der Schule gemäß § 2 des Niedersächsischen Schulgesetzes. Die Vorbildfunktion der Dichterin Agnes Miegel ist angesichts ihrer Rolle während des ‘Dritten Reiches’ umso mehr in Frage zu stellen, als sich die freiheitlichdemokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland aus der Überwindung und Negation des Nationalsozialismus legitimiert.“ Das Gutachten hat die Gruppe zusammen mit weiteren Texten von und zu Agnes Miegel in einer knapp 50-Seitigen Materialsammlung veröffentlicht. Auch ein eigens von der Stadt Erftstadt in Auftrag gegebene Gutachten von Prof. Dr. Horst Matzerath belegt den eindeutig nazistischen Hintergrung Miegels.

Hilfestellung leistete auch der Historiker Dr. Dieter Heinzig: er recherchierte, dass die Familie Franken (Vater Salomon, Mutter Else und Sohn Jakob) von Köln am 15. Juni 1942 ins Ghetto Theresienstadt und von dort am 6. Oktober 1944 ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurden, wo sie in den Gaskammern ermordet wurden. „Mit der Forderung, die Straße nach Salomon Franken zu benennen, möchten wir gegen das Vergessen der NS-Opfer eintreten. Uns geht es darum, den bis jetzt unbekannten und Friesheimer Verfolgten des Nationalsozialismus in das Gedächtnis der Öffentlichkeit zurückzuholen.

Wir wollen damit zeigen, dass selbst in kleinen Orten der nationalsozialistische Ausgrenzungs- und Vernichtungswille gegenwärtig war.“, betont Marcel Schrink. “An unserem Vorschlag die Strasse nach Salomon Franken zu benennen halten wir weiterhin fest! Für uns ist einzig ein Opfer des Nationalsozialismus als Namensgeber akzeptabel.” Die Gruppe möchte sich mit der Kundgebung am 5. Oktober erneut für Ihren Vorschlag stark machen. Auch darüber hinaus planen sie das Andenken an die erftstädter Opfer des Nationalsozialismus weiter in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu tragen. „Dazu streben wir perspektivisch auch die Verlegung von Stolpersteinen in Erftstadt-Friesheim an“, erklärt die 20-jährige Luca Plette. In dem kleinen Ortsteil wohnten bis 1942 mehrere jüdische Familien. Auch eine Synagoge gab es dort bis diese 1938 in der Reichspogromnacht zerstört wurde.







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