Antifa Erftstadt fordert Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße in Erftstadt-Friesheim

26.08.10
AntifaschismusAntifaschismus, NRW, News 

 

In einer symbolischen Aktion haben Jugendliche der „Antifa Erftstadt“ die Friesheimer Agnes-Miegel-Straße mit einem selbstgebastelten Namensschild überklebt und in die Salomon-Franken-Straße umbenannt. Sie wollen sich dafür einsetzen, dass die nach einer Nationalsozialistin benannte Straße dauerhaft den Namen eines Friesheimer Opfers des Nationalsozialismus trägt. Um dieses Ziel zu verwirklichen, haben sie sich mit einem offenen Brief an den Stadtrat gewandt. AnwohnerInnen in Friesheim wurden durch Flugblätter über die provisorische Umbenennung und deren Hintergründe in Kenntnis gesetzt.

Agnes Miegel war überzeugtes Mitglied der NSDAP, der NS-Frauenschaft und wurde durch die Hitlerjugend geehrt. Adolf Hitler widmete sie drei Gedichte und Meyers Lexikon bescheinigt ihr ab 1933 eine „Tendenz zur Blut-und Bodenromantik“.

Die Alliierten belegten sie daraufhin mit einem Berufsverbot – in der Bundesrepublik konnte sie jedoch ungebrochen ihre Karriere fortsetzen und das, obwohl sie stets in Kontakt zu rechtsradikalen und neonazistischen Kreisen stand. Beliebt war sie in „Vertriebenenkreisen“, sie verfasste Exklusivbeiträge für die Zeitschrift „Nation Europa“ und das „Collegium Humanum“, einem Verein der durch Antisemitismus und Holocaustleugnung auffiel, widmete ihr eine eigene Veranstaltung.

„Es kann nicht sein, dass einerseits Straßen in Erftstadt nach WiderstandskämpferInnen im Dritten Reich benannt werden und gleichzeitig eine bekennende Nationalsozialistin und Verehrerin Adolf Hitlers als Namensgeberin fungiert“, erklärt die 20-jährige Luca Plette von der Antifa Erftstadt. In ihrem Brief an denStadtrat fordern sie nicht nur die sofortige Umbenennung, sondern auch ein klares politisches Statement der Stadt.

Salomon Franken war ein Jude aus Friesheim, der dort 1895 geboren wurde und 1945 höchstwahrscheinlich im Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurde. Zwei seiner drei gemeinsamen Kinder mit seiner Frau Else konnten ins heutige Israel fliehen. Der jüngste Sohn wurde gemeinsam mit seinen Eltern von Friesheim ins KZ Theresienstadt und von dort aus 1945 nach Auschwitz deportiert, wo sich die Spur der drei Schicksale verliert. „Salomon Franken steht hier symbolisch für die vielen namenlosen – auch Erftstädter – Opfer, die von der deutschen Gesellschaft stigmatisiert, entrechtet, ausgeschlossen und letztlich ermordet wurden. Wir denken, dass diesen Opfern gedacht, ihre persönlichen Leiden und Lebensgeschichten im Gedächtnis behalten werden sollten“, erläutert Antifa-Aktivist Marcel Schrink die Namenswahl.

In mehreren Städten wurden bereits nach Miegel benannte Schulen und Straßen umbenenannt. So z.B. in Bielefeld, Erlangen, Wilhelmshaven, Neuenkirchen, Willich und Düsseldorf.







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