Zeitzeugen zu Hitler


29.01.18
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Hermann Pölking: Wer war Hitler. Ansichten und Berichte von Zeitgenossen, 784 Seiten, be.bra Verlag, Berlin 2017, ISBN: 978-3-89809-133-6, 36 Euro

Rezension von Michael Lausberg

Ab Juli 1921 Parteivorsitzender der NSDAP, versuchte Adolf Hitler (1889-1945) im November 1923 mit einem Putsch von München aus die Weimarer Republik zu stürzen. Mit seiner Schrift Mein Kampf (1925/26) prägte er die antisemitische und rassistische Ideologie des Nationalsozialismus. Hitler wurde von Reichspräsident Paul von Hindenburg am 30. Januar 1933 zum deutschen Reichskanzler ernannt. Innerhalb weniger Monate beseitigte sein Regime mit Terror, Notverordnungen, Gleichschaltungsgesetzen, Organisations- und Parteiverboten die pluralistische Demokratie, den Föderalismus und den Rechtsstaat. In den rund 1000 Konzentrations- und Nebenlager sowie sieben Vernichtungslagern, die der Ermordung von Millionen Menschen, der Beseitigung politischer Gegner, der Ausbeutung durch Zwangsarbeit, medizinischen Menschenversuchen und der Internierung von Kriegsgefangenen dienten, starben Millionen von Menschen. Außerdem verloren bis zu 65 Millionen Menschen im 2. Weltkrieg oder dessen Folgen.

 

Von seiner Geburt in Braunau am Inn (Oberösterreich) bis zu seinem Suizid 1945 versucht sich der Historiker und Publizist Hermann Pölking in dieser unkonventionelle Biographie sich dem größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte zu nähern. Unkonventionell deshalb, weil Pölking einen ungewöhnlichen Zugang zur Beantwortung seiner Fragen wählt. In einzelnen Kapiteln gibt es jeweils eine kurze Einführung, dann kommen Zeitgenossen Hitlers in Primärquellen zu Wort, in denen sich Leben und Wirken Hitlers in der jeweiligen Zeitspanne manifestiert. Diese Zeitgenossen reichen von einfachen Leuten bis zu Eliten aus Hitlers Apparat, von Widerstandskämpfern und überzeugten Nazis, von ausländischen Beobachtern hin zu Staatsmännern aus der Anti-Hitler-Koalition. So soll eine breit gefächerte Sammlung von Zeugnissen nebeneinander und ohne Wertung für sich sprechen, so dass der Leser erstens einen direkten Zugang bekommt und zweitens gezwungen ist, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Dieser Versuch, die Quellen sprechen zu lassen und nur die wichtigsten Lebensstationen kurz zu skizzieren, kann als gelungen gewertet werden. Dieser neue Zugang kann leicht auch auf andere Biographien angewendet werden; der Leser ist nicht mehr nur faktenaufnehmender Rezipient, sondern kann sich so aus Primärquellen und Zeugnissen noch mehr sein eigenes Bild machen.







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