Antifaschistische Geschichte hautnah - Zum neuen Buch von Max Brym


13.11.18
AntifaschismusAntifaschismus, Kultur, Bayern, TopNews 

 

Von Alexandra Cohen

Das neue Buch von Max Brym“ Verrat in München und Burghausen“ hat mir viele neue und wichtige Erkenntnisse geliefert. Der historische Tatsachen Roman spielt in München und Burghausen in den Jahren 1932-1935. Im Rahmen der allgemeinen Entwicklung baute Max Brym einen Romanhelden ein, der als Doppelagent für die KPD innerhalb der Nazi Partei tätig ist. Aufgrund seiner besonderen Kenntnisse ist der Held des Romans zunehmend im Widerspruch zur offiziellen Linie der KPD mit ihrer verheerenden Theorien vom „Sozialfaschismus der SPD“ und den nicht stattfinden Einheitsfrontaktionen von sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeitern, gegen die Faschisten. Aufwendige Recherche machte es dem Autor möglich sogar anhand der Entwicklung in Südostoberbayern klarzustellen: Die Geschichte hätte anders enden können. Die Arbeiter in Feldmoching bei München, aber auch die Arbeiter in Penzberg und in Burghausen warteten vergeblich auf Anweisungen sich mittels Generalstreik sowie gewaltsam gegen den Faschismus zu wehren. Jedoch zeichnet der Autor des Romans den heldenhaften Widerstand der lange stabilen klassenbewussten Arbeiterschaft in München, aber auch in der bayerischen Provinz gegen den Nazi Faschismus nach. Viele historische Personen werden dem Vergessen entrissen. Darunter Hermann Frieb nachdem in München eine Realschule benannt ist. Aber auch der Widerstand der KPD Mitglieder und Funktionäre wird ziemlich detailgetreue nachgezeichnet. Natürlich kommt ein Hans Beimler vor sowie Wilhelm Olschewski, Ludwig Ficker, Hans Hartwimmer und Franz Stenzer in München, dem ziemlich starken roten Arbeitermilieu in Südostoberbayern in Burghausen, Töging und sogar in Neuötting, wird gelacht. KPD Funktionäre und Mitglieder wie Heinrich Breu, Simon Vorburger, Ludwig Lankes und andere aus Burghausen spielen eine wichtige Rolle. Diese Menschen werden dem Vergessen entrissen. Sie erscheinen lebendig vor dem Augen des Lesers. In Burghausen vermöbelten sozialdemokratische und kommunistische Arbeiter im Juni 1932 die Nazis schwer. Sie wurden vom heute noch existierendem Gasthof Glöckelhofer den Stadtberg hinunter geprügelt. Dabei spielte der spätere Burghauser SPD Bürgermeister Georg Schenk, als Reichsbannerführer eine wichtige Rolle. Der KPD Reichstagsabgeordnete Hans Beimler nannte dies im Februar 1933 in Burghausen auf einer Veranstaltung ebenfalls im Glöckelhofer: „ Eine gelungene rote Einheitsfrontaktion“. Breit wird in dem Roman der Gestapo Spitzel Theo ( Max Troll) innerhalb der KPD beschrieben. In der Tat war es so, dass ab 1935-1936, die KPD de facto direkt von der Gestapo geführt wurde. Im Frühsommer 1936 zerschlug die Gestapo aufgrund der Spitzeltätigkeit von Theo aus Giesing faktisch den kommunistischen Widerstand in Südbayern, für einige Zeit. Aus dem beschriebenen ist viel zu lernen gerade auch für die heutige Zeit. Der Autor hat ein wirklich gelungenes Werk zur Geschichte der Arbeiterbewegung und dem Machtantritt der Nazis in Bayern geschrieben. Deutlich tritt im Buch zutage mit welcher Intensität sich der Autor mit dieser Zeit in Bayern und Deutschland beschäftigt hat. Die beschriebenen Fehler der KPD sowie die Kapitulation der SPD Führung vor dem Faschismus, sind eine ernste Mahnung für die heutige Zeit. Des Buches ist gut geschrieben leicht lesbar, der Autor versteht sich auszudrücken. An einigen Stellen hätte ein besseres Lektorat dem Werk gut getan. Dies wird allerdings in der zweiten Ausgabe korrigiert werden, die sich bereits im Druck befindet was bedeutet, dass das Buch bereits einen ziemlich breiten Leserkreis erreicht hat.



Alexandra Cohen München

Bestellungen unter http://www.bookra-verlag.de/b17.html







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