8. Mai 1945


Bildmontage: HF

07.05.10
AntifaschismusAntifaschismus, TopNews 

 

von Dieter Braeg

Am 1. Mai 1933, so wird oft verschwiegen, feierten Seit’ an Seit’ Gewerkschaften und NS-Arbeitsfront den 1. Mai.
Die deutsche Geschichte beginnt nicht im Jahre 1918. Aber genau in jenem Jahr, da war es vorbei mit dem Kaiserreich und die Weimarer Republik begann. Schon damals war das „Zusammenbruch“ und die Zerstörung der Weimarer Republik, Schritt für Schritt, war für jene die diesen begrenzt demokratischen Staat verteidigten, ein Zusammenbruch der gefeiert wurde. .

Für meine Mutter, Jahrgang 1917, war die Befreiung am 8. Mai 1945  vom verbrecherischen nationalsozialistischen Staat ein „Zusammenbruch“ oder eine "Niederlage".  Die Befreiung hatte für viele nur einen Sinn, ganz rasch zu erklären, von nichts gewusst zu haben.

Europa feierte und feiert den 8. Mai 1945 als einen Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus der eine großkapitalistische, rassistische und militärische Gesellschaft schaffen wollte,  nur das dumpfdeutsche Wesen an dem die Welt nie genesen möge, deutete diesen Tag als einen der Niederlage. Man war froh, dass der Krieg zu Ende war, „befreit“ aber, das empfand nur eine kleine Minderheit jenes Volkes, dem ein Bundeskanzler eine ganz eigenartige Aufarbeitung der jüngeren deutschen Geschichte verkündete, die er „Gnade der späten Geburt nannte“. 40 Jahre nach dem Untergang  und der Kapitulation des Verbrecherstaates hatten  Ronald Reagan und Helmut Kohl , dazu je ein General, vor den Kameras der Weltöffentlichkeit über deutschen Soldaten- und SS-Gräbern „feierlich“ Händedrücke ausgetauscht.  Da verkündete Reagan ein funkelndes „Jahrhundert des Unternehmers“ – im Weg stand damals noch das „Reich des Bösen“ – die Sowjetunion.
Am 9. Mai 1985 hielt Helmut Gollwitzer in der Paulskirche eine Rede der er den Titel „Der 8. Mai ist nie vorbei“  gab -  es lohnt sich über folgende Aussage aus dieser Rede nachzudenken:

„Hinfort gibt es keine deutsche Geschichte mehr, sondern nur noch eine Geschichte der Deutschen, dieses großen Volkes in der Mitte Europas, das nun zerteilt leben  wird in verschiedenen Staaten, in der Bundesrepublik Deutschland, in der Deutschen Demokratischen Republik, in Österreich, in der deutschen Schweiz, im Elsaß und in Luxemburg.  Zum Zentralstaat geeint, erst kleindeutsch, dann großdeutsch, wurde dieses Volk furchtbar für sich und für seine Nachbarn; vielfach zerteilt kann es fruchtbar werden für Europa. So ist die ‘deutsche Frage‘ heute beantwortet, nicht mehr ‘offen‘  - offen nur noch für diejenigen, die 1945 als Ende der deutschen Einheitsgeschichte nicht wahrhaben,  die den Krieg verspätet noch gewinnen wollen. Ihnen zu widerstehen und aus 1945 schonungslos die Konsequenz für die kulturelle Identität gegen die nationalstaatliche Identität der Deutschen zu ziehen, dem gesamteuropäischen (und nicht nur westeuropäischen) Frieden zugute, ist eine Aufgabe, die wir uns an diesem Gedenktag klarmachen sollen.“

Über das Ende des Weltkriegs am 8.5.1945 war die deutsche Bevölkerung froh, aber über die Art der Niederlage kam keine Freude auf. Mehr gefreut hat sich ein Teil Deutschlands, als es mit der DDR zu Ende ging.

Im Jahre 1995, vor 15 Jahren, stellte Jürgen Kuczynski zu diesem 8. Mai fest:
„Es folgte ein neuer Zusammenbruch - im Osten: Das System der DDR, in dem es einige wichtige sozialistische Elemente  - die soziale Sicherung der Bevölkerung vor allem -, ein kleines kapitalistisches Element, den Einzelhandelsmarkt, und weit überwiegend feudal-absolutistische Elemente gab - insbesondere das Fehlen einer Basisdemokratie (die Pressefreiheit war unter Friedrich dem Großen größer als in der DDR) und die Durchsetzung des Prinzips der Unfehlbarkeit des Fürsten bzw. des Politbüros.
Zugleich beobachten wir die Anfänge eines Zusammenbruchs des jetzt in ganz Deutschland herrschenden Systems der alten BRD: die ersten Schritte auf dem Weg in die Barbarei: permanente Massenarbeitslosigkeit, permanente Massenobdachlosigkeit, Abbau des Sozialsystems, zunehmende Drogensucht; zunehmende Kriminalität, sinkende Heiratsraten und Geburtenraten, die am Ende des nächsten Jahrtausends, wenn sie andauern, dazu führen werden, daß für die Gesamtheit aller Deutschen Platz in einer Großstadt sein wird.“


Heute zahlt eine solidarische „Zwangsgemeinschaft der Steuerzahler“  mehr als 300 000 in Vollzeit beschäftigten Männer und Frauen eine „Aufstockerleistung“ und insgesamt werden in Unternehmen Deutschlands 1,325 Millionen Berufstätige beschäftigt, die Hartz IV Leistungen brauchen um leben zu können. Diese Lohndrückerei, die nur der Profitmaximierung dient, wird mit insgesamt 10,9 Milliarden € subventioniert nicht von den Besitzerinnen und Besitzern der Produktionsmittel, nein da finanziert das Volk, das ja so gerne EIN Volk sein wollte, die Gewinne jener, die mit ihm noch nie was zu tun haben wollten.
 
Weil der Tag der Befreiung naht hier noch eine weitere Grausamkeit zur Veränderung der Geschichte. Im Bundesland Brandenburg, wo ROTrot regiert, wird die „Erst Thälmann-Gedenkstätte“ durch Abriss (Durchführung Kiesewetter GmbH) bedroht. Der geschichtsrevisionistische Akt wird durch die Polizei geschützt. Diese Gedenkstätte erinnert an den 7. 2. 1933. Da kam die KPD zu einer illegalen Versammlung im Sporthaus Ziegenhals zusammen. Ernst Thälmann hielt vor führenden Mitgliedern der Partei seine letzte Rede, bei der er zum gemeinsamen  entschlossenen Kampf mit der SPD gegen den Faschismus aufrief.
Thählmann wurde am 3.3. 1933 verhaftet – er wurde am 18. August 1944 im KZ Buchenwald ermordet.

Welch seltsame „Befreiung“ wird im Land Brandenburg toleriert?

Alois Vogel schrieb im Jahre 1995 das Gedicht „Zehn Fragen zu fünfzig Jahren“, hier die  IX. und  X. Frage:

„Man sagt, sie haben
Die Gnade der späten Geburt.
Sie können wählen:
Die Schule, die Partei,
ihren Lebensstil.
Sie haben gewählt.

Wie einst ihre Großväter
Wählten sie jene,
die ihnen die Wahl abnehmen,
den Lebensstil vorschreiben,
von der Auschwitzlüge sprechen.
Wer sagt ihnen endlich, dass
Dieser Weg in Stalingrad endet?

1946 sah ich
Viele Menschen in Wien
Mit dem roten Dreieck. *
Heute müssten sie fürchten,
von jenen in schwarzen Jacken
mit Totenkopfaufdruck,
zusammengeschlagen zu werden.

Die Leute in den zuständigen Ämtern
Zucken bedauernd die Achseln,
sie sprechen von Demokratie
und unüberlegten Jugendstreichen.

Denkt einer daran, wie
1933 die Demokratie starb?„

Wer protestiert,weil im deutschen Film und im Fernsehen, mehr und mehr die Privatisierung und Verharmlosung des Faschismus stattfindet?  Man täuscht „historische Authentizität vor, versichert „so war es wirklich“ und betreibt somit eine Entpolitisierung und Verharmlosung der verbrecherischen Nazizeit!  Der Film „Der Untergang“ in dem Adolf Hitler zum „Filmstar“ wird ist ein Beispiel,  wie man die jüngste deutsche Geschichte umdeutet und einer Erinnerungskultur zuführt, die jener „Zusammenbruchsideologie“ Tür und Tor öffnet, die anscheinend notwendig ist um reale Geschichte zu entsorgen.

Haben wir die Befreiung begriffen?
Wer will noch wissen, wie Demokratie gemordet wurde?


Dieter Braeg

* Das rote Dreieck mussten Widerstandskämpfer und Gefangene der Roten Armee in der NS Zeit tragen.


VON: DIETER BRAEG






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