"Zug der Erinnerung" im Düsseldorfer Hauptbahnhof


11.03.08
AntifaschismusAntifaschismus, Düsseldorf, News 

 

Großer Andrang am "Zug der Erinnerung" auf Gleis 6 im Düsseldorfer Hauptbahnhof. Die Ausstellung erinnert an die von den Nazis mit der Reichsbahn deportierten und in den Konzentrationslagern ermordeten Kinder.

Bei der Eröffnungsveranstaltung mit dem Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU), Vertretern der Jüdischen Gemeinde, der VVN, der Sinti und Roma und anderen Organisationen wurde Bahnchef Hartmut Mehdorn scharf angegriffen, weil die Deutsche Bahn AG als Rechtsnachfolger der Reichsbahn jeden gefahrenen Kilometer des "Zuges der Erinnerung" und sogar den Strom für die Beleuchtung der Bilder und Ausstellungsstücke in Rechnung stelle. Das erinnere an einen späten Finanzausgleich für die Kinder, die jünger als sechs Jahre alt waren und "kostenlos" in die Konzentrationslager gefahren wurden.

Neben der Darstellung des fürchterlichen Schicksals der ermordeten Kinder aus vielen Ländern Europas sind am Ende der Ausstellung aufschlussreiche Exponate zu sehen, die die Zeit nach 1945 beleuchten: Die Organisatoren der Reichsbahn-Deportation waren weitgehend entnazifiziert und gleich wieder im alten Beruf, manche sogar hoch geehrt.

Keine Auskunft gibt die Ausstellung über Hartmut Mehdorns persönliche "Verwicklung". Geboren wurde er am 31. Juli 1942 in Warschau, das von der NS-Wehrmacht überfallen und besetzt worden war. Einer der Besetzer war sein Vater, der Metall-Fabrikant Wolfgang Mehdorn.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG wurde 1999 vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ins Amt gebeten. 2006 bezog Mehdorn 3,184 Millionen Euro. Den "Zug der Erinnerung" hätte er bei diesem Gehalt aus seiner persönlichen Portokasse zahlen können, wenn er sich dazu moralisch verpflichtet sehen würde.

Uwe Koopmann







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