Jürgen Elsässer will eine bürgerlich nationalistische Querfront


Bildmontage: HF

19.05.14
AntifaschismusAntifaschismus, Debatte 

 

von Max Brym 

Die Montagsdemonstrationen in Deutschland, die Propaganda der Herren Elsässer, Jebsen und Lars Mährholz lösten eine neuerliche Debatte über die Querfrontstrategie der neurechten Bewegung aus.

In der Tat, für Herrn Elsässer und die oben genannten Personen gibt es keinen Gegensatz zwischen rechts und links mehr.

Im Mittelpunkt ihrer Agitation steht das Streben nach nationaler Einheit, spricht der Gemeinsamkeit zwischen Krupp und Krause. Der zur Schau gestellte Antikapitalismus ist nichts weiter als schmieriger Honig, um die Fliegen anzulocken. Für die Genannten ist die 'Fed'-Bank aus den USA, der Hauptfeind der Menschheit. Die oben genannten Personen treten für die Einheit aller Deutschen gegen die USA ein.

Die ständige Erwähnung bestimmter US Banken hat das Ziel den deutschen Imperialis- mus historisch und aktuell zu entlasten. Unterlegt wird das ganze mit der Propaganda, dass die „Bundesrepublik Deutschland eine Kolonie der USA „ sei. Hinter dieser Art von „Antikapitalismus“ erscheint ziemlich deutlich die Fratze antisemitischer Kapitalismus- kritik. Letzteres kann und darf behauptet werden, denn kein Antisemit nennt sich in der Regel Antisemit. Er schwadroniert höchstens über die „böse Rolle der Zionisten“.

Der Konflikt in Israel-Palästina ist dabei nur ein Vorwand, um Antisemitismus im neuen Gewand zu verkaufen. Herr K. Jebsen, schwadronierte in einem Interview über den „Antisemitismus der Juden“. Er warf ihnen vor sich als „auserwähltes Volk zu betrach- ten und Araber zu unterdrücken“. Jepsen selbst meinte: “Antisemitismus ist doch nicht verboten“. Dies bezog er auf Angriffe gegen sich. Das 'Compact Magazin' von Herrn Elsässer veranstaltet Konferenzen mit dem Rassisten Sarrazin und Frau Hermann.

Elsässer selbst tritt für eine „Einheit von Gauweiler bis Lafontaine“ ein. Letzteres ist ein spezifisches Querfrontkonzept. Die Montagsdemonstranten sind für die „Freundschaft mit Russland“ und fordern eine Politik des „deutschen Friedens“.
Auf den Demonstrationen gibt es keine Parteien mehr sondern nur noch Deutsche. All das wird zurecht Querfront genannt. Es ist aber an der Zeit dem Begriff historisch und aktuell zu klären.

Die Querfrontstrategie in der Weimarer Republik

Die Querfrontstrategie ist nichts Neues sie hat ihre Wurzeln in den Ideologen der „Konservativen Revolution“ der Weimarer Republik. Aus Wikipedia ist dazu einmal etwas richtiges zu lesen.
In der Internetplattform steht:
„1923 veröffentlichte der „jungkonservative“ Arthur Moeller van den Bruck sein Werk: 'Das Dritte Reich', in dem er einen zukünftigen autoritären deutschen Staat durch eine Verbindung von Nationalismus und Sozialismus propagierte. Deutschland solle sich der Sowjetunion öffnen und eine Ausrichtung auf westliche Werte, besonders auf die USA, ablehnen.“

Wer das Querfront Magazin 'Compac' liest muss zu dem Schluss kommen:
„Nichts Neues unter der Sonne“. Der letzte Reichskanzlei vor Hitler, General Schleicher versuchte ein so genanntes Kabinett der nationalen Einheit zu bilden.
Das Organ des so genannten linken Nazis Otto Strasser „Die schwarze Front“ schrieb dazu:
“Her mit der Revolutionsregierung, Schleicher, Gregor Strasser, Theodor Leipard, Graf Reventlow, Richard Scheringer“.

Der General Schleicher versuchte tatsächlich den Reichsorganisationsleiter der NSDAP Gregor Strasser, in die Regierung einzubinden. Dazu kommen sollte der ADGB - Gewerk- schaftsvorsitzende Theodor Leipart der völkische Abgeordneter Graf Reventlow und der damalige KPD Sympathisant Richard Scheringer. Bekanntlich ist dieses Manöver sowohl am Widerstand der Nazi Hauptströmung, sowie der sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeiter gescheitert.

Der angebliche Gegner des Faschismus Ernst Niekisch, unterstellte den Nazis - sich nicht deutlich genug von Rom zu distanzieren. Unter Rom und Jerusalem verstand der Chefideologe der Bewegung „Widerstand“ Ernst Niekisch: „Westliche und weibische Dekadenz“. Die Russland Sympathie von Elsässer geht konform mit der Ablehnung von Homosexualität und demokratischen Werten. Stets lobte Elsässer das “patriotische Russland“. Damit vertritt Elsässer objektiv eine bestimmte Fraktion innerhalb der deutschen Bourgeoisie.

Ernst Niekisch schrieb dazu 1932:
„Gegen Rom und Jerusalem, für ein Bündnis mit dem patriotischen Russland.“

Allerdings stellten sich die Befürworter dieses angeblichen Bündnisses, das Bündnis unter folgender Konstellation vor: „Ein russischer Rohstoffrumpf mit einem deutschtechnologischen Kopf.“ Bestimmte Fraktionen innerhalb der deutschen Bourgeoisie denken heute ähnlich. Immerhin gibt es 6000 deutsche Kapitalinvestitionsstandorte in Russland. Dieses Interesse an Russland wird kombiniert mit einer vollständigen Unterwerfung der Ukraine, unter das deutsch dominierte Europa.

Als Antwort auf diese Strategie versuchte der Konkurrent des deutschen Imperialismus, der US Imperialismus, jetzt den Konflikt deutlicher als vom deutschen Imperialismus geplant zuzuspitzen. Dagegen regt sich Widerstand innerhalb gewisser Teile der deutschen Bourgeoisie. Jürgen Elsässer ist aber nicht einfach ein Agent dieser Teile des deutschen Großkapitals. Er vertritt die Ideologie des reaktionären deutschen Kleinbürgertums. Dieses Kleinbürgertum war einst fast genauso wie heute empfänglich, für eine Propaganda, die den Kapitalismus und dem Bolschewismus ablehnte. Die Ideologen der „Konservativen Revolution“ versuchen dies auszunutzen. Alle Vorurteile und Ängste des Kleinbürgertums werden mittels einer bestimmten sozialen Demagogie auf völliger reaktionärer Grundlage bedient. Das reaktionäre an Elsässer ist nichts neues, sondern altbekannt.

Aktuelle Querfront Projekte in Europa

In der Zeit als Jürgen Elsässer noch für die „Junge Welt“ und das „Neue Deutschland“ schrieb unterstellte ihm der Autor dieser Zeilen, letztendlich Querfrontkonzeptionen zu propagieren. In Ex Jugoslawien speziell in Serbien gab es in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine reale Querfront. Die Regierungspartei unter Milosevic nannte sich „Sozialistisch“, gleichzeitig wurde ein enges Bündnis mit den faschistischen Tschetniks betrieben.

Dazu kam dann noch die Partei der serbischen Millionäre, die sich seltsamerweise “Jugoslawische Linke“ nannte. Die Klammer für das Bündnis war das Streben nach Großserbien - mittels einer wüsten nationalistischen Demagogie- gegen Bosnier und Albaner. Neben dieser nationalistischen Klammer gab es einem Pseudo-Antiimperialismus mit dem Hauptgegner USA.

Das nationalistische Querfront Bündnis in Serbien wurde von Elsässer und von weiten Teilen der Linken in Deutschland, ohne genau hinzusehen unterstützt. Die Klammer für diese Unterstützung bildete die billige Formel:“ Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ Elsässer hat aber im Gegensatz zu vielen innerhalb der deutschen Linken, das serbische Querfrontkonzept aus der damaligen Zeit verinnerlicht. Auch in Russland gibt es Gruppen, die sich „Nationalbolschewistisch„ nennen und einem Pseudo-Antiimperialismus frönen.

Die Querfront hat allerdings nichts mit der von der Komintern ab 1935 propagierten Volksfront zu tun. Die Volksfrontpolitik schwächte die Arbeiterbewegung. Die Querfrontideologen heute sehen weder in Deutschland, noch in Serbien, noch in Russland den Gegensatz zwischen links und rechts. Sie kennen nur noch das Volk, das es zu vereinen gilt.

Der bürgerliche Charakter der Querfront bei Elsässer

Im Gegensatz zu den weiterbehandelnden Querfrontlern - aus der Weimarer Republik verzichtet Elsässer weitgehend auf soziale Demagogie. Im 'Compact Magazin' wird zur Wahl der bürgerlichen Professorenpartei AFD aufgerufen. Die Propaganda von Elsässer und Jepsen richtet sich an verängstigte Kleinbürger mit bestimmten Ersparnissen. In diesen Kreisen gibt es Unmut gegen die EU Bürokratie und die EU Finanzmarktregulierung.

Diese Schichten haben Angst, um ihre Ersparnisse. Der Antikapitalismus der bürgerlichen Querfrontler bedient im wesentlichen diese Klientel. Selbstverständlich gibt es in diesen Kreisen eine enorme Offenheit gegenüber einer „geheimen Verschwörung“, die das - Ersparte des Kleinbürgers bedroht -. Als Gegner wird nicht der Kapitalismus genannt, sondern bestimmte Kreise in den USA. Jedes antisemitische Herz frohlockt über diese billigen Codewörter.

Klar ist es in diesen Kreisen, wer hinter dieser Bedrohung steht. Nicht umsonst attackierte Herr Mährholz auf seinem zwischenzeitlich gelöschten Eintrag im Internet den Baron Rothschild. Letztendlich hat aber die soziale Demagogie bei Elsässer und Jepsen gewisser Grenzen. Es gibt keine Attacken gegen Hartz IV und gegen die soziale Umverteilung in Deutschland. Ihre Propaganda richtet sich ausschließlich an das esoterisch- reaktionär-antisemitisch verseuchte Kleinbürgertum. Die offenen Nazis hingegen, versuchen demagogisch auch Fragen der sozialen Umverteilung, von unten nach oben aufzugreifen.

Dies geht Herrn Elsässer und Ken Jepsen zu weit. Sie versuchen den kleinbürgerlichen Mittelstand auf der Basis des Nationalismus hinter sich zu bringen. Das Spiel mit der sozialen Frage wie es offene Faschisten gemeinhin tun ist Ihnen zu gefährlich und passt nicht in das bürgerliche Querfrontkonzept. Das bürgerliche Querfrontkonzept führt den „Kulturkampf“ und den Kampf um eine andere Außenpolitik. Basis dafür ist der Nationalismus.

 


VON: MAX BRYM


Zu Max Brym - Querfront - 21-05-14 14:00




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