AfD erschleicht Unterstützungsunterschriften. Homophobie ist und bleibt ein Grundpfeiler des Konservatismus

21.06.13
AntifaschismusAntifaschismus, Soziales, Politik, TopNews 

 

von Frank Behrmann

Der Berliner Landesverband der „Alternative für Deutschland“ (AfD) hat das schwul-lesbische Motzstraßenfest genutzt, um Wahlwerbung für sich zu machen.

In zwei Tagen habe man 600 Unterschriften für eine Kandidatur bei den Bundestagswahlen ge- sammelt, meldet AfD-Pressesprecher Frank Hessenland.

'Und weiter behaupten die Berliner AfD-Fans für die Gleichstellung homosexueller Paare einzutreten:
„Die  Alternative für Deutschland steht ohne Vorbehalte zum Urteil des Bundesverfass- ungsgerichts zur steuerlichen Gleichstellung von Ehen hetero- und homosexueller Paare“ (so Christian Schmidt, stellvertretender Sprecher der Berliner AfD). Es komme darauf an, „jene Menschen staatlicherseits zu würdigen, die im Leben füreinander Verantwortung übernehmen. Dem trägt das Verfassungsgericht mit seinem Urteil erfreulicherweise Rechnung“, behaupten Frank Hansel, Schatzmeister, und Günter Brinker, Sprecher der AfD-Berlin (1).

Wer die AfD kennt, reibt sich verwundert die Augen. Haben diese Erzkonservativen ihr Weltbild gewandelt? Oder sind sie, wie sie selbst behaupten, gar nicht rechts? Gemach, gemach, das Dementi des Bundesvorstands der AfD folgte auf dem Fuße (2):

„WICHTIGE Mitteilung in eigener Sache
Der Vorstand der Alternative für Deutschland distanziert sich ausdrücklich von der Pressemitteilung zum Berliner Motzstraßenfest vom 19.6.2013. Die steuerliche Gleichbehandlung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ist ein politischer Nebenkriegsschauplatz und darf nicht en passant zu einer faktischen Entwertung der durch das Grundgesetz geschützten Ehe führen. Die Ehe ist aber eine Marke unseres Wertekanons, den wir schützen müss- en!
Der Bundesvorstand der Alternative für Deutschland“

Die Ehe für Homosexuelle, ihre Gleichbehandlung mit heterosexuellen Familien entwertet also aus AfD-Sicht die Ehe und gehört nicht zum „Wertekanon“ der Partei! Die Berliner AfDler haben also Unterschriften mit unwahren Behauptungen über die Positionen der AfD gesammelt!

Konnten die Berliner AfDler etwa nicht wissen, wir ihr Parteivorstand denkt? Eigentlich nicht, denn im Parteiprogramm ist zu lesen: „Deutschland hat zu wenig Kinder. Renten- und Krankenversicherung stehen deshalb auf tönernen Füßen. Deutschland muss kin- der- und familienfreundlicher werden. Wir stehen für den Schutz der Familie als Keim- zelle der Gesellschaft. Eine solidarische Förderung der Familien ist eine Investition in unsere gemeinsame Zukunft und wesentlicher Teil des Generationenvertrages.“

Die Floskel von „der Familie als Keimzelle der Gesellschaft“ meint immer die traditionelle Familie mit Vater, Mutter, Kindern. Dass die AfD das auch genauso meint, beweist die Erklärung ihres Bundesvorstands.

Die AfD hängt einem traditionalistischen Familienbild an. Ein Menschenbild, das sie mit anderen rechten Kräften teilt. Es richtet sich gegen die Gleichheit der Menschen im All- gemeinen und gegen die Gleichberechtigung Homosexueller im Besonderen. Umso mehr muss die Aufregung auf der Facebook-Seite der AfD über diese Vorstandserklärung ver- wundern. Mehrheitlich sind die DiskutantInnen gegen die Gleichstellung homosexueller Paare, teilweise aggressiv homosexuellenfeindlich. Einzelne vertreten liberalere Auffass- ungen und äußern sich sehr besorgt, wohin ihre Partei treibt. Die haben ganz offen- sichtlich den reaktionären Charakter der AfD nicht wahrgenommen und werden gerade in die Realität zurück gerufen.

Die liberale Camouflage beginnt zu bröckeln. Die AfD erscheint zunehmend als das, was sie ist: eine Sammlungspartei für alle, denen die CDU zu „links“ geworden ist, die sich mit der programmatischen Modernisierung, der sich der Unions-Konservatismus nicht entziehen konnte, nicht abfinden wollen.

(1) Nach „Bundespresseportal“ vom 19.6.13
(2) Erklärung des BV der AfD auf der AfD-Facebook-Seite am 21.6.13

PS: Es gibt auf 'Facebook' eine empfehlenswerte Anti-AfD-Seite:
www.facebook.com/GegenDieAlternativeFuerDeutschland


VON: FRANK BEHRMANN






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