Gedenktafel in Sachsenhausen für Opfer Wehrmachtjustiz


Bildmontage: HF

01.05.13
AntifaschismusAntifaschismus, Brandenburg 

 

von Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz

EINLADUNG in die Gedenkstätte Sachsen- hausen, Mittwoch, 8. Mai 2013, um 15.00 Uhr

Wegen Kriegsdienstverweigerung, Wehrkraftzer- setzung und Fahnenflucht wurden in der NS- Zeit über 20.000 Menschen hingerichtet, allein im KZ Sachsenhausen mehr als 1.000.

Anläßlich der dortigen Enthüllung/Einweihung der Gedenktafel für die Opfer der NS- Militärjustiz informieren wir mit folgender Stellung- nahme kurz zum historischen Hintergrund:

Im Konzentrationslager Sachsenhausen waren in der NS-Zeit etwa 300 Zeugen Jehovas inhaftiert, die aus Glaubens- und Gewissensgründen den vom NS-Regime geforderten „Wehrdienst“ verweigerten. Mehr als 250 Zeugen Jehovas haben diese Verweigerung mit ihrem Leben bezahlt. Als erster Kriegsdienstverweigerer wurde am 15. September 1939 August Dickmann demonstrativ hingerichtet.

Die Standhaftigkeit und Leidensbereitschaft der Angehörigen dieser Glaubensgemein- schaft hat ein eindrückliches Zeichen für die Nachwelt gesetzt. Das Grundrecht nach Artikel 4 Absatz 3 Grundgesetz, „niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden“, verdankt seine Entstehung nicht zuletzt auch die- sem blutigen Zeugnis.

„Schrecken der Truppenführer“(1) waren auch andere Menschen, die nicht Soldat wer- den wollten oder durch „störendes Verhalten einem ungeliebten Militärdienst zu entrin- nen suchten“. Ins KZ Sachsenhausen – wie in viele andere KZs – wurden Soldaten der Wehrmacht überstellt und als „Sonderabteilung Wehrmacht“ (SAW) zusammengefasst, die als „schwer erziehbar“, „Gefahr für den Geist der Truppe“, oder wegen ihrer „ge- samten Einstellung als unerwünscht“ galten.

Ein Jahr nach Einführung der Wehrpflicht waren ab 1936 die Sonderabteilungen einge- richtet worden, Ende 1937 erhielten sie das „Recht“, bei Soldaten, die sich „böswillig allen Erziehungsmaßnahmen widersetzen“, die Einweisung ins KZ-System vorzunehmen. Im KZ-System der SS galt die „Erziehung dieser Leute als abschreckender und deshalb erfolgreicher“ als anderenorts. Die „SAWler“, die sich im Häftlingsjargon selbst „Solda- tenauswurf“ nannten, wurden von ihren SS-Bewachern „hart drangsaliert“; ihr Arbeits- einsatz als „Drückeberger“ und „Feiglinge“ wurde als Komplement für den Fronteinsatz gesehen, was die Inkaufnahme - wenn nicht die Herbeiführung - ihres Todes einschloss. Im KZ Sachsenhausen betraf das etwa 800 Gefangene.  

Auch wenn nicht in jedem Einzelfall dieser NS-Opfergruppe eine „formale“ Verurteilung durch die NS-Militärjustiz erfolgte, so war doch jedes einzelne Schicksal den Bedingung- en eines Unrechtsrahmens unterworfen, an dem die Wehrmachtjustiz entscheidend mit- wirkte. - 

1) Hans-Peter Klausch, Von der Wehrmacht ins KZ: Die Häftlingskategorien der SAW- und Zwischenhaft-Gefangenen, in: Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland, Bd. 13, Bremen 2012; 67 (– 105)

Details zum Programm:
www.bv-opfer-ns-militaerjustiz.de/uploads/Dateien/Veranstaltungen/EldgSachsenhsn20130508.pdf 

www.bv-opfer-ns-militaerjustiz.de/index.php?page=pressemitteilungen 

www.bv-opfer-ns-militaerjustiz.de/uploads/Dateien/Pressemitteilungen/PMBV20130430final.pdf

www.bv-opfer-ns-militaerjustiz.de

 

 

 


VON: BUNDESVEREINIGUNG OPFER DER NS-MILITÄRJUSTIZ






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