Die Zusammenkunft der Querfrontler

18.04.12
AntifaschismusAntifaschismus, Kultur, TopNews 

 

von reflexion-blog

Nach­dem eine Mail des RBB-Radiomoderators Ken Jeb­sen ver­öf­fent­licht wor­den war, ver­lor die­ser — nach eini­ger Zeit — tat­säch­lich sei­nen Job. Jeb­sen hatte in der Mail unter ande­rem geschrie­ben, dass er wis­sen würde, „wer den holo­caust als PR erfun­den hat”.

Jeb­sen machte hier den jüdi­schen Auto­ren Edward Ber­nays ver­ant­wort­lich. Außer­dem betrieb Jeb­sen, der sich an ande­rer Stelle als „Über­zeu­gungs­tä­ter” bezeich­net, anti-amerikanische Ver­schwö­rungs­pro­pa­ganda. Jeb­sen schrieb im Rah­men einer sehr deut­schen Schuld­um­kehr: „ich weiß, wer wäh­rend des gesam­ten Krie­ges Deutsch­land mit Bom­ber­sprit ver­sorgt hat. Stan­dar­doil, also Rockefeller”. 

Zuvor hatte der Radio­mo­de­ra­tor Jeb­sen, mit ganz ähnli­chen Inhal­ten, im Radio Fritz des RBB eine Markt­lü­cke gefüllt. Er machte jah­re­lang Radio­sen­dun­gen für Ver­schwö­rungs­fans: Dank der Umdeu­tung des 11. Sep­tem­bers 2001, der Kon­struk­tion angeb­li­cher „Eli­ten” und einer unver­hoh­lene Hetze gegen die USA und Israel war Jeb­sen zu einer klei­nen Ikone des ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen Milieus avan­ciert, ohne dass sich die Pro­gramm­ver­ant­wort­li­chen des staat­li­chen Rund­funk­sen­ders an der Sen­dung stör­ten. Dort war, im Zusam­men­hang der mör­de­ri­schen Ter­ror­an­schläge vom 11. Sep­tem­ber 2001, von der „Ter­ror­lüge” die Rede, die Ter­ror­or­ga­ni­sa­tion Al-Qaida wurde als „Unab­häng­keits­or­ga­ni­sa­tion” bezeich­net.

Jeb­sen for­derte außer­dem ein durch Is­ra­el ge­schaf­fe­nes Yad Vas­hem in „Pa­läs­ti­na“, das „all der pa­läs­ti­nen­si­schen Opfer ge­denkt, die durch is­rae­li­sche Be­sat­zung um­ge­kom­men sind“. Ein „zu­kunf­ti­ger is­rae­li­scher Prä­si­dent“ solle dort nie­der­kni­en, „wie einst Willy Brandt“ in War­schau. Mit die­ser For­de­rung ver­harm­loste Jeb­sen das deut­sche Mensch­heits­ver­bre­chen, wäh­rend er gegen Israel hetzte.

Ken Jeb­sen pro­pa­gierte Res­sen­ti­ments, die in Deutsch­land weit ver­brei­tet und mehr­heitsf­fä­hig sind. Daher wurde, im ver­gan­ge­nen Jahr, die Abset­zung sei­ner Sen­dung durch empörte Arti­kel und einen Shits­torm sei­ner Grou­pies beglei­tet.

Der Blog­ger Jacob Jung schrieb bei­spiels­weise auf der Inter­net­seite des links­li­be­ra­len „Frei­tag” ein Lob­lied auf Ken Jeb­sen, der angeb­lich „auf das Lei­den von Ver­folg­ten und Armen auf­merk­sam” machen würde. Auf einer Web­site der Ver­schwö­rungs­szene wird das Bild eines „enga­gier­ten und kri­ti­schen Jour­na­lis­ten” gezeich­net und auf ver­schie­de­nen Nazi-Seiten wer­den die Sen­dun­gen des Radio­mo­de­ra­to­ren bis heute gefeiert.

Der Radiomoderator, zu des­sen Kenn­zei­chen ein rat­tern­der, äußerst schnel­ler Sprach­stil gehört, hatte letzt­end­lich sei­nen Job beim öffentlich-rechtlichen RBB, nicht aber seine Fans ver­lo­ren. So ist es nicht ver­wun­der­lich, dass Jeb­sen wei­ter­hin krude Ver­schwö­rungs­my­then ver­brei­tet, zwar nicht mehr im RBB, aber auf sei­ner Inter­net­seite, mit zahl­rei­chen Youtube-Filmchen und in den Zeit­schrif­ten des ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen Mileus. Auf sei­ner Inter­net­seite umwirbt Jeb­sen seine Fans.

Diese sol­len einen Jah­res­bei­trag von 20 Euro bezah­len, um wei­ter­hin mit den Sen­dun­gen ver­sorgt zu wer­den: „Wir ver­ste­hen uns als euer Sprach­rohr, und wir wol­len diese Auf­gabe auch in der Zukunft für euch auf­grei­fen”, heißt es auf der Inter­net­seite des ehe­ma­li­gen RBB-Moderatoren. Bis­lang seien etwa 10.000 Euro ange­gan­gen, sagt Jeb­sen in einem Video, mit dem er um die Kohle sei­ner Hörer_innen bet­telt, damit sie ihm sei­nen Süd-Amerika-Trip finanzieren. Apropos Kohle: In einem sei­ner neue­ren Videos zur „Geld­sen­dung” kommt Franz Hör­mann aus­führ­lich zu Wort. Für die­sen Pro­fes­so­ren ist „die Frage des Geno­zids zur Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus nicht end­gül­tig geklärt”.

Wäh­rend Ken Jeb­sen seine Ziel­gruppe umwirbt und um Geld bet­telt, mel­de­ten sich auch andere zu Wort, die dem Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen einige Ange­bote mach­ten. So ver­öf­fent­lichte die Anti-Feministin Eva Her­man, die für den rech­ten Kopp-Verlag schreibt, einen offe­nen Brief. In die­sem Brief stellte die anti-feministische Ikone einige Gemein­sam­kei­ten mit der ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen Ikone her. Sie zog eine Tra­di­ti­ons­li­nie, die Jeb­sen mit ande­ren rech­ten Pro­pa­gan­dis­ten ver­bin­det und erin­nerte an Mar­tin Hoh­man, Jür­gen Möl­le­mann und sich selbst.

Außer­dem bet­telte sie um ein Inter­view und umwarb den ehe­ma­li­gen RBB-Moderatoren mit war­men Wor­ten: „Hal­ten Sie durch, Herr Jeb­sen, Sie sind nicht alleine. Auch wenn Sie durch schwere Zei­ten müs­sen, so scheint doch schon das Licht am Ende des Tun­nels. Noch vor kur­zem hätte dies auch die ent­ge­gen­kom­mende Loko­mo­tive sein kön­nen, doch jetzt gibt es berech­tigte Hoff­nung auf Erho­lung: Die Zeit der Wahr­heit naht”.

Auf die­sen offe­nen Brief rea­gierte der Radio­mo­de­ra­tor aller­dings nicht. Dafür stellte er sich einige Monate spä­ter einem Quer­front­ler zur Ver­fü­gung, der eben­falls an der Umdeu­tung der Ereig­nisse des 11. Sep­tem­bers 2001 arbei­tet. Es han­delt sich um den Anti-Antideutschen Jür­gen Elsäs­ser, der mit sei­nem „Com­pact”–Maga­zin in etwa das betreibt, was Ken Jeb­sen in sei­ner Radio­sen­dung machte Beide pro­pa­gie­ren die Umdeu­tung der Ereig­nisse des 11. Sep­tem­bers 2001.

Für das „Com­pact”–Maga­zin schrei­ben ver­schie­dene Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen, wie zum Bei­spiel der ehe­ma­lige Akti­vist der anti­se­mi­ti­schen BÜSO, Webs­ter Tar­p­ley. Die­ser macht Geheim­dienste, von CIA bis zum MOSSAD, für ver­schie­dene Revol­ten, von 1968 bis 2011, ver­ant­wort­lich. Im „Com­pact”–Maga­zin kam auch Ste­phan Steins zu Wort, der ansons­ten eine Inter­net­seite namens „Die Rote Fahne” betreibt, auf der der Tod des grei­sen Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß im Sinne der Nazi-Szene umge­deu­tet wird.

Elsäs­ser arbei­tet selbst an einer gro­ßen Gemein­schaft, die „Linke, Rech­te“ und „Re­li­giö­se“ umfas­sen soll. Ein gemein­sa­mer Nen­ner die­ser Quer­front ist ein unver­hoh­le­ner Anti­se­mi­tis­mus und eine Abwehr der deut­schen Schuld, bei­des wird von Jür­gen Elsäs­ser ganz beson­ders gerne bedient: „In wel­che Berei­che will sich der Zen­tral­rat noch ein­mi­schen, um uns das biß­chen Spaß, das uns geblie­ben ist, zu ver­mie­sen! Die heute Leben­den haben mit Ausch­witz nichts zu tun”, schreibt die­ser Het­zer auf sei­ner Inter­net­seite gegen den Zen­tral­rat der Juden an

An sei­ner Quer­front betei­ligt sich nun auch Ken Jeb­sen. In der aktu­el­len Aus­gabe des „Com­pact”–Maga­zins vom April 2012 fin­det sich ein aus­führ­li­ches Inter­view mit dem rat­tern­den Radio­mo­de­ra­to­ren. Doch damit nicht genug. Elsäs­ser kün­digt außer­dem eine gemein­same Ver­an­stal­tung an. „Ken Jeb­sen, ein rhe­to­ri­sches Maschi­nen­ge­wehr, wird aus sei­nen Tex­ten lesen und anschlie­ßend mit mir über poli­ti­sche Zen­sur in deut­schen Medien dis­ku­tie­ren”, heißt es auf der Inter­net­seite des Jür­gen Elsäs­ser. Ken Jeb­sen ist also dort ange­kom­men, wohin es ihn schon immer zog.

Er wird, am 12. April 2012 im Viet­haus Ber­lin, mit dem Quer­front­ler Jür­gen Elsäs­ser auf­tre­ten, um seine kru­den Ver­schwö­rungs­my­then zu pro­pa­gie­ren. Viel­leicht wird Jeb­sen dort auch dar­über spre­chen, wer „den holo­caust als PR erfun­den hat”. Der Bei­fall des Quer­front­lers und sei­ner Anhänger_innen, unter ihnen auch der NPD­ler Uwe Mee­nen und die natio­na­lis­ti­sche Rap­pe­rin Dee Ex, die regel­mä­ßig die „Com­pact”–Ver­an­stal­tun­gen besu­chen, dürfte ihm gewiss sein.

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VON: REFLEXION-BLOG


Gegendarstellung von Stephan Steins zu „Die Zusammenkunft der Querfrontler“  - 19-04-12 14:03




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