Zur Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße in Bergisch Gladbach - Refrath durch die Gruppe conflict


Bildmontage: HF

29.11.10
AntifaschismusAntifaschismus, NRW 

 

von Alex Fenden

Die „Agnes-Miegel-Straße“ in Bergisch Gladbach Refrath wurde heute mit einem selbst gebastelten Namensschild von der Gruppe conflict überklebt und in „Erna-Kahn-Straße“ umbenannt.

In Bergisch Gladbach sind viele Straßen nach bedeutenden Menschen benannt. Menschen, die Großes geleistet haben und an die man sich erinnern soll. Darunter befinden sich auch WiderstandskämpferInnen gegen den Nationalsozialismus und Verfolgte des nationalsozialistischen Staates.
Andere Straßen und Plätze tragen Namen bekannter WissenschaftlerInnen und Kulturschaffender Persönlichkeiten.

In Refrath jedoch ist eine Straße nach Agnes Miegel benannt. Miegel war Dichterin, Schriftstellerin, Journalistin und Autorin. In ihren Texten brachte sie immer wieder einen positiven Bezug zur nationalsozialistischen Ideologie und zu Adolf Hitler zum Ausdruck, sodass sie schnell zum Aushängeschild des Nationalsozialismus avancierte und bis heute in extrem rechten und (neo)nazistischen Kreisen angesehen ist.

Die Alliierten belegten sie nach dem Krieg mit einem Berufsverbot – in der Bundesrepublik konnte sie trotz dessen ungebrochen ihre Karriere fortsetzen und das, obwohl sie stets in Kontakt zu rechtsradikalen und neonazistischen Kreisen stand. Beliebt war sie in „Vertriebenenkreisen“, sie verfasste Exklusivbeiträge für die Zeitschrift „Nation Europa“ und das „Collegium Humanum“, einem Verein, welcher durch Antisemitismus und Holocaustleugnung auffiel und 2008 in Deutschland verboten wurde. Dieser widmete ihr sogar eine eigene Veranstaltung.

Erna Kahn war eine jüdisch-stämmige Hausangestellte aus Bergisch Gladbach, die über Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort 1943 ermordet wurde.

Die Gruppe conflict will sich dafür einsetzen, dass die nach einer Nationalsozialistin benannte Straße dauerhaft den Namen eines Opfers des Nationalsozialismus aus Bergisch Gladbach trägt. Die AnwohnerInnen der Straße erhielten Briefe und wurden so über die provisorische Umbenennung und deren Hintergründe in Kenntnis gesetzt. In mehreren Städten wurden bereits nach Miegel benannte Schulen und Straßen umbenannt.

So z.B. in Bielefeld, Erlangen, Wilhelmshaven, Neuenkirchen, Willich und Düsseldorf. In der Sitzung vom 27.10.10 hat auch der Rat der Stadt Erftstadt mit 13:2 Stimmen für eine Umbenennung der Agnes-Miegel Straße in Erftstadt gestimmt.

„Es kann nicht sein, dass einerseits Straßen in Bergisch Gladbach nach WiderstandskämpferInnen im Dritten Reich benannt werden und gleichzeitig eine bekennende Nationalsozialistin und Verehrerin Adolf Hitlers als Namensgeberin fungiert“, erklärt der 19-Jährige Julian Peter von der Gruppe conflict.


VON: ALEX FENDEN






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