Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar

15.01.12
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von antifa

Internationaler Holocaust-Gedenktag


Auschwitz ist das Synonym für den Massenmord der Nazis an den europäischen Juden. Auschwitz ist Ausdruck des Rassenwahns und das Kainsmal der deutschen Geschichte.

Am 27. Januar 2012 jährt sich die Befreiung des "Konzentrationslagers" Auschwitz durch die Rote Armee.
Der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz wurde 1996 auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog offizieller deutscher Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Die Vereinten Nationen erklärten den 27. Januar im Jahr 2005 zum internationalen Holocaust-Gedenktag.

Der 27. Januar ist kein Feiertag im üblichen Sinn. Er ist ein "DenkTag": Gedenken und Nachdenken über die Vergangenheit schaffen Orientierung für die Zukunft.

Konzentrationslager - für die braunen Machthaber dienten sie von Anfang an einem simplen Zweck: Hier wurden seit Anfang 1933 alle Andersdenkenden und Gegner des Regimes konzentriert: Kommunisten und Sozialdemokraten, Zeugen Jehovas, oppositionelle Priester und Pastoren, politisch unliebsame Juden, Sinti, Roma und Homosexuelle. Seit 1941 dienten Konzentrationslager der unfassbaren Vernichtung von Millionen Menschen.

Die beste Versicherung gegen Völkerhass, Totalitarismus, Faschismus und Nationalsozialismus ist und bleibt die lebendige Erinnerung an und die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte.

"Ich wünsche mir, dass der 27. Januar zu einem Gedenktag des deutschen Volkes, zu einem wirklichen Tag des Gedenkens, ja des Nachdenkens wird. Nur so vermeiden wir, dass er Alibi-Wirkungen entfaltet, um die es uns am allerwenigsten gehen darf. Eine Kollektivschuld des deutschen Volkes an den Verbrechen des Nationalsozialismus können wir, wie ich schon sagte, nicht anerkennen; ein solches Eingeständnis würde zumindest denen nicht gerecht, die Leben, Freiheit und Gesundheit im Kampf gegen den Nationalsozialismus und im Einsatz für seine Opfer aufs Spiel gesetzt haben und deren Vermächtnis der Staat ist, in dem wir heute leben.

Aber eine kollektive Verantwortung gibt es, und wir haben sie stets bejaht. Sie geht in zwei Richtungen:

  • Zunächst darf das Erinnern nicht aufhören; denn ohne Erinnerung gibt es weder Überwindung des Bösen noch Lehren für die Zukunft.
  • Und zum andern zielt die kollektive Verantwortung genau auf die Verwirklichung dieser Lehren, die immer wieder auf dasselbe hinauslaufen: Demokratie, Rechtsstaat, Menschenrechte, Würde des Menschen."

Roman Herzog am 19. Januar 1996 im Deutschen Bundestag

Ansprache des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 19. Januar 1996 im Deutschen Bundestag

"Erinnern tut weh. Es löst Entsetzen aus und lässt uns verstummen und aufschreien zugleich. Sich den bedrückendsten Wahrheiten unserer Geschichte zu stellen, ist unverzichtbar. Dazu verpflichten uns die Opfer, ihre Angehörigen und Nachkommen. Aber es ist auch für uns selbst notwendig, damit wir den unauflöslichen Zusammenhang von Erinnerungs- und Zukunftsfähigkeit begreifen.
Wir wissen aber auch um die erneuten Gefahren von Nationalismus, Antisemitismus, Rassenhass und Fundamentalismus bei uns in Deutschland und anderswo - Tag für Tag. Und wir wissen, wie sehr politische Wachsamkeit gefordert ist. Es ist unsere Pflicht, über den Holocaust aufzuklären, um eine Wiederholung dieser grauenhaften Geschehnisse zu verhindern. Gerade viele der jungen Generation wollen wissen, was geschehen ist. Sie wollen die Erinnerung daran wach halten. Sie möchten bewusst machen, vorbeugen und verhindern. Die Jugendlichen wollen diese Aufgaben mit Leben erfüllen, weil die Gefahren und Gefährdungen, die durch Radikalismus. Extremismus, Menschenverachtung und nationale Hybris entstehen, mit dem Ende des Nationalsozialismus nicht für immer beseitigt wurden."

(Prof. Dr. Rita Süßmuth)

Dass der 27. Januar als "DenkTag" unverzichtbar ist und dass immer wieder an die Verbrechen des Nazi-Regimes erinnert werden muss, zeigte z.B. ein Eklat im Landtag von Sachsen am 21. Januar 2005: Während einer Schweigeminute für die Opfer der Nazi-Diktatur verließen die ewiggestrigen Abgeordneten der rechtsextremen NPD den Saal und verweigerten damit Nazi- und Kriegsopfern das Gedenken. Kurz darauf bezeichnete der NPD-Abgeordneter Jürgen Gansel die Angriffe der Alliierten auf Dresden als "Bomben-Holocaust". Seine Partei, so Gansel, wolle ihre Mandate im Landtag in den kommenden Jahren dazu nutzen, "mächtige Schneisen in das Dickicht antideutscher Geschichtslügen zu schlagen".

Die NPD tritt weiter als Vertretung aller Geschichtsverdreher im Parlament auf, ihr Mandat missbrauchen die Abgeordneten zu Hetzreden gegen andere Völker, um von der Schuld des eigenen abzulenken und ihr braunes Süppchen zu kochen, wohl wissend, dass sie für ihre Äußerungen vor dem Parlament aufgrund ihrer Indemnität (Freiheit der Abstimmung und Redefreiheit im Parlament Art. 55 Abs. 1 SächsVerf) nicht belangt werden können. Hinter einer solchen Rhetorik steht offenkundig der Versuch, den Holocaust zu verharmlosen, Leid gegen Leid aufzuwiegen und die historische Verantwortung Deutschlands zu relativieren. Die NPD bedient damit bewusst den Teil der Deutschen, die eine latent antisemitische Grundeinstellung (s.u.) haben.

Antisemitische Grundeinstellung

Jeder fünfte Deutsche ist latent antisemitisch. Dies war das erschreckende Ergebnis einer Forsa-Studie im Auftrag des stern im November 2003. Befragt wurden 1301 Bundesbürger. Bereits 1998 wurde die Studie mit den gleichen Fragestellungen schon einmal durchgeführt, so dass sich Veränderungen über die Einstellung der Deutschen zu den Juden ablesen lassen. Demnach ist der Anteil der Deutschen mit "latent antisemitischen" Einstellungen von 20 auf 23 Prozent gestiegen. Die Befragten konnten bei ihren Antworten aus einer siebenstufigen Skala auswählen von "trifft überhaupt nicht zu" (Skalenwert 1) bis "trifft voll zu" (Skalenwert 7).

Wer Skalenwerte von 5 bis 7 angekreuzt hat, wird als "latent antisemitisch" eingestuft. Auf die bewusst provokant gestellte Frage, ob viele Juden versuchten, aus der Vergangenheit des Nationalsozialismus ihren Vorteil zu ziehen und die Deutschen dafür zahlen zu lassen, antworteten sogar 36 Prozent der Befragten insgesamt mit ja (1998: 41 Prozent), 89 Prozent der Befragten mit antisemitischen Einstellungen waren dieser Meinung. Und 28 Prozent insgesamt glauben, dass Juden auf der Welt zu viel Einfluss haben (1998: 21 Prozent), 81 Prozent der Gruppe mit einer ausgeprägten antisemitischen Haltung stimmten dem zu. 1998 war der Anteil derer, die eine positive Entwicklung bei den Einstellungen gegenüber den Juden zu sehen glaubten, mit 49 Prozent deutlich größer als 2003 (36 Prozent). Heute glauben 30 Prozent, die Einstellung zu den Juden sei negativer geworden (1998: 15 Prozent) Wie aus der Studie weiter hervorgeht, meinen 16 Prozent aller Bundesbürger, die Juden hätten in der Vergangenheit nicht mehr durchgemacht als andere auch. Ferner stimmen 61 Prozent (1998: 63 Prozent) der Auffassung zu, dass 58 Jahre nach Kriegsende nicht mehr so viel über die Judenverfolgung geredet, sondern endlich ein Schlussstrich unter die Vergangenheit gezogen worden sollte.

Wissen über Auschwitz

Alphons Silbermann und Manfred Stoffers stellen in ihrer Untersuchung "Auschwitz: Nie davon gehört? Erinnern und Vergessen in Deutschland" von 1997 fest: "Millionen Menschen wurden umgebracht, und nur knapp ein halbes Jahrhundert nach diesem Massenmord können nur 70 Prozent eines repräsentativen Bevölkerungsquerschnitts die Gründe dafür benennen."

In einer Emnid-Studie, für die im Mai Mai 1997 im gesamten Bundesgebiet 2.200 Interviews durchgeführt wurden, waren die Ergebnisse teilweise erschreckend. Zwei Fragen bezogen sich auf das Konzentrationslager Auschwitz, sechzehn Fragen galten dem KZ-System im Allgemeinen.

7,4 Prozent der 14-50jährigen und 3,6 Prozent der über 50jährigen wissen ohne Antwortvorgabe nicht, "wer oder was Auschwitz ist".  Bei den 14-17jährigen waren es sogar 23 Prozent. Dass unter allen Befragten 5,8 Prozent nichts mit dem Begriff "Auschwitz’ verbinden können, bedeutet hochgerechnet auf die deutsche Gesamtbevölkerung etwa drei Millionen Menschen ab 14 Jahren. Auf die weitere Frage, wo sich das Konzentrationslager Auschwitz geographisch konkret befand, konnten 25 Prozent keine Antwort geben; auch hier sind die Älteren etwas besser informiert als die Jüngeren. 2,1 Prozent der Befragten (aber 7,9 Prozent der 14-17jaehrigen) waren überzeugt, es habe außer Auschwitz keine anderen Konzentrationslager gegeben. Rund 20 Prozent konnten keinen anderen Ort eines Konzentrationslagers selbständig nennen.

Etwas besser war das Ergebnis bei der Frage nach der zeitlichen Einordnung: 82,3 Prozent der 14-50jährigen und 85,4 Prozent der über 50jährigen konnten korrekt einschätzen, wann es Konzentrationslager gab.
Auffallend waren die Vorstellungen darüber, welche Personengruppen inhaftiert wurden. 88 Prozent der Befragten insgesamt nannten die Juden; mit großem Abstand wurde auf Oppositionelle (22 Prozent) sowie auf Sinti und Roma (19 Prozent) verwiesen. Dabei konnten 15,1 Prozent aller Befragten (26,1 Prozent der 14-17jährigen) keine Gründe für die KZ-Haft ausmachen.
Bei der Frage, wie viele Menschen in Konzentrationslagern umgekommen waren antworteten 21,8 Prozent mit "Weiß nicht", 8,4 Prozent schätzten "10 Millionen und mehr", 30 Prozent waren in der Lage, eine halbwegs realistische Größenordnung zwischen vier und sieben Millionen Ermordeten anzugeben. Immerhin 88,2 Prozent wussten hingegen, dass die Ermordung in den Lagern nicht auf der Grundlage von Gerichtsurteilen stattfanden. Ob wohl heute eine Befragung bessern ausfallen würde?

Silbermann, Alphons / Stoffers, Manfred, Auschwitz: Nie davon gehört? Erinnern und Vergessen in Deutschland, Berlin 2000.
Rezension: Kirsch, Jan-Holger, in H-Soz-u-Kult, 28.02.2000


90-jähriger Kriegsverbrecher soll doch in Haft:
http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/90-jaehriger-Kriegsverbrecher-soll-doch-in-Haft-id18292831.html

Ehrung für Oswald Gundelach durch die Bayerische Staatsregierung (Kriminaloberassistent Oswald Gundelach, Mitarbeiter der Gestapo Würzburg, begleitete im 2. Weltkrieg den Transport mainfränkischen Juden in die Vernichtungslager bis nach Lublin.)
gavagai.de/korrupt/HHD32OG.htm

27. Januar – Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (Gedenkstunde des Deutschen Bundestages am 27. Januar 2011
Ansprache von Zoni Weisz, Holocaust-Überlebender und Vertreter der Sinti und Roma:
http://www.bundesregierung.de/nn_1272/Content/DE/Bulletin/2011/01/10-2-weisz-gedenkst-bt.html

Yad Vashem Photo Archive:
http://collections.yadvashem.org/photosarchive/en-us/photos.html
http://www.egoisten.de/autoren/reinsperger/page498/page498.html

http://www.lpb-bw.de/auschwitz.html

www.erinnern.at/bundeslaender/oesterreich/gedenktage/27.-jaenner/27-janner-internationaler-tag-der-erinnerung-an-die-befreiung-des-kz-auschwitzIm November 2005 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 27. Jänner, den Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 1945, zum Internationalen Holocaust-Gedenktag erklärt. In Deutschland und vielen anderen, nicht nur europäischen Ländern ist dieser Tag zu einem Fixpunkt im jährlichen Gedenkkalender geworden. Österreich hat sich 1997 nicht für den 27. Jänner als Holocaust-Gedenktag entschieden, sondern für den 5. Mai, den Tag der Befreiung des KZ Mauthausen.Er ist ein "DenkTag", denn Gedenken und Nachdenken über die Vergangenheit schaffen Orientierung für die Zukunft. Die beste Versicherung gegen Völkerhass, Totalitarismus, Faschismus und Nationalsozialismus ist und bleibt die lebendige Erinnerung an und die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte.


VON: ANTIFA






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