Mit Herbert Steeg verliert Krefeld eine Stimme gegen den Faschismus


Herbert Steeg; Foto: privat

06.06.17
AntifaschismusAntifaschismus, NRW 

 

Organisator der antifaschistischen Stadtrundgänge starb am 17. Mai im Alter von 65 Jahren.

Jedes Jahr zum  9. November in Erinnerung an die Reichspogromnacht, lernten Krefelder Bürger ihre Stadtgeschichte aus einer neuen Perspektive kennen. Es war der Zeitpunkt, zu dem über Jahre Herbert Steeg als Mitglied im Bündnis für Toleranz und Demokratie zu einem antifaschistischen Stadtrundgang einlud. Jedes Mal ging es in ein neues Quartier und jedes Mal vervollständigte sich die Kenntnis über Nazi-Gräuel und Widerstand in Krefeld ein Stück mehr. Und zudem wurde jeder sorgfältig recherchierte Rundgang in einer Broschüre dokumentiert.

Der in Oppum geborene, studierte Chemie-Ingenieur war ausgehend von der Geschichte des IG-Farben-Standorts in die Stadtgeschichte Krefelds eingetaucht und hatte sich zu einem sorgfältig arbeitenden Stadthistoriker und  Chronisten entwickelt. Sein vielfältiges Faktenwissen hat er im Laufe der letzten 10 Jahre an Hunderte Krefelder weitergegeben.

Die antifaschistischen Stadtrundgänge und ihre Dokumentation waren aber nur eine Facette seiner gesellschaftlichen Aktivität. Als Marxist setzte er sich seit seinen Jungendjahren für eine Gesellschaftsordnung, die den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt, ein. Dies tat er, wo immer es möglich war, zunächst in linken Zusammenhängen, wie dem MSB – Spartakus oder der DKP, später immer mehr in Bündnissen und sozialen Bewegungen, und immer offen für den Dialog mit unterschiedlichen Menschen.

Gesellschaftliche Veränderung fußte für Herbert Steeg nicht nur auf Bewegung von unten, sondern in besonderem Maße auf der Fähigkeit Erkenntnisse zu gewinnen um später zielführende Entscheidungen zu treffen. Anderen Menschen dabei Hilfestellung zu leisten war ihm ein besonderes Anliegen. Bildungspolitische Anstrengungen bündelte er seit ca. 11 Jahren im Rosa-Luxemburg-Club Linker Niederrhein, zu dessen Gründungsmitgliedern er zählte.

Nicht nur der Rosa-Luxemburg-Club Linker Niederrhein und die Antifaschisten, sondern auch sozialpolitische Zusammenhänge wie das Sozialbündnis verlieren mit ihm einen Aktivisten und Impulsgeber, der sehr fehlen wird. In seinem Sinne weiterzuarbeiten ist die Weise, wie er gerne selbst am liebsten erinnert würde.

ebs







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