Antisemitismus ist Menschenhass: Die haben “unseren Jesus ans Kreuz geschlagen.“


Bildmontage: HF

30.01.18
AntifaschismusAntifaschismus, Debatte 

 

Von Reinhold Schramm

»Wer sich gegen Antisemitismus nur einsetzt, weil er Juden helfen will, hat nicht begriffen, was Menschenhass ist, sagt Michel Friedman.«

Vgl. Tageszeitung, taz.de *

Kommentar

Antisemitismus ist Menschenhass

Auf meine Nachfrage, bei meinen Verwandten um 1990, ob auch im Dorf Ulmbach (im hessischen Vogelsberg) jüdische Bürger lebten, erfuhr ich, dass auch vormals zwei jüdische Familien im Dorf lebten. Auch habe sich am hinterlassenen Inventar ein ihnen bekannter Dorfbewohner bereichert [um 1990 war er bereits über 82 Lebensjahre]. Sie nannten auch seinen Familiennamen. Von einer moralischen Verurteilung ihres dörflichen Mitbewohners konnte man nichts hören.

Das Personen, die sich am Vermögen jüdischer Dorfbewohner bereicherten, jemals nach 1945 und in der westdeutschen Bundesrepublik, dafür zur Verantwortung gezogen wurden, davon wurde nichts berichtet. Demnach mussten auch die kollektiven Diebe der antisemitischen Volksgemeinschaft im hessischen Vogelsberg keine Verantwortung übernehmen.

Nach meiner späteren Recherche gab es zu Beginn der Weimarer Republik im hessischen Ulmbach 58 Angehörige von jüdischen Familien. Um 1938 waren es 18 Bewohner*innen jüdischen Glaubens (Kinder und Erwachsene). Gegen Kriegsende existierte kein jüdischer Bürger mehr in Ulmbach. Am Hausinventar und Hinterlassenschaft hatten sich die Nachbarn und die Bevölkerung im hessischen Vogelsberg bereichert. Gleiches geschah auch in andern Dörfern der hessischen Vogelsbergregion [analog deutschlandweit]. Heute gibt es eine verlassene frühere Haussynagoge, wohl auch als Touristenattraktion, aber keine Juden mehr.  Was mit den jüdischen Familien und ihren Kindern geschehen ist, darüber wurde nicht gesprochen.

Als ich das Thema bei einer christlich-protestantischen Verwandten ansprach, da bekam ich sinngemäß die Antwort: Die haben “unseren Jesus ans Kreuz geschlagen.“ Ihr Vater war vormals sozialdemokratisch-protestantischer Bürgermeister in einem anderen Dorf der katholischen Vogelsbergregion. Ein Schuldbewusstsein, bzw. eine persönliche Betroffenheit, existierte bei den damals am Gespräch beteiligten Verwandten nicht.

Wie ich im späteren Gespräch mit einer Arbeitskollegin erfuhr, sie kam wohl aus der hessischen Vogelbergregion, war auch die Plünderung des jüdischen Eigentums durch die örtliche Bevölkerung im hessischen Vogelsberg weit verbreitet. 

* Vgl. Tageszeitung taz.de am 28.01.2018: Michel Friedman über Menschenhass. „Sie sind genau so gemeint“. Wer sich gegen Antisemitismus nur einsetzt, weil er Juden helfen will, hat nicht begriffen, was Menschenhass ist, sagt Michel Friedman. Das Interview führte Ulrich Gutmair, Kulturredakteur.

www.taz.de/Archiv-Suche/!5477285&s=Michel+Friedmann/

 

29.01.2018, Reinhold Schramm







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