Gründung der Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg


Bildmontage: HF

07.08.17
AntifaschismusAntifaschismus, Kultur, Baden-Württemberg 

 

Von Michael Lausberg

Die Forschungsstelle Antiziganismus, die sich dem Thema der Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung von Sinti und Roma in historischer und gegenwärtiger Perspektive widmen wird, hat an der Universität Heidelberg ihre Arbeit aufgenommen. Die Einrichtung dieser Forschungsstelle geht auf einen Staatsvertrag zurück, den der Landesverband Baden-Württemberg im Verband Deutscher Sinti und Roma und das Land Baden-Württemberg im November 2013 geschlossen haben. Der Heidelberger Zeithistoriker Prof. Dr. Edgar Wolfrum hatte im Vorfeld das Konzept für die Forschungsstelle mit Mitarbeiterinnen des Arbeitsbereichs Minderheitengeschichte und Bürgerrechte in Europa erarbeitet.

Als bundesweit erste Einrichtung dieser Art wurde jetzt die Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg am 28.7.2017 feierlich eröffnet. Die Forschungsstelle befasst sich mit grundlegenden Fragen zu Ursachen, Formen und Folgen des Antiziganismus in der europäischen Geschichte vom Mittelalter bis in die Gegenwart.[1] Mit ihrer Einrichtung reagieren die Initiatoren auf die Tatsache, dass in Deutschland bislang keine eigenständige Forschungsstelle und kein Lehrstuhl zu diesem Forschungsgebiet existierten.

In der Heidelberger Akademie der Wissenschaften fand die Eröffnungsfeier mit prominentem Besuch statt. Der Rektor der Universität Bernhard Eitel, Ehrensenator Manfred Lautenschläger und der Heidelberger Bürgermeister Wolfgang Erichson nahmen als lokale Prominente daran teil. Die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, deren Haus die Einrichtung mit Mitteln in Höhe von jährlich rund 220.000 Euro finanziert, unterstrich den Wunsch der Landesregierung, der geschichtlichen Verantwortung gegenüber den Sinti und Roma gerecht zu werden: „Mit der Förderung der Forschungsstelle Antiziganismus setzen wir ein Zeichen – gegen das Schweigen, für die Aufklärung. Damit wird das Land auch seiner historischen Verpflichtung den Sinti und Roma gegenüber gerecht“[2]

Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, erinnerte in seinem Vortrag daran, dass Antiziganismus im Nationalsozialismus allgemein akzeptierte Staatsideologie war und zu den wesentlichen Voraussetzungen des Völkermords an den Sinti und Roma gehörte. Auch heute noch gibt es in den Medien seien "antiziganistische Zerrbilder", wissenschaftliche Untersuchungen hätten gezeigt, wie verbreitet nach wie vor feindliche Einstellungen gegenüber der Minderheit in der deutschen Bevölkerung und in ganz Europa seien. Er dankte Wissenschaftsministerin Bauer dafür, dass mit der Forschungsstelle ein „sichtbares Zeichen“ gesetzt worden sei, „das über die Grenzen unseres Landes hinaus wirkt.“[3] Daniel Strauß, der Vorsitzende des Landesverbandes Baden-Württemberg im Verband Deutscher Sinti und Roma, kündigte an, dass in wenigen Wochen ein Staatsvertrag auch mit dem Land Hessen vereinbart werde. Prof. Dr. Edgar Wolfrum betonte die Notwendigkeit der Forschungsstelle: „Ausgehend von der bis heute anhaltenden Stigmatisierung von Sinti und Roma gilt es, Stereotype, Vorurteile und die daraus resultierenden Mechanismen der Ausgrenzung historisch fundiert unter dem Dach der noch jungen Antiziganismusforschung zu untersuchen. Dies ist eine Aufgabe von großer wissenschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Dringlichkeit“.[4]

 

Die Forschungsstelle Antiziganismus ist am Historischen Seminar der Universität Heidelberg angesiedelt. Neben der Leitung wird sie mit zwei in diesem Bereich ausgewiesene Forscher oder Forscherinnen besetzt; zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses werden außerdem zwei Promotionsstipendien vergeben. Die Aufgabe der Forschungsstelle liegt auch darin, Lehrveranstaltungen für Studenten der Geschichte anzubieten. Es sollen zudem interdisziplinäre Untersuchungen im Kontext der Rassismus-, Gewalt- und Inklusionsforschung durchgeführt werden. Angestrebt werden dabei Kooperationen mit verschiedenen Wissenschaftsbereichen innerhalb der Universität sowie mit anderen Forschungseinrichtungen.

 

 


[1] https://www.swr.de/swraktuell/bw/mannheim/heidelberg-eroeffnung-forschungsstelle-antiziganismus-an-universitaet/-/id=1582/did=19989532/nid=1582/1eg4m8t/index.html

[2] https://www.uni-heidelberg.de/presse/news2017/pm20170724_forschungsstelle-antiziganismus-an-der-universitaet-heidelberg.html

 

[3] https://www.rnz.de/nachrichten/heidelberg_artikel,-Heidelberg-Antiziganismus-Forschung-Heidelberg-Ein-Zeichen-ueber-die-Grenzen-unseres-Landes-hinaus-_arid,292670.html

[4] https://www.uni-heidelberg.de/presse/news2017/pm20170724_forschungsstelle-antiziganismus-an-der-universitaet-heidelberg.html







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