„Heldengedenken“ in Seelenfeld (Nordrhein-Westfalen)


Ludendorff-Adler

21.06.17
AntifaschismusAntifaschismus, NRW, Debatte 

 

Von Michael Lausberg

Unter dem Namen „Heldengedenken“,  eine Anspielung auf den sogenannten „Heldengedenktag“ im Nationalsozialismus (heute „Volkstrauertag“) veranstalten Neonazis alljährlich einen Gedenktag für die deutschen Kriegstoten des 2. Weltkriegs und anderer „nationaler Märtyrer“. Dabei bleibt es nicht nur bei Kranzniederlegungen und die Trauer um die „Kameraden“, sondern es wird auch versucht, eine eigene Erinnerungskultur zu etablieren. Dies ist Teil einer geschichtsrevisionistischen Propaganda innerhalb der extremen Rechten, die die Zeit des Nationalsozialismus wieder „positiv“ besetzen wollen.

Bei diesen Treffen geht es allerdings nicht nur um Erinnerung und Vergangenheit. In vielen Reden beschwören Neonazis die „glorreiche Vergangenheit“ als Gegenstück zur Gegenwart, die durch „Entnationalisierung“, „Durchmischung“ durch Migration und angeblicher allgemeiner Degeneration gekennzeichnet ist.

Auch außerhalb des „Heldengedenktages“ kommt es auch zu erinnerungspolitischen Treffen wie nun am vergangenen Wochenende auf einer „Ahnenstätte“ in Seelenfeld im Kreis Minden-Lübecke. Schon 1930 war die „Ahnenstätte Seelenfeld“ von Anhängern des völkisch-antisemitischen Tannenbergbundes mit dem Schirmherr Erich Ludendorff auf einem germanischen Hügelgräberfeld ins Leben gerufen worden. In der „Ahnenstätte“ befindet sich die Symbolik der Ludendorff-Bewegung, der „Deutschvolk-Adler“. Die Grabsteine völkischer Ludendorff- Anhänger sind mit Runen versehen.[1]

Der Bund für (Deutsche) Gotterkenntnis oder die nach Erich Ludendorff und seiner Frau Mathilde benannte Ludendorff-Bewegung ist eine neugermanisch-völkische Gemeinschaft.[2] Vor allem während der Zeit der Nationalsozialismus gab es viele Kirchenaustritte, was unter anderem die kirchenkritischen Schriften des NS-Parteiideologen Alfred Rosenberg. 1937 erteilte Hitler Ludendorff wenige Monate vor dessen Tod die Erlaubnis zur Neugründung eines völkisch-religiösen Vereines, der 1937 den Namen Bund für Deutsche Gotterkenntnis erhielt. Dieser Bund gehört damit zu den wenigen Ausläufern der völkischen Bewegung, die unter der nationalsozialistischen Herrschaft geduldet wurden. 1951 wurde der Bund als Bund für Gotterkenntnis offiziell neu gegründet und ins Vereinsregister eingetragen. Die Inhalte haben sich allerdings nicht geändert: Die „Vermeidung von Rassenmischungen“ seien wichtig, weil jedes Volk besondere Aspekte des Göttlichen repräsentiere. Antisemitische Verschwörungstheorien sind immer noch fester Bestandteil des Bundes.[3]

Es bestehen mehrere als „Ahnenstätten“ bezeichnete private Friedhöfe, deren Nutzung den Angehörigen des Bundes vorbehalten ist. Sie befinden sich im Eigentum von Gruppen, die mit dem Bund für Gotterkenntnis verbunden sind.

Nun kamen am vergangenen Sonntag mehr als 80 Personen aus der extrem rechten Szene zur „Ahnenstätte“ und zu einer internen Veranstaltung. Vor allem aus Ostwestfalen-Lippe und den angrenzenden niedersächsischen Landkreisen reisten die Teilnehmer zum Teil sogar mit ganzen Familien an. Aber auch aus Düsseldorf, Münster, Braunschweig, Bremen, Hamburg, Northeim, der Lüneburger Heide und Schleswig-Holstein. Unter dem Deckmantel des Gedenkens an die deutschen Opfer des Zweiten Weltkriegs“ wird neonazistische Erinnerungspolitik und die Beschwörung einer glorreichen (deutschen) Vergangenheit betrieben.

Als Organisator in Seelenfeld trat Udo David auf. David ist Mitglied im Verein „Ludendorff-Gedenkstätte“ und er sitzt im Vorstand des Betreibervereins der „Ahnenstätte Seelenfeld“. Der „Ahnenstätten“-Verein ist eng mit der völkischen Szene in Ostwestfalen-Lippe verbunden, mehrere ehemalige Vorstandsmitglieder sollen auch in rechten Vereinigungen wie dem „Bund Deutsche Heimat“ vertreten sein.[4]

Neben David Wolfram Schiedewitz aus Seevetal (Kreis Harburg) an der Durchführung solcher Veranstaltungen beteiligt. Schiedewitz ist Vorsitzender des geschichtsrevisionistischen und neonazistischen „Verein Gedächtnisstätte“ aus dem  thüringischen Guthmannshausen (Kreis Sömmerda).

Dieser rechte Gedenkevent fand vor einigen Jahren schon mal statt. Andere Veranstaltungen sind zumindest nicht in der Öffentlichkeit bekannt. Im Sommer
2010 trafen sich mehr als 120 Personen im örtlichen Gasthaus zu einem Vortrag von Udo David mit dem Titel „Hermann der Cherusker und Erich Ludendorff – zwei deutsche Feldherren, die Weltgeschichte gestaltet haben“ An dieser Veranstaltung nahmen auch nachweislich Mitglieder der neonazistischen „Autonomer Nationalisten“ aus Dortmund teil.

 


[1] https://www.bnr.de/artikel/hintergrund/begr-bnisst-tte-f-r-v-lkische

[4] https://www.bnr.de/artikel/hintergrund/begr-bnisst-tte-f-r-v-lkische







<< Zurck
Ja, auch diese Webseite verwendet Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz