Stadtexkursion Zwangsarbeit in Berlin am 9. September und Zeitzeugengespräch am 20. September im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit

02.09.17
AntifaschismusAntifaschismus, Berlin, News 

 

Von NS-Zwangsarbeit Dokumentationszentrum

Spuren der Zwangsarbeit - von unscheinbar bis kolossal | 9. September, 11 Uhr

Die Ausbeutung von Millionen Zwangsarbeitern aus den besetzten Ländern war zentral für die NS-Kriegswirtschaft. An drei sehr verschiedenen Orten folgt die Exkursion den Spuren der Zwangsarbeit in Berlin: In Schöneweide befindet sich in einem weitgehend erhaltenden Zwangsarbeiterlager das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit, das einzige europäische Museum, dessen Schwerpunkt auf der Geschichte der zivilen Zwangsarbeit liegt. In der Fontanepromenade 15 in Kreuzberg verwaltete das Arbeitsamt die Zwangsarbeit Berliner Juden. Und schließlich befand sich im Monumentalbau des Flughafens Tempelhof mit der "Weserflug" eines der großen und für Berlin typischen Unternehmen der Produktion von Kriegsflugzeugen. 40 Prozent der Rüstungsendfertigung entfielen auf die Luftfahrt, über 36 Prozent der Beschäftigten der Luftrüstung waren 1944 Zwangsarbeiter. Auf dem Gelände des heutigen Tempelhofer Feldes befand sich nicht nur das KZ Columbiadamm, sondern auch ein Zwangsarbeiterlager – eines von rund 3.000 in der Stadt.

Die Exkursion beginnt um 11 Uhr im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit, wird dann per die Fontanepromenade  anfahren und am Tempelhofer Feld am Columbiadamm mit einem Überblick über die Zwangsarbeit am und für den Flughafen enden. Dauer insgesamt ca 5. Stunden.

Wir danken der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, der Grün Berlin GmbH und Evelyn Bodenmeier von der Tempelhofer Feld - Öffentlichkeitsbeteiligung für die Zusammenarbeit.

Auf Grund der begrenzten Platzzahl bitten wir um verbindliche Anmeldung unter veranstaltung-sw@topographie.de – Die Exkursion ist kostenlos.

Im Rahmen des Tages des offenen Denkmals ist unsere „Baracke 13“, die sonst nur per Führungen besichtigt werden kann, wie immer von 10-18 Uhr frei zugänglich.

 

Öffentliches Zeitzeugengespräch mit Ugo Brilli, ehemaliger Italienischer Militärinternierter | 20. September, 19 Uhr

„Und wir ehemaligen IMI, wir sind heute „selten wie gelbe Hunde“, wie ein lokales toskanisches Sprichwort sagt. Wir müssen weitererzählen, was passiert ist.“ Ugo Brilli, März 2013

Ugo  Brilli, ehemaliger italienischer Militärinternierter war zu Kriegsende im GBI Lager 75/76 in Berlin-Schöneweide untergebracht, dem Lager, in dem sich heute das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit befindet. Im September kehrt er gemeinsam mit seiner Familie an diesen Ort zurück, um „weiterzuerzählen, was passiert ist.“ Brilli wird zwei Berliner Schulklassen als Zeitzeuge im Dokumentationszentrum treffen. Am 20. September um 19 Uhr laden wir die breite Öffentlichkeit ein, die Gelegenheit eines Zeitzeugengespräches zu nutzen.  

Ugo Brilli  wurde 1922 geboren und wuchs in der Toskana auf. Mit 21 Jahren zog ihn im Mai 1943 die italienische Armee zum Militärdienst ein. Im September desselben Jahres trat Italien aus dem Krieg aus. Nach seiner Gefangennahme durch die Wehrmacht weigerte sich Ugo Brilli für das Nazi-Regime weiterzukämpfen und wurde als Kriegsgefangener nach Deutschland deportiert. In Berlin musste er unter anderem bei Siemens Zwangsarbeit leisten.

In einem Zwangsarbeiterlager in Berlin-Weißensee rettete ihm die Arbeit als Küchenhilfe das Leben. Durch großes Glück überlebte er dort auch einen Bombenangriff, bei dem 53 seiner Kameraden im Lager umkamen. Ab Ende 1944 war Ugo Brilli im GBI-Lager Nr. 75/76 in Schöneweide untergebracht. Auch hier arbeitete er als Küchenhelfer. Im September 1945 kehrte Ugo Brilli schwer an Typhus erkrankt zu seiner Familie nach Italien zurück. Er heiratete und bekam zwei Kinder. Heute lebt Ugo Brilli bei Florenz.

Moderation: Luigi Reitani, Leiter des italienischen Kulturinstituts Berlin

Vor der Veranstaltung bieten wir um 17:30 Uhr die Gelegenheit einer öffentlichen kostenlosen Führung in unserer Ausstellung „Zwischen allen Stühlen. Die Geschichte der italienischen Militärinternierten 1943-1945”

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem italienischen Kulturinstitut Berlin statt. Zur besseren Planbarkeit bitten wir um unverbindliche Anmeldung zum Zeitzeugengespräch unter veranstaltung-sw@topographie.de. Wie immer erheben wir keinen Eintritt.

 







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