Geschichtsort Fontanepromenade 15 ade? – Versuch einer Schadens-/Sachstandsmeldung


Foto: Lothar Eberhard

08.05.18
AntifaschismusAntifaschismus, Berlin 

 

Von Lothar Eberhard

Schwamm drin oder Schwamm drüber? ….. war im Februar 2017 zum damaligen Sachstand zum Gedenkort Fontanepromenade 15 in Berlin-Kreuzberg überschrieben.   Beides trifft bis  heute zu. Die Wirren um den Gedenkort Fontanepromenade 15 riessen nicht ab.

Im Juni 2017 wurde über die Finanzierungsfrage und über die öffentliche Vorstellung des umfassenden pädagogischen, künstlerisches und wissenschaftliches Gedenkort-Konzept berichtet.  (http://www.hagalil.com/2017/06/fontanepromenade-2/)

Im Januar anlässlich des „Internationalen Holocaust-Gedenktages“ wurde über die erwartete Aufnahme der Gedenkarbeit am authentischen Ort mit einem Liedprogramm von vertonter Lyrik jüdischer Autoren, die soweit sie nicht emigirern konten jüdische Zwangsarbeiter waren, berichtet. (https://drive.google.com/file/d/1DHqf2bhZnFxk1VlY3Xnr3RahLsc3tlIn/view)

Was ist zwischenzeitlich passiert? Hier in Kürze: Die Baufertigstellung verzögerte sich, möglicherweise aufgrund der Erhöhung der Baukosten. Im August 2017 erfolgte ein schriftliches Angebot des Eigentümers an die Initiative bzw. den Verein, zwischenzeitlich im Sommer gegründet, mit dem im Juni vereinbarten Mietpreis und der Vertragslaufzeit bis 2022 ausgestattet. Das Vermietungsangebot wurde dann Anfang Dezember 2017 durch die von den Eigentümern beauftragte Hausverwaltung nochmals bestätigt.

Am 14. Dezember wurde die entschädigungspolitischen Basisarbeiter und das inhaltliche Lobbying durch den Beschluss im Abgeordnetenhaus von Berlin in der 3. Lesung  unter dem Haushaltstitel 68208 belohnt. Die Finanzierung des Gedenkortes schien abgesichert.

Seither warten sie auf den von der Politik beschlossenen Transfer der Mittel via Stiftung „Topographie des Terrors“. Verschiedene Gesprächsforen fanden zwischenzeitlich statt, seit fast vier Monaten ohne Ergebnis. Ob dies so von der Verwaltungs-Aristokratie angelegt wurde ist eine Frage, über die sich trefflich und durchaus begründet spekulieren liesse. 

Ein Fakt.
In aller Frühe des 15. Dezember erging die Parlamentsentscheidung zur Finanzierung des Gedenkortes, woraufhin sich bereits am Vormittag des gleichen Tages die Stiftung ‚Topographie des Terrors‘ und die Kulturverwaltung des Landes und Vertreter des Bezirks Freidrichshain-Kreuzberg mit den Eigentümern der Fontanestraße 15 trafen. Die Vertreter der Initiative „Gedenkort Fontanepromenade e.V. “ waren hingegen nicht eingeladen. Die Erinnerungsarbeiter wurden dann kurz vor Weihnachten von den Eigentümern informiert, dass sie ab jetzt nur noch mit Herrn Nachama, dem Direktor der ‚Topographie des Terrors‘ direkt verhandelt werden. Die Gesprächstermine blieben ohne konkretes Ergebnis. Brief des Vorstandes an die Verhandelden blieben unbeantwortet. Herr Nachama hat zwischenzeitlich seinen Gesprächsauftrag wieder an den zuständigen Kultursenat zurückgegeben. Warum nicht an den Verein Gedenkort Fontanepromenade w5?

Ein Gedenkort ohne Obdach – das war das Ergebnis von vier Monaten Verhandlung, resümierte der Verein ‚Gedenkort Fontanepromenade 15 e.V.‘. Und schreibt: „Die Senatskulturverwaltung, die im Dezember 2017 den Gedenkort Fontanepromenade 15 e.V. um jeden Preis aus den Vertragsverhandlungen verdrängen wollte, steht vor einem Scherbenhaufen und kann den vom Parlament - und von ihrem eigenen Kultursenator - politisch gewünschten Gedenkort … nicht verwirklichen.“

Dazu kam ein weiteres Politikum. Die Eigentümer sind offenbar weiterhin verhandlungsbereit gegenüber dem Senat, stehen aber offensichtlich vor einem steuerrechtlichen Problem: Die Vorsteuerabzugsfähigkeit der Finanzverwaltung erlaubt nur die gewerbliche Nutzung der Büros. Das einstige Quadratmeterpreisangebot gegenüber der Gedenk-Initiative ist hinfällig, Ihr neuer Quadratmeterpreis haben sie jetzt um 25 % erhöht. Dei „Steruer-Finde“ ist generell ein Problem, da soziale und kulturelle Projekte und somit nicht nur die Fontanepromenade 15 betrifft. Die Anmietung von Räumlichkeiten verteuert sich dadurch erheblich und geht  letztendlich doch wieder zu Lasten des Steuerzahlers .

„Einen polit-krimineller Akt, ein Lehrbeispiel von Hate Speach und Fake News“ nennt  es der Initiator des Baustopp-Aufrufes vom November 2016. (http://www.wem-gehoert-kreuzberg.de/index.php/gedenkort-fontanepromenade-15/1015-offener-brief-zum-baubeginn-in-der-fontanepromenade-15)

Die Gedenk-Arbeiter haben nichts falsch gemacht. Sie bleiben ihrer inhaltlichen Ausrichtung treu.
Nun ohne Obdach, begannen sie  im benachbarten Curt Bejach-Gesundheitshaus ( *)in der Urbanstraße 24 in Berlin-Kreuzberg, ihr temporäres Domizil seit Mitte April, mit ihrer Veranstaltungsreihe „Zwangsarbeit von verfolgten Berliner Juden“.
Die Freunde der Synagoge Fraenkelufer e.V., als Unterstützer der ersten Stunde der Gedenkortinitiative, beantragten die Mitte. Die ersten Veranstaltungen wie die mit der Zeitzeugin Frau Vera Friedländer, die über ihr Zwangsarbeit in der Schuhfabrik in bei Salamander in Berlin erzählte und die über die Recherchen zu ihrem Buch: Ich war Zwangsarbeiterin bei Salamander“ berichtete, (Auszug zum reinhören: https://youtu.be/reefb2VkK-k) sind vorbei. 
Die Veranstaltungen gehen noch weiter (siehe Anhang ‚Veranstaltungen https://drive.google.com/file/d/14QP58-3cVtBfqvYKoYGWlvKR022WujnM/view?usp=sharing)

Allen Unkenrufen zum Trotz ist ihre Hoffnung, dass sich der politische Wille des Haushaltstitels zu Gunsten der Basisinitiative, dem Gedenkort Fontanepromenade 15 zu geschlagen wird und die “Geschichts-politischen Tanker” nicht die Idee der Initiative der Bürger entern. Die Gefahr besteht im Moment.  Ein Gesprächstermin mit dem Geld-Transfergeber für die Mittel aus dem Berliner Haushalt, Stiftung Topographie des Terrors,  stand an und wurde nach Feierabend am 2. Mai, für den 3. Mai abgesagt. Ein neuer Termin steht noch aus. 

Cui bono – wollen sie die Entschädigungs-Aristokraten aussitzen. Nicht beantwortete Breife und kurzfristig abgesagte Termin legen die Vermutung nah. Der auf Nachfrage bis heute nicht ergangene Bewilligungsbescheid für den Gedenkort gibt weiteren Anlass.

Ein gedenk-politischer Verwaltungskrimi - Drehort Berlin!

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https://www.facebook.com/GedenkortFontanepromenade/

http://www.wem-gehoert-kreuzberg.de/index.php/gedenkort-fontanepromenade-1

Flyer: Veranstaltungsreihe mit der Fraekelufersynagogengemeinde + GOfo 15
https://drive.google.com/file/d/14QP58-3cVtBfqvYKoYGWlvKR022WujnM/view?usp=sharing

Rest-Veranstaltungsreihe …..

Bitte um Ankündigung:
A)

Lesung zur Zwangsarbeit

16. Mai 2018, 17:30 – 19:30 Uhr

Der Autor Wolfgang Herzberg, Jg. 1944, in England in der Emigration seiner jüdischen Eltern geboren, sammelt und publiziert, freiberuflich, biografische Interviews, insbesondere mit jüdischen Überlebenden der 1. und 2. Generation, die in der DDR lebten. Er trägt aus seinem Buch "Überleben heißt Erinnern. Lebensgeschichten deutscher Juden" (Aufbau-Verlag 1990), beeindruckende, autentische Zeitzeugenberichte über Zwangsarbeit, auszugsweise vor, die von Juden in der NS-Zeit verrichtet werden musste. Er berichtet, wie es seiner Familie während der Nazi- Zeit und in der DDR erging und trägt dazu eigene Gedichte und Lieder vor, die Aufschluss über seine Gefühls- und Gedankenwelt vor und nach 1989 geben. Anschließende Fragen und Diskussionen sind möglich.

Autor: Wolfgang Herzberg

 

B)

 Zwangsarbeit von Kindern

23. Mai 2018,17:30 – 19:30 Uhr

In einem Gespräch mit Horst Selbiger wollen wir seine Einsätze als Kind während der Zeit des deutschen Faschismus nachzeichnen, in der er durch die Vermittlung der Fontanepromenade 15 sich zu verschiedenen Zwangsarbeitseinsätzen melden musste. In der Veranstaltung wird Horst Selbiger auch einige Worte zu seinem anlässlich der Leipziger Buchmesse erschienenen Buch mit dem Titel „Verfemt, verfolgt, verraten“ sagen.

Horst Selbiger im Gespräch mit Markus Tervooren

Musik: Sibyll Plappert, Olaf Garbow (angefragt)

 

c) erst im Juni ankündigen

. Lesung zur Zwangsarbeit

20. Juni 2018, 17:30 – 19:30 Uhr

Mitglieder des Vereins Gedenkort Fontanepromenade 15 lesen Texte zur Zwangsarbeit aus Biografien von Verfolgten.

*********temporäres Obdach des Gedenkorts in Bewegung*****+++++++

Ort: Gesundheitszentrum am Urban, Urbanstraße 24, 10967 Berlin

Seiteneingang rechts, Saal ebenerdig  (nur 3 min vom Gedenkort Fontanepromenade 15)

 

Kontakt: m: 0176 420 32 610  e-mail: schischimo7@gmx.de

 

Verkehrsverbindungen: Linie U7 Südstern, Bus M41 Haltestelle Urbanstraße/ Körtestraße

Gefördert durch die Aktion Mensch.

 

Gesamte Programm:
https://drive.google.com/file/d/14QP58-3cVtBfqvYKoYGWlvKR022WujnM/view







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