Der Entschluss

02.01.22
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Eine wahre und eine erfundene Geschichte des Antifaschismus

Von Leonhard Schäfer

Vorbemerkung:

Das Schicksal eines Verwandten, der fast den gleichen Namen wie ich trug, Leo Schäfer, hatte mich schon immer beschäftigt.

Es wurde zuhause oder im in unserem kleinen Dorf in Unterfranken nur wenig von der Nazizeit erzählt, aber z.B. dass Leo offenbar Kommunist und im KZ war. Das wenige, was ich erfuhr, habe ich nun niedergeschrieben und dazu auch die „gesamte“ Geschichte des Antifaschisten Leo Schäfer erfunden.

An der Gefängnismauer in Frankfurt- Preungesheim , dort wo die Guillotine stand,

die Hinrichtungsstätte von mehr als Hundert Nazigegnern,

ist eine Gedenktafel angebracht mit einem Spruch der antifaschistischen Schriftstellerin

Ricarda Huch:

Ihr, die das Leben gabt für des Volkes Freiheit und Ehre- Nicht erhob sich das Volk- Euch Freiheit und Leben zu retten“

Karfreitag 1939

Leo Schäfer klopft an die Tür des Heinrich Carlebach in einer Mietskaserne im Viertel Rödelheim in Frankfurt am Main.

„Heinrich“

„Leo! -ja wo kommst Du denn her?.... Komm rein!....“

Drinnen: „Hat Dich einer gesehen?“

Leo: „Ich glaube nicht“

Und nach alter konspirativer Regel stellt Heinrich, Laborant bei den IG Farben 1 (alle sagten noch „Hoechst“), den Volksempfänger ziemlich laut, aus dem der Badenweiler Marsch ertönt.

Heinrich: „Man weiss nie!“ Und dann: „Mensch Leo Schäfer, wo kommst Du denn her? Wann war es das letzte Mal- 33?… Ich dachte, Du bist in Frankreich“.

Leo: „Genosse Heinrich, ich heisse jetzt Gustav Regler…Ja, ich komme auch aus Frankreich…“

Heinrich: „Komm, setz Dich, trink was, essen wir was. Hier ist auch Äppelwoi.“

Leo: „Den hab ich schon lange nicht mehr getrunken.“

Heinrich: „Erzähl mal von Anfang an.“

Leo: „Also, wie Du weisst, machten die Nazis schon in den ersten Februartagen 33 Jagd auf alle Linke und besonders die Kommunisten. Die Partei war darauf nicht vorbereitet. Aber wir glaubten, wie Du noch erinnerst, hier in Frankfurt im Betrieb bei Hoechst, noch ziemlich sicher zu sein. Als sie dann jedoch nach dem Reichstagsbrand unseren KPD- Bezirksvorsitzenden Kuntz verhafteten– Du erinnerst Dich- und den Betriebsratsvorsitzenden, bestand für mich als RGO 2 - Betriebsrat die grösste Gefahr. Ich wäre einer der nächsten gewesen. Wir hatten schon vorher bei einer Sitzung der Betriebszelle 3 zusammen mit dem Unterbezirk ausgemacht, dass ich verschwinden sollte.

Ich setzte mich also ins Saargebiet ab 4. Dort fand ich gute Arbeit in Völklingen, war mit den Genossen aktiv für die KPD und wir machten viel Propaganda gegen den Anschluss ans Reich. Als wir im Januar 35 die Abstimmung haushoch verloren, haute ich mit anderen nach Lothringen, und zwar nach Metz, ab. Die meisten deutschen Genossen gingen aber nach Paris. Ich fand mit Hilfe der französischen Genossen eine Arbeit. Wir bildeten zusammen mit anderen geflohenen Genossen eine Zelle und schmuggelten u. a. Material ins Saargebiet, meist nach Völklingen. Die Grenzregion kenne ich mittlerweile wie meine Westentasche.

Als wir von Francos Putsch in Spanien im Juli 36 hörten, meldete ich mich zusammen mit anderen freiwilligen Deutschen und Franzosen. Wir kamen zur Aufstellung der internationalen Brigaden im September an und ich kämpfte an mehreren Fronten. Bei der Schlacht von Guadalajara wurde ich verwundet…Zum Schluss, d. h. 38, war ich am Ebro. Ich nahm an der Abschiedsparade der internationalen Brigaden im letzten Oktober in Barcelona teil.

Negrin 5, dieses Arschloch, meinte durch den Abzug der Ausländer (dabei waren wir für die Bevölkerung Brüder und die Leute in Barcelona weinten bei unserem Abschied) die italienischen und deutschen Faschisten „bremsen“ zu können. Aber die waren uns trotz sowjetischer Hilfe waffentechnisch haushoch überlegen. Und die Franzosen liessen uns im Stich…“

Heinrich: „Aber wie war es dort? Hier sickerte durch, dass Ihr die anderen Linken, die POUM 6 und die Anarchisten bekämpft habt“

Leo: „Wir nicht, wir waren ja an der Front. Doch für die Komintern-Entsandte und die Politkommissare in Albacete 7 waren sie Todfeinde und sie verfolgten sie als Trotzkisten und Verräter…Für mich ein grosser Fehler. Am Anfang hatten wir mit der POUM zu tun, das waren gute Kameraden . Aber das darf man nicht laut sagen, sonst…“

Heinrich: „Habt Ihr das von den Prozessen in Moskau mitgekriegt?“

Leo: „Ja, es sickerte durch. Und einige wurden nach Moskau zurückbeordert und kamen nicht mehr zurück… Das liess einen schon an der gemeinsamen Sache zweifeln und es gab auch Diskussionen. Einige Kameraden wandten sich deswegen und wegen der Verfolgung der Trotzkisten und Anarchisten von der Partei ab. Diese Dissidenten hatten dann- ganz alleine auf sich gestellt- im Lager in Frankreich einen besonders schweren Stand. Aber jetzt greife ich meiner Erzählung vor…

Aber sag mal, wie ist es Dir ergangen?“

Heinrich: „Also, 1933, weil ich, wie Du weisst, ja nur ein einfacher Genosse war und mich bedeckt hielt, passierte mir nichts. Aber alle in der Partei warteten ja in den ersten Monaten nach der „Machtergreifung“ auf die „revolutionäre Situation“ und eine Opposition der Massen. Mit der brutalen und sofortigen Verfolgung rechnete niemand. Ich muss sagen, wir alle waren bis 33 zu naiv und hatten die Nazis unterschätzt. Wieviele Genossen sind dann von der SA drangsaliert worden! …Und die traditionellen Gewerkschaften waren zum Generalstreik nicht bereit und auch unsere Partei war nicht vorbereitet. Sie war traditionell zu zentralistisch und bürokratisch organisiert, um im Untergrund effektiv und konspirativ zu wirken. Die kleineren Parteien wie die SAP 8 taten sich da leichter. Ausserdem lehnte die SPD- Führung, die nach der Emigration der Parteispitze nach Prag die Partei in SOPADE umgetauft hatte, jede Zusammenarbeit ab. Das war aufgrund unserer „Sozialfaschisten-Politik“ bis 33 auch kein Wunder.

Es wurden dann viele Genossen, aber auch SAP- und SPD- Mitglieder verhaftet. Aber es kam immer noch zu Einzel- und Gruppenaktionen in den Arbeitervierteln, wie Flugblattverteilung und Parolen an die Wände schreiben, auch bei uns bei Hoechst. Auch bestanden noch Betriebs- und Strassenzellen; die Unterbezirks- und Bezirksleitung war aber sofort dezimiert. Die Rote Hilfe 9 hielt sich aber noch länger. Doch eine Einheitsfront gegen die Nazis war unbedingt nötig.

Das Kuriose ist, der KPD-Bezirk Hessen-Nassau beschloss schon Ende 34 ein Einheitsfrontabkommen, das wurde aber vom Politbüro als opportunistisch verurteilt. Es wurden grosse Fehler gemacht, aber später beschloss das ZK 10 offiziell die Volksfrontpolitik.

 

1935 kam es dann nochmal, weil die wirtschaftliche Situation kaum besser wurde, sowohl in den Betrieben als auch in den Stadtvierteln, auch zusammen mit Sozialdemokraten und christlichen Gewerkschaftern, zu Protesten. Auch hier in Rödelheim und so wurde ich 35 verhaftet. Aber da hatte ich nicht mitgemacht und da man mir nichts nachweisen konnte, wurde ich bald wieder freigelassen. Ich hielt mich dann mehr oder weniger raus. Aber viele unserer Genossen wurden verhaftet, gefoltert und kamen ins KZ. Das bis heute. Von den bekannteren Genossen, die sie kriegten, haben sie einige im Gefängnis in Preungesheim 11 dann enthauptet.

Ich mache nichts mehr, aber ich weiss, dass es noch Zellen in Betrieben gibt und Genossen treffen sich jetzt getarnt in Schrebergärtner- oder Imkervereinen. In den Arbeitervierteln gab es nach 35 auch gemeinsame Aktionen mit Sozialdemokraten, weil auch dann die KPD offiziell für eine Volksfrontpolitik war. Auch wenn es nach 36 immer schwieriger wurde, denn man kriegt jetzt für wenig ein Verfahren wegen Vorbereitung zum Hochverrat angehängt. Trotzdem sagt man, in Frankfurt wären gegen die Nazis Hunderte noch aktiv, von Kommunisten bis Christen, und wenn sie nur Gesuchten Unterschlupf gewähren.“

Leo: „So wie Du jetzt“.

Heinrich: „Aber die Nazis sitzen fest im Sattel. Die Stimmung in der Bevölkerung ist nicht gut und auch die Lebensmittelversorgung ist eingeschränkt. Aber die Leute sind apathisch geworden, auch wenn alle wissen, dass es Krieg gibt, besonders jetzt nach der Besetzung der Rest-Tschechei…Die Westmächte lassen den Hitler ja machen, was er will.“

Leo: „Und wieso haben sie Dich noch nicht eingezogen?“

Heinrich: „Wie Du weisst, sind wir ein kriegswichtiger Betrieb. Und ein paar Laboranten braucht die IG Farben noch…

Aber wie ging es bei Dir weiter?“

Leo: „Also, wir zogen Anfang November 38 über die französische Grenze, wurden dort entwaffnet und erlebten unser blaues Wunder: Die Regierung des sogenannten Radikalen Daladier behandelte uns wie Verbrecher: wir kamen in Lager, viele in den Pyrenäen und andere so wie ich ans Mittelmeer, in das noch aufzubauende Internierungslager Argelès-sur-Mer. Dort gab es zunächst nichts. Wir mussten uns Löcher in den Strand buddeln und dann versuchen, mit irgendwelchem Material Hütten zu bauen. Aussenrum Stacheldraht, wenn einer zu Nähe kam, schossen die Wachsoldaten, meist Algerier. Zu essen gab es tagelang nichts. Der kommandierende französische Offizier war ein Schwein, ein richtiger Faschist. Wie der einen von uns, der immerhin Major in der spanischen Armee war, behandelt hat! Dann die hygienischen Zustände und Krankheiten grassierten. Einer von unseren Genossen, der vorher in einem deutschen KZ war, sagte: „Internierungslager“ ist gut, das ist ja fast wie im KZ.

Es war klar, dass ich da nicht bleiben konnte und meine Französisch- Kenntnisse waren dabei von Vorteil. Im Januar überlistete ich die algerischen Wachen und wir hauten zu Zehnt ab in Richtung Osten.

Wir mussten unterwegs höllisch aufpassen und schlugen uns nach Marseille durch. Hatten schon im Lager gehört, dass in Aix und in Marseille viele deutsche Emigranten und Antifaschisten waren und auf ein Schiff nach Übersee hofften. Wir wussten auch, dass es in Marseille internationale Hilfskomitees gab. Also, wir kamen in Marseille an und mit Hilfe von Genossen unter…

Heinrich: „Wolltest Du mit dem Schiff weg?“

Leo: „Ein Visum hätte man nach Mexiko bekommen, aber es gab kein direktes Schiff hin. Das Problem war das Transitvisum und Du kannst Dir vorstellen, dass zum Beispiel die USA nicht gerade erpicht waren, einem Rotspanienkämpfer das auszustellen. Und was sollte ich in Mexiko? …Wer es schaffte, das waren in erster Linie „Grosskopferte“, hauptsächlich deutsche Intellektuelle, Künstler, Juden, Politiker, auch einige namhafte Genossen.

Aber jeden Tag Razzia, das war fast unerträglich, wie man aufpassen musste. Wer geschnappt wurde, kam entweder in den Knast, oder gleich in ein Internierungs- oder Arbeitslager.

So haute ich mit einem ehemaligen deutschen Fremdenlegionär ab Richtung Norden. In Lyon wurden wir eingelocht, konnten aber fliehen. Ich schlug mich dann nach Metz durch, wo ich wieder bei den französischen Genossen unterkam. Aber ich wollte heim…

Heinrich: „Spinnst Du, weisst Du nicht, dass Rotspanienkämpfer hier direkt ins KZ wandern? Und die vorher Gesuchten so wie Du könnten auch Bekanntschaft mit der Guillotine in Preungesheim machen! Und wie steht die Partei dazu?“

Leo: „Die Partei hat uns praktisch verboten, ins Reich zurückzukehren. Mir ist auch das Risiko bewusst.

Aber es ist so: Es passiert, dass ein Blatt im Herbstwind zum Baum zurückgeweht wird. Vielleicht ist es auch bei mir so. Ich will meine Eltern nochmal sehen…Und dann will ich mich der Partei zur Verfügung stellen.“

Heinrich: „Und wie kamst Du hierher?“

Leo: „In Metz ruhte ich mich erst mal bei französischen Genossen, die ich von früher kannte, aus. Ohne Papiere war es aber immer noch gefährlich. Übrigens, es sind auch ein paar deutsche Genossen noch in Metz. Aber dann entschloss ich mich, zunächst mal mich ins Saargebiet, nach Völklingen, wo ich früher war, durchzuschlagen. Ich kenne ja von der Grenze aus noch jeden Pfad. Aber man musste natürlich höllisch aufpassen… Also, ich kam bei einem Genossen in Völklingen unter. Da sind sowohl Betriebs- als auch Strassenzellen noch klandestin intakt. Als die Genossen erfuhren, dass ich heim wollte und ohne Papiere, rieten sie mir natürlich schärfstens ab. Aber mir kam der Zufall zu Hilfe: Im Bergwerk verunglückte tödlich der Sohn der Neffe von einem Genossen, der etwa in meinem Alter war. Auf dem Ausweis ist ein älteres Photo, sodass ich damit durchkomme. Und ich spreche ja saarländisch…Hierher zu kommen war einfach und da probierte ich es bei Dir als altem Freund und Genossen und weil Du nicht so exponiert warst...“

Heinrich: „Das war richtig…Du kannst bleiben, solange Du willst. Wir müssen nur vorsichtig sein. So manchen Nachbarn traue ich nicht…Ein ehemaliger Genosse hat z. B. die Seiten gewechselt…

Leo: „Keine Sorge, ich gehe morgen früh und fahre in meine alte Heimat nach Unterfranken. Ich kenne noch die Regel: Hauptbahnhof vermeiden…“

Heinrich: „Wie Du willst…Hast Du genug Geld?“

Leo: „Es wird reichen…“

Heinrich steckt ihm einen Schein zu.

Leo: „Danke“

Heinrich: „Und was willst nach dem Besuch in Deinem Heimatort machen?“

Leo: „Ich werde mich der Partei zur Verfügung stellen, wahrscheinlich wieder als Grenzgänger von Frankreich zum Saargebiet.“

Heinrich: „Es ist spät geworden. Ich bereite Dir eine Liege vor.“

Leo: „Danke, danke für alles, Heinrich.“

Am nächsten Abend, es ist Karsamstag, tritt Leo in das Häuschen seines Vaters in der Schulgasse in Obersinn ein. Die Haustüre ist wie immer offen.

„Leo!“ ruft sein Vater und seine Mutter und Schwester kommen aus der Kammer und umarmen ihn.

Sein Vater Johann: „Hat Dich einer gesehen?“

Leo: „Ich glaube nicht“.

Die Mutter: „Setz Dich und iss erst mal was: „Es gibt Zämmete und ich hab noch ein bisschen Kochkäs und das gute Bauernbrot…Es ist auch genug Most da“.

Nachdem Leo gegessen und getrunken hat, sagt der Vater: „Jetzt erzähl mal“.

Aber Leo erzählt natürlich nicht alles.

Als die Mutter in die Kammer geht, um ihm ein Bett zu bereiten, sagt der Vater: „Leo, ich weiss, Du hast es zwar nicht mit der Kirche, aber tu der Mutter den Gefallen und gehe morgen mit in die Kirche ins Amt.“

Leo: „Ist gut, Vater, mach ich.“

Vorsichtshalber schliesst er die Haustüre ab.

Am nächsten Morgen gehen sein Vater und er in die Kirche. Die Leute gaffen.

Als sie nach Hause kommen, ruft die Mutter schon: „In einer halben Stunde gibts das Mittagessen: Ich hab Deine Lieblingsspeise gekocht: rohe Klös und weisse Soss. Und ich schick die Paula zum Fichtel: Sie soll einen Krug Thüngener Bier holen, das Dir so schmeckt.“

Leo: „Das ist prima! Danke“.
Als die Paula zurück ist, schliesst Leo die Haustüre zu: „Besser ist besser“.

Beim Mittagessen: „Hast Du in der Kirche gesehen, wie sie gegafft haben? Und der SA-Mann von der Hinnerecke hat ganz wütend zu uns hergeschaut. Und die anderen Scheinheiligen und Nazis, die zur Kommunion gerannt sind…?

Vater: „Lass gut sein, viele sind nur Mitläufer. Und es ist auch einer bei der SA nur wegen der Uniform, dass er sonntags keinen Anzug braucht...Aber iss erst mal was!“

Und der Leo lässt es sich schmecken: „Ist das gut!“ Aber kaum hat er den ersten Kloss verdrückt, pocht es an die Haustüre: „Geheime Staatspolizei! Aufmachen!“

Geistesgegenwärtig reisst Leo das Küchenfenster auf, springt auf das Nachbargrundstück und verschwindet.

Was die Männer mit den langen Ledermänteln nicht wussten: Vom Fenster geht es ebenerdig auf den Hof des Nachbarn.


Der wirkliche Leo Schäfer

war ein Cousin meines Vaters aus Obersinn. Man sagte, er sei Kommunist gewesen und hätte sich nach der sog. Machtergreifung der Nazis ins Saarland abgesetzt. Er kam nach der Abstimmung, in der sich über 90% der Bevölkerung für „Heim ins Reich“ ausgesprochen hatte, zurück.

Bald drauf wurde er am Lagerplatz des Bahnhofs Mittelsinn beim Holzschälen von der Gestapo verhaftet und ins KZ Dachau eingewiesen.

Als man im Laufe des Kriegs immer mehr Soldaten brauchte, kam er wohl 1943 an die sog. Bewährungsfront, in das Strafbataillon 999. Es war ein wahres Himmelfahrtskommando, nämlich auf ein Minensuchboot in Griechenland, in der Ägäis. Das Schiff wurde von den Briten torpediert oder lief auf eine Mine und sank. Leo trieb stundenlang im Meer an einen Balken geklammert, bis ihn die Engländer auflasen. Das Kriegsende erlebte er in deren Kriegsgefangenenlager.

Nach Entlassung aus der Gefangenschaft liess er sich in Wernfeld, einem 25 km entfernten Dorf nieder und eröffnete eine Schreinerei.

An Feiertagen kam er oft nach Obersinn, zu Besuch.

Ich erinnere mich als Jugendlicher, als er an einem Ostersonntag kam, um seinen alten Vater zu besuchen. Wie es üblich war, ging er um 10 Uhr mit ins Amt in die Kirche. Nach der Kirche traf er meinen Vater, der uns dann erzählte:

Als ich Leo auf der Kirchentreppe traf, sagte der: Die da vorne zur Kommunion gerannt sind, haben mich damals verraten.

 

Anmerkungen:

1)IG Farben- Industriekonglomerat, zu dem auch Hoechst gehörte

2) Revolutionäre Gewerkschafts Opposition, Gewerkschaft der KPD

3) Zelle= Organisationseinheit der KPD

4)Das Saargebiet war nach dem 1. Weltkrieg selbständig und unterstand dem Völkerbund

5)Ministerpräsident des republikanischen Spaniens

6)spanische „Arbeiterpartei der marxistischen Einheit“, trotzkistisch orientiert

7)Hauptquartier der internationalen Brigaden und des Komintern in Mittelspanien

8)Sozialistische Arbeiterpartei

9)Kommunistisch orientierte Organisation zur Unterstützung der Familien politisch Verfolgter

10)Zentralkomitee

11) Stadtteil von Frankfurt/M









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