Neuerscheinungen Sachbuch

14.06.20
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Daron Acemoglu/James A. Robinson: Gleichgewicht der Macht. Der ewige Kampf zwischen Staat und Gesellschaft, S. Fischer, Frankfurt/Main 2020, ISBN: 978-3-10- 978-3-397336-5, 28 EURO (D)

In diesem Buch geht es um den Antagonismus zwischen Herrschaft und Freiheit. Acemoglu und Robinson argumentieren, dass es Staaten nur in seltenen Fällen gelungen ist, freie Gesellschaften hervorzubringen. Ein starker Staat hat eine unfreie Bevölkerung zur Folge.

Dabei gehen sie auf die Anfänge der Staatlichkeit in Europa zurück und fragen nach  Bedingungen für Freiheit und wirtschaftlichen Fortschritt. Sie beginnen mit der Idee eines Leviathans von Thomas Hobbes. Es muss einen stark funktionierenden Staatsapparat geben, um eine Lösung für das Ordnungsproblem zu gewährleisten. Über die Bürgerrechte nach der Französischen Revolution und dem Kampf gegen den Feudalismus im 19. Jahrhundert, wird auch die Weimarer Republik, die NS-Zeit und die Russische Revolution beleuchtet. Kapitel über China, Indien, die Vereinigten Staaten und den Nahen Osten schließen sich an.

Nach dem Verschwinden des Staatssozialismus werde die Freiheit durch moderne populistischen Bewegungen und Extreme bedroht. In ihrem Ritt durch fünf Jahrhunderte resümieren sie, dass die Freiheit zutiefst kontingent und oft kurzlebig ist. Um die Freiheit zu fördern, müssen die Staaten stark genug sein, um Gesetze durchzusetzen und öffentliche Gewährleistungen zu übernehmen, aber auch in ihren Handlungen zurückhaltend sein und von einer gut organisierten Zivilgesellschaft kontrolliert werden. Die Autoren nennen die Staaten, die diesen Weg beschreiten, „gefesselte Leviathaner“, Regierungen, die sich für die Wahrung der Rechtsstaatlichkeit, den Schutz der Schwachen vor den Starken und die Schaffung der Bedingungen für breit angelegte wirtschaftliche Möglichkeiten einsetzen. Es sollte ein Gleichgewicht herrschen zwischen dem Ordnungsgedanken eines Staates und der Freiheit der Gesellschaftsmitglieder, um beides miteinander in Einklang zu bringen. Das Spektrum der Möglichkeiten, dieses zu erreichen, sei jedoch relativ eng.

Das Buch präsentiert einen theoretischen Rahmen dafür, wie Staaten und Gesellschaften miteinander, aber auch gegeneinander arbeiten könnten, um ein liberaleres und demokratischeres Gleichgewicht zu erreichen. Durchgehend verstehen sie Freiheit als liberale Demokratie, worin auch schon das Kernproblem liegt. Es gibt so viele Variationen und Vorstellungen von politischer Freiheit, dass mit den dazugehörigen Werken ganze Regale gefüllt werden könnten. Da kann die liberale Demokratie nicht absolut als Freiheitsgarant gesetzt werden.

 

Buch 2

Plumpe, Werner/Nüzenadel, Alexander/Schenk, Catherine, R.: Deutsche Bank. Die globale Hausbank 1870-2020, Propyläen, 2020, ISBN: 978-3-549-10016-5, 38 EURO (D)

Die Historiker Werner Plumpe, Alexander Nützenadel und Catherine R. Schenk erzählen die Geschichte der Deutschen Bank seit der Reichsgründung 1871 bis in die Gegenwart und stützen sich dabei auf erstmals zugängliche Quellen.

Bei der Gründung der Band stand eine Koordination des Handels des Deutschen Reiches mit dem Ausland im Mittelpunkt. Schon bald entwickelt sich die Deutsche Bank zum führenden Geldinstitut des Kaiserreiches. Die Weltwirtschaftskrise konnte die Deutsche Bank trotz Schwierigkeiten bewältigen, im Gegensatz zu anderen Konkurrenten. Im Gegensatz zur jüngeren Vergangenheit kam sie dabei ohne staatliche Hilfe aus.

Die NS-Zeit war das düsterste Kapitel des Institutes. Die Hälfte der Filialchefs waren Mitglied in der NSDAP, der Kurs der Bank dementsprechend regimefreundlich. Jüdische Angestellte wurden entlassen und denunziert. Die Bank war finanzieller Nutznießer durch die „Arisierungen“ jüdischen Vermögens.

Mit dem Erbe der NS-Herrschaft und der eigenen Beteiligung am NS-System setzte man sich in der unmittelbaren Nachkriegszeit so gut wie nie auseinander: Rückblicke auf dunkle Seiten opportunistischen Unternehmerverhaltens während der NS-Herrschaft wie die Zwangsarbeit und die ‚Arisierungen‘ fanden nicht statt. Erst auf öffentlichen und politischen Druck fand der Versuch statt, die eigene Geschichte aufzuarbeiten.

Viele der Führungspersönlichkeiten der NS-Zeit behielten ihre Posten in der Nachkriegszeit und waren Ansprechpartner in wirtschaftlichen Fragen für die Regierung Adenauer. Ihren Kurs änderte die Deutsche Bank durch die Übernahme von Morgan Grenfall und verlagerte ihren Schwerpunkt auf Investment-Banking. Nach 1989 kam es zu zunehmenden internationalen Verflechtungen der Deutschen Bank im Zuge der Globalisierung. Die geplanten Fusionen mit der Dresdener Bank und Commerzbank scheiterten. Eine Zäsur in vielerlei Hinsicht war die Finanzkrise 2008. In den letzten Jahren produzierte die Bank verschiedene Skandale, unter denen ihre Reputation litt. Wegen Beihilfe bei russischen Geldwäschegeschäften belegte die britische Finanzmarktaufsicht FCA und die amerikanische Finanzaufsicht DFS die Deutsche Bank mit Strafzahlungen in Höhe von 630 Millionen US-Dollar. Hilfe bei Geldwäschegeschäfte aus Aserbaidschan und ihre Listung in den Veröffentlichungen der Paradise Papers waren andere Negativschlagzeilen.

Dieser voluminöse Band erzählt sehr ausführlich die einzelnen Etappen der Geschichte der Deutschen Bank, ihren Zielen, Wandlungen und handelnden Personen. Es ist auch ein Stück Wirtschaftsgeschichte der Moderne, die hier vorgestellt wird. Vorsichtige Kritik wird zwar immer wieder eingestreut, besonders ihre unrühmliche Rolle in der NS-Zeit.

Die dunklen Seiten der Deutschen Bank, die ein eigenes Buch füllen können, hätten aber weiter ausgeführt werden müssen. Ihr Investitionsgeschäft war in einigen Fällen der jüngeren Gegenwart nachweislich mit Menschenrechtsrechtsverletzung und ökologischen Schäden verbunden. Kritische Stimmen in diesem Zusammenhang werden nicht genügend berücksichtigt. Der Global Player Deutsche Bank hat in der jüngeren Vergangenheit zu Recht viel Kritik für ihre kriminellen Machenschaften und anderen Verfehlungen erhalten und damit viel Vertrauen verspielt.

 

Buch 3

Jared Diamond: Krise. Wie Nationen sich erneuern können, S. Fischer, Frankfurt/Main 2020, ISBN: 978-3-10-000284-6, 26 EURO (D)

Das Buch enthält eine Vielzahl von Forschungen und Informationen wider, die von Therapeuten zur Lösung persönlicher Krisen zusammengestellt wurden. Dies überträgt Diamond auf die Lösung nationaler Krisen.

Für ihn ist weder möglich noch wünschenswert, dass sich Einzelpersonen oder Nationen vollständig verändern und alles von ihrer früheren Identität verwerfen. Die Herausforderung besteht darin herauszufinden, welche Teile ihrer Identität bereits gut funktionieren und nicht geändert werden müssen und welche Teile nicht mehr funktionieren und geändert werden müssen.

Diamond beginnt mit einem Blick auf das Cocoanut Grove-Feuer von 1942 in Boston. Dort starben 492 Menschen, und das Trauma des Ereignisses breitete sich wie eine Welle aus. Ein Ergebnis dieses Ereignisses war das Erkennen der langfristigen Auswirkungen kurzfristiger Ereignisse. Die psychischen Gesundheitsansätze änderten sich infolgedessen und entwickelten eine neue Behandlungsmethode. Diamond nutzt die bei der Entwicklung der Krisenmanagementtherapie gewonnene Perspektive, um seine historische Analyse zugänglich zu machen.

Er verwendet ein Beispiel aus seinem eigenen Leben verwendet, und zeigt Ähnlichkeiten mit der Identitätskrise, die in Großbritannien in den 1950er und 60er Jahren bestand, als sich die relative Machtposition dieser Nation in der Welt danach dramatisch verändert hatte

Außerdem weist er auf verschiedene Arten von Herausforderungen hin. Zum Beispiel eine Katastrophe, die vorhersehbar an bestimmten persönlichen oder nationalen Übergangspunkten auftritt. Zu diesem Zweck hat er eine Checkliste mit Faktoren erstellt, die sich auf die Ergebnisse dieser historischen Wendepunkte beziehen. Wie geht man damit um oder wie geht eine Nation damit um? Es gibt Unterschiede zwischen den persönlichen und nationalen Checklisten, aber sie sind ziemlich gleich.

Er untersucht Fallstudien: Finnland und seine Beziehung zu Russland, den Aufstieg der Meiji-Ära in Japan und der Ankunft von Admiral Perry im Jahr 1853, Augusto Pinochets Rechtsputsch in Chile am 11. September 1973, Indonesiens Unabhängigkeit und anschließende Diktatur durch Suharto im Jahr 1965, den Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg, die drohende Alterskrise in Japan und wachsende langfristige Herausforderungen in den USA .

Diamond fügt einen Blick auf die Welt insgesamt hinzu und wendet dieselbe Metrik an. Es geht hauptsächlich darum, nationale Kernwerte zu identifizieren, die erhalten bleiben müssen, sowie Praktiken, Traditionen und nationale Werte, die angesichts der plötzlichen oder aufkommenden Krise überdacht, modifiziert oder aufgegeben werden müssen. Einige  schneiden besser ab als andere, und manchmal ist sogar innerhalb einer Nation die Fähigkeit, mit Krisen umzugehen, nicht unbedingt konsistent. Diamond beendet jede Fallstudie mit einem Punkt für Punkt Blick darauf, wie es der Nation gegen die Checkliste ergangen ist.

Das Buch bietet möglicherweise keine Lösungen für nationale und globale Herausforderungen, denen wir uns heute und in den kommenden Jahren gegenübersehen, aber Diamond hat eine scharfe Sichtweise auf nationale Krisen entwickelt. Der Schlüssel besteht natürlich darin, die besten Köpfe für die Erarbeitung von Lösungen einzusetzen und für diejenigen in Machtpositionen, ob in der Regierung, im Profit- oder Non-Profit-Sektor und bei den Wählern, ihren ganzen Einfluss darauf auszuüben dass vernünftige Änderungen vorgenommen werden.

 

Buch 4

Oskar Roehler: Der Mangel. Roman, Ullstein, Berlin 2020, ISBN: 978-3-550-20038-0, 23 EURO (D)

Ausgehend von seiner eigenen Kindheit erzählt der Autor fiktional die Geschichte der Lebensumstände in den 1960er Jahren in Westdeutschland. Dabei berichtet er von verschiedenen Perspektiven aus: vom Aufwachsen und Großwerden einer Gruppe von Kindern in den Sechzigern, von den Anstrengungen der Väter, Wohlstand, zumindest die Illusion davon, auch für ihre Familien zu schaffen und. Von den Sorgen und Existenzängsten der Mütter.

Trotz des vielfach gepriesenen „Wirtschaftswunders“ sei für viele Familien immer noch das Merkmal des Mangels Realität. Der Roman spielt in der Phase der Mangelwirtschaft nach dem Krieg und dem einsetzenden Konsum, was das Konstrukt der vielfach verbreiteten Losung „Wohlstand für alle“ gut beschreibt. Dort geht es vornehmlich um Geflüchtete und Zuwanderer aus dem ehemaligen Ostpreußen, Schlesien, Hinterpommern und dem Sudetenland, die als Neubürger in einer abgelegenen Siedlung wohnen und meist unter sich sind. Durch den 2. Weltkrieg sind sie Leid, Lebensgefahr und Mangelernährung gewohnt und haben dadurch eine gewisse Härte gegen sich selbst und ihre Lebenssituation entwickeln. Sie wollen durch Arbeit sich etwas aufbauen und Teil der Gesellschaft werden. Der Alltag der Männer ist meist durch harte Arbeit geprägt, die der Frauen im traditionellen Rollenverständnis als oft gestresste Hausfrauen und Mütter.

Alle auch die Kinder sind durch materiellen und finanziellen Mangel geprägt. Die dort vorgestellten Kinder jedoch auch unter einem Mangel an Emotionalität, Fürsorge und Empathie durch die Eltern, die ihre Härte gegen sich selbst an ihre Kinder weiterreichen. Eine strenge Erziehung mit viel Autorität gibt es nicht nur im Elternhaus, sondern auch in der Schule. Kinder werden schon früh dazu erzogen, mitanzupacken und utilitaristisch zu denken. Dies prägt das gesamte weitere Leben. Dies ist eine aus heutiger Sicht erstmal eine fremde, kalte und schockierende Welt. Nicht wie so oft hat der Roman einen oder mehrere Protagonisten, sondern es wird eher anhand von vielen Charakteren versucht, ein Panorama der 1960er Jahre in der einfachen Bevölkerung zu zeichnen.

Der Autor arbeitet seine eigene Kindheit und auch gleich ein Teil der deutschen Zeitgeschichte literarisch auf. Dies ist natürlich nur ein Ausschnitt, der nicht absolut gesetzt werden kann. Es gab natürlich auch bürgerliche, großbürgerliche Haushalte und solche des westdeutschen Geldadels, die eine ganz andere Geschichte erzählen könnten. Die Zeit war natürlich auch durch Studentenproteste, den Kalten Krieg oder bei Jugendlichen durch die Beatniks, Hippies oder andere Subkulturen geprägt. Dennoch werden sich viele etwas betagtere Leser in dem Roman wiederfinden und diese Zeit nochmal Revue passieren lassen können.

 

Buch 5

Manfred Franke (Hrsg.): Jenseits von Effi Briest. Elisabeth von Ardenne erzählt aus ihrem Leben, Büchner Verlag, Marburg 2019, ISBN: 978-3-96317-173-4, 28 EURO (D)

Elisabeth (Else) von Ardenne, geb. Freiin und Edle von Plotho (1853-1952) war das Vorbild für Theodor Fontanes Romanfigur Effi Briest, die im 1894 publizierten gleichnamigen Gesellschaftsroman die Protagonistin darstellt. Hier werden ihre autobiografischen Lebenserinnerungen erstmals vollständig herausgebracht.

Sie wurde als Elisabeth Freiin von Plotho wurde 1853 als jüngstes von fünf Kindern auf dem Gut Zerben bei Parey an der Elbe geboren. Nachdem sie den ersten Heiratsantrag von Armand Léon von Ardenne abgewiesen hatte, verlobten sich die beiden doch noch heirateten am 1. Januar 1873 auf Zerben. Das junge Ehepaar zog danach an das Lützowufer in Berlin. Ab dem Sommer 1881 diente Armand Léon von Ardenne bei den Düsseldorfer Husaren, was auch ihr neuer Lebensmittelpunkt wurde. Dort lernten die beiden den Maler und Amtsrichter Emil Hartwich kennen und freundeten sich mit ihm an. Dort gebar sie auch die beiden Kinder Margot und Egmont. Im Herbst 1884 kehrten die beiden nach Berlin zurück, wo Armand Léon von Ardenne ins Kriegsministerium versetzt wurde. Elisabeth führte einen intensiven Briefwechsel mit Hartwich weiter, der auch oft nach Berlin zu Besuch kam.

Dieser intensive Kontakt führte schließlich zu einer neuen Liebe zwischen Elisabeth und Emil Hartwich. Die beiden beschlossen, sich von ihren Ehepartnern scheiden zu lassen, um zu heiraten. Dies war aber nicht so einfach wie heute. Der sich betrogen fühlende Armand Léon reichte die Scheidungsklage und forderte ein Duell mit seinem Nebenbuhler und Freund. Dieses Duell fand statt und ging mit schweren Verletzungen für Hartwich aus, an denen er vier Tage später starb. erlitt schwere Verletzungen und soll seinen ehemaligen Freund noch um Verzeihung gebeten haben. Armand Léon wurde daraufhin zu Festungshaft von 18 Tagen letztlich verurteilt. Dennoch wurde die Ehe von Elisabeth und Armand von Ardenne 1887 geschieden und die Kinder dem Vater zugesprochen. Elisabeths Namen wurde sogar für eine lange Zeit aus den Familienbüchern gestrichen.

Elisabeth verlor dadurch ihr gesamtes Umfeld und ihr gesellschaftliches Ansehen und musste neu anfangen. Sie zog nach Eckwälden und arbeitete als Krankenpflegerin. Erst nach 20 Jahren sah sie ihre Kinder wieder. Von 1918 bis zu ihrem Tod lebte und arbeitete sie in Lindau am Bodensee. Dort freundete sie sich mit der Fabrikantentochter Daisy Weyersberg an, die ihr erster Bezugspunkt wurde.

In den Jahren 1931 und 1934 fertigte Elisabeth von Ardenne unter dem Titel „Else von Ardenne erzählt aus ihrem Leben“ ein autobiografisches handschriftliches Manuskript mit Lebenserinnerungen an. Anlässlich des zweihundertsten Geburtstags von Theodor Fontane erscheint dieser Text erstmals vollständig in fotografischer Wiedergabe zusammen mit einer Transkription, die in Zusammenarbeit zwischen dem Herausgeber Manfred Franke und dem Büchner-Verlag entstanden ist. Manfred Franke ist der Autor des Werkes „Leben und Roman der Elisabeth von Ardenne. Fontanes ‚Effi Briest‘“ aus dem Jahre 1994.

In einer längeren Einleitung geht Franke auf das Leben und das Nachleben Elisabeth von Ardenne ein. Dann folgt die Transkription ihrer Lebenserinnerungen: „Das Manuskript von 1934 wird in dieser Edition im Abdruck vorgezogen, weil es im Abgleich mit der fragmentarisch erhaltenen Fassung aus dem Jahre 1931 nicht nur die inhaltlich vollständigere Version darstellt, sondern auch diejenige, von der man ausgehen kann, dass Elisabeth von Ardenne sie selbst für ‚fertiger‘ gehalten hat.“ (S. 36) Diese erfolgt zeilenweise und steht jeweils der Originalansicht der Handschrift gegenüber. Schreibweisen wurden teilweise übernommen, teilweise wurden sie an die neue Rechtschreibung angepasst und explizite Fehler korrigiert. An einigen für das Verständnis schwierigen Stellen wurde mithilfe von Einfügungen in eckigen Klammern Hilfen zur besseren Lesbarkeit gegeben. In eckigen Klammern finden sich zudem Ergänzungen weniger häufig vorkommender Abkürzungen.

Danach werden vom Herausgeber ausgewähltes Bildmaterial, historische Quellen und Stadtpläne abgedruckt. Dem folgt die ältere Fassung der Lebenserinnerungen aus dem Jahre 1931. Nach den beiden handschriftlichen Entwürfen wird noch eine unvollständige Arbeitsfassung der Lebenserinnerungen von Elisabeth von Ardenne, die an derselben Stelle abbricht wie die Fassung von 1931, aber im Vergleich zu dieser zusätzliche Passagen enthält, abgedruckt. Diese wird als Kopie im Nachlass des Editionswissenschaftlers Siegfried Scheibe in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften aufbewahrt. Wo sich das Original befindet und wer diese Fassung zusammengestellt hat, ist unbekannt.

Im Anhang findet man noch ein Abkürzungsverzeichnis, Bildnachweise, eine Literaturauswahl und ein Personenregister.

Elisabeth von Ardennes Leben war aber nicht minder turbulent als das von der fiktionalen Gestalt Effi Briest. Die Edition macht vom Aufbau und System her Sinn und ist gut zu lesen und nachzuvollziehen. Eine Zeitleiste von wichtigen Stationen im Leben von Elisabeth von Ardenne fehlt und wäre zum schnellen Nachschlagen von Vorteil gewesen. Vor der Lektüre sollte man sich genau das Vorwort durchlesen, um Gesamtzusammenhänge zu kennen.

 







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