Neuerscheinungen Natur und Kulinarik


Bildmontage: HF

27.05.20
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Maria Schiffer: Eating with Africa. Meine Reise durch die afrikanischen Küchen. Ein Kochbuch mit Geschichten, DK, München 2020, ISBN: 978-3-8310-3886-2, 29,95 EURO (D)

Die Fotografin Maria Schiffer hat sich allein und selbstfinanziert auf eine Reise durch zehn afrikanische Länder begeben. Dort besuchte sie verschiedene Regionen und kochte gemeinsam mit Einheimischen typische Gerichte. Die regionalen und bisweilen unbekannten Rezepte und die dahinterstehenden Geschichten präsentiert sie in diesem Buch, das mehr sein will ein normales Kochbuch: „eines mit Rezepten von ganz normalen Afrikanerinnen und Afrikaner aus allen Schichten, zubereitet in der Privatsphäre ihrer eigenen Küchen, mit Menschen, die mir ihre Geschichten erzählen und mir durch ihr Essen Afrika erklären. Ich wollte den Kontinent einfach und persönlich beschreiben, ohne Klischees, aus dem echten Leben: seine Vielfalt aufzeigen, die so viel mehr umfasst als Safaris, Kriege, Hungersnöte.“ (S. 7)

Hier werden ihre Reisen durch zehn Länder in verschiedenen Ecken des Kontinents in einzelnen Kapiteln präsentiert. Dies sind Malawi, Marokko, Namibia, Südafrika, Sao Tome und Principe, Uganda, Madagaskar, Sambia, Äthiopien und Sierra Leone. Immer werden Daten und Fakten zu dem jeweiligen Land mit Erzeugnissen, Grundnahrungsmittel und landestypischen Gerichten vorangestellt. Ihr Besuch in bis zu fünf einheimischen Haushalten wird mit Text und in Bildern beschrieben, die dazugehörigen Rezepte folgen danach.

So findet unter anderem das Fischgericht Tilapi mit Gemüse in Malawi, msemn (Marokkanische Frühstück Pancakes), Ziegenfleisch mit Reis in Namibia, Lammkarree mit Gemüse aus Südafrika, Schnecken in Palmfruchtsauce aus Sao Tome und Principe oder Iuwombo (Gemüseeintopf im Bananenblatt) in Uganda. Oder Maniokblätter in Kokosmilch mit Fisch auf Madagaskar, sambischen Eintopf mit Rind, Linsen und Koriander, Äthiopisches Fladenbrot mit Sauce sowie peteteh leaf with chicken (Süßkartoffelblätter mit Hähnchen) in Sierra Leone. In Sierra Leone lernte sie das NGO-Start-Up OneVillage Partners kennen, das mit Dorfgemeinschaften zusammen, die Ursache von Problemen analysiert und nur gezielt durch finanzielle Unterstützung, Ausbildung und sonstige Hilfestellungen agiert. Hier wird das Projekt beschrieben, ein Teil des Erlöses des Kochbuches geht an die Organisation.

Im Anhang findet man noch ein Register.

Das Buch ist eine Mischung zwischen Reisebericht, Landeskunde und Kochbuch. Anhand der Rezepte taucht man in die Geschichte, Kultur und Tradition der Gegenden und der Länder ein und lernt dadurch viel über die Menschen. Es fehlen Bezugsquellen für bestimmte Zutaten, manche Rezepte können auch notfalls abgeändert werden mit heimischen Zutaten. Insgesamt ein spannend geschriebenes Buch, das selten authentisch rüberkommt.

Buch 2

Kevin Rechsteiner: Tiny House – Das große Praxisbuch. Planung, Selbstbau und Fertighäuser. Mit vielen Erfahrungsberichten, AT Verlag, Aarau/München 2020, ISBN: 978-3-03902-050-8, 29,90 EURO (D)

Die von Jay Shafer angeschobene „Tiny House Movement“ in den USA erreicht auch langsam Europa. Die Sehnsucht nach kleinen Zufluchtsorten, sei es zur inneren Einkehr oder zur Erholung, wie Eremitagen oder Henry Thoreaus „Walden“ hat Konjunktur. Den Anhängern dieses Lebensstils geht es in der Regel um die Reduzierung auf das Wesentliche zugunsten finanzieller Freiheit und persönlicher Unabhängigkeit sowie um einen Beitrag zu Ökologie und Nachhaltigkeit.

Die kulturellen, rechtlichen und geografischen Voraussetzungen zu dieser Wohnform unterscheiden sich in den USA und Europa jedoch deutlich. Der Autor gibt Anleitungen und Tipps für den Bau und Unterhalt eines Tiny House in Mitteleuropa und stellt verschiedene Bauprojekte vor. Beim Bau oder Kauf eines Tiny House müssen Aspekte berücksichtigt werden, die bei anderen Häusern keine Rolle spielen. Dabei berücksichtigt er die unterschiedlichen Bedingungen in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Berichte und Interviews zahlreicher Tiny House-Besitzer ergänzen den Text.

Das Buch beginnt mit einer kurzen Geschichte des Tiny House. Danach werden verschiedene Formen von Kleinwohnformen vorgestellt. Anschließend gibt es Porträts von Tiny Houses, ihrer Erbauer und Besitzer. Dabei werden die verschiedenen Formen vorgestellt: vom Neubau, Umbau über Tiny Houses mit baubiologischem Design bis hin zu modernen, atmungsaktiven und leichten Varianten. Anschließend geht es um die Rahmenbedingungen: Dabei werden rechtliche Fragen, Kosten, Zeitrahmen, Skizzen für die Planung und die Instandhaltung angesprochen. Die technischen Grundlagen anfangen von Fahrzeug und Anhänger über Strom bis hin zu Abwasser kommen dann zur Sprache. Die Inneneinrichtung, dabei auftretende Probleme mit Lösungswegen und der Schutz vor Schäden runden das Buch ab. Im Anhang findet man noch Literatur und Webseiten, ein Bild- und Quellennachweis sowie Informationen zum Autor.

Bei diesen kleinen Häusern steht ökologisches und biologisches Bauen gepaart mit Autarkie und trotz einigen Komforts Einfachheit im Mittelpunkt. Diese Entwürfe für auf das Wesentlichste reduzierte Behausungen werden hier ausführlich und erschöpfend in Wort und Bild vorgestellt. Aus den Erfahrungsberichten kann man vieles mitnehmen. Es gibt zu diesem Buch auch eine Webseite, wo man weitere Interviews mit Tiny-House-Bewohnern, Anbietern, Neuigkeiten und ergänzende Informationen findet. Ein spannendes architektonisches und zugleich umweltbewusstes Konzept, das individuell umgesetzt werden kann.

Buch 3

Svenja Zuther: Die Zauberkraft der Pflanzenwelt. Spirituelle Naturerfahrung. Ganzheitliches Heilen mit Pflanzen, AT Verlag, Aarau/München  2020, ISBN: 978-3-03902-051-5, 29,90 EURO (D)

In diesem Buch zeigt Svenja Zuther, wie man mit der Kraft der Pflanzen zu spirituellem Wachstum und ganzheitlicher Heilung kommen kann: „Mit dieser Pflanzenheilkunde können wir nicht nur unseren Körper heilen, sondern auch unseren Geist beflügeln und unsere Seele unterstützen, ihre Ziel zu verwirklichen.“ (S. 8)

Für sie entfaltet sich die größte Heilkraft, wenn der Geist von Mensch und Pflanze zusammenwirken. Es werden Pflanzen mit ihrem Wesen, ihren Eigenheiten und besonderen Kräften vorgestellt. Dadurch wird der Geist der Pflanze sichtbar, die zu einer erweiterten Wahrnehmung der Natur und seiner Heilkräfte führen sollen. Dabei stützt sie sich auf die Forschungsergebnisse der Pflanzenneurobiologie, die nachweisen, dass Pflanzen intelligente Lebewesen sind. (S. 52) Aufbauend auf dieser Grundlage und den Prinzipien der angewandten Naturwissenschaft entwickelt sie eine spirituelle Pflanzenheilkunde und Naturtherapie, die in zahlreiche praktische Übungen und die Gestaltung von Ritualen erfahrbar werden. Die Basis dafür ist eine Verbundenheit mit einer Pflanze, das „Vitamin B“ (S. 226)

Pflanzenmeditationen unterstützt durch Urtinkturen, Räucherwerk oder ätherische Öle, das Tragen von Amuletten aus Zeichen der Pflanzen oder die Prinzipien des Nature Coaching werden hier vorgestellt. Anleitungen zu einer Kommunikation mit Pflanzen und der Natur werden auch in einem eigenen Kapitel hervorgehoben. Im Anhang findet man noch ein Literaturverzeichnis, ein Pflanzenverzeichnis und Informationen über die Autorin.

Einheimische Pflanzen und deren Wirkung werden auf das seelische Wohlbefinden mit Anregungen für besondere Momente, aber auch für den alltäglichen Gebrauch geschildert. Die Autorin verbindet in diesem Buch althergebrachtes Wissen über Pflanzen, Naturwissenschaft und Spiritualität für die Heilung von Körper und Geist. Davon kann man mit Sicherheit einiges für sich selbst mitnehmen, anderes dagegen aus den Übungen kommt reichlich abgehoben und phantastisch daher.

Buch 4

Vanessa Schlesier/Malte Jäger: Jerusalem. Rezepte. Restaurants. Geschichten, AT Verlag, Aarau/München 2020, ISBN: 978-3-03902-056-0, 29,90 EURO (D)

Jerusalem war schon immer ein Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen. Hier treffen sich Menschen aus der ganzen Welt: Israelis, Palästinenser, Aramäer, Marokkaner, Äthiopier, Jemeniten, Menschen aus Osteuropa. So unterschiedlich wie die Herkunft ihrer Bewohner ist, so vielfältig sind die Gerichte der arabisch-levantinischen und der klassischen europäisch-jüdischen Küche. Vanessa Schlesier stellt ausgewählte Restaurants, Cafés und Bars vor, verrät ihre Rezepte, erzählt die Geschichten ihrer Entstehung und porträtiert ihre Köchinnen und Köche. Die Bilder stammen von Malte Jäger.

So verschieden die Einflüsse und Präfenzen der Gerichte in Jerusalem sind, gibt es doch Gemeinsamkeiten: Die Zutaten sind immer saisonal und lokal, beinhalten vor allem Obst und Gemüse, Olivenöl und Weizen. Die Köche nutzen frische Kräuter und besonders intensive Gewürze und Aromen.

Das Buch ist als Spaziergang durch die verschiedenen Stadtteile aufgemacht. Dort werden ausgewählte Restaurants und deren Spezialitäten vorgestellt, insgesamt gibt es 70 Rezepte. Jede Lokalität wird mit seiner Geschichte, seiner kulinarischen Richtung und dem Besitzer präsentiert.

So wie das Ishtabach nahe des irakischen Teils des Mahane-Yehuda-Markts, wo Shamburak, kurdische Teigtaschen, gebacken werden. Oder das Arafat in der Altstadt, eine Mischung zwischen Restaurant und Essensstand, wo man das Nationalgericht der Palästinenser Maqluba und Hummus findet. Im Gloves im Ostteil Jerusalems zelebriert deren Inhaber Tareq Taha traditionelle Speisen wie Linsensalat mit Kürbis-Tahina in einem modernen Gewand.

Im Anhang findet man noch ein Adressverzeichnis mit ungefährer Preisangabe und ein Rezeptverzeichnis.

Das Buch ist sowohl gestalterisch wie inhaltlich-kulinarisch auf hohem Niveau. Die Geschichten um die Gerichte herum sind unterhaltsam und vermitteln einen Teil des kulinarischen Lebensgefühls. Die Rezepte sind vielseitig und leicht verständlich beschrieben, auch wenn manche Gewürze nicht unbedingt leicht zu bekommen sind.

Buch 5

Meera Sodha: Asien vegetarisch. 120 Rezepte von Mumbai bis Peking, DK, München 2020, ISBN: 978-3-8310-3884-8, 26,95 EURO (D)

Die englische Food-Journalistin Meera Sodha, bekannt durch ihre Bücher über die indische Küche, präsentiert hier 120 vegetarische Rezepte der asiatischen Küche. Sie interpretiert dabei bekannte Klassiker durch kreative Abwandlungen, die alltagstauglichen und gesunden Charakter haben.

Zu Beginn des Buches werden für verschiedene Anlässe (Frühstück, Picknick, Jahreszeiten usw.) passende Rezepte mit veganer Variante mit den entsprechenden Seitenzahlen abgedruckt. Danach folgen die Rezepte, die nicht nach Länderküchen, sondern nach Hauptzutaten geordnet sind. Zuerst werden Snacks und Kleinigkeiten wie Bao mit Pilzen, ein taiwanesisches Straßengericht, oder indisches Kartoffel-Dosa mit Erbsen-Kokos-Chutney vorgestellt. Weiter geht es mit Salatkreationen wie Tomatensalat mit Ponzu (Zitrussauce) aus Japan oder Burmesischer Mangosalat mit Erdnüssen und Limetten. Nudelgerichte wie Pad Thai mit Erdnussmus und lila Brokkoli oder ein japanisches Chili-Ramen mit einer Vorstellung der wichtigsten Sorten kommen dann zur Sprache, bevor Currygerichte wie geröstetes Aloo Gobi mit Panir oder Kokoscurry mit Frühkartoffeln und Mangold präsentiert werden.

Reisgerichte wie Kimchi-Reispfanne oder Auberginen-Larb mit Klebreis und Schalotten-Erdnuss-Salat aus Thailand und die verschiedenen Sorten an Reis folgen danach. Tofukreationen wie Seidentofu mit Pinienkernen und eingelegten Chilischoten oder das indonesische Gado-Gado mit Sellerie, Tofu und Grünkohl werden dann thematisiert. Rezepte mit Mehl und Eiern wie Kartoffel-Paratha mit schnellem Zitronen-Pickle oder vietnamesischer Kokospfannkuchen und Kreationen aus Hülsenfrüchten wie Rote-Linsen-Rasam mit Rotkohl oder pakistanischer Dal werden dann vorgestellt.

Beilagen wie chinesische Sichuan-Auberginen ein im Ganzen gerösteter Kürbis, feine Extras wie Karotten-Achar oder Ketjar Manis und süße Rezeptideen wie vietnamesisches Kaffee-Eis oder Bananenkuchen mit Kokos-Chips. Weiterhin werden noch wichtige Zutaten wie Choi-Sum oder Kombu extra beschrieben. 

Jedes Kapitel beginnt mit einer einleitenden Bemerkung über ihre Bedeutung in den verschiedenen Länderküchen. Im Anhang findet man noch Internetadressen zur allgemeinen Bezugsquellen und verschiedenen Landesküchen, weitere Literatur und ein Register.

Hier werden viele Rezeptideen außerhalb der indischen vegetarischen Küche beschrieben, die noch unbekannt sein dürften. Hier wird zum großen Teil die Küche Südostasiens beschrieben. Die Levante-Küche mit spannenden Gerichten wie Kürbis mit Joghurtcreme oder Sharon-Salat mit Dukkah ist stark unterrepräsentiert. Die Rezepte waren verständlich beschrieben und sind in der Regel und nach einigem Ausprobieren einfach nachzumachen. Es ist neben Vegetariern auch für Veganer geeignet, da es einige Gerichte schon in veganer Ausfertigung gibt bzw. die Abänderung in vegan extra beschrieben ist. Bezugsquellen werden extra beschrieben, dies sollte kein Problem sein. Also alles in allem ein hochwertiges Kochbuch mit Gerichten, die meist problemlos umgesetzt werden können und vielfältig ist.

Buch 6

Henry, Diana: Change your appetite. Besser essen - besser fühlen, Ars vivendi, Cadolzburg 2019, ISBN 978-3-86913-980, 30,00 EUR(D)

Diana Henry bietet in diesem Buch eine leichte, frische und saisonale Art des Kochens, die ohne Einschränkungen im Geschmack und gleichzeitig gesund ist, die sie im Zuge ihrer persönlichen Nahrungsumstellung zusammengestellt hat.

Die Rezepte sind nach Jahreszeiten geordnet. Zu jeder Jahreszeit gibt es zunächst einige Worte zur angemessenen Ernährung und einen Saisonkalender für Obst, Gemüse und Fisch. Dann folgen die Rezepte. So werden für den Frühling Kreationen wie Spargel auf venezianische Art, Gersten-Couscous mit Harissa und Buttermilch oder Fararej Mashri (Hähnchen vom Grill nach ägyptischer Art) entdecken. Für den Sommer werden Gerichte wie Salat mit heiß geräuchertem Lachs, Roggen, Roter Bete und Radieschen, Püree von dicken Bohnen mit Feta-Relish und Kreuzkümmel-Fladenbrot oder Beeren-Hibiskus-Sorbet angeboten. Kisir (türkischer Bulgursalat), Pilaw von gemischtem Getreide, Süßkartoffeln und Fenchel mit Avocado-Creme oder Zitrusfrüchte-Kompott mit Ingwer-Schnee sind für den Herbst. Gerichte wie Oyaka Domburi (Japanische Reisschüssel mit Hähnchen und Eiern), Karotten-Mooli Salat mit Erdnuss-Chili-Dressing oder Grünkohl-Pesto mit Vollkorn-Liguine sind passend für den Winter.

Danach folgt noch eine kurze Schlussbemerkung, wo Henry nochmals die Punkte zusammenfasst, die sie für ihre eigene Ernährungsumstellung beachtete. Anschließend gibt es noch Hinweise für Bezugsquellen, ein Literaturverzeichnis und ein Register.

Sie möchte eine gesündere Lebensweise mit Freude am Essen verbinden. Dies soll ohne Verbote und das Aufzählen von Kalorien erfolgen. Hier werden energiehaltige Rezepte, ohne viele fette und schwere Zutaten und wenig industriell verarbeitete Lebensmittel, die zugleich zuckerarm sind, vorgestellt. Dies sind Rezepte aus unterschiedlichen kulinarischen Traditionen aus allen Teilen der Welt. Gewöhnungsbedürftig ist, dass die Rezepte nach Jahreszeiten geordnet sind und nicht wie üblich nach Mahlzeiten am Tag. Manche Zutaten könnten bisweilen schwer zu besorgen sein. (dazu S. 329)

 

 







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