Verbot eines Kulturfestivals als Geschenk für einen Diktator


Bildmontage: HF

04.09.18
KulturKultur, Internationales, NRW 

 

Von Civaka Azad

Nur Wochen vor dem umstrittenen Besuch des türkischen Präsidenten Erdogan in Deutschland sorgt das Verbot des 26. Internationalen Kurdischen Kulturfestivals am 8. September in Dinslaken für Aufsehen. Laut Vertretern der ‚Afrin Solidarity Platform‘, ein Zusammenschluss von 93 Organisationen, der das diesjährige Kulturfestival organisiert, wurde die Durchführung des Festivals durch die zuständigen Behörden in Dinslaken untersagt. Technische Fragen werden als Begründung für das Verbot vorgeschoben.

Dr. Rizgar Qasim, Sprecher der ‚Afrin Solidarity Platform‘, protestiert gegen das Verbot: „Das Verbot unseres diesjährigen Festivals steht in direktem Zusammenhang mit dem Wunsch der deutschen Bundesregierung, die Beziehungen zum türkischen Regime auszubauen. Es soll Erdogan darüber hinwegtrösten, dass er eventuell selbst während seines Staatsbesuches in Deutschland nicht öffentlich zu seinen Anhängern sprechen darf. Wir finden das einen Skandal! Es ist ein katastrophales Signal für das demokratische Zusammenleben in unserem Land, wenn ein Kulturfestival von unterschiedlichen kulturellen und religiösen, aber auch verschiedenen politischen Gruppierungen verboten wird. Wir sind sprachlos und entsetzt!“

Den Rahmen für das 26. Kulturfestival stellt ein umfangreiches Kulturprogramm dar. Neben international bekannten Sängern wie Mikail Aslan sollen auch Jugendtanzgruppen auftreten. Ein extra Programm für Kinder ist vorgesehen. Ergänzt wird das Programm durch Reden politischer Vertreterinnen und Vertreter wie Pervin Buldan (Ko-Vorsitzende der HDP), Abgeordneten der Partei DIE LINKE und Bündnis90/Die Grünen. Bürgermeister aus Italien werden als weitere internationale Gäste erwartet. Insgesamt wird mit ca. 25.000 Besucherinnen und Besuchern gerechnet. Das Bündnis ‚Afrin Solidarity Platform‘ tritt als Veranstalter des Kulturfestivals auf. Dieser Zusammenschluss aus politischen, kulturellen, frauenspezifischen und glaubensorientierten Gruppen und Organisationen führte während des Krieges der Türkei gegen den nordsyrischen Kanton Afrin zu Beginn diesen Jahres unzählige Veranstaltungen durch, um den Krieg zu stoppen.

Dr. Rizgar Qasim fordert eine Rücknahme des Veranstaltungsverbots: „Im Namen aller 93 kurdischen, türkischen, alevitischen und christlichen Organisationen, die unser diesjähriges Kulturfestival veranstalten, fordere ich die sofortige Zurücknahme der fadenscheinigen Begründung und eine Aufhebung des Verbots. Diesbezüglich befinden wir uns weiterhin in Verhandlungen mit den verantwortlichen Stellen. Wir haben den Eindruck, dass diese unser Anliegen verstehen und rechnen daher mit einer Erlaubnis für unser Festival. Wir wollen und werden am Samstag gemeinsam Werte wie Vielfalt, Frieden und Demokratie feiern. Denn das sind Werte, die nicht verhandelbar sind und für die wir uns tagtäglich einsetzen. Hier in Deutschland und im Mittleren Osten.“







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