SPARGELSTECHERANEKDOTE


Foto: pexels.com

12.07.18
KulturKultur, Linksparteidebatte, Berlin 

 

ODER WIE ALLES ANFING IM SOMMER 2018 ...

Sommerzeitglosse von Richard Albrecht

Wie alles anfing damals, im Sommer 2018 ... ich weiß nur noch, daß der Auslöser einer stummen Revolte die Spargelstechereloge einer der Vorsitzenden der auch parlamentarisch vertretenen und als links geltenden politischen Partei, wie sie hieß, wart mal - Kippling oder so ähnlich - jedenfalls hatte die arg überzogen als sie zum Sommeranfang öffentlich erklärte:

„Wir sollten jetzt nicht so tun, als ob Arbeitsmigration für uns nur eine Bedrohung ist. Ich würde es mal anders herum sagen: Wenn alle Arbeitsmigranten, die es bereits hier gibt, dieses Land verlassen würden, dann hätten wir ein richtiges Problem. Wir haben gerade Spargel-Saison. Ich wüsste gar nicht, wie der Spargel bei uns auf den Tisch kommen soll, wenn es da nicht Menschen aus anderen Ländern gäbe."

Gemüselspargel, auch Asparagut officinalis, war damals für Leute mit wenig Geld ziemlich teuer, ähnlich wie heute die Kartoffel. Also was für hauptstädtische Reklamegrimassen, Schickins, Willkommis und Internettis, die sich damals im Berliner Prenzlberg klumpten und sich Mosaiklinke nannten. Die forderten, grad so als wären sie der linke Flügelschlag des damals alles domierenden Neoliberalismus mit seinen grenzenlosen Freiheiten für Finanzen, Kapital und Ausbeutung, für sich und ihresgleichen offene Grenzen.

Naja, in diesem Sommer waren so Leute wie ich es endgültig leid, hatten teilweise jahrzehntelang in politischen Partei die Geherda-Arbeit gemacht. Wir fingen an, die Spargelstecherfraktion mit ihrem Spargelgemüse rechts liegen zu lassen, ließen sie allabendlich im Fernsehen ihren Talkshowsozialismus absabbern, zahlten keine Beiträge mehr und ließen sie da oben weiterwurschdeln. Und besannen uns, was heute, nach fünfzig Jahren, als entscheidender praktischer Schritt gilt: Auf die echte Gartenschwarzwurzel (Scorzonera hispanica), auch „Arme-Leute-Spargel“ genannt, die - wie wir heute wissen - bis zur Industriealisierung auch als Heilkraut gegen allerlei Gifte wirkte.

Natürlich wußte keiner von uns damals, im Sommer 2018, wie durchschlagend fortschrittlich diese Form der Rückbesinnung auf die Schwarzwurzel wurde und den ersten wirksamen Schritt gegen die nicht nur genzenlosen, sondern auch menschenfeindlichen Freiheiten für Ausbeutung, Kapital und Finanzen bedeutete. Und natürlich wurden wir damals als reaktionäre Schwarwurzellisten verspottet. Heute, nach einem halben Jahrhundert, sind alle weiland Großberliner Mosaiklinken wie ihre Spargelstechereloge mit ihrer Sprecherin nicht mal eine Fußnote in der deutschen Regionalgeschichte.

Dr. Richard Albrecht, PhD., Kultur- und Sozialwissenschaftler. Leitkonzept The Utopian Paradigm (1991). Kolumnist des Linzer Fachmagazins soziologie heute. Fördermitglied der Freidenker; e-Post eingreifendes.denken@gmx.net







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