Stefan Heym


Bildmontage: HF

10.04.13
KulturKultur, Antifaschismus, TopNews 

 

von Klaus Horn

Er ist es mehr als wert, dass 'scharf-link' seiner heute gedenkt.
Vor 100 Jahren wurde er in Chemnitz geboren. Der Deutschlandfunk widmete ihm heute morgen Erinnerungssendeminuten. In ihnen war auch seine Stimme zu hören.

Er sprach in Anlehnung an Bert Brechts „Erst kommt das Fressen und dann die Moral“, dass wir oft gerade diese Seite des Menschen nicht richtig beachtet haben und versuchten, sie mit ständigen Agitationen vom Gegenteil zu überzeugen bzw. zu überdecken..

Wenn ich mich umdrehe, dann stehen hinter mir in den Regalen viele seiner Bücher. Und wenn ich mich an ihn erinnere, ohne sein Leben mit den Angaben aus der Wikipedia [1] detailliert zu wiederholen – dann beeindruckt mich seine Standhaftigkeit, ein ganzes Leben dem Antifaschismus und dem Bemühen zu widmen, mit sozialistischen Versuchen dem Kapitalismus nicht nur zu begegnen, sondern ihn zu bändigen.

Zunächst im Exil in der Tschechoslowakei, dann in den USA nach dem Reichstagsbrand 1933, als Soldat nimmt er teil an der Landung der Alliierten am 6.Juni 1944 in der Nor- mandie, zurück in die USA  mit einer prosowjetischen Einstellung, sie aber bald zusam- men mit anderen Persönlichkeiten wie Thomas und Heinrich Mann, Bert Brecht wieder verlassend wegen des aufkommenden Antikommunismus unter McCarthy.

Danach beginnt sein deutsches Kapitel. In der amerikanischen Besatzungszone sich bald abwendend von der dort einsetzenden Restauration des deutschen Kapitalismus. Wie viele andere hoffend auf ein neues Deutschland im Osten. Noch konnte von ihm auf dem Büchermarkt erscheinen „Kreuzfahrer von heute“.(1).

Damit war es bald aus wegen seiner Haltung zu den Oberen, eine oft von ihm wieder- holte Bezeichnung, gemessen am 17.Juni 1953, an der Ausbürgerung von Wolf Biermann und an der weiteren Entwicklung in der DDR. Der Westen honorierte natürlich diese seine Haltung ebenso wie die von Havemann, Bahro ...Die Anerkennung und Beachtung ihrer ehrlichen und ernstgemeinten Kritik zum Wohl einer sozialistischen Entwicklung und das Recht zur Mitentscheidung hätte den Bürgern der DDR den weiteren Verlauf bis zum Herbst 1989 ersparen können.

Die große Demonstration am 4.November 1989 erlebte auch ich, da nicht propagiert, zufällig am Fernseher. Auf einer DVD bleibt sie mir erhalten. So stand auch Stefan, wie Christa Wolf, Friedrich Schorlem- mer und andere, auf der kleinen Bühne auf dem Ber- liner Alexanderplatz, begeistert begrüßt von den zehntausenden endlich frei atmenden Versammelten, verteidigte die angebrochene Zeit als eine Hoffnung für eine neue DDR gegen – und das sagte er - eine Macht, die korrumpiert und wenn diese absolut ist, dann absolut korrumpiert. [2] 

So unterschrieb trotz Maueröffnung auch Stefan wie Christa Wolf, Friedrich Schorlemmer, Volker Braun, Bischof Demke, Generalsuperintendent Krusche und andere am darauf folgenden 26. November den Aufruf „Für unser Land“. Darin: Entweder Eigenständigkeit der DDR oder Duldung kurz über lang die Vereinnahmung durch die BRD.(2)

In der weiteren Entwicklung entschieden sich die Bürger für die Vereinnahmung. Stefan versuchte als parteiloser Direktkandidat in einer offenen Liste für die PDS, den Bundes- tag als Alterspräsident mit einer Rede eröffnend, gegen diese Entwicklung zu warnen. Diese angekündigte Rede wurde damals mit Spannung erwartet und war bis zu ihrem Beginn von CDU-Klamauk begleitet. Am nächsten Tag musste wir durch ganz Dresden bis zum Hauptbahnhof laufen, um dann dort gerade noch ein Zeitungs-Exemplar mit seiner Rede zu erwischen.

CDU und CSU hatten sich nicht veranlasst gesehen, eine Hand für ihn zu rühren, und die, den ehemaligen Dissidenten über alles gelobt hatten, wie Kohl und Waigel, saßen mit versteinerten Mienen während seiner Rede im Parlament. So wies es das große Foto für jeden Interessenten sichtbar in der Zeitung aus. Wen wunderte das damals noch?

Standhaft wie er sein Leben lang gewesen war, legte er 1995 sein Mandat nieder wegen einer gesetzlich vorgesehenen Diätenerhöhung (wie sich das so in den Jahren danach bis heute so liest oder so anhört..., mein Jott) und setzte sich, gegen das Ende seiner politischer Tätigkeit, für ein rot-grünes Bündnis zur Bundestagswahl 1998 ein. Er starb 2001 fern der Heimat in Israel und brauchte die langsam herauf dämmernde antisoziale, deutsche Soldaten im Ausland einsetzende  Schröder/Fischer – Regierung mit Hartz nicht mehr zu erleben.

Die Deutschen könnten, zurückblickend auf ihre Geschichte, einen großen Verlust von Persönlichkeiten und Geistesschaffenden beklagen, denen die Führung der Nation nie- mals anvertraut worden war.

Solidarisch
Klaus Horn.. 

(1) Copyright 1950 by Paul List Verlag, Printed in Gemany, Gesamtherstellung VEB Offizin Andersen Nexö in Leipzig III/18/38, Lizensnummer 375-290/20/55

(2) Kompletter Text in Theodor Hoffmann „Das letzte Kommando“ 1993 by Verlag E.S. Mittler & Sohn GmbH Berlin.Bonn.Herford; Seite 43 – 44; ISBN 3-8132-0420-0

*auch von mir ausführlicher erwähnt im Beitrag am 03.04.13 über Christa

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Heym

[2]  Rede Stefan Heym bei größter DDR-Demo 04.11.1989 Alexanderplatz Berlin ca. 800.000 Teilnehmer
www.youtube.com/watch?v=KO0KyhpjS1s
* Minute 6:24 Zitat: "Denn Macht korrumpiert und absolute Macht - das können wir heute noch sehen - korrumpiert absolut!"

www.transatlantik.de/archives/826-Zum-100.-Geburtstag-von-Stefan-Heym.html


VON: KLAUS HORN






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