"Amerikas Neue Rechte."

08.10.12
KulturKultur, Internationales, Antifaschismus, TopNews 

 

von Hermann Dworczak via Rotbuch Verlag Berlin

REZENSION

Angesichts des Wahlkampfs in den USA: das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt. Es zeigt die Gründe für das Entstehen der rechtsextre- men Tea Party-Bewegung, deren Entwicklung und wie stark sie ihre Positionen in der Republi- kanischen Partei verankern konnte.

Entstanden ist sie mit vereinzelten Demonstrationen unmittelbar nach Obamas Amtsübernahme Januar 2009 und sie "entwickelte sich bald unter den Parolen von “weniger Staat“ und „weniger Steuern“ zu einer nationalen Bewegung, die ein Sammelbecken für unterschiedlichste politische Strömungen des rechten Rands wurde“ (S. 15).

Ihre inhaltlichen Positionen sind ein kruder Mix aus radikalem Liberalismus, Verherrlichung der "Größe Amerikas", Waffenfanatismus, Rückgriff auf die Religion als gesellschaftliches Regulativ etc. Ihre Netzwerke haben einen reaktionären Background, ihre Financiers sind Großkapitalisten und Multis - entgegen allem Geschwätz "gegen die da oben". Sarah Palin eine der Ikonen der Tea Party: "Wir sind wütend auf die da oben". Entstehen und Ausbreiten konnte sie sich auch wegen der gebrochenen Versprechen Obamas ("hope, "change") und dem Fehlen einer linken Alternative.

Die Tea Party konnte einen sehr steilen Aufstieg verzeichnen, wobei – insbesondere - die konservativen Medien kräftig mitmischten (S.105ff). Schläger unterstreicht zu Recht, dass man den Hänger der Tea Party 2011 nicht überbewerten soll. Sie hatte nämlich bereits Fuß kräftig in der Republikanischen Partei gefasst!

Mitt Romney heult heute kräftig mit den Wölfen, obwohl er selbst als Gouverneur von Massachusetts eine Gesundheitsreform einführte, an der sich später Obama orientierte... Egal wie die Wahlen ausgehen werden, die Tea Party wird weiter stark den politischen Diskurs prägen.

Der Autor unterstreicht zu Recht: Nur wenn eine breite Bewegung von links entsteht - und nicht mehr in Obama "vertraut" wird (siehe auch das Buch Schlägers "Der entzauberte Präsident") - werden sich die Dinge zum Positiven ändern (S. 270). Wer über eine rechtsextreme Massenbewegung, über die Hintergründe des Wahlkampfs, die aktuelle Lage des US-Imperialismus etwas Relevantes erfahren will, sollte unbedingt zu dem Buch greifen.

Zwei Schwächen sind mir aufgefallen:

  • die traditionell - zentrale - Rolle der Religion in den USA wird nicht ausreichend belichtet
  • Schläger verwendet einen sehr weiten Begriff von "links" und unterliegt auch dem – neokeynesianischen - Mythos vom "New Deal" Roosevelts der 30er-Jahre. In Wirklichkeit startete jedoch der Arbeitsmarkt erst mit dem Eintritt der USA in den 2. Weltkrieg durch (Aufblähung der Rüstung, Massenrekrutierung für die Armee,...).

Philipp Schläger Amerikas Neue Rechte.
Tea Party, Republikaner und die Politik der Angst
Rotbuch Verlag Berlin,2012 286 Seiten 15,40 Euro

Sie wollen kein Teil des Systems sein. Sie lehnen Kompromisse ab. Sie verstehen sich als eine Opposition »von unten«. Die Vertreter der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung betreiben Demokratie in ihrer aggressivsten Form. Was sie eint, ist der Hass auf das Establishment, die Demokraten, Barack Obama. Inzwischen ist aus der fundamentalistischen Splittergruppe ein Machtfaktor geworden: Immer stärker setzt die Tea Party die Themen, treibt die Republikaner vor sich her und nimmt so Einfluss auf die US-Politik – mit weltpolitischen Folgen.
Philipp Schläger liefert eine kritische Bestandsaufnahme der Tea Party und des rechten Spektrums der Republikaner. Er skizziert, wer ihre Anführer sind, wie ihre Inszenierungen funktionieren, wer sie finanziert. Darüber hinaus analysiert er, wie die Tea Party die US-Politik unterwandert und eigene Inhalte durchsetzt. Und er zeigt, wie durch diese Radikalität die Vereinigten Staaten, und mit ihnen ihre Partner, in einen gefährlichen Strudel geraten könnten.

Zum Autor

Philipp Schläger, geboren 1977, arbeitete als Journalist für die Frankfurter Rundschau. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften in Frankfurt und Paris zog er nach New York und berichtet von dort über politische und soziale Entwicklungen in den Vereinigten Staaten, u.a. für Der Freitag und ZEIT Online. Bei Rotbuch erschien von ihm 2010 »Der entzauberte Präsident«und zuletzt »Amerikas Neue Rechte« (2012).

http://www.rotbuch.de/programm-3/titel/1264-amerikas-neue-rechte.html

 


VON: HERMANN DWORCZAK VIA ROTBUCH VERLAG BERLIN






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