Neuerscheinungen Kunst und Design


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10.11.19
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Rembrandt. Sämtliche Gemälde, Taschen Verlag, Köln 2019, ISBN: 978-3-8365-2631-9, € 150

Rembrandt gilt als einer der bedeutendsten und bekanntesten niederländischen Künstler des Barock. Sein Schaffen fiel in die Epoche des Goldenen Zeitalters, als die Niederlande eine politische, wirtschaftliche und künstlerische Blütezeit erlebten. Rembrandt betätigte sich als Maler, Radierer und Zeichner, führte eine Werkstatt und bildete Künstler aus. Sein Gesamtwerk umfasst unter anderem Porträts, Landschaften sowie biblische und mythologische Themen.

Aus Anlass des 350. Todestages des Künstlers versammelt diese Monographie sämtliche 330 Gemälde Rembrandts in Reproduktionen angefangen vom Gastmahl des Belsazar (um 1635) bis zum Spätwerk. Dies ist die Ausgabe in deutscher Sprache. 80 Selbstporträts präsentiert der eindrucksvolle Bildband, natürlich auch sein Porträt aus dem Jahre 1658, in eitler selbstverliebter Pose.

Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf die Kraft und Ausdrucksweise der Farbe, die für Rembrandt und insgesamt die Mal- und Sehweisen der Malerei insbesondere des Barocks typisch waren. Diese starken Hell-Dunkel-Kontraste steigerten den dramatischen Ausdruck, der sich in der Ölmalerei durch ins Licht gerückte Sujets vordunklem Hintergrund erreichen ließ, und auch die Räumlichkeit. Rembrandt bedient sich der Wirkung von Licht und Schatten, um Körper und Formen deutlicher zu modellieren und in ihrer Räumlichkeit zu betonen, um dramatische Effekte zu steigern oder um eine ausdrucksvolle Stimmung zu erzeugen. Die Nuancen in der Abstufung der Helligkeitswerte reichen von gehöhten Partien bis zu Spitzlichtern und Schlagschatten.

Jedem der abgebildeten Gemälde fügen die Autoren detaillierte Informationen hinzu: Entstehungszeit, Besonderheit des Bildes, seine Geschichte, Literatur. Im Vordergrund stehen aber die ganzseitigen Hochglanz-Aufnahmen in beeindruckender Detailtiefe. Durch die großformatigen Abbildungen der Gemälde kann auch jedes Detail darauf entdeckt werden. Das ist der Vorzug dieses Bandes gegenüber einem Museumsbesuch, dass er mit aktuellster Technik der großformatigen Auflösung Details und Besonderheiten der Gemälde sichtbar macht.

 

Buch 2 

Rob Ford: Web Design. The Evolution oft he Digital World 1990-Today, ISBN: 978-3-8365-7267-5, 40 EURO (D)

Die entscheidende Wende für die Weiterentwicklung des Internets war der Beginn der 1990er Jahre Das ARPANet wird 1990 offiziell abgeschaltet. Die NSF verlagert die Netzwerkförderung von einer direkten Finanzierung der akademischen Backbone-Infrastruktur hin zur Bereitstellung von Etats, mit denen die Universitäten sich Konnektivität von kommerziellen Anbietern einkaufen. Mit der schwindenden Rolle der NSF im Internet endete auch die Verbindlichkeit der Acceptable Use Policy. Zunächst behutsam, dann in einem unaufhörlichen Strom setzten die Werbebotschaften im Netz ein.

Die im CIX zusammengeschalteten Netzanbieter vermarkteten das Internet als Businessplattform. Über die Gateways der kommerziellen BBSe kamen Nutzerkulturen, die es gewohnt waren, für Informationen zu bezahlen und ihrerseits die Kanäle hemmungslos für gewerbliche Zwecke zu verwenden. Ab 1990 wurden gezielte Anstrengungen unternommen, kommerzielle und nicht kommerzielle Informationsdienstanbieter ins Netz zu holen.  Der erste kommerzielle Internetprovider World ging 1990 an den Start. 1991 konnte das WWW so seinen Siegeszug antreten. Mehr als 100 Länder waren an das Internet angeschlossen, mit über 600.000 Hosts und fast 5.000 einzelnen Netzen. Im Januar 1993 waren es schon über 1,3 Millionen Rechner und über 10.000 Netzwerke.

In diesem großformatigen Band illustrieren über 200 Websites illustrieren die Geschichte des Internets von seinen Anfängen bis heute. Der Band erscheint gleichzeitig in englischer, französischer und deutscher Sprache. Diese umfassende Bildchronik besteht aus 21 Kapiteln, die für jedes Jahr seit 1998 die besten Websites und Beispiele der genutzten Hardware vorstellen und aufzeigen, wie das Benutzererlebnis, die Benutzerfreundlichkeit und technische Errungenschaften die Entwicklung jenes Internets beeinflusst haben. Außerdem werden die wichtigsten Pioniere des Internetzeitalters als Person und seine Leistung vorgestellt und ihre markanten Zitate.

Einer von ihnen war Jonathan Gray, der mit Adobe Flash m Plattform zur Programmierung und Darstellung multimedialer und interaktiver Inhalte. Flash ermöglicht es, Vektorgrafiken, Rastergrafiken und Videoclips darzustellen, zu animieren und zu manipulieren. Die erste bekannte Website mit Flash erschien 1997 unter www.gabocorp.com, die mit dem Namen Gabo Mendoza verbunden ist.

Oder Joshua Davis, der Schöpfer von praystation.com. Davis war ein früher Anwender von Open Source-Software und schuf den Quellcode der Entwicklung der Komposition und Animation von praystation.com für die Öffentlichkeit.

Hier werden die wichtigsten Etappen des Siegeszuges des Internets, das heute und in Zukunft unser Leben prägen wird, in Wort und Bild. Eine Geschichte, die in wissenschaftlicher Hinsicht noch ein Randphänomen der Forschung ist. Dies ist eine populärwissenschaftliche Version mitsamt den führenden Köpfen, wo die meisten Zusammenhänge gut dargestellt werden, aber manchmal rutscht das Buch in Fachjargon ab, der nur schwer zu verstehen ist. Es werden bestimmt noch viele Bücher über das Thema folgen.

 

Buch 3

The Illustrator: 100 Best from around the world, Taschen, Köln 2019, ISBN: 978-3-8365-7336-8, 50 EURO (D)

In den letzten zehn Jahren verfolgten Steven Heller und Julius Wiedemann die weltweit neuesten Entwicklungen in der Illustration. Momentaufnahme der weltweit führenden Stile, Techniken und Farbgestaltungen. Ein großer strukturierter Schuber umschließt die beiden Bände. Die Cover selbst dienen als Teaser für das, was drin ist. Die Seiten sind sorgfältig geplottet, wobei der Galerie-Aspekt des Buches im Vordergrund steht.  Das Buch erscheint gleichzeitig auf Englisch, Französisch und Deutsch.

Das Buch will die 100 besten der Welt vorstellen. Das wird aber gleich in der Einleitung wieder relativiert. In seiner Einführung konkretisiert Steven Heller den herausfordernden Prozess, ein Feld von 600 Illustratoren auf eine Auswahl der 100 wichtigsten zu beschränken, die Kriterien sind jedoch diskutabel.

Die Vielzahl der vorgestellten Illustratoren, die in alphabetischer Reihenfolge besprochen werden, erstreckt sich über zahlreiche Bereiche. Ich würde jedoch sagen, dass die redaktionelle Illustration im Mittelpunkt steht, wobei die 2D-Illustration im Mittelpunkt steht. Es gibt eine Reihe sehr berühmter Features, darunter eBoy, Gary Baseman, Jeremyville und Gary Taxali, Antonie Helbert, Brad Holland. Weitere bekannte Künstler sind Istvan Banyai, Gary Baseman, Seymour Chwast, Paul Davis, Brad Holland, Anita Kunz, Christoph Niemann. Die Texte gehen jeweils auf Biographisches und Stilistisches ein. Nach diesen kurzen Einführungen zu den Künstlern folgen einige Seiten mit repräsentativen Beispielen.

Im Zentrum stehen aber die Illustrationen, von denen mindestens eine pro Künstler ganzseitig abgebildet ist. Die Angaben dazu sind kurz gehalten: Titel, wo vorhanden Erscheinungsjahr, Verwendungszweck und gelegentlich die Technik oder der Name des Art Directors.

Im Index werden einfach die Agenturen alphabetisch aufgeführt, deren Internetseiten, Mail Adresse und vertretenen Künstler.

Dies ist eine Auswahl der weltweit erfolgreichsten und einflussreichsten Illustratoren der Gegenwart, die eine Vielzahl von Stilen und Techniken repräsentieren. Neben der Würdigung ihrer Werke ist das Buch für Illustratoren oder der Gilde der kreativen Berufe eine Fundgrube, um sich selbst davon inspirieren zu lassen.

 

Buch 4

Chris Campe/Ulrike Rausch: Making Fonts! Der Einstieg ins professionelle Type-Design, Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2019, ISBN: 978-3-87439-909-8, EURO (D)

Unter einem Font wird ganz allgemein jede auf einem Computer oder angeschlossener Peripherie digital vorhandene Satzschrift bezeichnet. Der Font bildet also das elektronische Pendant zum mechanischen Schrifttypensatz. Mit ihm kann eine Zeichensatztabelle in konkret ausgeformte Zeichen eines Peripheriegeräts (wie Bildschirm oder Drucker) umgesetzt werden. Je nach vorgesehener Darstellung kann ein Font entweder in einem rasterorientierten Format als Bitmap oder als frei skalierbarer Vektorfont vorliegen. Fonts sind Hilfskomponenten von Informations- und Kommunikationstechnologien.

Dieses Buch vermittelt die Grundlagen der Schriftgestaltung anhand von Display-Schriften und ermöglicht so einen Einstieg in Type-Design. Anhand von Beispielen und Tipps aus der Praxis wird die Wissensvermittlung umgesetzt.

Im ersten Kapitel werden Fonts und Type-Design definiert, die Prozesse erklärt und die ersten Schritte skizziert. Danach geht es um die Gestaltung der Schrift: Dabei werden die Schrift-Parameter, die Effekte und die Klassifikation von Schriften erklärt. Außerdem geht es darum, Ideen zu skizzieren, Formenverwandtschaften und optische Korrekturen werden ebenfalls angesprochen. Wie man Fonts anlegt, wird danach vorgestellt: Die analog gezeichneten Buchstaben werden in einem Fonteditor importiert und dann in die Software Giyphs angelegt. Anschließend folgt die Produzierung der Fonts: Akzente, Sonderzeichen und Satzzeichen werden dabei ebenso behandelt wie das Spacing und das Exportieren der Schrift. Im letzten Kapitel geht es darum, Fonts mit Hilfe von Open-Type-Feature zu programmieren. Danach folgen noch acht Workshops, wie verschiedene Schriftarten umgesetzt werden können. Neben einem EInstieger-Font lernt man weitere Arten kennen wie Script-Fonts, Monoline-Fonts oder Dingbat-Fonts.

 

Die Zielgruppe des Buches sind Designer, Ersteller von Webseiten oder Verantwortliche für eigene Projekte. Das Buch kann als Grundlagenwerk dienen, das die gestalterischen und technischen Grundlagen verschiedener Arten von Fonts Schritt für Schritt erklärt, ohne vorher sich viel anlesen zu müssen. Dies beinhaltet auch Sonderfunktionen für den professionellen Gebrauch.

 

Buch 5

Jochen Denzinger: Das Design digitaler Produkte. Entwicklungen, Anwendungen, Perspektiven, Birkhäuser, Basel 2018, ISBN: 978-3-0356-1225-7, 39,95 EURO (D)

Der sich immer stärker durchsetzender Globalisierungsprozess ist für die weltweite Vernetzung von Nationen in allen Bereichen (z. B. Politik, Wirtschaft, Kommunikation und Kultur) verantwortlich. Die zunehmende Digitalisierung verändert die Entwicklung und Gestaltung heutiger Produkte und Angebote.

Dieses Fachbuch beschäftigt sich mit dem Design digitaler Produkte. Es erhebt keinen Anspruch auf eine geschlossene Systematik oder Vollständigkeit, sondern versammelt die Positionen von 19 Autoren aus Wissenschaft, Theorie, Praxis und Forschung im Sinne einer Phänomenologie: „Sie decken verschiedene beteiligte Disziplinen, Wissensdomänen und Perspektiven ab wie Design, Engineering/technische Entwicklung, Human-Computer-Interaction, Informatik, Kulturwissenschaften, Ökonomie, Psychologie, Soziologie u.a.m. Die Beiträge beschreiben Entwicklungen, Vorgehensweisen, Prozesse und Methoden, sie ordnen ein, interpretieren und stellen Rahmenbedingungen wie auch Herausforderungen und Möglichkeiten bei der Entwicklung und Gestaltung digitaler Produkte dar.“ (S. 10)

Das Buch gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil werden überblicksartig die Grundlagen des Designs digitaler Produkte in sechs Beiträgen vorgestellt. Dabei geht es um Methoden in der Interaktion zwischen Mensch und Computer, Methoden und Prozesse in der technischen Entwicklung, Industrie 4.0 sowie Produktdesign und Designstudiengänge.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit tiefergehenden Einblicken und sechs Beispielen aus der Praxis (Industriedesign technischer Laborgeräte, menschzentrierte Gestaltung, Usability Engineering, Argumented Reality, digitale Kleidung, Softwareentwicklung).

Der letzte Teil behandelt in drei Essays mögliche Zukunftsszenarien und Perspektiven. Im Anhang findet man noch Informationen zu den Autoren, eine Bibliografie, ein Abbildungsverzeichnis und einen Index.

Jeder Beitrag ist mit zentralen Schlagwörtern versehen, die die Hauptthemen der Beiträge charakterisieren. Die Beiträge haben allesamt ein hohes Niveau und decken viele Bereiche des Themas ab. Besonders der Beitrag von Wolfgang Henseler über die Entwicklung smarter Produkte, deren datenbasierten Geschäftsmodellen und die Auswirkungen auf die Berufsbilder ist sehr spannend. Bei einigen Beiträgen kommt es allerdings zu thematischen Überschneidungen, was dann etwas langatmig sein kann.

 

 







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