Neuerscheinungen Fotografie


Bildmontage: HF

26.12.19
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Adrian Schulz: Architekturfotografie. Technik. Aufnahme, Bildgestaltung und Nachbearbeitung, 4.Auflage, dpunkt, Heidelberg 2019, ISBN: 978-3-86490-668-8, 44,90 EURO (D)

Anhand zahlreicher neuer Bildbeispiele zeigt der Autor den Weg zum gelungenen Architekturfoto. In der überarbeiteten 4. Auflage dieses Buchs wurden die technischen Aspekte der Architekturfotografie, insbesondere die Kameratechnik, aber auch der Bearbeitungsworkflow den neuesten Entwicklungen angepasst. Weitere neue Kapitel befassen sich mit der Landschaftsarchitekturfotografie, der Architekturfotografie mit Drohnen sowie speziellen Eingabegeräten, die den Workflow in der Architekturfotografie stark beschleunigen können. Ein besonderes Augenmerk wurde außerdem auf das Arbeiten mit Graufiltern und verwischten Objekten sowie auf den kreativen Einsatz von Mehrfachaufnahmen gelegt.

Im ersten Teil werden die Grundlagen der Architekturfotografie geschildert: Geschichte, Authentizität und Erscheinungen kommen dabei zur Sprache. Weiter geht es mit der Fototechnik: Dort werden die Vor- und Nachteile des digitalen Systems, die verschiedenen Sorten der Kameras, des Zubehörs und des Objektivs behandelt. Danach geht es um die Aufnahmetechnik und die Frage, was ein gutes Foto ausmacht. Dies ist das umfangreichste Kapitel des Buches, wo der Motivblick, die Perspektive, der Standort, die Brennweite, das Bildformat, die Bildaufteilung und die Bildkomposition, die Aufnahmeparameter, der Einsatz von Objektfiltern, die Innenraumfotografie, die Landschaftsarchitekturfotografie, Drohnenaufnahmen und äußere Bedingungen und Einflüsse vorgestellt werden. Anschließend folgt die Bearbeitungstechnik: Dabei werden digitale Bildformate (Raw), Bildkorrekturen, Kontrast- und Helligkeitskorrekturen, Panoramen, HDR- und DRI-Bilder präsentiert und Schritt für Schritt erläutert.

Alle vier Kapitel enden mit verschiedenen Kreativtipps vom Autor. Im Anhang findet man noch einen Index zum Nachschlagen.

Das Buch ist verständlich in vier große Teilbereiche gegliedert und erleichtert Anfängern, aber auch besonders den Fortgeschrittenen, einen schnellen Zugang zur Architekturfotografie. Die erstklassigen Bilder visualisieren den Fließtext und geben eine genaue Vorstellung. Vor allem können Fotografen von den langen Ausführungen über die Aufnahmetechnik profitieren.

 

Buch 2

Eusebius Wirdeier (Hrsg.): Fotogeschichten Sülz und Klettenberg 1855-1985, Emons Verlag , Köln 2019, ISBN: 978-3-7408-0693-4, 35 EURO (D)

Der in Köln-Sülz lebende Eusebius Wirdeier beschäfigt sich als Fotograf mit dem öffentlichen Raum in Alltag im Rheinland, vor allem in Köln. Für seine fotografischen Verdienste wurde ihm 2019 der SeverinsBürgerpreis verliehen.

Er hat über viele Jahre über 300 zum größten Teil noch unveröffentlichte Privataufnahmen aus seiner Nachbarschaft in Sülz und Klettenberg zusammengetragen und die Geschichten dazu erforscht. Die Bilder zeigen die beiden Stadtteile in der Zeit von 1855 bis 1985 und die Menschen, die hier lebten und arbeiteten. Sie erzählen von Zerstörung und Wiederaufbau, von Alltag und Arbeit, Festen und Geselligkeit, von Wohnverhältnissen und Architektur und dem alltäglichen Leben auf der Straße. Das Buch beginnt mit einer Einführung von Alexander Hesse über die Sülzer und Klettenberger Ortsgeschichte.

In dieser ersten Entwicklungsstufe ab 1845 siedelten sich zunächst kleine Gewerbebetriebe und Fabriken im Bereich in Sülz an. In Sülz gab es Maschinenfabriken und Spinnereien; es wurden Fahrräder, Motorräder, Autos und Tabakverarbeitungsmaschinen gebaut, Goldleisten, Buchdruckerschwärze, Möbel, Bogenlampen, Bürsten, Lacke, Lakritz, Zigarren, Angeln, Mieder und Strohhüte hergestellt und Brot gebacken. Unternehmen wie Tabakverarbeitungsmaschinen Wilh. Quester, die Cito-Fahrradwerke, die Heinrich Dumont Zigarrenfabrik, die Brotfabrik Hermann oder die Kölner Motorenwagenfabrik als erstes deutsches Automobilwerk brauchten Arbeitskräfte; die Folge war ein enormer Bevölkerungszuwachs. Auf diese Weise entstand die seinerzeit für Sülz typische Mischung aus Wohnen und Arbeiten. Zusammen mit der gesamten Gemeinde Kriel wurde Sülz 1888 in die Stadt Köln eingemeindet. Auf Sülzer Gebiet waren die Cito-Fahrradwerke beheimatet, die später mit den Allright-Fahrradwerken an der Neuenhöfer Allee zu den Köln-Lindenthaler Metallwerken verschmolzen.

In einer zweiten Entwicklungsstufe wurden nach der Jahrhundertwende in Sülz zentrumsnahe Wohngebiete für die Kölner entlang der Ausfallstraßen sowie im Bereich zwischen Berrenrather und Luxemburger Straße erschlossen, die nun planerisch auf architektonische Elemente der Kölner Neustadt zurückgreifend gestaltet wurden und unterschiedliche Zentren wie Wohnbebauung, Geschäftsansiedlungen, Plätze, Grünflächen sowie Kirchen- und Schulbebauung berücksichtigten.

In Sülz hatten die Nazis eine ihrer Hochburgen, sie hielten gerade deshalb vorwiegend dort ihre Parademärsche ab. Nach dem Krieg waren weite Teile von Sülz und Klettenberg wie auch im übrigen Köln stark zerstört.

Auf dem Gebiet des heutigen Klettenberg befanden sich zuvor hauptsächlich im 19. Jahrhundert angelegte Sand- und Kiesgruben und im westlichen Bereich noch ein weiterer, bis heute erhaltener Fronhof, der Komarhof. Im westlichen Randbereich von Klettenberg der Klettenbergpark als Ausflugsziel nach Plänen von Fritz Encke angelegt. 10 Jahre nach der Eingemeindung 1888 wurde die Vorgebirgsbahn der Cöln-Bonner Eisenbahnen eröffnet, welche die vorherige Pferdebahnlinie nach Sülz und Klettenberg ablöste.

In zeitlich chronologischer Form erzählt Wirdeier Fotogeschichten unter anderem von Eisenwarengeschäft Bosen, dem Fabrikgelände der Cito Fahrradwerke AG Köln-Klettenberg, die Entstehung von Fabriken in Sülz, vom Sülzer Dienstagszug im Karneval und den Feierlichkeiten in Kneipen, dem Auerbachplatz als Marktstandort, dem Kölner Universitätsgelände oder einem dortigen Teach-In 1968.

Alltägliche und Bilder zu bestimmten Anlässen wechseln sich ab. Neben Straßenszenen, Häusern, Arbeiterfotografien, Geschäften, Thekenmannschaften im Fußballdress werden die Grundsteinlegung der Pfarrkirche St. Nikolaus 1907, dem Manderscheider Platz aus dem Jahre 1913, Kölner Edelweißpiraten in den frühen 1940er Jahren, ein Trümmerpanorama 1940-1949, ein öffentlicher Boxkampf des mehrmaligen deutschen Meistern „Müllers Aap“, das Uni-Center aus dem Jahre 1973 und Feste des Bürgervereins Alt-Sülz gezeigt.

Mit diesem gelungenen Stück lokaler Geschichtsschreibung möchte Wirdeier die Entwicklung der beiden Kölner Stadtteile skizzieren und lebendig erzählen. Außerdem will er durch die Sammlung fotografischer Erinnerungsstücke auch der Nachwelt den Alltag und das Leben in den beiden Stadtteilen charakterisieren und hinterlassen. Die Bilder sind großformatig und mit ausführlichen Erklärungen versehen und werden systematisiert gezeigt. Es fällt allerdings auf, dass von den Parademärschen der Nazis in Sülz kaum Bilder existieren und auch sonst wenig Bilder aus der Alltagskultur der Nazizeit.

  

Buch 3

Ludwig Windstosser Fotografie der Nachkriegsmoderne, Kerber Verlag, Bielefeld/Berlin 2019, ISBN: 978-3-7356-0625-9, 25 EURO (D)

Mit rund 200 Aufnahmen präsentiert eine Ausstellung im Berliner Museum für Fotografie vom 12.10.2019 bis 23.02.2020 eine Auswahl aus dem Nachlass des Stuttgarter Fotografen Ludwig Windstosser (1921-1983). Durch seine Firmenporträts avancierte Windstosser zum führenden Industriefotografen der westdeutschen Nachkriegszeit und ist dennoch bis heute weitgehend unbekannt. Sein Sohn Peter Windstosser schenkte den Nachlass seines Vaters an die Kunstbibliothek. Die Ausstellung ist der erste Versuch, einen umfassenden Einblick in Leben und Werk des Fotografen zu geben, der bislang noch in keiner Einzelausstellung gewürdigt wurde.

Dieser zur Ausstellung erscheinende Begleitband vertieft die drei Hauptaspekte im Schaffen Windstossers – künstlerische Fotografie, Industriefotografie, Stadt- und Landschaftsaufnahmen. Dies geschieht in Form von drei Essays, zwischen denen immer wieder die Fotografien zu sehen sind.

Zunächst beschäftigt sich Lara Höfchen mit der Gruppe fotoform, der Windstosser angehörte. Die Gruppe war ein Zusammenschluss der Avantgardefotografie in Westdeutschland, die als Merkmal die subjektive Fotografie bevorzugte. Die Subjektive Fotografie will nicht die objektive Wirklichkeit einer Situation wiedergeben, sondern nur deren bildhafte Deutung, eine subjektive Interpretation des Betrachters ist nötig und dessen Phantasie gefordert. Die Subjektive Fotografie liefert vor allem schwarz-weiß-Aufnahmen und drückt sich meist durch abstrakte Formen, graphische Strukturen, Linien von Licht und Schatten aus. Weitere Merkmale sind kontrastreiche Abzüge, radikale Ausschnitte, surreal wirkende Situationen, aber auch Negativabzüge oder Solarisationen, Verfremdung des fotografischen Bildes durch starke Überbelichtung. Dort werden die Bilder von Windstosser zusammen mit den anderen Mitgliedern der Gruppe gezeigt.

Anschließend stellt Jette Panzer die Industriefotografie Windstossers dar. Ab den frühen 1950er Jahren arbeitete er für viele bekannte Firmen angefangen vom Stahlbau über Pharmahersteller bis hin zur Textilbranche und entwickelte sich zum Primus der Branche. Die Auftraggeber waren an einer Darstellung der Leistungsfähigkeit der Firmen interessiert, aber der Anspruch Windstossers ging über eine reine Gebrauchsfotografie hinaus. Er verstand seine Arbeit „sowohl darstellerisch als auch künstlerisch und fand immer wieder kreative Bildlösungen und Darstellungsmodi“. (S. 36)

Stefanie Regina Dietzel analysiert danach seine Großstadtporträts im Fotobuch und sein breites Spektrum von Landschaftsaufnahmen. Windstosser verknüpfte gerne seine Arbeit mit Reisen quer durch Westeuropa, was er „lukrative Erholung“ bezeichnete. (S. 67) In seinen Fotobüchern und Bildbänden erzählt er Geschichten durch visuelle Aufnahmen, der 1972 erschienene Bildband „Berlin: teils teils“ ist davon wohl der bekannteste.

Danach folgt noch eine tabellarische Biografie sowie seine wichtigsten Aufträge und Fotobücher. Im Anhang gibt es noch ein Quellen- und Literaturverzeichnis.

Ludwig Windstosser war einer der gefragtesten Fotografen der westdeutschen Nachkriegszeit, die er dokumentierte, aber einen eigenen Stil entwickelte und diesen treu blieb. Schwarz-weiß Aufnahmen wechseln sich in seiner Karriere mit Farbbildern ab. Er verstand sich als künstlerischen Fotograf, was in der Auswahl der hier gezeigten Bilder zum Ausdruck kommt. Das Erbe Windstossers wird in dem Begleitband zwar gut aufgearbeitet, hätte aber ausführlicher als auf fast 100 Seiten dargestellt werden können.

 

Buch 4

Thierry Legault: Astrofotografie. Von der richtigen Ausrüstung bis zum perfekten Foto. 2 Aktualisierte Ausgabe, dpunkt, Heidelberg 2019, ISBN: 978-3-86490-662-6, 39,90 EURO (D)


Der weltweit renommierte Astrofotograf Thierry Legault vermittelt in dieser Neuauflage die Kunst und Techniken der Astrofotografie von der Nachtaufnahme von Sternenbildern mit einer einfachen Kamera auf dem Stativ über Sternspuren, Finsternisse, künstliche Satelliten und Polarlichter bis zur noch anspruchsvolleren Astrofotografie mit Spezialausrüstung für Mond-, Planeten-, Sonnen- und Deep-Sky-Bilder. Der Autor stellt die notwendige Ausrüstung  zur Astrofotografie vor und geht auch Schritt für Schritt auf die Aufnahme- und Verarbeitungstechniken ein. Das Buch wurde aktualisiert und mit vielen neuen Fotos versehen.

Das Buch beginnt mit Kameras und ihren Einstellungen und verschiedenen astronomischen Motiven. Anschließend werden die verschiedenen Kameratypen und der Sensor näher vorgestellt. Weiter geht es mit Informationen, wie Bilder richtig kalibriert und zusammengefügt werden. Danach werden die wesentlichen Bestandteile der Einsetzung der Ausrüstung präsentiert. Die Befestigung der Kamera an das Teleskop, die Berechnung des Gesichtsfeldes und des Abbildungsmaßstabs, die Kollimation des Teleskops und die Fokussierung stehen dabei im Mittelpunkt. Wie die besten Bilder von den Planeten und vom Mond entstehen und wie die Bilder verarbeitet werden, wird danach gezeigt. Dasselbe wird im nächsten Kapitel mit der Sonne veranschaulicht, bevor auf die Deep-Sky-Fotografie, ihren Besonderheiten und Möglichkeiten der Bildbearbeitung eingegangen wird. Durch den Text hindurch werden immer wieder spezielle Informationen in einem Blockabsatz gegeben.

Danach folgen noch sieben Anhänge, wo die Dateiformate und Arbeitsschritte, die Schritte vom Sensor zum Bild, Uniformitätsfehler mitsamt Lösungen, die Überprüfung und Einstellung einer Äquatorialmontierung, Bilderserien von Finsternissen, verschiedene Optimierungen der Kameraeinstellungen und Meteorströme behandelt werden. Außerdem findet man dort noch ein Stichwortverzeichnis.

Dieses Buch beleuchtet alle Fassetten der Astrofotografie ausführlich und beschreibt auch theoretische Hintergründe anschaulich. Manchmal sollte man sich die Zeit nehmen, schwierigere Bereiche zweimal durchzulesen, besonders für Anfänger. Erfahrene Fotografen können anhand der (neuen) Bilder und deren Verarbeitungsmöglichkeiten neue Inspirationsquellen finden. Es lohnt sich auch auf die Webseite des Autors zu gehen, dort findet man manche Information zusätzlich.

 

Buch 5 

Frank Teichler: Lightroom – Classic und cloudbasiert. Schnell einsteigen – effektiv einsetzen. Mit 120 Workshops und Download-Material, dpunkt, Heidelberg 2019, ISBN: 978-3-86490-634-3, 39,90 EURO (D)

Dieses Buch behandelt in der digitalen Fotografie sowohl Lightroom Classic als auch das cloudbasierte Lightroom. Der Autor zeigt in 120 Workshops nützliche Vorgehensweisen, die man anhand von Beispielbildern direkt ausprobieren kann, und gibt Hinweise zur Lösung von möglichen Problemen. Außerdem stehen zum Download Bilddateien der Workshops, ein 80seitiges Bonuskapitel zum cloudbasierten Lightroom mit mobilen Versionen, Presets und Tastaturkürzelübersichten für Windows und Mac bereit. Der Code dafür befindet sich im Buch.

Das Buch beginnt mit grundlegenden Informationen über Lightroom, Voreinstellungen und die Unterscheidung zwischen der klassischen Variante und cloudbasiert. Wie man einen Katalog anlegt, einrichtet und damit arbeitet, wird danach erklärt. Anschließend geht es um den Importvorgang für Fotos, den verschiedenen Optionen beim Import und auch Tethered Shooting. Danach werden das Bibliothek-Modul zur Verwaltung von Bildern, das Entwickeln-Modul zur Bearbeitung sowie das Karte-Modul ausführlich behandelt. Das Buch-Modul für Fotobücher mit Lightroom, das Diashow-Modul für Bilder auf dem Laufsteg und das Drucken-Modul und dessen Bedienfelder folgen danach. Das Web-Modul und wie man eine Webgalerie anlegt oder bearbeitet, wird danach vorgestellt. Wie man Lightroom unterwegs und auf mehreren Geräten nutzt, zum Beispiel für Urlaubsbilder, kommt dann zur Sprache. Erweiterungen mit Zusatzmodulen und die Arbeit mit externen Programmen wie Aduobe Fotoshop rundet das Buch ab. Innerhalb der einzelnen Kapitel werden 120 Workshops eingebaut, so dass die Anwendung geübt werden kann. Im Anhang findet man noch ein Stichwortverzeichnis.

Dieses Buch eignet sich sowohl als Einsteigerbuch für Lightroom-Anwender als auch für Fortgeschrittene bei der Verwaltung und Bearbeitung von Bildern. Die Anleitungen sind gut erklärt und mit den oben schon angesprochenen Workshops zur Praxis versehen. Besonders hervorzuheben ist aber der umfangreiche Teil zum Download.







<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz