Atheisten sind dumm

01.06.15
KulturKultur, Debatte, Bayern, TopNews 

 

von Georg Korfmacher, München

Im Musterland christlicher Kultur und Werte, so wenigstens die Vorstellung der Bayerischen Landesregierung, läuft im Dunstkreis der überwiegend nicht-christlichen Landeshauptstadt der tolldreiste Versuch, eine Realschule auf streng christlichen Kurs zu trimmen. Ein eklatanter Verstoß gegen § 3 (3) unseres GG und eindrücklicher Beweis, wie selbstherrlich und stur sich die Catholica – mit Schützenhilfe der Politik - über geltendes Recht hinwegsetzt.

In unserem GG ist geregelt, dass niemand wegen seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden darf. Der Staat ist also grundsätzlich zu strikter Neutralität verpflichtet und darf keinem irgendwelche religiösen Anschauungen oder Rituale aufzwingen. Und genau das will ein Realschulleiter und Diakon der Catholica in Personalunion. Alle Schüler sollen täglich ein Gebet sprechen. Zur Begründung  behauptet er, dass Atheisten dumm seien, dass das in der Bibel stünde und dass das Gesetz das erlaube. In allen Punkten irrt der Schulleiter bemerkenswert, was die Frage nach seiner Qualifikation für das Amt aufwirft. In Sachen Recht und Gesetz sei er an den Beschluss vom 16.5.1995; Aktenzeichen:1 BvR 1087/91, des BVG mit dem amtlichen Leitsatz erinnert: 1. Die Anbringung eines Kreuzes oder Kruzifixes in den Unterrichtsräumen einer staatlichen Pflichtschule, die keine Bekenntnisschule ist, verstößt gegen Art. 4 1 GG. 2. § 13 1 3 BayVSO (Volksschulordnung) ist mit Art. 4 1 GG unvereinbar und nichtig. Gleichwohl segnet der eifrige Diakon nicht nur Kreuze und hängt sie in den Schulräumen auf, sondern er segnet auch noch ungefragt ein in der Fastenzeit der Catholica einen Lutscher schleckendes Mädchen. Die Details des abstrusen Rechtfertigungsgestammels sind nachzulesen auf http://www.spiegel.de/schulspiegel/religion-im-unterricht-schulleiter-in-geretsried-bayern-a-1034993.html.

Obwohl oft recht eingeschränkt, haben Eltern auch in Bayern das Recht und die Freiheit, ihre Kinder solchen Schulen/Lehrern anzuvertrauen, die ihre Erziehungshoheit respektieren und Recht und Gesetz achten. Und genau das tun jetzt mehr und mehr Eltern mit der Folge, dass die Neuanmeldungen an der hier betroffenen Realschule deutlich zurückgehen. Zugeben will das weder die Realschule noch das Kultusministerium, obwohl die Gründe auf der Hand liegen und zwei andere Realschulen im Landkreis bereitwillig Auskunft über steigende Neuanmeldungen geben.

Dabei eskaliert die Situation gefährlich. „Die Stimmung zwischen Lehrerkollegium und Schulleiter gilt als angespannt, im März trat der Personalrat geschlossen zurück. Das Kultusministerium setzte einen Mediator ein. Mit deutlichen Worten hat sich Ex-Schulleiter Rudolf Zins zur Situation an der Schule geäußert. Die Erziehung zu Toleranz werde derzeit „mit Füßen getreten“, schrieb er in einem offenen Brief an Eder. „Es geht nur um religiösen Eifer.“(mm 21.05.15) Der Dumme ist wohl eher der Diakon.







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