Gegen Zensur und Rassismus


Bildmontage: HF

20.12.14
KulturKultur, Antifaschismus, Bayern, TopNews 

 

von Max Brym

Max Brym liest aus seinem Buch am Waldkraiburger Stadtplatz

Anfang Dezember 2014 verbot Bürgermeister Robert Pötzsch eine fest vereinbarte Lesung des Buchautors Max Brym, im März 2015 im Haus des Buches. Die Pressesprecherin des Rathauses versuchte gegenüber einigen Medien diesen ungeheuren Akt der Zensur zu verharm- losen.

Bürgermeister Pötzsch wird jedoch in den 'Waldkraiburger- Nachrichten' deutlich: "Wir wollen nicht, dass in städtischen Räumen Stimmung gemacht wird und alte Gräben aufgerissen werden", begründet Pötzsch die Entscheidung gegen eine Lesung im Haus des Buches. Er selbst kenne Brym nicht persönlich, so der Bürgermeister weiter, habe bisher auch sein Buch nicht gelesen. Inhaltlich könne er deshalb nicht dazu Stellung nehmen. Er wisse aber, dass Brym "und das, was er in der Vergangenheit von sich gegeben hat", in Waldkraiburg sehr kritisch gesehen werde.“

Ergo eine Zensur findet statt. Diesen antidemokratischen Akt begegnet nun der Autor mit einer öffentlichen Lesung am Waldkraiburger Stadtplatz am Samstag den 17 Januar ab 11:00 Uhr. Das Buch „Es begann in Altötting“ kann auch in Waldkraiburg nicht zen- siert werden. Artikel 5 des Grundgesetzes gilt auch in Waldkraiburg.

Die Lesung richtet sich aber auch unabhängig vom Buchtext, gegen die aktuelle rass- istische Leitkultur in Waldkraiburg. Anfang November fasste der Waldkraiburger Stadtrat einstimmig einen Beschluss gegen die Errichtung einer Erstaufnahmestelle für Flücht- linge.

In dem Beschluss heißt es:
„Die Errichtung einer solchen Erstaufnahmeeinrichtung im Wohngebiet, in dieser Größe und Lage, ist aus Sicht der Stadt Waldkraiburg nicht zu bewältigen." Mit einer Einrich- tung mit mindestens 600 Flüchtlingen stoße Waldkraiburg mit knapp 22500 Einwohnern "an seine Grenzen".

Dieser Beschluss ist offen rassistisch. Die Menschen welche vor Armut, Folter und Krieg flüchten werden als Gefahr in einem Wohngebiet dargestellt. Offensichtlich hat sich der Stadtrat von Waldkraiburg, den Geist der rechtspopulistisch-faschistischen PEGIDA Demonstranten aus Dresden zu eigen gemacht.

Dagegen protestieren nicht nur linke Initiativen und Gruppen. Nein selbst der CSU Altbürgermeister Jochen Fischer findet deutliche Worte. Jochen Fischer erklärte:
"Die Differenzen auf den verschiedenen Verwaltungsebenen, Stadt, Landkreis, Regie- rung, werden auf dem Rücken der Flüchtlinge ausgetragen. Der schwarze Peter wird von einem zum anderen geschoben. Das ist nicht gut so."
"Man sollte sich zurück besinnen auf die Tage, als wir nach dem Krieg in Bayern ange- kommen sind", so der gebürtige Schlesier. "Damals wurden zwei Millionen Flüchtlinge im Freistaat aufgenommen. Und heute wird bei 200000 Flüchtlingen so ein Aufstand ver- anstaltet."

Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Auch das bayerische Rote Kreuz kritisierte die Stadt Waldkranburg. In der Erklärung des Roten Kreuzes ist zu lesen:
„Es ist unglaublich, dass es noch immer Kommunen gibt, die glauben, die Unterbring- ung der Flüchtlinge sei ein Problem der anderen und ginge einen nichts an“, sagte Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk.

Rassismus und Zensur sind zwei Seiten einer reaktionären Medaille. Unterstützt wird meine öffentliche Lesung am Waldkraiburger Stadtplatz von Einzelpersonen aus Wald- kraiburg und verschiedenen örtlichen Flüchtlingsinitativen. Die öffentliche Lesung am Waldkraiburger Stadtplatz ist ein Akt antifaschistisch – demokratischer Notwehr. Die öffentliche Lesung aus meinem Buch am Stadtplatz wird in den nächsten Tagen von der Bezirksrätin der „Linken“ Beate Jenkner angemeldet.

Bis bald - Öffentliche Lesung aus dem Buch „Es begann in Altötting“ per Mikro- phon am 17. Januar am Stadtplatz - Ecke Berlinerstr. in Waldkraiburg von 11:00 bis 15:00 Uhr.


VON: MAX BRYM






<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz