Libertäre Medienmesse - Ein Gespräch


Gai Dao

13.07.14
KulturKultur, NRW, Bewegungen, TopNews 

 

von FdA/IFA - Gai Dao #43

Die Redaktion der Gai Dào hat mit den OrganisatorInnen der 3. Libertären Medienmesse ein kurzes Gespräch am Telefon geführt.

Doch zuerst etwas zum Hintergrund:
Die erste Libertäre Medienmesse fand 2010 in Oberhausen in den Räumen des "Druckluft" statt. Seit dem versteht sich die LiMesse als Teil einer widerständigen Kultur gegen die Industriegesponserte Kommerz und Schönwetterkultur, die ihren Ausdruck unter anderem im Kulturhauptstadtprojekt "Ruhr 2010" fand.

Aufgrund der guten Resonanz beschlossen die OrganisatorInnen auch 2012 eine LiMesse zu organisieren. Diesmal fand sie in den Räumen "Bahnhof Langendreer" in Bochum, einem der ältesten und agilsten soziokulturellen Zentren im Ruhrgebiet statt. Auf dieser Messe traf sich auch die Initiative zur Gründung einer anarchistischen Föderation Rhein/Ruhr (AFRR / afrheinruhr.blogsport.de).

Die Gai Dào, die es ja erst seit dem Januar 2011 gibt, nahm 2012 ebenfalls mit einem eigenen Stand teil. Neben der "Direkten Aktion" und der "Graswurzel" waren damit die drei wichtigsten deutschsprachigen A-Zeitungen auf der LiMesse vertreten. Heute, 2014, ist aus der Initiative AFRR schon eine im Aufbau befindliche Föderation geworden, die mit der Kampagne "Zeit für Plan A" für einiges Aufsehen sorgte. Die nun 3. Libertäre Medienmesse findet in Essen in der "Zeche Carl" statt. Erwähnenswert ist, dass 2002 auf Initiative der FAU-IAA in eben jenen Räumen die "International Solidarity Conference" (i2002) stattgefunden hat.

Gai Dao:

Hallo. Dieses Jahr habt ihr der LiMesse ja ein Motto gegeben. Wie kam es dazu und warum "Frauen.Arbeit.Migration"

LiMesse:

Dieses mal hat sich das einfach so ergeben. In den Medien waren Themen wie Sexarbeit und Armutsmigration sehr präsent. Gleichzeitig wurden in den letzten Jahren große Betriebe wie zum Beispiel das Nokia Werk in Bochum geschlossen oder, wie Opel Bochum, gerade abgewickelt. Für das Ruhrgebiet, und hier fanden alle unsere LiMessen statt, sind die Themen "Frauen.Arbeit.Migration." schon immer sehr prägend.

Seit nun schon mehr als 200 Jahren kommen ArbeiterInnen aus der ganzen Welt auf der Suche nach einer einträglichen Arbeit ins Ruhrgebiet. Heute leben hier Menschen aus mehr als 170 Ländern zusammen. Frauen bekommen aber auch hier nicht den gleichen Lohn wie ihre Kollegen, sondern bis zu 30% weniger. Sie sind auch mehr von Altersarmut bedroht als die Männer. Und seit einigen Jahren gibt es auch eine Migrationswelle raus aus dem Ruhrgebiet!

Die Ursachen sind nicht nur ökonomisch, sondern oft auch rassistisch und sexistisch (wobei sich die letztgenannten Punk- te natürlich immer ökonomisch auswirken). Also, wir fanden, dass es nahe lag, diesmal der Messe einen Schwerpunkt zu verpassen. Der Themenkomplex "Frauen.Arbeit.Migration" ist ja sehr vielschichtig und bietet die verschiedensten Möglichkeiten sich einem, zweier oder gar aller drei Themenbereiche zu nähern.

Gai Dao:

Mit der dritten LiMesse seid ihr nun schon das dritte Mal in einer anderen Stadt des Ruhrgebiets. Welchen Plan verfolgt ihr damit? Und wird die Messe zukünftig auch mal in einer anderen Region stattfinden?

LiMesse:

Das ist Zufall. Nachdem wir die erste LiMesse hinter uns gebracht hatten, wollten wir die zweite, aufgrund der vielen guten Erfahrun- gen, die wir mit dem Druckluft gemacht hatten, eigentlich auch dort machen. Leider wollte uns der Vorstand des Druckluft nicht wieder haben. Auf der Suche nach einer Alternative landeten wir schließlich mit der zweiten LiMesse im Bahnhof Langendreer. Kaum zu glauben, aber hier wurden wir noch freundlicher aufgenommen als bei der ersten LiMesse in Oberhausen.

Als wir dann für die dritte LiMesse in Bochum angefragt haben, mussten wir leider feststellen, das schon alle in Frage kommenden Termine belegt waren. Also suchten wir weiter und landeten schließlich in Essen. Dieses Jahr ist die LiMesse auch für RollstuhlfahrerInnen frei zugänglich. Beim letzten mal musste eine Treppe überwunden werden. Dank der Hilfsbereitschaft zahlreicher Gäste, wurde dieses Problem aber immer schnell gelöst. Ob die LiMesse mal in anderen Regionen stattfinden wird, können wir kaum beantworten. Wir kommen alle aus der Region, darum machen wir sie auch hier.

Für all diejenigen, die Lust haben in ihrer Region eine solche Messe zu organisieren, stehen wir natürlich gerne mit unseren Erfahrungen zu Verfügung. Und: Mit der anarchistischen Büchermesse in Mannheim gibt es ja noch eine zweite explizit anarchistische Messe in der BRD. Auch in der deutschsprachigen Schweiz gab es in den letzten Jahren anarchistische Bücher- messen. Und in Biel/Bienne versuchten die OrganisatorInnen auch schon mehrmals zweisprachige Messen durch zu führen (deutsch/ französisch).Im Norden und Osten der Republik und in Österreich sieht es da schon etwas düsterer aus. Aber wer weiß, vielleicht kommt das ja bald;)

Gai Dao:

Wie finanziert ihr eigentlich so ein großes Projekt?

LiMesse:

Ja, das leidige Geld. Vorneweg: Die LiMesse ist ein absolutes Non-Pro- fit-Projekt. Unser Ziel ist immer, am Ende eine schwarze "0" stehen zu haben, Wir kalkulieren sehr gewissenhaft und knapp. Bisher hat das auch immer gut geklappt. Für viele Dinge gehen wir privat in Vorkasse. Und dieses Jahr haben wir auch zwei Soliparties organisiert. Wir machen alles ehrenamtlich und für uns nicht unwichtig: Die LiMesse kostet für BesucherInnen keinen Eintritt. Allerdings müssen wir von den AusstellerInnen einen kleinen Unkostenbeitrag nehmen.

Gai Dao:

Bei den letzten LiMessen gab es auch immer eine vegane "Küche für alle" (Küfa). Bietet ihr dieses Jahr auch wieder neben intellektueller Nahrung Café, Kuchen und mehr für den Leib an?

LiMesse:

Im Gegensatz zu den ersten beiden libertären Medienmessen kön- nen wir euch dieses Mal keinen Kaffee und Kuchen oder Getränke gegen Spenden anbieten. Aber die Gastronomie der Zeche Carl wird an allen Tagen geöffnet haben. Neben Deftigem wie Schnitzel und Pommes hat dieser auch ein ansehnliches Angebot vegetarischer und veganer Speisen. Außerdem stecken wir noch in Verhandlungen mit dem Gastrom und versuchen noch so etwas wie ein "LiMesse"-Spezial zu organisieren. Aber das steht leider noch nichts fest.

Gai Dao:

Könnt ihr noch etwas zu den Veranstaltungen erzählen?

LiMesse:

Wir sind noch mitten in der Organisation. Darum können wir jetzt leider noch nichts Genaues sagen. Nur soviel: es wird mit Sicherheit spannend und interessant! Ihr könnt euch aber auf unserer Homepage und über unseren Twitter-Account auf dem Laufenden halten. Natürlich könnt ihr auch unseren Newsletter abonnieren.

Gai Dao:

Vielen Dank für das Gespräch

www.ainfos.ca/de/ainfos03780.html


VON: FDA/IFA - GAI DAO #43






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