Berni Kelb: Organisieren oder organisiert werden


Von unten auf - Wagenbach

05.09.13
KulturKultur, Organisationsdebatte, Bewegungen, TopNews 

 

von Erik Alfredsson

Der Klassiker zur Organisationsdebatte ist wieder lieferbar

Vorwort zur Neuausgabe (September 2013)

Vierzig Jahre ist es nun her, daß der vorliegende Text zum ersten Mal erschienen ist.
Vierzig Jahre, in denen viel passiert ist, viel unt- ernommen und erreicht wurde – und noch viel mehr unterlassen und nicht erreicht.

„Wir werden sehr schnell sehr viele Genossen gewinnen“ schrieb Berni Kelb damals voller Zuversicht. Er sollte sich getäuscht haben. 1973 stand der Irrweg der K-Gruppen noch in voller Blüte, um dann nicht einmal zehn Jahre später von einem erneuten Irrtum ab- gelöst zu werden: „Die Grünen“. Angetreten als „ökologisch - gewaltfrei - basisdemo- kratisch - sozial“ mündete deren Politik in „Auslandseinsätzen“ und ebenso tödlichem Hartz IV.

Und auch die zweite Frauenbewegung steckte 1973 noch in den Kinderschuhen. Deshalb ist im vorliegenden Text auch immer nur von „Genossen“ die Rede, die Genossinnen fehlen komplett. Ob sie schlicht vergessen wurden oder übersehen? Oder wurden sie stillschweigend unter den männlichen Begriff subsumiert? Sozusagen mitgemeint? Auch der Zerfall der UdSSR und der DDR waren damals noch nicht abzusehen; als Erbe der SED ist nun eine neue sozialdemokratische Partei entstanden, die sich „DIE LINKE.“ nennt.

Trotz alledem ist die Broschüre von höchster Aktualität: Die Soziale Frage – von der Linken so sträflich vernachlässigt – drängt mit Macht zum Durchbruch. Diejenigen, die noch vor Jahren glaubten, sich von ihrem einstigen kollektiven Messias verabschieden zu können („Abschied vom Proletariat“), sehen sich heute als abschmelzende Mittel- schicht mit einer verarmten und prekarisierten Arbeitswelt konfrontiert. Möge diese Broschüre ein Beitrag zur notwendig kommenden künftigen emanzipatorischen Bewegung sein.
Erik Alfredsson

Der Autor

Berni (eigentlich Bernhard) Kelb, geboren 1934, war in den 1950er Jahren hauptamt- licher Sekretär der illegalen FDJ in Hamburg, nach deren sang-und klangloser Auflösung weiter aktiv in der illegalen KPD. Der gelernte Metallarbeiter (Schlosser) aus kommunistischem Hause über das soziale Umfeld seiner Jugend: „Ja, wir waren Stalinisten. Auch ich selber. Ich habe im Chor gesungen und weiß jetzt noch etliche Kantaten auf Stalin auswendig.“ Und: „Wir meinten, für die gerechteste Sache der Welt zu kämpfen, und waren bereit, dafür persönliche Risiken und soziale Unsicherheit in Kauf zu nehmen.“

Nach interner Kritik wurde der junge Funktionär von der Partei wieder zur Arbeit als Schlosser in verschiedenen Betrieben in Hamburg-Barmbek „verurteilt“, unter anderem der legendären Kampnagelfabrik („Maschinenfabrik N&K“). „Das galt wohl als Strafe.“ Seine Erfahrungen mit linker, revolutionärer Betriebsarbeit mündeten in seiner „Betriebsfibel“, die 1971 herauskam. Die Betriebsfibel erschien in – für heutige Verhältnisse – sagenhafter Auflage und sorgte nicht nur in der damaligen Lehrlingsbewegung für einigen Wirbel. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände erkundigte sich gar beim Verlag nach „Lebenslauf und sonstigen Unterlagen“ über den Autor. Berni Kelbs brilliante Antwort findet sich in Schwarze Protokolle Nr. 124 (siehe Weblinks). 1973 erschien dann „Organisieren oder organisiert werden“. Als Beitrag zur damaligen Organisationsdebatte der Linken und ebenfalls in hoher Auflage. Doch die Verhältnisse waren nicht danach, daß Berni Kelbs antiautoritäre Analyse und Kritik auf fruchtbaren Boden fielen. Im Alter engagierte sich Berni Kelb im niederdeutschen Theater und schrieb Kritiken für die Bremer taz. Er verstarb am 5. Dezember 2011.

Weblinks

Ein Nachruf:
www.taz.de/!83477
Auch ein Nachruf:
www.graswurzel.net/366/kelb.shtml

Die Betriebsfibel als pdf-Datei:
http://de.scribd.com/doc/30067641/Berni-KelbBetriebsfibel-Ratschlage-fur-die-Taktik-am-Arbeitplatz

„Der Arbeitgeber“ fragt, Berni Kelb antwortet:
www.archivtiger.de/downloads/schwarzeprotokolle/sp7.pdf

Unvermeidlich:
http://de.wikipedia.org/wiki/Berni_Kelb

Zitate

„Eine brauchbare Regel ist: Der Feind steht immer oben. Wer herrschen und unterdrücken will, ist eindeutig Feind. Wer nach oben will, solange es Herrschaft gibt, ist ein potentieller Unterdrücker.“ „Sich nach der Macht gebückt und sie aufgehoben zu haben, ist kein Verdienst, das man der Organisationsform der Bolschewiki zurechnen könnte.“ „Wir gehen weiter davon aus, daß das Kommunistische Manifest nicht mit den Worten schließt: ›Proletarier aller Länder, laßt euch vereinigen!‹“

Broschüre, ca. 70 Seiten, Format A5, € 2,90

Bestellungen:

Einzelexemplare gegen € 2,90 in gängigen Briefmarken (z.B. 5 x 58 ct.) an:
'Von unten auf'
Postfach 57 05 56
22774 Hamburg
'Wiederverkäufer und Buchhandel:

von-unten-auf@gmx.de
ISBN: 978-3-00-043409-9

 


VON: ERIK ALFREDSSON






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