Neuerscheinungen Kunst


Bildmontage: HF

03.04.19
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Barbara Schaeffer/Anita Hachmann: Es war einmal in Amerika. 300 Jahre US-Amerikanische Kunst, Wienand Verlag, Köln 2018, ISBN: 978-3-86832-487-7, EURO (D)

Das Kölner Wallraf-Richartz-Museum zeigt vom 23.11.2018 bis zum 24.3.2019 eine große Überblicksausstellung der US-amerikanischen Kunst zwischen 1650 und 1950. Die Sonderschau beginnt mit Werken aus der Kolonialzeit, führt zu den Meistern des amerikanischen Realismus und endet mit Beispielen des Abstrakten Expressionismus. Mehr als 130 Leihgaben aus den renommiertesten Sammlungen und Museen der Vereinigten Staaten und Europa holt das Museum für „Es war einmal in Amerika“ an den Rhein. Einige von diesen Exponaten waren noch nie in der BRD zu sehen. Darunter herausragende Werke von Meistern wie John Copley, Benjamin West, Edward Hopper, George Bellows, Georgia O`Keeffe, Mark Rothko, Barnett Newman und Jackson Pollock. Dies ist der offizielle Katalog zur Ausstellung.

In einzelnen Essays beleuchten ca. 30 Expertinnen und Experten historische, gesellschaftliche und kulturelle Hintergründe der Gemälde, Skulpturen, Grafik und Fotografien von der Kolonialzeit bis in die frühen 1950er. Die eigentümlichen und von den Entwicklungen in Europa etwas abgekoppelten Stationen amerikanische Kunstgeschichte werden hier vorgestellt. Das „faszinierende weite Panorama von drei Jahrhunderten nordamerikanischer Kunst in seiner stilistischen wie narrativen Vielfalt“ wird von den beiden Herausgeberinnen in ihrem grundlegenden Beitrag hervorgehoben. (S. 30) Zwei Essays beleuchten danach die Epoche von der Kolonialzeit bis zur Gründung der Republik. Dann wird die Zeit bis zum Bürgerkrieg von Süd- und Nordstaaten in vier Beiträgen präsentiert.

Anschließend gehen neun Beiträge auf die intensive Zeit mit dem Gilded Age bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein. Der Beginn des 20. Jahrhundert wird bis zu „Goldenen Zwanzigern“ in vier Aufsätze dargestellt. Die Zeit bis zum Ende des 2. Weltkrieges mit der amerikanischen Moderne behandelt sechs Essays. Zwei Abhandlungen über den Durchbruch der amerikanischen Kunst in Europa runden die Textbeiträge ab. Danach folgt der Katalog der ausgestellten Werke chronologisch nach den vorangegangenen Hauptkapiteln geordnet. Im Anhang findet man noch ein Verzeichnis der im Katalogteil abgekürzt zitierten Literatur, weiterführende Literatur zu den ausgestellten Künstlern, einen Künstlerindex mit Seitenzahlen, die Nennung der Leihgeber, die Biografie der Autorinnen und Autoren sowie einen Bildnachweis.

Die Leser erhalten einen umfassenden Einblick in die faszinierende Vielfalt von drei Jahrhunderten US-amerikanischer Kunst. Die Wechselwirkungen und Beziehungen zwischen Deutschland und den USA werden ebenfalls thematisiert (Einfluss der Düsseldorfer Malerschule in den USA usw.) wie eher unbekannte Künstlerinnen oder afroamerikanische Werke. Auf der Grundlage einer kritischen Würdigung der Kolonialisierung und massenhafte Ermordung der Native Americans werden auch deren künstlerische Ausdrucksformen und Werke gezeigt. Der mehrdimensionale und transkulturelle Ansatz ist gelungen, Kunst ist nicht nur das Werk von hellhäutigen Männern.

 

Buch 2

Marc Walter, Sabine Arqué, Giovanni Fanelli: Italien um 1900. Ein Porträt in Farbe, Taschen, Köln 2018, ISBN 978-3-8365-4199-2, 150 EURO (D)

Der Photochrom-Flachdruck gilt bis heute als qualitativ hochwertig und war wirtschaftlich höchst erfolgreich. Sein Ausgangsmaterial ist eine konventionelle Schwarzweiß-Fotografie. Deren Negativ wird auf eine dünne Schicht lichtempfindlichen Asphalts auf einem Lithografiestein belichtet. Für jede gewünschte Farbe wird eine Kopie des Lithografiesteins hergestellt und die entsprechend einzufärbende Partie des Bildes aufwändig bearbeitet. Am Ende wird auf jeden Stein seine transparente Druckfarbe aufgetragen und das Bild Farbton für Farbton übereinander auf Papier gedruckt. Erstmals war es jetzt möglich, große Auflagen eines Fotos in Farbe zu reproduzieren.

Die Farbgestaltung der Photochrome war die des Lithografen, und somit Kunst. Die Fotografie wurde so eingefärbt, dass das Bild der Wirklichkeit nahe kam  oder seiner Vorstellung davon. Der Erfolg des bahnbrechenden Photochrome-Verfahrens war überragend, gerade im Bereich der Touristik. Die zahlreichen Reisenden aus Frankreich, England, Deutschland oder den USA trafen in Italien um 1900 auf eine Bevölkerung, die noch weitgehend im jahrhundertealten Traditionalismus befangen ist. Sie sahen unberührte Landschaften wie den malerischen Lago Maggiore mit seiner eindrucksvollen Bergkulisse, die ligurische Küste  und Städte wie Venedig, Florenz, Bologna, Mailand, Rom oder Neapel die noch der Vormoderne verhaftet blieben.

Marc Walter besaß eine der größten Photochrome-Sammlungen weltweit, Sabine Arqué ist Dokumentarin, Bildredakteurin und Autorin, Giovanni Fanelli ist Professor für Architekturgeschichte. Zahlreiche solcher Photochrome, zwischen 1890 und 1910 entstanden, haben die drei Autoren nun aus Privatsammlungen zusammengestellt und in diesem Bildband veröffentlicht. Diese Ausgabe erscheint gleichzeitig in deutscher, englischer und französischer Sprache.

Die Aufmachung folgt der Aufteilung klassischer Reiserouten um 1900.Angefangen von den nördlichen Seen und Ziele, die vor dem Ersten Weltkrieg noch zu Österreich gehörten, wie die Bergwelt in Südtirol, wo Aufnahmen von Gipfeln, Gletschern, Naturphänomenen und Bergsteigern entstanden. An der ligurischen Küste und anderen Abschnitten sind beliebte Sehenswürdigkeiten, idyllisch anmutende Dörfer und romantische Küstenlandschaften zu sehen. Menschen werden typisiert und romantisiert wie in Neapel: der Straßenmusiker, Obstverkäufer mit ihrer malerischen Ware, Bettler, schwarzhaarige Frauen in althergebrachter Tracht, die dem Stadtcharakter entsprachen. Manchmal werden Motive in verschiedenen Versionen abgebildet. Einleitungen zu den Regionen und Erläuterungen auf fast jeder Seite begleiten die Abbildungen.

Die Touristen aus fremden Ländern sollten zum Teil das sehen, was sie erwarteten, danach wurden auch die Photochromen hergestellt. Ein Vergleich mit den Veduten früherer Zeit bietet sich an.

Es ist aber festzustellen, dass die hier gezeigten Photochromen nicht die tatsächliche politische und soziale Situation Italiens abbilden.

In den 1880er Jahren kam es zu schweren Arbeitskämpfen, um 1889 setzten Repressionen gegen den Partito Operaio (Arbeitspartei) ein, so dass der Zusammenschluss aller sozialistischen Organisationen des Landes in einer Partei angestrebt wurde. Den Industriearbeitern gelang es, sich 1892 im Partito dei Lavoratori Italiani (Partei der italienischen Arbeiter) zu organisieren, die 1893 in Partito Socialista Italiano (Sozialistische Partei Italiens) umbenannt wurde. Ministerpräsident Francesco Crispi setzte ab 1894 Ausnahmegesetze gegen die Sozialisten durch, doch blieben sie letztlich ohne Erfolg. 1901 versuchte sein Nachfolger Giovanni Giolitti die Partei, die in den Wahlen 32 Sitze gewonnen hatte, in die Regierung einzubinden, was diese jedoch ablehnte. Doch von 1908 bis 1912 kam es zur Zusammenarbeit mit der bürgerlichen Linken, bis sich ein radikaler Syndikalismus durchsetzte.

Starke soziale Spannungen traten offen zu Tage, Italiens Sozialgesetzgebung belegte in Europa den letzten Platz, die Sozialisten standen nicht nur in Opposition zur Sozialpolitik, sondern auch zur kolonialen Expansion. Ministerpräsident Francesco Crispi finanzierte die Kolonialpolitik mit Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen. Die innenpolitischen Gegensätze kulminierten im Bava-Beccaris-Massaker von Mailand. Dort war es am 7. Mai 1898 zu Massendemonstrationen gegen die steigenden Brotpreise gekommen. General Fiorenzo Bava-Beccaris ließ, nachdem der Belagerungszustand ausgerufen worden war, mit Artillerie und Gewehren in die Menge schießen. Dabei wurden je nach Angaben zwischen 82 und 300 Personen getötet. König Umberto I. gratulierte dem General in einem Telegramm und zeichnete ihn mit einem Orden aus. Damit schuf er sich Feinde, und 1900 wurde er, seit 22 Jahren amtierender König, in Monza von dem Anarchisten Gaetano Bresci erschossen.

Sein Nachfolger wurde Viktor Emanuel III. Politisch dominierend war aber Giovanni Giolitti, der 1901 bis 1903 zunächst Innenminister, ab 1903 mit Unterbrechungen bis 1914 Ministerpräsident war. Er war gegenüber den reformerischen und revolutionären Bewegungen zu Zugeständnissen bereit und förderte die Industrialisierung. Zwar war 1886 eine staatliche Subventionierung der privaten Krankenversicherung und 1898 eine erste obligatorische Unfallversicherung eingeführt worden, doch erst Giolitti führte 1912 nach deutschem Vorbild eine staatliche Sozialversicherung ein. Zudem reformierte er das Wahlrecht, so dass es keine Vermögensgrenzen mehr gab und die Zahl der Wahlberechtigten auf 8 Millionen Männer anstieg.

Die staatliche Reaktion auf die drastischen sozialen Veränderungen war erst sehr spät erfolgt, denn die gesellschaftlichen Eliten verweigerten sich lange und verließen sich vielfach auf das Wirken der die Sozialsysteme seit dem Mittelalter dominierenden Kirche. Ihr stand aber kein adäquates kommunales oder zünftisches System mehr zur Seite. Die Bevölkerung Italiens stieg von 18,3 Millionen um 1800 auf 24,7 um 1850, schließlich auf 33,8 um 1900. Dennoch sank Italiens Anteil an der Bevölkerung Europas weiter. Dies hing einerseits mit seinem Entwicklungsrückstand zusammen, andererseits damit, dass es ab etwa 1852 zu einer Massenauswanderung größten Ausmaßes kam. Von 1880 bis 1925 wanderten 16.630.000 Menschen aus, wovon 8,3 Millionen aus dem Norden stammten, davon wiederum 3.632.000 aus Venetien. Aus dem Süden wanderten 6.503.000 aus, der Rest aus Mittelitalien. Hauptziele waren die Vereinigten Staaten von Amerika, in denen die Nachfahren der Italiener heute mit einem Bevölkerungsanteil von 6 % die drittgrößte europäische Einwanderungsgruppe nach Deutschen und Iren darstellen, Argentinien, wo die Italienischstämmigen etwa die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, sowie Brasilien. Auch nach Kanada, Australien und in weitere Länder Lateinamerikas wanderten viele aus.

Der Umfang der Auswanderung erklärt sich zum einen aus dem Niedergang der Landwirtschaft und den scharfen Konflikten, die durch die Konservierung alter Strukturen und durch den Kapitalmangel sowie durch den Großgrundbesitz und die Halbpacht noch verschärft wurden. Zugleich bot die zögerliche Industrialisierung in den schnell wachsenden Städten kaum genügend Arbeitsplätze. Darüber hinaus war der Binnenkonsum gering, zumal der Fiskalismus, der zum Ausbau der Infrastruktur für notwendig gehalten wurde, die Einkommen weiter belastete. Schließlich waren die Unternehmen im Vergleich zu den ausländischen mit nur geringem Kapital ausgestattet.

 

Hier sind meist großformatige Photochrome und Vorläufer in sehr guter Druckqualität abgebildet und werden gut erklärt. Touristische Sehnsuchtsorte sollen den Glanz Italiens widerspiegeln und die Wirrungen der anbrechenden Moderne ausblenden. Deren Wirkung damals lässt sich heute noch gut nachvollziehen: die Reisesehnsucht zu Zielen des Südens werden dadurch geweckt, Assoziationen hervorgerufen und eine romantische Konstruktion geschürt.

 

Buch 3

Alexandra Palmer: Christian Dior. History & Modernity 1947-1957, Hirmer Verlag, München 2019, ISBN: 978-3-7774-3008-9, 49,90 EURO (D)

Der im Oktober 1957 verstorbene Christian Dior galt bis zu seinem plötzlichen Tod als der berühmteste und einflussreichste Couturier der unmittelbaren Nachkriegszeit. Er erschien im April 1957 als erster Modeschöpfer auf dem Titelblatt des Time Magazine. Er baute das Haus Dior zu einem weltweit agierenden Konzern auf.

In diesem opulent illustrierten Band wird die Brillanz hinter den neuen Kreationen von Dior beleuchtet, die die gesamte Haute Couture-Industrie von Paris nach der Zerstörung des Zweiten Weltkriegs wiederbelebten. Er enthält die Sammlung der Christian Dior Couture des Royal Ontario Museums, begleitet von Skizzen und Material von Christian Dior Heritage sowie Fotografien der Sammlung des weltbekannten Dior-Fotografen Laziz Hamani. Neben der Präsentation der auffälligsten Designs von Dior von Tag zu Tag und zum Abendabend untersucht das Buch, wie der unbeschwerte und konturierte revolutionäre Stil die Bedrückung der Nachkriegsjahre aufbrach und die innovativen Schneidtechniken hinter Dior-Signaturen.

Das Buch besteht aus zwei Teilen: Zunächst werden Hintergründe zu seiner Person, seiner Vorstellung von Mode und seine Kollektionen sowie zeithistorische Zusammenhänge vorgestellt. Der Hauptteil besteht aus der Präsentation seiner Accessoires mit kurzen Erläuterungen, visualisiert durch viele Detailaufnahmen. Das Buch ist ausschließlich in englischer Sprache erschienen.

Im ersten Teil wird die Firmengeschichte, die eng mit Christian Dior und seinen Kollektionen verbunden war, erzählt. Das Unternehmen Christian Dior S.A. wurde 1946 gegründet und hatte seinen Hauptsitz in Paris. Seine die erste Modekollektion vom 12. Februar 1947 vorstellte, wurde ein großer Erfolg und bedeutete den Durchbruch.

Außerdem wird auf die spezielle Eigenheit seiner Mode eingegangen. Seine „Blütenkelch-Linie“ der frühen Jahre war gekennzeichnet durch eine schmale Taille, ein figurbetontes bzw. korsettgestütztes Oberteil, weite, schwingende Röcke aus edlen Materialien in verschwenderischen Mengen sowie Wagenradhüte und lange Handschuhe. Diese feminin-eleganten Entwürfe Diors stellten eine Abkehr von der kargen, praktischen Mode der Kriegsjahre dar. Zu seinen Kundinnen zählten Königin Elisabeth II., Prinzessin Margaret, Soraya von Persien, Marlene Dietrich, Evita Peron, Olivia de Havilland und Rita Hayworth.

Innerhalb weniger Monate wurden seine Haute Couture Entwürfe vom Massenmarkt aufgegriffen, und somit erreichte der Dior-Stil auch die normal verdienende Frau auf der Straße der 1950er Jahre. In den folgenden Jahren präsentierte er für jede Saison einen neuen ‚Look‘, dem die Modeindustrie begierig aufgegriffen wurde. Nach der Blütenkelch-Linie zeigte er die Kuppel-Linie, danach die Maiglöckchen-Linie; dann wiederum die Bleistift-Linie, später die H-Linie. Einen Anteil am seinem Erfolg hatte auch sein Starfotograf Willy Maywald. Er dokumentierte sämtliche Kollektionen und Modeschauen mit Mode-Kunstfotografien und platzierte diese in einschlägigen internationalen Modezeitschriften. Die Arbeit zahlreicher Industrien und Kunsthandwerker, die außergewöhnliche Bänder, Perlen, Pailletten und Stickereien produzierten, die Dior in seine Kleider integrierte, nicht zu vergessen.

Es werden insgesamt 491 Abbildungen der „fashion revolution“ (S. VII) gezeigt, einige auch private Aufnahmen. Daraus wird deutlich, dass Dior habe die moderne Ästhetik maßgeblich mitgeprägt hat und seine Luxuslinien auch ein breiteres Publikum angesprochen hat. Hier wird fundiert erklärt, welche Elemente sein „New Look“ ausmachte und alle seine Kollektionen in scharfen Bildern gezeigt. Nicht nur Vintage-Modefans kommen hier auf ihre Kosten, sondern auch alle, die sich für Höhepunkte der Modegeschichte interessieren. Es fehlt in dem Buch allerdings ein wenig die Rezeption zur Lebensleistung Diors, eine Seite reicht nicht. Er trug maßgeblich dazu bei, dass Paris wieder Modehauptstadt der Welt wurde, nachdem ihr New York in den Kriegsjahren den Rang abgelaufen hatte. Von den unzähligen Nachahmern seiner Mode ganz zu schweigen.

 

Buch 4

Florentiner Malerei Alte Pinakothek München. Die Gemälde des 14. bis 16. Jahrhunderts,  Deutscher Kunstverlag, Berlin 2017, ISBN: 978-3-422-07413-2, 78 EURO (D)

Der Bestand der Alten Pinakothek in München an Gemälden der Frühen Neuzeit aus Italien ist weltweit bekannt. In einem interdisziplinären Forschungsprojekt der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und des Doerner Instituts wurden die 79 Werke der Florentiner Gemälde in der Alten Pinakothek erstmals umfassend kunstwissenschaftlich und technologisch untersucht.

Das Buch wird von fünf Essays eingeführt, die Hintergründe der Florentiner Malerei beinhalten: Andreas Schumacher widmet sich zunächst der Sammlungs- und Provinienzgeschichte der Münchener Sammlung. Anschließend geben Annette Höger, Annette Kranz und wiederum Andreas Schumacher eine kleine Einführung in die kunsthistorische Bewertung der Sammlung mitsamt ihrer Wirkung, Entstehungskontext und Werkstattpraxis. Danach beleuchtet Daniela Karl die Maltechnik der Florentiner Künstler, bevor Patrick Dietermann, Ulrike Fischer und Daniela Karl auf die Bindemittel in der Florentiner Malerei zu sprechen kommen. Heike Stege, Ulrike Fischer und Daniela Karl stellen dann noch die Pigmente der Florentiner Malerei vor.

Danach geht es zum Hauptteil, dem Katalog: Dort werden chronologisch geordnet in 56 Nummern alle 79 vertretenen Florentiner Maler des 14- 16 Jahrhunderts sowie die Kopien nach Florentiner Gemälden. Jeder Eintrag umfasst einen kunsthistorischen und einen technologischen Teil. Innerhalb dieser Teile gibt es keine feste Gliederung, es sind aber in der Regel Inventarnummer, Informationen zur Rückseite, Inventare, Standorte, Provinienz, Bildthema, Funktion, Zuschreibung, Datierung, Bestimmungsort, Bildträger, Rahmung, Maltechnik, spätere Veränderungen, Erhaltungszustand, manchmal auch Rekonstruktion oder Ikonografie neben den Abbildungen des Werkes im Detail erwähnt.

Die Beiträge des Bestandskatalogs werden in einzelnen Kapiteln präsentiert und enthalten neue Erkenntnisse zu Auftraggeberschaft und Provenienz, verorten das Werk im Gesamtkontext des Künstlers, klären ikonographische Fragen und stellen auch Neubewertungen hinsichtlich der Gattungs- und Funktionsgeschichte vor. Außerdem werden die Ergebnisse der detaillierten Erforschung der Maltechnik und der verwendeten Materialien vorgelegt. Die kunsthistorischen Beiträge stammen von Andreas Schumacher, Annette Kranz, Annette Höger und Cornelia Syre, die technologischen Beiträge von Daniela Karl und Ulrike Fischer.

Im opulenten Anhang werden noch lichtmikroskopische Aufnahmen der Querschliffe, Aufnahme- und Messebedingungen der verwendeten bildgebenden und analytischen Untersuchungsmethoden, Konkordanz, ein Inventarverzeichnis, Abkürzungen, Bibliografie, ein Personen- und Ortsregister sowie ein Bildnachweis präsentiert.

 

Die hier gezeigten neuesten Untersuchungen eignen sich besonders für interessierte Kunsthistoriker, Studenten der Fachrichtung und andere Fachleute. Der Aufbau des Katalogs ist verständlich aufgebaut, die Bilder von guter Qualität und die benutzten Untersuchungsmethoden transparent gestaltet. Die hier vorgestellten neuesten Forschungsergebnisse betreffen eine der wichtigsten Epoche der Kunstgeschichte mit berühmten Künstlern wie Giotto, Botticelli oder Leonardo da Vinci und ihren Werken: jeder, der sich damit intensiver auseinandersetzt, wird nicht an diesem informativen Katalog vorbeikommen.

 

Buch 5

Simon Rothöhler: Das verteilte Bild. Stream, Archive, Ambiente, Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2018, ISBN: 978-3-7705-6351-7, 39,90 EURO (D)

Digitale Bilder können nahezu unbegrenzt gespeichert, instantan übertragen, aufwandlos vervielfältigt, vielschichtig visualisiert, verdatet und verarbeitet werden. Die Informationen, die digitale Bilder im Unterschied zu nichtdigitalen mit sich führen, verändern ihre logistische Lage: „Wie informationstechnisch generierte und verwaltete Bilder distribuiert und gelagert, wie mit ihnen, ihrer Verteilung, ihrem Verteiltsein gerechnent werden kann, was die Transportkalküle für Bildarchive und Bildumgebungen bedeuten und welche medienarchäologischen Spuren technischer Bildverteilungsgeschichte in den Datenspeichern der Gegenwart liegen und fortwirken, sind Themen der vorliegenden Studie. Das Bild als verteiltes zu begreifen, führt zu Infrastrukturen, Akteuren, Prozessen der Distribution, zur Schnittstelle zwischen Bild und Transportdaten, zur Frage, wie sich Streams zu Speichern verhalten und was daraus für ‚echtzeitliche‘ Bildarchive folgt.“ (S. 14)

Im ersten Teil des Buches wird die digitale Medienlogistik des verteilten Bildes ausgeführt. Die Beschaffenheit der Transportkanäle, die verschiedenen Schichten der Datafizierung des Bildes und die Speichervorgänge und –agenden zeigen, wie das digitale Bild verteilt wird und inwiefern das geschieht.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Frage, wie sich die Übertragungsprozesse streamförmiger Bilddatendistributionen zu den Tradierungsintentionen archivalischer Speicherinstitutionen verhalten. Danach werden konkrete Bilddatenbestände als Bilder untersucht. Dabei werden eine Reihe digitalisierter Fotografien aus den 1910er Jahren des NYC Departments of Records und Begegnungen mit deutschen SS-Männern des United States Holocaust Museum als Fallstudienmaterial verwandt. Danach geht es um hochfrequentierte Videos in Claude Lanzmanns 1985 erschienenem Dokumentarwerk Shoah. Im dritten Teil geht es um Sensornetzwerke. Dabei wird zunächst die Diskussion um „ubiquitous computing“ und „smart environments“ auf ihre bildsensorischen Einsätze befragt. Anschließend wird danach die Frage gestellt, wie bildtechnologische Operationen medienwissenschaftlich zu verstehen sind, die sensorische Umgebungsdaten erfassen und speichern.

Dieses Buch über die digitale Medienlogistik des verteilten Bildes ist als Forschungsprojekt für interessierte Medienwissenschaftler und Archivare von digitalem Bildmaterial geeignet. Es ist schwierig zu lesen, es wird schon viel Fachwissen vorausgesetzt und erschließt sich erst vollständig nach einer längeren Vorlaufzeit.

 

 







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