Neuerscheinungen Österreich


Bildmontage: HF

22.02.19
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Michael Forcher, Christoph Haidacher: Kaiser Maximilian I. Tirol. Österreich. Europa. 1459-1519, Haymon Verlag, Innsbruck 2018, ISBN 978-3-7099-3444-9, EUR 34,90

Maximilian I. aus dem Geschlecht der Habsburger war durch Heirat ab 1477 Herzog von Burgund, ab 1486 römisch-deutscher König, ab 1493 Herr der Habsburgischen Erblande und vom 4. Februar 1508 bis zum 12. Januar 1519 römisch-deutscher Kaiser.

In diesem Bildband versehen mit vielen Hintergrundinformationen und Texten wird Maximilian I. aus vier Blickwinkeln näher vorgestellt. Erstens als Mensch und Herrscher, zweitens als Tiroler Landesfürst, drittens als Regent des Hauses Österreich und viertens als Kaiser und Europäer. Zeitgenössische Bilder und Kunstwerke sowie zahlreiche Fotografien der wichtigsten Schauplätze vom Wirken Maximilians I. runden den Band ab.

Es werden seine bleibenden Vermächtnisse und unerfüllten Hoffnungen herausgearbeitet: Für die Geschichte Österreichs gilt Maximilian als Figur der Einigung, die auch sein Vater Friedrich betrieben hatte: Die Teilung des Hauses Habsburg in die albertinische und die leopoldinische Linie, die mit dem Neuberger Teilungsvertrag 1379 ganz gegen die Absicht Rudolfs des Stifters begonnen hatte, ging 1490 zu Ende. Sigmund von Tirol sorgte durch seinen Verzicht in Oberösterreich zugunsten des Enkels seines Bruders Ernst für die Wiedervereinigung der Habsburgischen Erblanden, nachdem Friedrich schon 1463 Niederösterreich und Innerösterreich wieder vereint hatte. Maximilian konnte das Reich seinem Enkel Karl V. in Universalmonarchie übergeben.

Durch fünfzehnjährigen Krieg verhinderte er die Aufteilung der Niederlande durch ihre Nachbarstaaten. Im Krieg gegen Frankreich konnte er die Herrschaft in den meisten Ländern der burgundischen Herzögen sichern, nur das Herzogtum Burgund selbst blieb unter französischer Kontrolle. Mit dem 1494 geschlossenen Bündnis zwischen Maximilian und den Königen Spaniens, Ferdinand und Isabella, und der daraus resultierenden Hochzeit zwischen Erzherzog Philipp und Erzherzogin Margarete mit den Kindern des spanischen Königshauses und der am 22. Juli 1515 im Stephansdom zu Wien geschlossenen habsburgisch-jagiellonischen Verlobung legte er den Grundstein für die spätere Weltgeltung des Hauses Habsburg: Sein Enkel Karl, Kaiser KarlV. sollte über ein Reich herrschen, in dem „die Sonne nicht mehr unterging“.

Gleichzeitig beginnt mit seinem Sohn Philipp dem Schönen aber die nächste Teilung der Habsburger. Mit dessen Sohn Karl begründet sich die spanische Linie (Casa de Austria; als Beginn gilt Philipps Übersiedlung nach Madrid 1504 oder Karls Amtsantritt 1516), während der jüngere Sohn Philipps, Ferdinand. das Haus Österreich begründet.

1480 markiert den ersten Türkeneinfall im Heiligen Römischen Reich, konkret in Kärnten und in der Steiermark. Maximilian versuchte erfolglos, die deutschen Stände zu einem Krieg gegen das Osmanische Reich zu motivieren.

Seine Beziehung zu Kunst und Literatur war eine innige: Maximilian, selbst hochgebildet und ein Freund des Humanismus und der Renaissance, pflegte ein großes Interesse an Wissenschaft, Literatur und Kunst und er förderte im Reich diese auch. Er gab selbst poetische Werke heraus, die von ihm konzipiert waren, teils von ihm selbst, teils von Marx Treitzsaurwein, Melchior Pfintzing und Hans Ried geschrieben wurden.

Maximilian unterstützte den Humanismus, indem er ein Konzept von Konrad Celtis umsetzte und 1501 ein Collegium poetarum et mathematicarum gründete. Dieses sollte Teil der Universität Wien sein und zwei Lehrstühle für Poetik und Rhetorik sowie zwei für Mathematik und ihre naturwissenschaftlichen Anwendungsgebiete beinhalten. Diese Institutionalisierung des Humanismus war eine Pioniertat.

Das Verdienst Maximilians und seines Kanzlers Niclas Ziegler um die Entstehung einer vorbildlichen deutschen Schreibweise wird von der Folgezeit sehr hoch eingeschätzt. Die Einheitsbestrebungen äußerten sich in einer Zurückdrängung ausgesprochen süddeutscher Züge zugunsten von mitteldeutschen. So erwuchs in Süddeutschland eine bald auch den Buchdruck umfassende Schreibtradition, die man das 'Gemeine Deutsch' nannte und die noch lange Zeit eine Konkurrenz für die sich immer mehr durchsetzende ostmitteldeutsche Tendenz der neuhochdeutschen Schriftsprachentwicklung darstellte.

Wohl vermittelt über Willibald Pirckheimer trat Maximilian 1512 zu Albrecht Dürer in Verbindung; ab 1515 gewährte er ihm eine jährliche Rente von 100 Gulden. Es ist aber bezeichnend, dass nicht von der Maximilian-, sondern von der Dürerzeit beim kunstgeschichtlichen Rückblick gesprochen wird. Es wäre ein Missverständnis, in Maximilian einen großartig kunstsinnigen Förderer der Künste zu sehen. All seine Auftragswerke spiegeln seine Beschäftigung mit Stammbäumen, der Wappenkunde oder geschichtlichen Themen wieder. Diese zielte zuallererst darauf ab, die Erinnerung an seine Person und seine Familie für die Zukunft und für immer festzuschreiben. Dazu beauftragte er die bedeutendsten Künstler seiner Zeit – allen voran Dürer. Dass neben dem berühmten Nürnberger auch ein nach heutigen Gesichtspunkten durchschnittlicher Künstler wie der Innsbrucker Jörg Kölderer am kaiserlichen Hof – zunächst als Hofmaler und später als Hofbaumeister – tätig war, zeugt von dem oft eher „pragmatischen“ denn an ästhetischen Kriterien orientierten Zugang des Kaisers zur Kunst. Vielschichtige Aussagen konnten mitunter auch mit einfachen Bildern anschaulich befördert werden und entfalteten in Verbindung mit den von Maximilian selbst konzipierten Texten ihre einprägsame Wirkung.

Als Kunstmäzen, Förderer der Wissenschaften, Humanist, aber auch in seiner Prunkverliebtheit stellte sich Maximilian zwar als typischer Renaissanceherrscher dar, auch tragen seine Bemühungen zur umfassenden Popularitätssteigerung bereits alle Züge eines „modernen“ Herrschers. Doch gleichzeitig stilisierte sich Maximilian entsprechend der burgundischen Tradition des Rittertums zum Idealbild des mittelalterlichen Ritters. Maximilians groß angelegte Dichtungen sind nicht nur ein letztes, nachklingendes Denkmal einer vergangenen Epoche, sondern teilweise auch verschlüsselte Autobiographien, die neben realen Ereignissen auch Bezug auf Pläne und Vorhaben des Kaisers wiedergeben, die dieser wegen Geldmangels nicht ausführen konnte. Ebenso strickte der Kaiser damit aber bewusst an seiner eigenen Legende – so trug ihm der unvollendete Freydal später den Ruf ein, der beste Turnierkämpfer seiner Zeit gewesen zu sein.

Maximilian erhielt den romantischen Beinamen „Der letzte Ritter“, denn er verkörperte noch das bereits geschwundene Ideal des alten burgundischen Rittertums. Zugleich erwies er sich jedoch als vorausschauender, modernisierender Herrscher der anbrechenden Neuzeit.

In seiner Wahl des Heiligen Georg zu seinem Schutzpatron spiegeln sich die ritterlichen Tugenden, welche auch für Maximilian eine bedeutende Rolle spielten. Maximilians Überlegungen gingen aber bis hin, selbst Papst zu werden, um als ein ranghöchster Monarch der Christenheit alle weltliche und kirchliche Macht in sich zu vereinen. Das romantische Schlagwort von Maximilian als dem letzten Ritter trifft genau genommen nicht zu, denn sein Selbstbild als Souverän des Ordens von Goldenen Vlies und des Georgsordens sowie als Verfechter eines Kreuzzugs zur Befreiung Jerusalems von den Osmanen war keine rückwärtsgewandte Träumerei. Es muss vielmehr vor einem Hintergrund einer politischen Dringlichkeit infolge einer realen Bedrohung gesehen werden.

Viele seiner ehrgeizigen Pläne blieben zwar unvollendet. Er glaubte aber fest daran, dass die von ihm zu seinen Lebzeiten nicht realisierten Projekte von seinen Nachkommen vollendet werden würden.

 

Die Persönlichkeit und seine unterschiedlichen Stationen als Herrscher werden hier umfassend gewürdigt und visualisiert. Das Buch entspricht der vorherrschenden Forschung und steht auf hohem Niveau. Neben der ausführlichen Schilderung der Machtpolitik Maximilians wären allerdings noch mehr Informationen zur Ideen- und Kulturgeschichte der Epoche wünschenswert gewesen.

 

Buch 2

Lou Lorenz-Dittlbacher: Der Preis der Macht. Österreichische Politikerinnen blicken zurück, Residenz Verlag, Salzburg/Wien 2018, ISBN: 978-3-7017-3464-1, 24 EURO (D)

In diesem Buch erzählen acht ehemalige österreichische Spitzenpolitikerinnen von ihrem Aufstieg in der Politik, von verpassten und ergriffenen Chancen, dem Abschied von der Macht und der Neuorientierung danach. Außerdem werden persönliche Erlebnisse und Einstellungen vorgestellt. Die Moderatorin Lou Lorenz-Dittlbacher interviewte zu diesem Zweck zwei ehemalige Politikerinnen der faschistischen FPÖ, drei von der ÖVP, zwei von der SPÖ und eine von den Grünen.

Nach einer kurzen Einleitung folgen die Gespräche und Porträts der ehemaligen österreichischen Spitzenpolitikerinnen. Ihre Lebensläufe findet man am Ende des Buches in Stichworten.

Den Anfang macht Gabi Burgstaller, die  gehört der SPÖ angehörte und von 2004 bis 2013 Landeshauptfrau des Bundeslandes Salzburg war. Im Mai 2013 gab Burgstaller nach großen Verlusten der SPÖ bei der Landtagswahl in Salzburg 2013 ihren Rückzug aus der Politik bekannt.

Dann folgt Brigitte Ederer, ebenfalls von der SPÖ. Sie war Mitglied des Vorstands der Siemens AG und zuvor EU-Staatssekretärin im österreichischen Bundeskanzleramt zu der Zeit, als sich Österreich auf den EU-Beitritt vorbereitete.

Benita Ferrero-Waldner war Diplomatin sowie bei der ÖVP aktiv. Sie war von 2000 bis 2004 Österreichische Außenministerin unter Wolfgang Schüssel sowie unter José Manuel Barroso von 2004 bis 2009 EU-Kommissarin für Außenbeziehungen und europäische Nachbarschaftspolitik und von 2009 bis 2010 EU-Kommissarin für Handel.

Waltraut Klasnic wurde 1996 zur Landeshauptfrau der Steiermark gewählt und wurde somit die erste Landeschefin Österreichs.

Ulrike Lunacek (Die Grünen) war Delegationsleiterin der österreichischen Grünen im Europaparlament und von Juli 2014 bis Oktober 2017 Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments Von 1999 bis 2009 war sie Abgeordnete zum österreichischen Nationalrat, ehe sie bis November 2017 als Abgeordnete ins EU-Parlament wechselte. Bei der Nationalratswahl in Österreich 2017 war Lunacek Spitzenkandidatin der Grünen. Nach großen Stimmenverlusten und dem Ausscheiden der Grünen aus dem Nationalrat trat sie am 17. Oktober 2017 von allen Parteiämtern und als EU-Abgeordnete zurück.

Maria Rauch-Kallat ist eine österreichische Unternehmerin, Unternehmensberaterin, Politikerin der ÖVP und war in ihrer politischen Laufbahn in mehreren Bundesregierungen Ministerin, zuständig für die Fachbereiche Umwelt, Gesundheit, Jugend, Familie und Frauen.

Susanne Riess, ehemals FPÖ, aus Braunau am Inn war unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel war sie von 2000 bis zu den von ihm vorgezogenen Nationalratswahlen 2002 Vizekanzlerin und Bundesministerin für öffentliche Leistung und Sport. Im Zuge der Regierungsbildung 2000 wurde sie auch Bundesparteiobfrau der FPÖ und somit Nachfolgerin von Jörg Haider, nachdem sie zuvor schon seit 1996 geschäftsführende Bundesparteiobfrau gewesen war.  Nach einem schweren Zerwürfnis mit Jörg Haider trat sie schließlich von sämtlichen Funktionen zurück. Bis zur erneuten Regierungsbildung blieb sie bis 2003 provisorisch Vizekanzlerin und schied anschließend aus der Politik aus. Am 25. März 2005 gab sie ihren Austritt aus der FPÖ bekannt.

Heide Schmidt war seit 1973 Mitglied der FPÖ. 1988 wurde sie Generalsekretärin, von 1990 bis 1993 war sie Stellvertreterin des Bundesparteiobmanns Haiders. 1992 trat sie auf Betreiben Haiders als Kandidatin der FPÖ bei der Bundespräsidentenwahl an. Von 1987 bis 1990 war sie Mitglied des Bundesrats und während der gesamten Zeitspanne von 1990 bis 1999 Abgeordnete zum Nationalrat. 1993 verließ sie gemeinsam mit anderen liberal eingestellten Parteimitgliedern die FPÖ. Auslöser der Trennung war das von der FPÖ unter Haider initiierte Volksbegehren Österreich zuerst, das sich gegen Ausländer im Allgemeinen und Zuwanderer im Speziellen richtete. Am 4. Februar 1993, drei Tage nach Ende der Eintragungsfrist für das Volksbegehren, gaben sie ihren Austritt aus der FPÖ und die Gründung der neuen Partei Liberales Forum (LIF) bekannt.

Die Gespräche ergeben einen intimen Einblick in die Persönlichkeit der Frauen und das Innenleben der österreichischen Politik und lassen erkennen, dass der Politikbetrieb in Österreich immer noch männlich dominiert ist, wie viele andere Bereiche auch. Alle hier interviewten Frauen haben eines gemeinsam: „Dass der Preis für ein politisches Amt hoch ist, darin sind sich die acht Frauen – bei allen Unterschieden – weitgehend einig. Auch wenn der Preis, den sie bezahlt haben, differiert.“ (S. 9) Frauen werden auch im 21. Jahrhundert immer noch misstrauisch beäugt, Gleichberechtigung herrscht noch nicht. Ob eine Frauenquote dabei helfen würde, scheint ungewiss.

Die Auswahl der interviewten Frauen ist allerdings nicht gerade gelungen: Es zwei ehemalige FPÖ-Politikerinnen dabei, die sich nicht gerade um Frauenrechte, progressive Modelle des Zusammenlebens oder Feminismus verdient gemacht haben.

 

Buch 3

Walter M. Weiss (Hrsg.): Österreich in den 1950er und 1960er Jahren. Aufbruch in eine goldene Zeit in die junge Alpenrepublik, Emons, Köln 2016, ISBN: 978-3-95451-909-5, 40,85 EURO (D)

In diesem Bildband werden die 1950er und 1960er Jahre in Österreich in größtenteils erstmals gezeigten Fotografien vorgestellt. Die unmittelbare Nachkriegszeit, die junge Demokratie, Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport, Freizeit, Alltag und Sport sind die hier präsentierten Themengebiete.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges bildeten im besiegten Österreich 1947 ÖVP und SPÖ eine große Koalition. Diese wurde bis 1966 weitergeführt. Bis 1955 war Österreich, wie auch Nachkriegs-Deutschland, in Besatzungszonen aufgeteilt. Die größte Zone war die sowjetische, zu der Oberösterreich nördlich der Donau, Niederösterreich in den Grenzen von 1937, das wieder errichtete Burgenland und Teile von Wien Von der Sowjetunion wurden als Deutsches Eigentum beschlagnahmte Betriebe in einem USIA genannten Konzern zusammengefasst, was gemäß den Beschlüssen der Potsdamer Konferenz Teil der von Österreich zu leistenden Reperationen war. Unter den Österreichern, sowohl der Bevölkerung wie auch der Politik, war nach 1945 und bis weit in die folgenden Jahrzehnte hinein die Ansicht weit verbreitet, Österreich sei „erstes Opfer Hitlers“ gewesen, womit die Mitschuld am Zweiten Weltkrieg und am Holocaust heruntergespielt oder geleugnet werden sollte. Eine Folge dieser „Opferthese“ war die bis heute nur schleppend durchgeführte Restitution geraubten Vermögens.

Mit der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrages am 15. Mai 1955 durch Leopold Figl für die Bundesregierung Raab I. und durch Vertreter der vier Siegermächte und mit dem formal davon unabhängigen (also im Staatsvertrag nicht verankerten) Bekenntnis zur Neutralität sowie der Verpflichtung, keinen erneuten Anschluss an Deutschland anzustreben, erlangte die Republik am 27. Juli 1955 ihre volle Souveränität.

Am 26. Oktober 1955, nach dem Abzug der Besatzungssoldaten, erfolgte vom Nationalrat der Beschluss über die immerwährende Neutralität. Österreichs; dieser Tag ist seit 1965 österreichischer Nationalfeiertag. Die Neutralität ist eine militärische und bedeutete von Anfang an keine Äquidistanz zu den Wertesystemen von West und Ost. Bedingt durch die Neutralität konnten aber sowohl mit den westlichen Ländern als auch mit den damaligen Ostblockländern gute kulturelle und wirtschaftliche Bande geknüpft werden, was dem Land in der Zeit des Wiederaufbaues noch lange half. Diese wieder aufblühende Lebensfreude wird hier illustriert.

Am 14. Dezember 1955 trat Österreich der UNO bei und war 1973/74 sowie 1991/92 Mitglied des Sicherheitsrates. Bereits 1956/57 nahm die IAEO, die Internationale Atomenergie-Organisation, ihren Sitz in Wien, Den Konflikt mit Italien wegen des mehrheitlich deutschsprachigen Südtirol, das bis 1918 zur österreichischen Reichshälfte gehört hatte und von Italien nach dem 1. Weltkrieges annektiert worden war, brachte Österreich in den 1960er Jahren vor die UNO.

Es werden aber auch kulturelle Highlights erwähnt: Am 17. September 1965, spielten die Rolling Stones zum ersten Mal in Wien - im Rahmen einer "Bravo"-Tour in der Stadthalle. Man befürchtete schwere Ausschreitungen. Damals waren die Stones und ihre Musik eine Bedrohung der konservativ-biederen Gesellschaft, regelmäßig kam es bei Auftritte der britischen Band zu Randalen. Zur Sicherung der Stadthalle aufgefahren wurden 600 Polizisten mit Stahlhelmen, ein Wasserwerfer und fünf Arrestwagen im Gefolge angefordert. Ein Grund für dieses Aufgebot war eine Bombendrohung.

Abseits von der großen Politik und der Hauptstadt Wien wird auch das Leben auf dem Lande dargestellt, wo die Idylle und die Schönheiten von kleinen entlegenen Dörfern und ihre zum Teil eigentümlichen Bewohner vorgestellt werden.

Die hier gezeigten Impressionen stammen aus dem Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek Wien und geben einen Ausschnitt des Lebensgefühls in der Nachkriegszeit wieder. Die Bilder sind Schwarz-Weiß-Aufnahmen und gehen sowohl auf gesellschaftliche Höhepunkte als auch auf den Alltag der Menschen ein. Aus heutiger Sicht erscheinen vor allem die Bilder des Stones-Konzertes surreal, es ist ein Ausflug in eine andere Zeit.

 

Buch 4

Elisabeth Ruckser: Kekse, Lebkuchen, Teegebäck. Klassiker & traditionelle Rezepte für das ganze Jahr, Servus Verlag, Wals bei Salzburg 2018, ISBN: 978-3—7104-0182-4, 25 EURO (D)

In diesem Buch stellt die freie Journalistin und Gründerin einer Backschule, Elisabeth Ruckser, eine Sammlung von klassischen und traditionellen Rezepten für Kekse, Lebkuchen und Teegebäck, die nicht nur in der Weihnachtszeit, sondern für das ganze Jahr geeignet sind. In der Einleitung geht sie auf die Geschichte und regionalen Traditionen der kleinen Köstlichkeiten in Mitteleuropa ein. Danach stellt sie Lebkuchenrezepte wie Honiglebkuchen, gefüllter Lebkuchen mit Kürbiskernen oder Erdäpfel-Lebkuchen vor, erzählt etwas zur Historie und präsentiert sechs goldene Regeln der Zubereitung und Aufbewahrung. Weiter geht es mit Klassiker und Weihnachtskeksen mit einem längeren Text zur Zubereitung von Vanillekipferl: Dort werden unter anderem fruchtige Kokosbusserl, Pfeffernüsse oder Florentiner vorgestellt.

Anschließend folgen Rezepte für Teegebäck, Hochzeitsgebäck und Kekse für alle Gelegenheiten. Dabei werden Kürbiskernkipferl, Fensterglaskekse oder Powidlbäckerei behandelt. Dabei geht sie speziell auf die alte Tradition der Hochzeitsbäckerei aus Ungarn und im Burgenland ein. Salzige Krabbereien wie Buchweizen-Käse-Kekse, Käse-Kräuter-Chips oder salzige Mohnbrezeln runden das Buch ab. Zur besseren Erläuterung der österreichischen kulinarischen Fachbegriffe gibt es neben einem Register im Anhang noch ein Glossar. Ein Literaturverzeichnis zum selbständigen Weiterlesen fehlt allerdings.

 

Dies ist eine Sammlung und Präsentation von hochwertigen Köstlichkeiten mit langer Tradition und Geschichte, die eine längere Zubereitungsdauer haben und daher eher Slow-Food-Charakter besitzen. Die einzelnen Rezepte werden der süßen und pikanten Kleinigkeiten verständlich in Text und Bild dargestellt und eignen sich für das gesamte Jahr, nicht nur zu festlichen Angelegenheiten.

 

Buch 4

Karin Buchart/MiriamWiegele/Andreas Leitner: Die Natur-Apotheke. Das überlieferte und neue Wissen über unsere Heilpflanzen, Servus Verlag, Wals bei Salzburg 2018, ISBN: 978-3-7104-0171-8, 25 EURO (D)

Karin Buchart und Miriam Wiegele stellen in diesem Buch vor, wie Heilpflanzen, die man in der Natur findet, seelische und körperliche Beschwerden lindern und das allgemeine Wohlbefinden steigern können. Dabei stützen sie sich auf althergebrachtes, vergessenes Wissen aus der Naturkunde kombiniert mit den Erkenntnissen der modernen Medizin. Andreas Leitner ist dabei für die Illustrationen verantwortlich.

Nach der Vorstellung der Biografie der beiden Autorinnen werden in der Einleitung althergebrachte Rituale, Bräuche, Anwendungsbereiche, Haltbarkeit, Inhalt und Wirkung von Heilpflanzen kurz beschrieben, bevor es zum Hauptteil der Vorstellung der einzelnen Heilpflanzen weitergeht. Sie werden dabei angefangen vom Ackerschachtelhalm bis hin zur Zwiebel in alphabetischer Reihenfolge vorgestellt. Dabei gibt es ein systematisches Schema, was immer auf zwei Seiten angewandt wird. Der lateinische und der deutsche Name werden genannt, danach werden in Unterkapiteln Botanik, Geschichte, Inhaltstoffe und Wirkung und die Heilanwendungen präsentiert. Darunter befindet sich jeweils ein Rezeptvorschlag. Auf der anderen Seite finden sich verschiedene Abbildungen der besprochenen Heilpflanze mit einer kurzen Erläuterung.

Anschließend werden von Januar bis Dezember im Jahreskreislauf verschiedene Rezepte mit Beschreibung, Zutaten und Anwendung passend zum aktuellen Monat präsentiert. Im Anhang findet man noch ein Register der besprochenen Pflanzen und ein Register der Anwendungen, ein Literaturverzeichnis fehlt allerdings.

 

Die Autorinnen stellen in diesem Buch traditionelles Heilkräuterwissen, das lange Zeit in Vergessenheit geraten ist, in den Mittelpunkt und kombinieren es mit Erkenntnissen aus der modernen Medizin. Dies ist ein Gesundheits- und Wellnessbuch für alle Menschen die aus der traditionellen Pflanzenheilkunde allerlei Vorteile für ihr Wohlbefinden ziehen können. Dieses opulente Buch enthält ein beachtliches Wissen, kann jedoch im Notfall keinen Arzt oder Apotheker ersetzen.

 

Buch 5

Anton Holzer: Die erkämpfte Republik. 1918/19 in Fotografien, Residenz Verlag, Salzburg/Wien 2018, ISBN: 978-3-7017-3477-1, 25 EURO (D)

Die Ausstellung „Die erkämpfte Republik“ zum 100. Jubiläum in Wien schildert die Bilder einer dramatischen Wendezeit und liefert eine Dokumentation der Ereignisse von 1918/19. Sie erzählt anhand der Ereignisse in Wien davon, wie der neue Staat entstand und welche Folgen die Wendezeit 1918/19 hatte. Dieses Buch ist der gleichnamige Katalog zu der Ausstellung.

Ab der Jahrhundertwende wurde die Fotografie zum Leitmedium, über das die Umwälzungen nach dem Krieg ins kollektive Bewusstsein gelangten. Im Mittelpunkt der Ausstellung und der Publikationen steht das Werk des Wiener Fotografen Richard Hauffe (1878–1933), der besonders eindrückliche Bilder der Umwälzungen, der Kriegsheimkehrer und der jungen Republik hinterließ, von denen manche erstmals gezeigt werden.

Das Ende des 1. Weltkrieges 1918 bedeutete eine Zäsur in Europa, auch in Österreich: Nach dem Auseinanderbrechen der Österreichisch-Ungarischen Doppelmonarchie am Ende des Ersten Weltkriegs entstand Österreich in seinen heutigen Grenzen. Die Provisorische Nationalversammlung rief am 12. November 1918 die Republik und den Anschluss an Deutschland aus.

Die Provisorische Nationalversammlung beschloss am 12. November 1918 für den vorerst „Deutschösterreich“ genannten Staat die Form der demokratischen Republik. Zugleich wurde in Artikel 2 des Gesetzes festgehalten, dass das Land Teil der drei Tage zuvor ausgerufenen deutschen Republik sei. Erster Staatskanzler wurde Karl Renner (SDAP) der einer Großen Koalition vorstand. Beansprucht, aber für den neuen Staat nicht gewonnen, wurden Teile der neu bzw. wieder entstandenen Staaten Tschechoslowakei (Provinz Deutschböhmen, Provinz Sudetenland, Teile Mährens und Polen (Schlesien)) sowie das von Italien annektierte Südtirol. Weite Teile der Bevölkerung und die meisten Vertreter der politischen Parteien waren der Auffassung, dieser „Rest-“ bzw. „Runpfstaat“ sei ohne die ungarische Agrarwirtschaft und die böhmische Industrie  allein nicht lebensfähig. Im März 1919 verließ Ex-Kaiser Karl I. Deutschösterreich, im April 1919 wurden das Habsburgergesetz und das Adelsaufhebungsgesetz beschlossen.

Der Zusammenschluss mit dem Deutschen Reich wurde von den alliierten Siegermächten 1919 im Staatsvertrag von Saint-Germain-en-Laye ausgeschlossen, indem in Art. 88 ein förmliches Unabhängigkeitsgebot für Österreich bestimmt wurde. In Österreich und Deutschland wurde der Artikel als „Anschlussverbot“ bezeichnet. Gemäß dem Vertrag wurde auch der Staatsname „Republik Österreich“ festgelegt. Am 21. Oktober 1919, mit der Ratifizierung des Staatsvertrages wurde dieser Name verbindlich. Als Bundeskanzler Iganz Seipel mit dem Völkerbund später die sogenannte „Genfer Sanierung“ zur Stützung des inflationsgeschüttelten Staatshaushaltes vereinbarte, wurde das Unabhängigkeitsgebot bekräftigt.

In Salzburg gab es Bestrebungen, sich unabhängig von anderen Teilen Österreichs Deutschland anzuschließen, dies wurde aber von Deutschland abgelehnt. In Tirol befürwortete ein kleiner Teil der Bürger einen Anschluss an Italien, um die Einheit Tirols zu wahren. Eine andere politische Linie strebte den Anschluss an Deutschland an. In der Volksabstimmung in Vorarlberg 1919 traten 81 % der Abstimmenden dafür ein, Anschlussverhandlungen mit der Schweiz zu führen. In der Schweiz gab es ebenfalls eine diesbezügliche Initiative; die Schweizer Landesregierung wollte aber den austarierten Modus vivendi zwischen protestantischen und katholischen sowie zwischen deutschsprachigen und anderssprachigen Kantonen nicht in Gefahr bringen und nahm daher von dieser Idee Abstand.

Nach einem Vorwort von Matti Bunzl, dem Direktor des Wien Museums, werden in vierzehn chronologischen Kapiteln die revolutionären Ereignisse von 1918/19 in Fotografien behandelt. Diese werden von einem wissenschaftlichen Begleittext eingeleitet. Im Anhang findet man noch eine Zeittafel, die Biografien der Fotografen, Literatur und einen Bildnachweis.

Dieses Werk erscheint zur Gründung der österreichischen Republik vor 100 Jahren, hier werden die Schwierigkeiten und die Aufbruchsstimmung einer neuen demokratischen Ordnung gut dokumentiert. Das Buch zeigt deutlich, dass das Jahr 1918 für die österreichische Bevölkerung und die Monarchie einen tiefen Einschnitt bedeutete. Je nach politischer Einstellung, Klasse, Herkunft, Position oder persönliches Ziel und Schicksal differenzieren die Einstellungen. Der Gebrauch des neuen Mediums Fotografie schafft Unmittelbarkeit, macht das Buch authentisch und schildert somit ein Stück Zeit- und Gesellschaftsgeschichte.







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