Wir sind Kirche zu ersten Ergebnissen der "Missbrauchs-Studie" der DBK

12.09.18
KulturKultur, Bewegungen, News 

 

„Ungeheuerlich, wenn auch nicht unerwartet“

Von Wir sind Kirche

Mit großer Erschütterung nimmt die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche die heute bekannt gewor­denen ersten Ergebnisse der im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz erstellten MHG-Studie („Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordens­angehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“) zur Kenntnis. Das Ausmaß der Ver­brechen wie auch die über Jahrzehnte praktizierten Vertuschungen im Untersuchungszeitraum (1946 bis 2014) erweisen sich als ungeheuerlich. Sie sind für Wir sind Kirche jedoch nicht unerwartet und entsprechen den Studien in vergleichbaren Ländern. Da die Akten schon sichtlich manipuliert oder gar vernichtet waren und dem Forscherteam nicht im Original zugänglich waren, ist dies wohl nur die Spitze des Eisbergs.

Mit dem Abschluss dieser Studie, die noch nach Diözesen und Orden weiter differenziert werden müsste, kann die Aufarbeitung der klerikalen sexualisierten Gewalt keineswegs als beendet angesehen werden. Die teils guten, aber in vielem auch immer noch unzureichenden Maßnahmen der Bischofskonferenz zeigen, dass dieses Thema jetzt wirklich für jeden einzelnen Bischof und die Bischofskonferenz als Ganzes zur Chefsache werden muss und die 2010 erfolgte Benennung eines einzelnen Missbrauchsbeauftragten innerhalb der DBK keinesfalls ausgereicht hat.

Neben der notwendigen auch theologischen Aufarbeitung mahnt Wir sind Kirche jetzt erneut und dringend tiefgreifende Reformen in der römisch-katholischen Kirche an, um den Opferschutz zu stärken und den bisherigen systemimmanenten Täterschutz zu überwinden. Dazu gehören Strukturreformen auf allen Ebenen, die Reform des Kirchenrechts und eine Korrektur des selbstbezogenen Klerikalismus. Die verderbliche mentale Fehlhaltung des Klerikalismus hat letztlich tief eingefleischte theologische Gründe, die kritisch zu hinterfragen sind.

Nach dem Brief von Papst Franziskus vom 20. August 2018 anlässlich des Pennsylvania-Reports hatte Wir sind Kirche am 1. September 2018 an alle Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz appelliert, sich öffentlich an die Seite von Papst Franziskus zu stellen und sich mit aller Kraft für die weitere Aufklärung sexualisierter klerikaler Gewalt auf allen Ebenen einzusetzen, wie dies auch andere schon getan haben (> PDF 1 Seite). Wie kein Papst zuvor hat Papst Franziskus den mit den Verbrechen sexualisierter Gewalt verbundenen Macht- wie Gewissensmissbrauch in aller Deutlichkeit angeprangert und ein inakzeptables Verständnis von kirchlicher Autorität sowie den Klerikalismus als eine der strukturellen Hauptursachen benannt.

 

Hintergrund:

Die weltweit vernetzte internationale Reformbewegung Wir sind Kirche ist 1995 in Österreich als Reaktion auf die Vorwürfe sexualisierter Gewalt entstanden, die gegenüber dem damaligen Wiener Kardinal Hans-Hermann Groer erhoben wurden. In Deutschland hat Wir sind Kirche seit 2002 und damit lange vor den deutschen Bischöfen zehn Jahre lang ein niederschwelliges Not-Telefon für Betroffene betrieben. Im Jahr 2010 hatte Wir sind Kirche das Buch „Macht, Sexualität und die katholische Kirche. Ein notwendige Konfrontation“ des australischen Weibischofs Geoffrey Robinson herausgegeben, der selber Opfer und später Vorsitzender des nationalen Komitees zur Klärung der Missbrauchsvorwürfe war. Dieses Buch kann über Wir sind Kirche bezogen werden.

 

Mehr zum Thema: www.wir-sind-kirche.de/?id=243







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