Neuerscheinungen Architektur


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24.01.20
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Cornelia Dörries: Ausgezeichneter Wohnungsbau 2019, Callwey, München 2019, ISBN: 978-3-7667-2429-8, 98.00€

In diesem Buch werden die prämierten Wohnungsbauten in der BRD vorgestellt. Der „Award Deutscher Wohnungsbau“ ist die erste Architektur-Auszeichnung für Auftraggeber im Bereich Geschosswohnungsbau. Sie versammelt die besten 30 realisierten Wohnungsbau-Projekte verschiedener Kategorien, ausgewählt von einer Fachjury. Er erscheint gebunden im Schuber.

Nach einem Vorwort, wo die Kriterien der Jury präsentiert werden, werden die Mitglieder der Jury vorgestellt.

Den ersten Preis im Bereich Neubau bekamen zanderroth architekten für eine Kombination aus vier Wohnhäusern und einem Verbrauchermarkt im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. In der Laudatio wird hervorgehoben, dass aus architektonisch sehr unterschiedlichen Einzelteilen ein stimmiges Gesamtensemble geschaffen wurde. Den ersten Preis für gelungene Umbauten erhielt das Architekturbüro GRAFT für die hohe Qualität für die Paragon Apartments in Berlin. Dort wurde durch die Einheit von Um- und Neubauten ein durchlässiges Wohnquartier entwickelt, das die urbanen Qualitäten der angrenzenden Umgebung mit dem parkartigen Umfeld verbindet. Die jeweils drei Anerkennungen für den Bereich Neubau und Umbau werden ebenfalls vorgestellt. Dann folgen die ausgezeichneten Projekte für die zwölf Bereiche Revitalisierung, Nachverdichtung, Mischnutzung, Qualitätsentwicklung, Generationenwohnen, partizipative Planung, sozialer Wohnungsbau, Bauen im ländlichen Raum, innovative Fassade, ästhetische Gestaltung, experimenteller Ansatz, Wohnhochhaus.

Die ausgewählten Projekte werden mit der Nennung der Auftraggeber, der Architekten oder des Architekturbüros, einer ausführlichen Beschreibung, zahlreichen hochwertigen Bildern, Zeichnungen, Plänen und Grundrissen dargestellt. Zusätzlich enthält jedes Projekt ein einem persönlichen Interview des mit dem Auftraggeber und ein Kurzporträt des Architekturbüros. Im Anhang findet man noch Adressen und Webseiten der Architekten oder des Büros.

Hier werden die Jahresbesten aus dem Bereich Geschosswohnungsbau gewürdigt und vorgestellt. Man findet auch völlig verschiedene Stile, Bauten mit mehr oder weniger finanziellem Volumen. Das Buch enthält alle wichtigen technischen Daten, Kontaktadressen der Architekten oder Büros und besticht durch hochwertige Farbbilder. Das Buch richtet sich neben anspruchsvollen Kunden an Planer, Entscheidungsträger und Akteure der Wohnungsbaubranche, die sich über Stile und Trends informieren möchten und nach passenden Inspirationen suchen.

 

Buch 2

Deutscher Innenarchitekturpreis 2019, Callwey, München 2019, ISBN: 978-3-7667-2428-1, 49,95 EURO (D)

Mit dem Deutschen Innenarchitektur Preis zeichnet der bdia bund deutscher innenarchitekten innovative Projekte aus, deren „innere Architektur“ vorbildlich konzipiert, gestaltet und ausgeführt ist. Aus 113 Einreichungen hat die Jury 30 Projekte ausgewählt, die ins Rennen um den Deutschen Innenarchitektur Preis gingen. In diesem Buch werden die besten Projekte aus dem Wettbewerb Deutscher Innenarchitekturpreis 2019 vorgestellt. Die vorgestellten Arbeiten stammen aus den unterschiedlichsten Branchen und Bereichen Arbeiten, Wohnen, Einzelhandel, Hotel, und Ausstellung.

Den 1. Preis gewann das Büro Keggenhoff & Partner mit dem Projekt K3 Pastoral City. Neben dem gesellschaftlichen Anliegen der Erdgeschossnutzung und der Bestandaktivierung überzeugt dieser Entwurf am stärksten die konzeptionelle Unterstützung eines kirchlichen Begegnungs-, Kommunikations- und Andachtsorts neuen Typs. Die Innenarchitektur bildet nicht nur den Rahmen für gesellschaftlich gefragte, neue kirchliche Angebote, sondern wirkt direkt gemeinschafts- bzw. gemeindebildend.

Den 2. Preis teilen sich der Entwurf des Simplicity Campus Oelde und der Umbau eines Rinderstalles in Schleswig Holstein. Bei ersterem lobte die Jury den Campusgedanken und die Mischung aus Arbeit und Erholung. Sichtbeton, verzinkter Stahl und ein anthrazitfarbener Strukturputz bestimmen die äußere Erscheinung der Architektur. Der Inmitten der Holsteinischen Schweiz gelegene Rinderstall von ca. 1920 wurde schon etliche Jahre nicht mehr fu?r die Viehwirtschaft genutzt. Ziel des Teilumbaus war es, eine moderne Wohnnutzung zu etablieren, die auf verschiedene Weise die und die Tradition des alten Gemäuers einbezieht. Den 3. Preis bekam der Blutspenderaum des Universitätscampus Hamburg, wo kreative Materialien und Gestaltungsformen wie lackierten Stahlpanzerrohren, Fliesenaufklebern und großformatigen Wandtypografien den Ort für eine Spende attraktiv machen.

Danach werden in einzelnen Beiträgen die weiteren Projekte alphabetisch sortiert vorgestellt. Beeindruckend sind auch der Neubau des Alpenchalets mit hellen Farbwahl inmitten toller Landschaft, die individualistische und stylische Bar Eduard’s oder der Neubau des Moxy in Frankfurt/Main.

Die Dokumentation präsentiert alle Projekte mit Einführungstexten, professionellen Fotos, Plänen und ergänzenden Interviews, die Einblicke in den Entwurfs- und Planungsprozess der Innenarchitekten geben.

Viele der Projekte haben individualistischen Charakter, verbinden Bauen mit der Umgebung oder dem vorhandenen Bestand oder schaffen neue außergewöhnliche Orte, Arbeitsumfelder oder Wohnungen. Diese Dokumentation bietet Anregungen für Trends in der Innenarchitektur wie der Umbau im Bestand, die vielfältigen Projekte sind ein Seismograph für die Branche. Hier können Bauherren und Architekten sich mit ausgewählten Projekten auseinandersetzen und etwas für die eigene Arbeit bzw. Wünsche mitnehmen.

 

Buch 3

Walter Holzapfel: typische Schäden am Dach. Erkennen – vermeiden – beheben, 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Rudolf Müller, Köln 2015, ISBN: 978-3-481-03320-0, 59 EURO (D)

Der Dachdeckermeister, Sachverständige und Autor Walter Holzapfel stellt in diesem Fachbuch eine Sammlung der häufigsten Schäden am Dach vor und zeigt typische Schwachstellen, die bei der Ausführung von Dachdeckungs- und Erdarbeiten auftreten können. Dabei geht es ihm als Präventionsmaßnahme um die Vermeidung von Fehlern.

Es werden insgesamt 211 Schadensfälle gezeigt, die aus allen wichtigen Bereichen ausgewählt und zusammengestellt und aus der Perspektive des Sachverständigen geschrieben sind. Dies ist die dritte Auflage des Buches. Sie wurde um zahlreiche Schadensfälle aus allen Bereichen der Dachdeckung, Dachabdichtung und des Wärme- und Feuchteschutzes ergänzt. Neben dem Text, einigen Tabellen findet man 870 Abbildungen, die den Schaden und das Ergebnis der Behebung visualisieren.

Das Buch beginnt mit dem Steildach: Dort werden Beispiele der Regensicherheit, das Unterdach, An- und Abschlüsse, Dachdetails wie Fürst, Grat und Kehle, optische Mängel, die Dachgaube, Metallarbeiten und Blechprofilabdeckungen sowie Dachrinnen behandelt. Weiter geht es mit Beispielen aus dem Dachgeschossausbau mit Fehlerquellen des Holzbaus, der Luftdichtheit und Fehler bei Deckenbekleidungen. Danach werden Dachabdichtungen von flachen Dachkonstruktionen mit Wasserdichtigkeit, fehlende Qualität und Details wie Schweißfehler, unbelüftete Holzflachdächer oder Dämmputz angesprochen. Anschließend geht es um Dachterrasse und Balkon. Typische Fehler bei Terrassenabdichtungen, der Türschwelle und beim Nutzbelag auch bei Herstellerangaben werden dabei thematisiert. Das letzte Kapitel dreht sich um die Dachbegrünung. Der Dachwurzelschutz und Probleme wie Überlastungen, Wassereinfluss und Beschädigungen kommen dort zur Sprache. Im Anhang findet man noch einen Bildnachweis und ein Stichwortverzeichnis.

Dieses Buch ist für Planer, Sachverständige und Mitarbeiter des Dachdeckerhandwerks als Praxishilfe konzipiert. Die zahlreichen Beispiele sind nach folgendem Schema systematisiert: Schaden, Analyse, Lösung. Dies erleichtert die Beschreibung der Fehlerquellen und zeigt sofort Maßnahmen der Behebung. Die beschriebenen Schäden und ihre Behebung wurden auf die im Jahre 2014 geltenden Fach-, Bauregeln und Normen abgestellt. Die Abbildungen sind scharf, durchgehend in Farbe und zeigen die notwendigen Details.

 

Buch 4

Wolfgang Lorenz/Stefan Betz: Praxis-Handbuch Schimmelschäden. Diagnose und Sanierung, 2. Auflage, Rudolf Müller, Köln 2016, ISBN: 978-3-481-03376-7, 59 EURO (D)

Das Praxis-Handbuch Schimmelpilzschäden liefert Beurteilungskriterien und Anleitungen für fachgerechte Sanierungsmaßnahmen im Rahmen der Bewertung und Bekämpfung von mikrobiellen Schäden unter Berücksichtigung der für die Sanierung von Schimmelschäden maßgeblichen Leitfäden und Richtlinien.

Die Neuauflage berücksichtigt u. a. den aktuellen Entwicklungsstand zur Untersuchung, Bewertung und Sanierung von Schimmelpilzschäden wie die neue Methode der Gesamtsporenmessung und enthält zahlreiche neue Fotos zur Veranschaulichung der Thematik. Insgesamt enthält das Buch 293 Abbildungen und 77 Tabellen. Die aktuellen Regelwerke und Leitfäden wie der Schimmelleitfaden vom Umweltbundesamt aus dem Jahre 2016 und die DGUV-Informationen mit Empfehlungen zur Gefährdungsbeurteilung und Schimmelsanierung sind hier auch enthalten.

Im ersten Kapitel geht es um Grundlegendes: Die Aufgabe des Sanierers, die Regeln und der Stand der Technik, maßgebliche Leitfäden und Richtlinien und eine Übersicht von Gesetzen und Verordnungen werden dabei kurz angerissen. Danach werden die mikrobiologischen Grundlagen, gesundheitlich relevante Stoffe und bei Feuchtschäden wachsende Mikroorganismen vorgestellt. Danach folgen bauliche und bauphysikalische Grundlagen, bevor dann verschiedene Schadensmerkmale wie optische Hinweise, geruchliche, gesundheitliche Indikatoren und die Abgrenzung zu anderen Schadensarten skizziert werden. Verschieden Untersuchungen, Messverfahren und mikrobiologische Analyseformen kommen dann zur Sprache. Typische Ursachen wie Feuchte oder Wasser von außen, bauliche oder durch Nutzung bedingte Ursachen werden danach thematisiert.

Anschließend geht es um die Beurteilung von Schäden: Optische Schäden, Materialbeschädigung mit Funktionsbeeinträchtigung, Geruchsbelastung, gesundheitliche Aspekte, verschiedene Sofortmaßnahmen, die Aspekte des Sanierungsumfangs, die Maßnahmen zum Umgebungs- und zum Arbeitsschutz sowie die Schadensbeurteilung in Ausnahmesituationen wie Denkmalschutz oder Oberflächenwasser werden behandelt. Planung, vorbereitende Arbeiten zur Sanierung sowie die Leitung und Aufsicht der Arbeiten werden dann vorgestellt. Im längsten Kapitel geht es um die einzelnen Schritte der Sanierung. Kleine Schäden, Sofortmaßnahmen, Umgebungsschutzmaßnahmen, Arbeitsschutzmaßnahmen, Trocknung, Entfernung befallener Bausubstanz, Dekontamination und Reinigung, der Einsatz von Chemikalien, die Geruchsbeseitigung und Abwasserschäden sind die einzelnen Punkte. Die Beauftragung, Überwachung, Abnahme und Kontrolle der Sanierung rundet das Buch ab.

Im Anhang findet man noch ein ausführliches Literaturverzeichnis und ein Stichwortverzeichnis.

Die zahlreichen Beispielen erläutern die Sanierung von Schäden, beginnend bei Erstmaßnahmen, der Baustellenplanung über die Ausführung bis zur Nachuntersuchung. Hinsichtlich der Neuregelungen, Regelwerke und Forschung ist es auf dem Stand von 2016. Alle Schritte zur Erstellung eines Schadensgutachtens bis zur Interpretation der Befunde werden in einem informativen Text und vielen scharfen Abbildungen erläutert. Dies ist mehr als praktisches Handbuch zu verstehen, wo die mikrobiologische Grundlagen kurz erläutert werden. Wer mehr darüber lesen möchte, kann das Literaturverzeichnis zu Rate ziehen.

 

Buch 5

Bossemeyer, H.- D. u.a.: Schadstoffe im Baubestand, Mit Katalog nach Bauteilen und Gewerken, 2., aktualisierte und erweiterte Auslage, Rudolf Müller, Köln 2019, ISBN: 978-3-481-03858-8, 59 EURO (D)

Das Buch bietet eine kompakte, systematische Darstellung der beim Bauen im Bestand am häufigsten vorkommenden Schadstoffe in Wort, 318 farbigen Abbildungen und 5 Tabellen. Es zeigt die Schadstoffrisiken auf und liefert Handlungsempfehlungen, um diese zu vermeiden.

Dies ist die zweite aktualisierte und erweiterte Auflage des Buches. Neu aufgenommen wurden Chlorparaffine sowie zahlreiche Schadensbilder im Katalog der Schadstoffvorkommen. Außerdem wurden das Buch nach den aktuellen Regelwerken und Rechtsvorschriften ausgerichtet.

Das Buch beginnt mit einem grundlegenden Kapitel über die Verantwortung der Beteiligten im Bauablauf und Vermeidung von Risiken und dem rechtlichen Rahmen (Bauverordnungsrecht, Gefahrstoffrecht, Abfallrecht usw.). Die notwendige Qualifizierung und Versicherungsschutz der Beteiligten werden auch behandelt. Danach folgen die Datenblätter der Schadstoffe: Dies sind Asbest, Künstliche Materialfasern, Chlorparaffine, PAK, PCD und Blei. Nationale und internationale Regelwerke, Kategorien und Begriffe komplettieren dies. Anschließend werden Schadstoffe in Bauteilen, Konstruktionsabschnitten und technischen Anlagen dargestellt. Im Einzelnen sind dies erdberührte Bauteile und Schadstoffe im Boden, Fassaden, Dächer, Wände und Decken, Böden, Fenster, Türen und Tore, elektrische Geräte und Anlagen, Sanitär-, Heizungs- und RTL-Anlagen. Dort wird auch aufgezeigt, ob eventuell eine konkrete Gefahr in der jeweiligen Situation der Nutzung und Bearbeitung besteht. Im Anhang findet man noch eine Auflistung der Normen, Rechtsvorschriften und ein Literaturverzeichnis sowie ein Stichwortverzeichnis.

Das Buch konzentriert sich auf die Schadstoffe Asbest, KMF, PCB, PAK, PCP, Chlorparaffine und Blei, die bei unsachmäßigem Umgang stark gefährden können, eine abfalltechnische besondere Relevanz und häufig auftreten. Es richtet sich an Bauherrn, Planer, Architekten, Handwerker, Sachverständige und Mitarbeiter der aufsichtführenden Behörden. Die Problemfälle und die Risiken werden ausführlich angesprochen, der nach Gewerken und Bauteilen geordnete Fundstellenkatalog der Schadstoffe sorgt für schnelle Informationen.

 

Buch 6

Werner Michael Schwarz/Georg Spitaler/Elke Wikidal (Hrsg.): Das Rote Wien 1919 – 1934. Ideen, Debatten, Praxis, Birkhäuser, Basel 2019, ISBN: 978-3-0356-1957-7, 39 EURO (D)

Als „Rotes Wien“ wird die Zeit von 1918 bis 1934 bezeichnet, als die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschösterreichs bei den Wahlen zu Landtag und Gemeinderat wiederholt die absolute Mehrheit erreichte. Die sozialdemokratische Kommunalpolitik dieser Jahre war geprägt von umfassenden sozialen Wohnbauprojekten und von einer Finanzpolitik, die neben dem Wohnbau auch umfangreiche Reformen in der Sozial-, Gesundheits- und Bildungspolitik unterstützen sollte. Auf der Grundlage einer neuen Steuerpolitik wurden bis 1934 mehr als 60.000 Wohnungen sowie zahlreiche Sozial-, Freizeit- und Kultureinrichtungen geschaffen. Die Sozialdemokratie bildete einen Gegenpol zur Politik der Christlichsozialen Partei (CS), die damals in den anderen Bundesländern und auf Bundesebene regierte. Das „Rote Wien“ endete 1934, als Bürgermeister Karl Seitz infolge des österreichischen Bürgerkrieges seines Amtes enthoben und verhaftet wurde und die faschistische Vaterländische Front (VF) auch in Wien die Macht übernahm.

Dies ist das Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im MUSA vom 30.4.2019 bis zum 19.1.2020. Seit 11 Jahren widmet sich das MUSA der Wiener Gegenwartskunst, seit 1.1.2018 ist es Teil des Wien Museums. Die Palette der Ausstellungen reicht von Retrospektiven Künstler_innen zu aufsehenerregenden Darstellungen einzelner Jahrzehnte im Wiener Kunstbetrieb. Die Kurator_innen Werner Michael Schwarz, Georg Spitaler und Elke Wikidal erzählen die Geschichte des Reformprojekts anhand von Fotos, Karten, Objekten und Dokumenten. Die Ausstellung im MUSA wird durch mehr als ein Dutzend Orte in der Stadt erweitert. Diese „begehbaren Objekte“ mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten werden temporär für das Publikum zugänglich gemacht und beziehen das architektonische Erbe des Roten Wien mit ein, das sich als gebaute Utopie nachhaltig in die Stadt eingeschrieben hat: „Das Rote Wien erscheint so nicht mehr nur als Tatsachenraum, wie es insbesondere die Architektur suggeriert, sondern als ein Möglichkeitsraum, in dem die Frage ‚Wie leben?‘ in hoher Intensität diskutiert wurde, wenn es um Wohnen, Schule, Bildung, das Verhältnis von Männern und Frauen, Freizeit oder Kultur ging. Ein Aufruf zur Debatte, zur kritischen Auseinandersetzung, zum Bekenntnis zu Idealen und zum Experiment.“ (S. 15)

Dies wird in Schwerpunkten wie Grundlagen und Voraussetzungen, Fürsorge, Schulreform und Bildung, Architektur, Infrastruktur, Wohnen, Kommunikation und Kunst, Arbeiterkultur, Gewaltsames Ende, Verfolgung und Emigration in Beiträgen oder verschiedenen Autor_innen oder Diskussionsrunden in einzelnen Kapiteln behandelt. Zum Schluss gibt es noch einen Ausblick auf die egalitäre Stadt in Form einer Debatte. Im Anhang sind noch der Katalog, die Orte des „Roten Wiens“ und die Autor_innen abgedruckt.

Die sozialdemokratische Gemeindeverwaltung wollte nach dem tiefgreifenden Umsturz nach dem Ende der Monarchie und dem 1. Weltkrieg ein neues Wien schaffen, ein Wien für alle. Die für die Stadt revolutionären Neuerungen werden in diesem Buch umfassend aufgearbeitet und auch problematische Elemente wie Sozialdemokratie und Antisemitismus angesprochen. Es handelt sich also um keine Heroisierung der Epoche, sondern um eine tiefgehende Aufarbeitung der fundamentalen Neugestaltung aller Lebensbereiche bis zur Ausschaltung der Demokratie durch den austrofaschistischen Ständestaat im Jahr 1934. Die Brücke zur Gegenwart sind nicht nur die noch erhaltenen Gebäude und Einrichtungen, sondern das Bewusstsein, dass auch heute trotz steigender Mieten, sozialer Ungleichheit ein Wien für alle möglich ist.







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