Neuerscheinungen Kunst

19.01.20
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Robert Descharnes/Nicolas Descharnes/Gilles Néret: Dali. Das malerische Werk, Taschen, Köln 2019, ISBN: 978-3-8365-7660-4, 40 EURO (D)

In diesem Band präsentieren Robert Descharnes, Nicolas Descharnes und Gilles Néret nahezu sämtliche Bilder des extrem produktiven Künstlers, mehr als 1600 Abbildungen, Zeichnungen, Selbstporträts usw. sind hier zu sehen. Dies ist die umfassendste Studie über Dalís Gemälde, die je veröffentlicht wurde. Sie erscheint in deutscher Sprache.

Zur besseren Einordnung von Dalis Gemälden gibt es noch eine ausführliche Monografie, wo das Werk des spanischen Exzentrikers und seine Bedeutung im Kontext von zeitgenössischen Dokumenten, eigenen Schriften, Zeichnungen, Skizzen und Ephemera sowie sonstigen, für seine Arbeit relevanten Bereichen wie Ballett, Kino, Mode, Werbung oder Kunsthandwerk eingeordnet wird. Die Monografie arbeitet viel mit Zitaten Dali, Galas und anderer Zeitgenossen über ihn.

Das Buch gibt chronologisch sämtliche Werke von 1910 bis 1989 wieder, dazu passend werden biografische Wendungen in seinem Leben, seine künstlerischen Auffassungen zu der Zeit und den jeweiligen historischen, politischen und gesellschaftlichen Hintergrund. Nach der mehr als 700 Seiten starken Monografie mitsamt dem Abdruck der Gemälde gibt es noch eine Kurzbiografie zum Nachschlagen und zur besseren Orientierung und eine Auswahlbibliografie. Daran anschließend findet man noch ein Register der abgebildeten Werke.

Dies ist ein akribisch verfasstes, sehr arbeitsintensives Werk, das in Zusammenarbeit mit dem spanischen Staat, der Fundacio Gala-Salvador Dali und The Dali Museum in St. Petersburg (Florida) entstanden ist.

Die Kapiteleinteilung nach Jahren und Schaffensperioden ist natürlich diskutabel, hat in diesem Zusammenhang aber eher sekundären Charakter, da hier die Gemälde im Mittelpunkt stehen und nicht eine wissenschaftlich-exakte Abhandlung.

Das Format hat den Vorteil, dass das Buch handlich und gut nutzbar ist, aber den Nachteil, dass trotz vieler seitenumfassenden Abbildungen Dalis Werke etwas klein wirken können.

Das Buch ist eine Fundgrube für alle, die Dalis Werke vollständig erfassen wollen. Viele Werke waren seit Jahren nicht zugänglich, fast die Hälfte der hier enthaltenen Abbildungen ist nahezu unbekannt. Es gibt also vieles neu zu entdecken in dieser jahrelang zusammengestellten Band.

Buch 2

Rainer Zerbst: Gaudi. Das vollständige Werk, Taschen, Köln 2019, ISBN: 978-3-8365-6443-4, 40 EURO (D)

Antoni Gaudí (1852-1926) verhalf der katalanischen Architektur zu weltweiten Ruhm und Ansehen. Gaudí war Architekt und Designer zugleich mit einer besonderen Fähigkeit zur Synthese der eigenen Tradition und den Mut zu neuen technischen Lösungen. Er verstand es, kreative und plastische Bauausschmückungen in seine Gebäude zu integrieren und überzeugte durch damals außergewöhnliche Ausschmückungen.

Sein erstes großes Werk bestand in der Planung einer Fabrik und einer Arbeitersiedlung für die „Sociedad Cooperativa La Obrera Mataronense“ (1878 bis 1882). Der Bau scheiterte allerdings schon in einem frühen Stadium. 1878 lernte Gaudí Eusebi Güell kennen, mit dessen finanzieller Hilfe er später bedeutende Werke wie die Güell-Pavillons, den Palau Güell, den Park Güell, die Bodegas Güell und die Krypta der Colònia Güell realisieren konnte.

Antoni Gaudí schuf vor seinem ersten Auftrag für Güell bereits die Casa Vicens und El Capricho. Im März 1883 übernahm er die Leitung über den 1882 begonnenen Bau der Sagrada Família, der er sich von 1914 bis 1926 vollständig widmete. Neben dem Palau Güell von 1886 bis 1889 leitete er noch von 1889 bis 1894 den Bau des Theresianerinnen-Stifts in Barcelona und von 1887 bis 1893 den des Bischofspalasts in Astorga.

1898 entstanden die ersten Entwürfe für die Kirche der Colònia Güell, und im selben Jahr errichtete er die Casa Calvet für den Textilfabrikanten Don Pedro M. Calvet. Zwei Jahre später erhielt er für dieses Gebäude den jährlich vergebenen Preis für das beste Gebäude der Stadt von der Stadtverwaltung Barcelonas. 1900 plante er noch das erste glorreiche Geheimnis für den monumentalen Rosenkranz beim Kloster Montserrat, allerdings gab er den Auftrag wegen Meinungsverschiedenheiten frühzeitig auf und plante daraufhin den Park Güell.

Von 1904 bis 1906 gestaltete er die Casa Batlló neu. Gaudís letzte große Werke waren der Park Güell, die Krypta der Colònia Güell und der Neubau der Casa Milà, auch als „La Pedrera“ bekannt.

Der Architekt heiratete nie, sondern entschied sich für ein asketisches Leben als zölibatärer Laie. Von 1906 bis Ende 1925 lebte er in einem Haus im Park Güell, das seit 1963 als Casa-Museu Gaudí an ihn erinnert.

Rainer Zerbst, Kunst-, Literatur- und Theaterkritiker, stellt in diesem Band das gesamte Werk Gaudis vor. Neben den bekannten Weltkulturerbestätten präsentiert Zerbst neue Fotos, historische Aufnahmen, stellt auch unvollendete Projekte und Werke außerhalb von seinen bekannten Architektur- und Designerwerken vor. Am Ende findet man noch einen detaillierten Anhang zu sämtlichen Werken.

In diesem prächtig gestalteten Band stehen die Bilder eindeutig im Mittelpunkt. Es zeichnet sich durch großformatige, detailreiche Abbildungen und die sehr gute Druckqualität aus. Dabei sind erläuternde Texte oder eine tiefergehende Analyse der Architektur und Formsprache Gaudis eher Nebenprodukt. Das macht aber nichts, dafür gibt es andere Bücher. Für Gaudi-Fans und Ästheten ein wahrer Augenschmaus.

 

Buch 3

Stiftung Bauhaus Dessau: Die Sammlung, Kerber, Berlin/Bielefeld 2019, ISBN 978-3-7356-0558-0, 59 EURO (D)

Das Bauhaus Museum Dessau ist anlässlich des 100. Gründungsjubiläums des Bauhauses am 8. September 2019 eröffnet worden. Bisher war die Präsentation der wertvollen Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau im Bauhausgebäude nur eingeschränkt möglich. In dem neuen Museum gibt es erstmals geeignete Räumlichkeiten für eine umfassende öffentliche Präsentation. Die Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau umfasst rund 49.000 katalogisierte Exponate und ist die zweitgrößte Sammlung zum Thema Bauhaus weltweit. Die Sammlung wurde 1976 begründet.

In diesem Band wird die zweitgrößte Bauhaussammlung weltweit erstmals umfassend präsentiert: „Dazu zählen sowohl die Gegenstände und Dokumente aus dem Bauhaus, dessen Umfeld und Wirkungsgeschichte, als auch zahlreiche Elemente und Materialien aus dem einzigartigen Ensemble der in Dessau befindlichen originalen Bauhausbauten.“ (S. 9) Gezeigt werden Objekte aus allen Phasen und Bereichen der berühmten Institution, wie Schülerarbeiten von Marianne Brandt, Josef Albers oder Marcel Breuer und Werke von Paul Klee, Wassily Kandinsky oder Gunta Stölzl. Auch Gegenstände und Materialien der in Dessau befindlichen Bauhausbauten werden gezeigt: des Bauhausgebäudes, der Meisterhäuser, des Arbeitsamtes sowie der Siedlung Dessau-Törten. Darüber hinaus stellt der Band eine Einführung in die Geschichte und Entwicklung der Schule dar.

Nach einem Grußwort der Kulturstiftung des Bundes wird die Geschichte und das Profil der Sammlung vorgestellt. Anschließend geht es in einem allgemeinen Teil um das Bauhaus und seine Entwicklung 1919-1933, in der Dessau und das Bauhaus eingearbeitet wird. Weiter geht es mit der Sammlung: Die Vorkurse und der Unterricht von verschiedenen Bauhaus-Lehrern, die verschiedenen Werkstätten, freie Malklassen, die Bauabteilung, der wissenschaftliche und berufspraktische Unterricht, Gastdozenten und ihre Vorträge sowie die Ausstellungen und Publikationen kommen hier zur Sprache. Außerdem werden freie Arbeiten unterteilt in verschiedene Fachbereiche und die Wirkungen und die Rezeption des Bauhauses Dessau präsentiert. Anschließend wird das Bauforschungsarchiv und seine Objekte näher vorgestellt. Im Anhang findet man eine chronologische Zeitleiste, ein Überblick der Lehrenden und die Darstellung der Bauhausbauten in Dessau wie die Siedlung Dessau-Törten in Wort und Bild, einen Bildnachweis und ein Register.

Hier werden die Geschichte des Bauhauses, sein historischer Kontext und seine Wirkungen anhand zahlreicher Objekte erzählt und es werden die Anknüpfungspunkte für das 21. Jahrhundert deutlich gemacht. Die Sammlung wird sehr ausführlich in Wort und Bild präsentiert. Die verschiedenen Artefakte der Sammlung werden im Fließtext mit eingearbeitet und kurz beschrieben. Insgesamt sind 456 farbige und 88 schwarz-weiße Abbildungen zu sehen. Der Leser bekommt also einen sehr umfassenden Einblick in die Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau, die auch Lust auf einen Besuch weckt.

 

Buch 4

Rebecca Horn: Glowing Core, Kerber, Bielefeld/Berlin 2019, ISBN: 978-3-7356-0628-0, 35 EURO (D)

Die Bildhauerin, Zeichnerin, Literatin, Filmemacherin, Videoinstallations- und Performancekünstlerin Rebecca Horn ist seit Jahrzehnten eine der gefragtesten Künstlerinnen der BRD. Sie hatte Ausstellungen in der Berliner Nationalgalerie 1994 und eine umfassende Werkschau im Martin-Gropius-Bau 2006.

Für den Lichthof des Martin-Gropius-Baus entwickelte die Künstlerin eine zentrale Installation mit dem Titel „Das Universum in einer Perle“. Diese Arbeit wurde in den letzten Jahren in unterschiedlichen Ländern, Instituten und Kontexten gezeigt. Diese und die Präsentation „Glowing Core“ auf Palma de Mallorca im Jahr 2015 bildete das Zentrum der Installation „Glowing Core“ (leuchtender Kern) in der vollständig ausgeräumten Berliner Sankt Hedwigs-Kathedrale. Die Gesamtinstallation bestand aus 17 Einzelskulpturen und Skulpturengruppen.

Sie positionierte die Arbeit in das Zentrum des Kirchenraums, genau unter das Fenster der Kuppel. Hier entsteht eine unsichtbare aber deutlich spürbare „Atemsäule“ zwischen einem schwankendem Bodenspiegel und einem Lichtwirbel unter der Deckenkuppel. Durchschreitet der Besucher den Kreis der äußeren Skulpturen, um in die Mitte zu gelangen, kann er in den großen Bodenspiegel blicken. In dessen Zentrum liegt eine kleinere, sich im geneigten Winkel drehende Spiegelscheibe. Beim Blick nach oben zeigt sich, dass ihr gegenüber ebenfalls ein Rundspiegel hängt. Wie ins Unendliche spiegeln sich die Spiegel gegenseitig, nach oben erscheint es als Blick in den Himmel, nach unten durch die reflektierten Bewegungen des Drehspiegels wie der Blick in einen sehr tiefen Brunnen. Um die zentrale Arbeit setzt die Künstlerin kinetische Objekte sowie Skulpturen von aus Eisen gegossenen Totenköpfen, Kakteen und goldenen Stehlen, die wieder an ihre Arbeit im Lehmbruck-Museum erinnern.

Die Kirche wurde immer erst zum Sonnenuntergang für das Publikum geöffnet. Dadurch entsteht, verbunden mit dem fehlenden Tageslicht, für den Besucher ein komplett neuer Raumeindruck.

Dieses Buch beinhaltet eine Retrospektive der Ausstellung und der Künstlerin zum 75. Geburtstag gewidmet. Es erscheint gleichzeitig in deutscher und englischer Sprache.

Zur farbigen großformatigen Bildern von der Ausstellung erscheinen vier Essays als Hintergrundinformation. Zunächst wird der Bericht von Peter Raue über das „Universum in der Kirche – Himmel auf Erden“ in der Berliner Zeitung vom September 2018 abgedruckt. Danach setzt sich Joachim Sartorius mit der Vorstellung des Universums von Rebecca Horn in dieser und früheren Ausstellungen auseinander. Seine Sinneseindrücke der Ausstellung, wo „alles eins, alles ineinander verwischt, abwesend und anwesend zugleich“ (S. 44) ist, beschreibt Thomas Jonigk danach. Anschließend wählt Georg Maria Roers SJ den literarischen Zugang zu den Werken Horns, vor allem durch eine Analyse ihres Gedichtes Mondspiegel. Danach erscheint noch eine Kurzvita über die Künstlerin, eine Auswahl ihrer zahlreichen Einzelausstellungen sowie die Biografien der Autoren und Herausgeber. Zwischendurch werden immer wieder ausgewählte Gedichte und Textpassagen der Künstlerin und Reaktionen von Ausstellungsbesuchern abgedruckt.

Dieses Buch ist eine gute Mischung zwischen Analyse der Kunst Horns im Allgemeinen und von Glowing Core im Besonderen. Ihr Markenzeichen ist, dass sich jede neue Arbeit aus den vorherigen entwickelt. Sie verwendet dabei Elemente, die in verschiedenen Kontexten immer neu präsentiert werden erscheinen. Die Bilder von der Ausstellung sind scharf und transportieren Momente der Ausstellung und die Atmosphäre bestmöglich. Das Buch ist nicht nur Rückschau eines der erfolgreichsten Projekte Horns in ihrer Karriere, sondern auch eine Hommage an die Lebenseistung der Künstlerin.







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