Neuerscheinungen Bildband


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17.11.19
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Andreas Krohberger/Peter D. Hartung: Unser Remstal. Schätze einer einzigartigen Region, Emons Verlag, Köln 2019, ISBN: 978-3-0585-2, 24,95 EURO (D)

Das Remstal ist ein ca. 78 Kilometer langes Flusstal östlich von Stuttgart in Baden-Württemberg und führt durch die Landkreise Ostalbkreis, Rems-Murr-Kreis und den Landkreis Ludwigsburg. Es erstreckt sich vom Ursprung der Rems in Essingen bis zu ihrer Mündung in den Neckar bei Neckarrems. Es ist bekannt für seine ausgezeichneten Weine und die abwechslungsreiche Landschaft. Während es im Remstal wenig Viehhaltung und Feldwirtschaft gibt, ist der Weinbau einer der traditionellen Erwerbsquellen und Exportschlager seit dem ausgehenden Mittelalter.

Der Autor Andreas Krohberger und der Fotograf Peter D. Hartung geben in diesem Bildband Einblicke in das Tal von der Quelle bis zur Mündung der Rems und porträtieren Landschaft und Menschen. Es enthält ca. 150 Fotografien über Land und Leute, die den Text visualisieren.

Das Buch beginnt mit einem tabellarischen Überblick von Daten. Danach werden auf die Historie und die gegenwärtige Entwicklung eingegangen, bevor der Fluss und seine Seitentäler beschrieben werden. Weiter geht es mit einem kulturgeschichtlichen Überblick unter anderen von Kirchen, Burgen und Schlössern. Anschließend werden die zahlreichen Naturschönheiten vorgestellt: Die Obstbaumblüte, die Naturschutzgebiete, Wälder, Parks und Gärten werden porträtiert. Danach folgt eine Darstellung der Lebensart mit Weinbau, Gastlichkeit, Backhauskultur und Freizeitaktivitäten. Die innovativen und bedeutendsten Köpfe des Remstals mitsamt ihren Erfindungen werden dann präsentiert. Die Feste rund um das Remstal entlang des Jahreskalenders runden den Bildband ab.

Dieses Buch ist die erste umfassende Darstellung der verschiedenen Facetten der Region in Wort und Bild. Es ist eine größere Art der Heimatgeschichte, der Naturschönheiten und der Lebensart der Menschen. Das Buch ist aber auch als Tourismusführer für Naherholungssuchende aus Stuttgart oder anderen Städten der Umgebung interessant.

 

Buch 2

Reinhard Matz (Hrsg.): Josef Snobl: Nachfahrt. Ein Taxi Blues. Mit ca. 240 Fotografien, Emons, Köln 2019, ISBN: 978-3-7408-0684-2, 25 EURO (D)

Der Fotograf Josef Snobl machte, als das Geld knapp wurde, den Taxischein, um in Köln überleben zu können. Dieser anfängliche Nebenjob durch das nächtliche Köln dauerte 25 Jahre, von 1988 bis 2013. Von dieser Zeit erzählt dieses visuelle Tagebuch. Die hier 240 gezeigten Bilder entstanden während seiner Nachfahrten, die Texte schildern Beobachtungen und Ereignisse während seiner Fahrten und auf den Straßen. Dabei stehen Bilder und Texte gleichwertig nebeneinander. Die schwarz-weißen Aufnahmen wurden spontan gemacht, mit einer kleinen Taschenkamera aufgenommen und besitzen grobe Auflösungen und Unschärfe.

Die Bilder sind in einzelne Kapitel unterteilt, denen ein längerer Text von Josef Snobl vorausgeht. Dort philosophiert er über die Nacht, schildert seine augenblicklichen Empfindungen, beschreibt seine nächtlichen Kunden und die Personen, die er auf der Straße sieht. Dazwischen sind auch immer wieder Stationen aus seinen persönlichen Leben eingebaut.

Die Taxifahrten mit bekannten und unbekannten Personen aus allen Schichten werden dabei in Anekdoten ungeschminkt widergegeben. Mal sind es schöne, mal weniger schöne Situationen: „Die Begegnung mit asozialen Menschen sind furchtbar und erschütternd. In der Taxe werden auch intelligente Menschen oft durch Alkohol oder Drogen asozial. Die bösen, dämonischen und dunklen Seiten nehmen überhand, und je tiefer die Nacht, umso größer die Unberechenbarkeit der Leute.“ (S. 74) Snobl schildert neben euphorischen und skurrilen Menschen auch Gewalt, Junkies, und verprügelte Frauen, den „Trauerzug der Gescheiterten“. (S. 206)

Am Ende des Buches findet man noch ein Nachwort des Herausgebers und ein Bilderverzeichnis.

Die Nacht hat viele Facetten: sie kann romantisch, geheimnisvoll, mystisch oder auch beängstigend - und immer übt sie auf die Menschen eine große Anziehungskraft aus. Schon immer fanden Dichter, Schriftsteller und natürlich auch die Maler in der Nacht, den Sternen und dem Mond Inspiration für ihre Werke. Sie ließen sich sowohl von der starken Symbolkraft der leuchtenden Himmelskörper als auch von der Atmosphäre durch die einzigartigen Lichtverhältnisse anregen. Ein besonders wichtiges Thema war die Nacht für die Maler der Romantik, aber auch in der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts diente sie als Motiv, z. B. bei Paul Klee oder Marc Chagall.

Die Lichtverhältnisse spielen bei den Aufnahmen von Snobl eine untergeordnete Rolle. Die Aufnahmen sind situativ und ohne große Vorbereitungszeit. Die Qualität ist daher keine künstlerische, sondern die ungeschminkte Realität des nächtlichen Köln zwischen Glück und Elend. Teilweise ärgerlich sind nur seine Ausführungen über „Zigeuner“.

Ein sozialdokumentarisches Abbild Kölns aus der Sicht eines Taxifahrers und seinen persönlichen Begegnungen und Empfindungen ist es das Buch, es kommt ungeschminkt daher und bietet sehr viel an Emotion. Und man sieht das Taxigewerbe aus einer anderen Perspektive.

 

Buch 3

 

Schweiz Tourismus (Hrsg.): Schweiz Erlebnis Switzerland Experience Expérience suisse Esperienza Svizzera, 2. Auflage, AS Verlag, Zürich 2019, ISBN: 978-3-909111-30-0, 68 SFR

Dieses Buch vom Schweizer Tourismusverband stellt die schönsten Ecken des Alpenlandes vor und will damit Inspirationen für eine Reise in die Schweiz herüberbringen: „Ich lade Sie ein zu einer Tour de Suisse in die malerischen Ecken unserer schönen Schweiz, Für einmal von Ihrem Sofa aus. Unsere Schweiz-Experten haben tolle Ausflüge im ganzen Land zusammengestellt und eindrucksvolle Fotos dazu gemacht. Angereichert haben Sie alles mit ausgewählten Restaurants für das leibliche Wohl, speziellen Hotels und weiteren spannenden Kurzinformationen.“ (S. 7) Das Buch erscheint gleichzeitig in deutscher, englischer, französischer und italienischer Sprache.

Darunter fällt ein Ausflug in den Nobelort Zermatt, wo kein Privatverkehr herrscht, mit Bahnanbindung zur Aussicht vom Matterhorn aus über das Bergpanorama mit Übernachtung in Hochgebirgshütten oder Berghotels. Oder einen Trip zum Jungfraujoch im Sommer wie im Winter mit Unterkunftsmöglichkeiten in Wengen oder Mürren. Außerdem gibt es die Möglichkeit der Besichtigung der Jura-Landschaft mit den Bahnen oder Schifffahrt auf dem Lac des Brenets inklusive Wasserfall.

Die Touristenziele werden durch malerische Bilder mit einem kurzen Begleittext vorgestellt. In einem längeren Abschnitt werden die Schönheiten der Landschaft, der Berge oder des Ortes hervorgehoben. In einer geografischen Übersichtskarte der Schweiz ist jeder Ort oder jede Region eingezeichnet. Im Anhang erfährt man zu jeder Station Näheres in Bezug auf die Anreise, Übernachtungsmöglichkeiten oder Verkehr.

Eine Auswahl der schönsten Schweizer Urlaubsgebiete oder Orte zu treffen ist schwierig. Hier sind es viele Naturlandschaften oder alpine Stationen für den gehobenen Geldbeutel, die hier präsentiert werden. Die schönen Ecken des Bodensees in der Schweiz, der Charme von kleineren Alpendörfern oder die Sehenswürdigkeiten von Zürich oder Basel fehlen hier.

Das Buch lebt besonders von den tollen Bildern, die Urlaubsfeeling ins Haus transportieren. Je nach Region, die man als Urlaubsziel präferiert, empfehlen sich weitere Literatur über die Sehenswürdigkeiten der Region.

 

Buch 4

Werner Jessner: Orlando Duque: High Diver. Mein Leben für den perfekten Sprung, Pantauro, Wals bei Salzburg 2019, ISBN: 978-3-7105-0045-9, 30 EURO (D)

Orlando Duque ist ein kolumbianischer Klippenspringer. Er zählt seit Ende der 1990er-Jahre zu den weltbesten Klippenspringern und konnte im Laufe seiner Karriere neunmal den Weltmeistertitel erringen. Er absolvierte den bis dato höchsten Klippensprung von einer 34 Meter hohen Brücke. In Anlehnung seines Familiennamens bekam er den Spitznamen „The Duke“.

In diesem Buch wird sein Leben hin zum weltbesten Klippenspringer nachgezeichnet. Orlando Duque wuchs 1974 in Cali im Südwesten Kolumbiens geboren, einer Gegend, in der Drogen, Gewalt und Korruption zum Alltag gehörten. Im Alter von zehn Jahren widmete er sich dem Kunst- und Turmspringen, dort begann seine unvergleichliche Karriere. 1992 qualifizierte er sich für die Olympischen Spiele in Barcelona, konnte jedoch aufgrund fehlender finanzieller Mittel des kolumbianischen Springerverbandes nicht an der Sommerolympiade teilnehmen. Dieser bisherige Tiefpunkt führte zum Ende seiner Karriere als Kunst- und Turmspringer. Er begann ein Studium zur Sicherung seiner beruflichen Zukunft. Er fand immer mehr Gefallen an der damals noch exotischen Sportart des Klippenspringens. Um damit Geld zu verdienen, arbeitete er zunächst in einem kolumbianischen Vergnügungspark und dann in den Sommermonaten im österreichischen Safaripark Gäserndorf als Stuntman mit Wassersprüngen von einem 25 Meter hohen Kran.

Als im Jahre 1999 Klippenspringen in Form eines regelmäßigen Weltcups aufgewertet wurde, wurde in den ersten Jahre Duque zum beherrschenden Akteur. 2000 wurde er in Kaunolu/Hawaii erstmals Weltmeister. In den folgenden Jahren avancierte Duque zum elegantesten und weltbesten Klippenspringer. Er wurde insgesamt neunmal Weltmeister, der Brite Gary Hunt entwickelte sich zu seinem großen Widersacher. Als 2013 das Klippenspringen offiziell ins Programm der Schwimmweltmeisterschaften aufgenommen wurde, gewann er die erste Goldmedaille vor Hunt.

Das Buch ist einem persönlichen, sympathischen Ton geschrieben, es ist keine Hagiographie Duques, sondern eine Beschreibung seiner Karriere, persönlichen Tiefs und Zweifeln, seiner Liebe zum Klippenspringen und deren Faszination sowie der Traum vom perfekten Sprung. Aber wie es so schön sagt: Es gibt es auch etwas anderes im Leben, seine Wünsche und Träume nach der Karriere kommen ebenfalls zur Sprache. Der Mensch hinter dem Sportler ist spannend zu entdecken, dies alles wird visualisiert mit tollen Bildern von Duque als Kunst- und Turmspringer, als Klippenspringer und persönliche Motive auf seinen Reisen durch die Welt. Die Bilder schaffen es, die Faszination des Klippenspringens rüber zu bringen, die immer vorkommende Werbung für seinen Sponsor Red Bull ist aber eher störend.

 

Buch 5

Robert Zagolla: Tanz auf dem Vulkan. Eine fotographische Reise durch das Berlin der Zwanzigerjahre, be.bra Verlag, Berlin 2019, ISBN: 978-3-89809-157-3, 28 EURO (D)

Dieser Bildband unternimmt eine fotografische Reise durch die belebten Straßen und Plätze, die Varietés und Revuen, die Warenhäuser und Cafés, die Rummelplätze und Rennbahnen der Metropole. In über 240 großformatigen Abbildungen wird die Atmosphäre der Zwanzigerjahre visualisiert: „Die Fotografien sollen (…) etwas von dem Lebensgefühl der Zeit einfangen, soweit dies in einem statischen und zweidimensionalen Medium möglich ist. Gezeigt werden soll die pulsierende Metropole, wie sie Einheimische und Besucher in ihrer Freizeit erlebt haben. Es geht nicht um Politik, nicht um soziale Probleme, nicht um die Mühen des Alltags, sondern vor allem um das, was die Menschen von diesen Dingen ablenken sollte und abgelenkt hat: Unterhaltung, Sport, Sensation, Konsum, Innovation.“ (S. 18)

Zu Beginn des Buches wird in einem Text das pulsierende Berlin in den Zwanzigerjahren beschrieben. Die „Goldenen Zwanziger“ stehen für Vergnügen und Aufbruchsstimmung. In Berlin entstanden am Ende der Stummfilmzeit die neuen Großkinos Marmorhaus, Capitol und Ufa-Palast und machten den 'Floh-Kinos' Konkurrenz. Das gesetzte Alter spazierte Unter den Linden, wo Klappstühle für fünf Pfennig aus der Allee eine Kurpromenade machten, so zum Beispiel Gerhart Hauptmann, der häufig im Hotel Adlon wohnte, oder Gustav Stresemann, der versonnen bei Spaziergängen mit seinem Stock im Sand grub. Der Straßenzug zwischen Nollendorfplatz und Olivaer Platz hingegen war Berliner Laufsteg für einen neuen Schick: Mit Erika und Klaus Mann ein Tanz auf dem Vulkan. Max Reinhardt baute seine beiden eleganten Theater am Kurfürstendamm, eingerahmt von Tribüne und Renaissance-Theater.

Expressionisten wie Ernst Toller, Georg Kaiser, Carl Sternheim, Walter Hasenclever sorgten sowohl für Schreie auf der Bühne als auch für Schreie der Entrüstung und Begeisterung im Publikum. Die Bühnenbilder stammen von Avantgardisten wie Panos Aravantinos und Emil Pirchan. Der maßgebliche Berliner Kostümbildner und Couturier war William Budzinski. Der Berliner Broadway bot auch jede Menge Kleinkunst: Bars, Nachtclubs, Weindielen, russische Teestuben, neue Ballhäuser, wie das Ambassadeur oder die Barberina sowie die kleinere Königin oder das demimondäne Riorita, in denen man nicht nur tanzen, sondern auch soupieren konnte. Neue Tänze wie der Charleston und der neue Jazz waren lange umstritten.

Ferner waren der Alexanderplatz und der Potsdamer Platz Inbegriff der lebhaft pulsierenden Weltstadt Berlin. Viele der den Alexanderplatz begrenzenden Gebäude und Bahnbrücken trugen große Leuchtreklametafeln, die die Nacht zum Tag machten. Sein Gesicht änderte sich von Tag zu Tag. Dies alles wird hier illustriert.

Die Bilder sind unterlegt mit einem kleinen Text über das Motiv, den Aufnahmeort und das ungefähre Datum. Dies erscheint wie das gesamte Buch in deutscher und englischer Sprache. Im Anhang findet man noch die Anmerkungen, ein Literaturverzeichnis und den Bildnachweis.

Hier wird nur die glänzende Seite der Berliner Medaille gezeigt, aber das ist vom Autor ausdrücklich beabsichtigt. Die Weimarer Republik schien angekommen in den Köpfen der Menschen. An diesem Mythos haben viele mitgestrickt, Legendenbildungen aus der Retrospektive spielten aber nicht den Alltag vieler Menschen wider. Eine finanziell solventer Teil lebte sich an markanten Punkten der Stadt nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren aus; ein paar Straßen weiter trafen sich Obdachlose, heruntergekommene Soldaten, Kriegsverwundeten inmitten des Berliner Proletariats. Das Buch spiegelt gut den Sein und Schein des Glitzerlebens wider, bevor es dann mit dem weltweiten Börsencrash, mit der Nazi-Herrschaft, dem 2. Weltkrieg und dem Holocaust in die düsterste Etappe der Menschheitsgeschichte übergeht.







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