Neuerscheinungen Bauen und Architektur


Bildmontage: HF

13.10.19
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Walter Gropius: Internationale Architektur. Bauhausbücher. Zweite veränderte Auflage, Gebrüder Mann Verlag, Berlin 2019, ISBN: 978-3-7861-2815-1, 59 EURO (D)

Dies ist ein Reprint des ersten Bandes der Bauhausreihe von Walter Gropius, worin das Schaffen moderner Architekten in verschiedenen Ländern vorgestellt wird. Die Grundlage ist die zweite Auflage von 1927,  sie wurde um 4 Beispiele gegenüber der Erstausgabe erweitert und mit 12 ausgetauschten Abbildungen versehen.

In seinem „Bilderbuch moderner Baukunst“ (S. 5) bietet Gropius zum Auftakt der Bauhausbücher einen Überblick über das aktuelle internationale Architekturschaffen. Ein Vorwort des Verfassers geht kurz aber detailliert auf die Leitgedanken ein, die die Avantgarde in allen Ländern vereinen: „Diese Verwandtschaft, die jeder Laie feststellen kann, ist ein Zeichen von zukunftsweisender Bedeutung und Vorbote eines allgemeinen Gestaltungswillen von grundlegend neuer Art, der seine Repräsentanten in allen Kulturländern der Erde findet.“ (S.5)

Auf diese Stellungnahme folgt ein umfangreicher Bildteil mit Baubeispielen aus aller Welt. Es werden anhand von subjektiven Kriterien neben eigenen Werken, Bauten von Vesnin und Mielnikow aus Moskau, eine Luftschiffhalle bei Orly von Freyssinnet, Häuser von Le Corbusier und Pierre Jeanneret in Paris, ein Wohnhaus von Vit Obrtel in Prag und verschiedene Bauten von Theo van Doesburg und C. van Eesteren in den Niederlanden gezeigt. Abgebildet sind allerdings nur die Außenfassaden oder Außenentwürfe, Innenräume fehlen dort.

Laut Gropius sind diese Abbildungen Zeugnisse einer neuen Entwicklung, die sich der ehemaligen Rolle der Architektur entledigt und sich in einer neuen Formensprache ausdrückt: „„Darüber hinaus propagiert Gropius die internationale Gültigkeit einer Architektur, die aus der Gesamtheit der Gesellschaft entsteht und auf ein einheitliches Ziel ausgerichtet ist. (…) Ihm zugrunde liegt letztlich die von Gropius in vielen Varianten formulierte Suche nach stilistischer Einheit als Ausdruck von Kultur.“ (S. V)

Dieses Band ist, wie im Vorwort mit Recht kritisch angemerkt wird, ein Konstrukt einer einheitlichen Moderne, die so nicht existiert hat. Der Band hat vielmehr den Vorteil, dass er die Errungenschaften des Bauhauses in einen internationalen Kontext setzt und seinen Reformgedanken illustrativ dokumentiert und festhält. Außerdem zeigt er internationale architekturhistorische Entwicklungen in der Zwischenkriegszeit mit viel Anschauungsmaterial.

 

Buch 2

Brigitte Sölch/Elmar Kossel (Hrsg.): Platz-Architekturen. Kontinuität und Wandel öffentlicher Stadträume vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart, Deutscher Kunstverlag, Berlin 2018, ISBN: 978-3-422-07457-6, 48 EURO (D)

In diesem Werk zur kunsthistorischen Stadt- und Platzforschung geht es um Kontinuität und Wandel öffentlicher Stadträume vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. In verschiedenen Beiträgen nehmen Experten städtebauliche Überlegungen und die konkrete historische Entwicklung verschiedener Stadträume in den Blick.

Das Buch beginnt mit dem allgemeinen Beitrag von Wolfgang Pehrt, der einen Streifzug durch Architektur und Städtebau des 20. Jahrhunderts mit der Vorstellung wichtiger Theoretiker unternimmt. Anschließend folgt das Unterkapitel Konzepte: Anne Brandl beschäftigt sich dabei mit der sinnlichen Wahrnehmung von Stadträumen in der Literatur und Wolfgang Sonne setzt sich mit Ansätzen des reformierten Städtebaus von 1900, die das Jahrhundert mitprägten, auseinander.

Danach folgen vier Beiträge, die das Themenfeld der longue durée abdecken. Jean-Philippe Garnic behandelt zunächst die Interpretation römischer Stadträume durch das neue Medium der Fotografie. Danach stellt Melchior Fischli die städtebaulichen Eingriffe in das Zentrum von Florenz am Ende des 19. Jahrhunderts vor. Katia Piesker skizziert die Entwicklung des Tophane-Platzes in Istanbul als Beispiel des osmanischen Kulturraums. Klaus-Jan Phillipp geht danach noch auf das Spannungsfeld von öffentlichem Raum und kommerziellen Interessen am Beispiel des „Kleinen Schlossplatz“ in Stuttgart ein.

Geschichtsbilder stehen bei den zwei folgenden Essays im Mittelpunkt: Dario Donetti untersucht den Bau und die Wirkung der römischen Platzanlage Piazza della Romanita all’EUR von Pietro Aschieri und Elmar Kossel auf den Piazzale dell’Impero ebenfalls in Rom.

Im Kapitel Spurensuche geht zunächst Ulrich Knufinke den Spuren der Erinnerung von Synagogen nach, die in der „Reichspogromnacht“ 1938 zerstört wurden. Leonie Beiersdorf untersucht danach Plätze als Memorialräume mit Denkmalformen.

Felix Schmuck und Stanislaus von Moos richten ihren Blick auf städtebauliche Visionen, auf unterschiedliche Formen und Konzepte des Dialogs zwischen Architektur und Öffentlichkeit. Schmuck analysiert dabei das Bühnenbild, das Friedrich Weinbrenner in Auftrag gab, um seine Planung des öffentlichen Marktplatzes und der zugehörigen Via Truimphalis im Karlsruher Hoftheater zu zeigen. Danach zeigt von Moos die Stadtsanierung von Philadelphia nach dem 2. Weltkrieg und die Projekte auf.

Die neuen Visionen von Städten seit den 1980er Jahren werden von André Bideau und Ole W. Fischer aufgearbeitet. Bideau setzt sich mit dem Entwurf von Oswald Mathias Ungers für Frankfurt/Main auseinander, während Fischer nach strategischen Konzepten der Zeit fragt.

Schillernde Kontrastfolien sind die Beiträge von Claudia Tittel und Olivier Gaudin, die sich mit der Medialisierung von Stadträumen auseinandersetzen. Tittel stellt dabei den Times Square in New York vor, Gaudin die alltäglichen Wechselwirkungen zwischen Shoppingsmalls und kommerziellen Räume städtischer Zentren.

Die Stadt und der Platz als Orte des Protests sowie als Gegenstand sozialer und politischer Auseinandersetzungen werden dann vertieft. In ihrem Beitrag beschäftigt sich Magdalena Nieslony mit dem Petrograder Schlossplatz als Schauplatz des Bilderstreites. Carolin Höfler analysiert Protestformen im analogen und digitalen Bereich wie beim Tahrir-Platz in Ägypten.

Im Anhang findet man noch die Abbildungsnachweise, ein Orts- und Personenregister.

Hier werden Plätze der Vergangenheit in typologischer Hinsicht, in Bezug auf die architektonische Raumbildung sowie die Qualität von Denkmälern und Monumenten am Platz sowie Plätze als Schauplätze sozialer Kämpfe thematisiert, es ist kein Band über soziologische Raumaneignungsstrategien. Die Beiträge haben hohes Niveau und decken fast alle Bereiche ab. Es fehlen jedoch Beiträge zur Vision der Stadt im 21. Jahrhundert, der städtischen Raumplanung mit dem Schwerpunkt ökologischer Aspekte (Urban Gardening, Erholungsort usw.)

 

Buch 3

Stephanie Hess/Thomas Kempen/Hans-Jürgen Krause: Barrierefrei-Konzept. Praxis-Leitfaden zum Nachweis der Barrierefreiheit, Rudolf Müller, Köln 2019, ISBN: 978-3-481-03532-7, 69 EURO (D)

Die Berücksichtigung umfassender Barrierefreiheit in Planungs- und Ausführungsprozessen ist eine wesentliche Voraussetzung zu einer inklusiven Gesellschaft ohne Einschränkungen für Menschen mit Behinderung. Dies gilt auch für den Bausektor und Architekturplaner.

Das Handbuch Barrierefrei-Konzept erläutert erstmals Inhalte und Anforderungen an Konzepte und Nachweise zur Barrierefreiheit im Neubau und Bestand. Zahlreiche Beispiel-Konzepte für verschiedene Gebäudetypen und Nutzungsarten helfen beim Aufstellen eigener Planungen. Neben rechtlichen Aspekten wird gezeigt, wie eine genehmigungsfähige Planung unter Berücksichtigung der vielfältigen Anforderungen aussehen muss.

Der erste Teil beschäftigt sich mit Rahmenbedingungen und baurechtlichen Grundlagen der Barrierefreiheit (Planungsrecht, Baurecht, Arbeitsstättenrecht). Der zweite Teil behandelt die Erstellung von Barrierefrei-Konzepten. Dabei werden die Grundlagen der Barrierefreiheit wie Schutzziele, Bereiche mit Anforderungen an Barrierefreiheit, Abweichungen und Bestandsschutz, Schnittstellen zu anderen Fachplanungen und der Aspekt des Brandschutzes. Dann folgt die eigentliche Planung: Nach der Darstellung des Mehrwertes und die Vorstellung der beteiligten Personen wird eine Schritt für Schritt-Anleitung in Leistungsphasen. Die dafür angewandten Symbole kommen auch zur Sprache.

Ein Musterbeispiel des Barrierefrei-Konzeptes wird danach vorgestellt. Die Fortschreibung, Fachbaubegleitung und die richtige Abnahme und das Leistungsbild und die Honorarabrechnung folgen danach. Praxisbeispiele im Neubau und im Bestand wie Kennzeichen von Hindernissen und Türen oder die Erschließung einer Tiefgarage werden dann präsentiert. Den Abschluss bildet ein längeres Praxisbeispiel eines Laborgebäudes mit rechtlichen Arbeitshilfen. Im Anhang findet man noch ein Literaturverzeichnis, Auszüge von Normen und Richtlinien zum barrierefreien Bauen und ergänzenden Normen und Richtlinien, Gesetze und Verordnungen, ein Abkürzungsverzeichnis und ein Stichwortverzeichnis. Der Fließtext wird immer wieder von Tabellen, Abbildungen, Grundrisse und Farbbildern visualisiert.

Das Barrierefreie Bauen ist ein wichtiger Aspekt für zukunftsfähiges und nachhaltiges Bauen. Neben vielen Praxisbeispielen und Musterbeispielen gibt es viele rechtliche Aspekte, die es zu beachten gilt. Diese rechtlichen Aspekte in allen Einzelheiten sind manchmal etwas trocken, allerdings sollte man bedenken, dass eine richtige Einarbeitung in die Thematik Nachbesserungen und Klagen vorbeugen.

Buch 4

Andrea Deplazes (Hrsg.): Architektur konstruieren. Vom Rohmaterial zum Bauwerk. Ein Handbuch, 5. Auflage, Birkhäuser, Basel 2018, ISBN: 978-3-0356-1667-5, 54,95 EURO (D)

 

Dieses Handbuch begreift den Bauprozess in einem ganzheitlichen Ansatz als ein komplexes Wechselspiel zwischen Konzeption und Konstruktion: „‘Architektur konstruieren‘ meint jene architektonische Haltung, die Architektinnen und Architekten die Kompetenz zuschreibt, zwischen dem Entwurf eines Projekts und seiner Realisierung eine Brücke zu schlagen: diejenige der inhaltlichen, thematischen Kohärenz, die sich im Laufe der Projektierung wechselseitig in die Klärung und Zuspitzung auf ein Entwurfsziel und in der zunehmend konkreter werdenden, physikalischen Umsetzung in ein Bauprojekt widerspiegelt.“ (S. 10)  Konstruktion wird dabei nicht nur als eine Frage der Technik gesehen, sondern auch als Ergebnis einer künstlerischen Zielsetzung. Hier werden auch verschiedene Referenzbauten gezeigt, die sowohl hohe künstlerische Qualität als auch architekturhistorische Bedeutung besitzen. Das Handbuch enthält mehr als 1500 Abbildungen, Pläne und beschrifteten Detailzeichnungen, der Bauteilkatalog ist im Maßstab 1: 20 angelegt.

Auch die deutsche 5. Auflage dieses Standardwerks für die Baukonstruktion wurde inhaltlich und grafisch weiter überarbeitet. Die Normenverweise und Wärmedämmungsstandards wurden angepasst und einzelne Projektbeispiele aktualisiert, sodass sie nun in ihrem Entstehungsprozess umfassend und systematisch bis zur Fertigstellung dokumentiert sind. Außerdem gibt es das Plakat „Archetypen der Konstruktion. Massivbau, Mischbau, Filigranbau“ mit einer systematischen Übersicht des Buches in dessen Innenteil.

Das Buch beginnt mit einem Vorwort und Informationen zum Gebrauch. Weiter geht es mit den Baustoffen und Modulen. Hier werden die Materialeigenschaften, Systeme und Systeme in der Architektur des Mauerwerks, Betons, Holzes, Stahls, Dämmung, Glas- oder Kunststoff vorgestellt. Danach folgen die Bauelemente, wo die Materialeigenschaften, Systeme und Systeme in der Architektur sowie bauphysikalische Probleme von Fundationen, Fassaden, Öffnungen, Decken, Dächern, Treppen und Aufzügen behandelt werden. Danach folgen die Strukturen. Dabei werden verschiedene Konzepte, Beispiele, Prozesse und Systeme präsentiert, Der Zusammenhang zwischen Bauphysik und Energie wird anhand von verschiedenen Konzepten und einem Beispiel dargelegt.

Danach werden die oben schon erwähnten Referenzbauten mit Nennung der zuständigen Architektinnen und Architekten vorgestellt. Im Anhang findet sich neben Literaturangaben und dem Bildnachweis eine Serie von Bauteilzeichnungen im Maßstab 1: 20, die den komplexen Schichtaufbau zeitgenössischer Gebäudehüllen zeigen.

Das Handbuch kann als Nachschlagewerk und Standardwerk dienen, was aktuelle architektonische und bauliche Fragestellungen enthält und analysiert. Es wurde in der Vergangenheit oft als Lehrbuch eingesetzt, diesen Zweck erfüllt auch die fünfte Auflage. Hier schreiben ausgewiesene Experten auf hoher fachlicher Qualität. Etwas mehr zum ökologischen Bauen und über die Gesundheitsgefährdung von Rohmaterial anhand von aussagekräftiger Studien wäre aber wünschenswert gewesen.

 

Buch 5

Munzinger/Niemeyer/Kiepe, von Heyl: Baugesetzbuch für Planer im Bild. Praxisgerecht kommentiert und grafisch umgesetzt, 5. Auflage, Rudolf Müller, Köln 2018, ISBN: 978-3-481-03704-8, 70 EURO (D)

Das Buch will die Verantwortlichen in der Praxis über die wichtigsten Bauplanungsnovellen ab August 2014 informieren und diese zu erläutern. Dabei werden auch die Zielsetzungen der letzten Gesetzesänderungen mittberücksichtigt. Vor allem die Änderungen im Baugesetzbuch in der Fassung vom 3.11.2017 stehen dabei im Mittelpunkt. Das Werk will dabei „keinen juristischen Kommentar ersetzen, sondern soll vielmehr für die praktische Arbeit vor Ort eine schnelle Hilfestellung sein und über die Grundlagen des Baurechts und alle wichtigen Änderungen im neuen Recht informieren.“ (S. 6) Dies wird auch durch 250 Abbildungen erreicht, die das Verständnis für die gesetzlichen Regeln erleichtern sollen.

Das Buch gliedert sich in drei große Teilbereiche: Zunächst wird das Baugesetzbuch in der Fassung der Bekanntmachung vom 3.11.2017 in chronologischer Reihenfolge des Gesetzestextes behandelt. Dies nimmt den größten Teil des Buches ein. Danach folgt die Erläuterung der Verordnung über die bauliche Nutzung der Grundstücke (Baunutzungsverordnung) in der Fassung der Bekanntmachung vom 21.11.2017. Der dritte Teil stellt die Verordnung über die Ausarbeitung der Bauleitpläne und die Darstellung des Planinhalts (Planzeichenverordnung) vom 18.12.1990, zuletzt geändert durch Artikel 3 des Gesetzes vom 4.5.2017.

Im umfangreichen Anhang findet man noch die Übersicht der Bauaufsichtsbehörden der Länder, einen Flächennutzungsplan, Informationen zur Umweltprüfung, einen Vorhaben- und Erschließungsplan, die Vorhabenzulassung, Umlegung, Sanierung, Enteignung und Informationen zum Entschädigungsrecht. Außerdem gibt es ein Abkürzungsverzeichnis, den Bildnachweise, eine Literaturübersicht und Informationsquellen im Internet sowie ein Stichwortverzeichnis.

Zahlreiche Diagramme, Schemata und Beispiele veranschaulichen quer durch das Buch die einzelnen Verfahrensabläufe. Zusätzlich stehen unter einer Adresse, die sich im Buch befindet, Vorlagen und Muster zum Download bereit. Der Aktualitätsservice hält das Buch bei einer Änderung der Rechtstexte auf den aktuellen Stand und informiert durch einen kostenfreien Newsletter.

Dieses Buch richtet sich vor allem an Bauplaner in der Praxis, die eine Aufbereitung der aktuellen bauplanungsrechtlichen Regelungen benötigen. Das hier gewählte Muster der Erläuterung der neuen Gesetzestexte zur Bauplanung ist übersichtlich und verständlich: Dabei wird der Gesetzestext in der Textspalte abgedruckt, in der daneben befindlichen Marginalspalte stehen dann deren Kommentierungen in Wort und Bild. Die eingesetzten grafischen Elemente und didaktischen Mittel haben ein hohes Niveau. Hervorzuheben ist vor allem der opulente Anhang.

 







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