Neuerscheinungen Bildband


Bildmontage: HF

18.01.19
KulturKultur, TopNews 

 

Von Michael Lausberg

Buch 1

Franz Josef Talbot/Achim Bednorz: Bonner Südstadt, Emons Verlag, Köln 2018, ISBN: 978-3-7408-0468-8, 35 EURO (D)

Der ehemalige Stadtkonservar Bonns, Franz Josef Talbot und der freischaffende Architekturfotografen Achim Bednorz legen hier ein Porträt des Wohnquartiers der historischen Bonner Südstadt vor. Ihre Geschichte und Architektur, die im Gründerzeitalter für das gehobene Bürgertum gestaltet wurde, werden in Text und Bild festgehalten: „Glanz und Charme der Bonner Südstadt sind unverwechselbar. Mit diesem Viertel besitzt Bonn eine städtebauliche Rarität. In kaum einer anderen deutschen Stadt hat sich ein bürgerliches Wohnquartier aus dem 19. Jahrhundert so erhalten wie hier. Größe, bauliche Dichte und stilistische Geschlossenheit sind die Kennzeichen dieser Besonderheit.“ (S. 6)

Zahlreiche historische Karten und Pläne und private Einblicke in Villen und Wohnungen bilden ein Wohnviertel ab, das sich bis in die Gegenwart nahezu vollständig erhalten hat.

 

Das Buch beginnt mit den Ursprüngen der Bonner Südstadt, deren städtebaulichen Grundlagen und den Akteuren. Danach folgen die Anfänge der südwestlichen Stadterweiterung (1819-1870) und die Entstehung einer Wohnhausarchitektur wo sich nach und nach Angehörige des gehobenen Bürgertums niederließen. Die Boomjahre dieses Viertels mit der Stadtentwicklung vor dem Krieg und den Elementen der Architektur um 1900 werden dann vorgestellt. Die Veränderungen in der Südstadt zwischen 1918 und 1940 und die allgemeine Stadtentwicklung kommen dann zur Sprache.

Die Südstadt in Bonn blieb durch die Bombenangriffe des 2. Weltkrieges fast unversehrt. Der Wiederaufbau und der Status als neue Hauptstadt der BRD führten dazu, dass sich Behörden, diplomatische Vertretungen und Interessensverbände in der Südstadt vermehrt niederließen. Als Anfang der 1970 die Südstadt viele Gebäude verlor, breitete sich eine bürgerschaftliche Bewegung gegen den Abriss des dortigen Altbaubestandes und führte zu einer erhöhten Wertschätzung und Schutz der historischen Bonner Südstadt, was Gegenstand des letzten Kapitels ist.

Innerhalb der einzelnen Kapitel werden immer wieder einzelne Häuser und Villen teils auch mit einem Blick in die Innenausstattung gezeigt. Besonders beeindruckend ist das Haus Laubinger, das sowohl außen als auch innen durchgehend in Neorenaissanceformen dekoriert ist und auch Blick in den opulenten Garten zeigt.

 

Die bauliche Entwicklung der Bonner Südstadt wird hier in historischen Etappen beschrieben. Die einzelnen Häuser, Straßenzüge oder Plätze werden mit Baujahr, Entwurf und Bauherr versehen und informativ beschrieben. Das Buch lebt aber vor allem von den tollen Bildern des Architekturfotografen Achim Bednorz.

 

Buch 2

Roger Melis. In einem stillen Land, Lehmstedt Verlag, Leipzig 2018, ISBN: 978-3-95797-078-7, EURO (D)

Im Jahr 2007 legte Roger Melis als erster Fotokünstler aus dem Osten ein umfassendes Porträt der DDR und ihrer Bewohner mit dem Schwerpunkt auf die 1970er und 1980er Jahre vor. Kein anderer Fotoband eines DDR-Fotografen hat zuvor oder danach eine vergleichbare Resonanz gefunden. Im Herbst 2009 starb Roger Melis in Berlin. Diese Neuauflage wurde noch einmal überarbeitet und ist gleichzeitig in deutscher und englischer Sprache erschienen.

Roger Melis lebte in der DDR als Fotograf und stellt hier meistens Menschen in ihrem alltäglichen Umfeld dar um die Lebenswirklichkeit wiederzugeben: „Denn ihr Schwerpunkt liegt im Alltäglichen, nicht im Spektakulärem. Mir ging es beim Fotografieren nur selten darum, einen besonderen, nicht wiederholbaren Augenblick festzuhalten. Der Augenblick, den ich immer wieder aufzuspüren suchte, war vielmehr der, in dem das Besondere, das Außergewöhnliche, das Zufällige von den Menschen und den Dingen abfällt und sie ihr Wesen, ihre Eigentümlichkeit preisgeben.“ (S. 12) Die hier gezeigten Bilder sind schwarz-weiß Motive, die nach thematischen Blöcken geordnet in einer weitumspannenden chronologischen Struktur miteinander verknüpft sind.

Nach einer längeren Einleitung zum Leben des Fotografen und seiner Art der Fotografie folgt der Hauptteil mit ausgewählten Bildern aus der späten DDR. In einem Nachwort von Mathias Bertram wird zu dieser posthum erscheinenden Bilderschau und ihrem thematischen Aufbau und der Auswahl der Bilder gesagt. Anschließend findet man noch eine Biografie des Künstlers. Im Anhang werden noch seine Bücher, eine Auswahl seiner Beiträge zu Büchern, eine Auswahl seiner Einzelausstellungen, eine Auswahl seiner Ausstellungsbeteiligungen, seine Fotografien in öffentlichen Sammlungen sowie Sekundärliteratur über Roger Melis vorgestellt.

Die Bilder decken die DDR geografisch von Rügen bis ins Erzgebirge ab: Zu sehen sind neben staatsoffiziellen Großveranstaltungen russische Soldaten, Arbeitskollektive, das Leben auf dem Lande, Urlaubsimpressionen auf Usedom oder Rügen, Abiturfeiern, Jugendweihe und verschiedene Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Auch eine Begegnung mit Wolf Biermann und eine Protestkundgebung 1989 sind zu sehen.

 

Dies ist ein Ausschnitt der Innenansicht der DDR in den 1970er und 1980er Jahren. Melis‘ Fotografie zeichnet sich durch genaue Beobachtungen und nüchterne Wiedergabe des alltäglichen Lebens in der DDR aus. Die schwarz-weißen Bilder vermitteln an manchen Stellen einen düsteren Eindruck, der jedoch nicht insgesamt den Charakter des Bildbandes widerspiegelt. Roger Melis war kein Regimekritiker mit der Kamera, der nur die Trostlosigkeit und negativen Seiten des Lebens darstellen wollte. Die Lebenslust kommt besonders bei den Porträts von Jugendlichen und den Urlaubsfreuden an der Ostsee zum Vorschein.

 

Buch 3

Reinhard Klimmt (Hrsg.): Minirock und Literbombe. Das Saarland in den 1960er Jahren, Emons Verlag, Köln 2018, ISBN: 978-3-7406-0466-4, 39,95 EURO (D)

Der saarländische Politiker und Publizist Reinhard Klimmt hat einen Bildband mit 250 Abbildungen über das Saarland in den 1960er Jahren veröffentlicht. Auf der Suche nach einem eigenständigen Profil war es ein turbulentes Zeitalter mit politischen Protesten, kultureller Aufbruchsstimmung und wirtschaftlichen Veränderungen. Dieser „tiefgreifende Wandel“ kam „nicht in radikalen Brüchen, sondern in kleinen Schritten.“ (S. 20)

Die Nachkriegszeit schufen die Weichenstellungen für die Entwicklung in den 1960er Jahren. Das Abkommen zwischen den Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik über das Statut der Saar zwischen dem deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem französischen Ministerpräsidenten Pierre Mendes France vom 23. Oktober 1954. Es sah vor, dem Saarland im Rahmen der Westeuropäischen Union vorbehaltlich eines künftigen Friedensvertrag ein europäisches Statut zu geben, falls eine Volksabstimmung dies billigen würde. Diese Vereinbarung sollte zur Lösung der sogenannten Saarfrage führen, die bereits in der Zwischenkriegszeit ein Streitpunkt zwischen Deutschland und Frankreich gewesen war und die das erste Jahrzehnt der deutsch-französischen Beziehungen nach 1945 belastet hatte. Das Statut wurde in der Volksabstimmung am 23.10.1955 jedoch abgelehnt und damit hinfällig. Das Ergebnis der Volksabstimmung werteten die politisch Verantwortlichen in den beteiligten Regierungen als Wunsch der Saarländer, sich der Bundesrepublik anzuschließen. Am 27.Oktober 1956 wurde in Luxemburg der Saarvertrag abgeschlossen, worauf das Gebiet am 1.Januar 1957 als zehntes Land ohne West-Berlin zur BRD kam. Ende der 1950er Jahre wurden der die saarländische Wirtschaft dominierende Bergbau und die damit zusammenhängende Montanindustrie von einer Absatzkrise hart betroffen. Während im Jahr 1959 noch 56,7 % aller saarländischen Arbeitsplätze der Kohle- und Stahlindustrie zugeordnet waren, verringerte sich dieser Anteil bis 1979 auf 36,4 %.

Zu Beginn werden schon typische Bilder des Jahrzehnts gezeigt: Eine Demo gegen den Vietnamkrieg mit langen Haaren und Hot-Pants, die Herstellung der „Literbombe“, eine Literflasche Bier, in der Karlsbergbrauerei und der Brauerei Becker und Bergleute der Völklinger Hütte. Dann folgt eine Einleitung zum Lebensgefühl der 1960er Jahre im Saarland.

Der Bildband teilt sich dann in drei Kapitel auf: Zunächst werden die frühen Jahre porträtiert, dann folgt die Mitte der 1960er Jahre und zum Schluss Aufnahmen aus den späten Jahren und einige aus den frühen 1970er Jahren.

Im ersten Teil geht es unter anderem um die letzten Reste des Wiederaufbaus, die Hochzeit des Petticoats, den Besuch des Wirtschaftsministers Ludwig Erhard, Streiks und Fußball. Das schwere Grubenunglück von Luisenthal, dem schwersten Unfall des mehrere Jahrhunderte dauernden saarländischen Bergbaues, dem am 7. Februar 1962 299 Menschen zum Opfer fielen, wird auch thematisiert.

Danach folgen Impressionen des Wirtschaftsaufschwungs und des Optimismus Mitte der Jahrzehnts: Dabei werden unter anderem Rosenmontagszüge, Freizeitaktivitäten, die Saarmesse, Weinlese und die Wahlen zu Miss Saarland illustriert. Das letzte Drittel des Jahrzehnts war dominiert von der Bildungsreform, dem Aufbegehren der jungen Generation und dem Strukturwandel. Demos an der Grenze zu Frankreich für den roten Dany, Feierlichkeiten zur Europäischen Zollunion, der Besuch von Loki und Helmut Schmidt 1969 sowie die feierliche Eröffnung des Ford-Werkes werden dabei gezeigt. Im Anhang findet man noch einen Bildnachweis.

In diesem Bildband werden anhand vieler bislang unveröffentlichter Impressionen die Veränderungen auf allen Ebenen des Saarlandes in den 1960er Jahren und das Lebensgefühl dieser Zeit vermittelt. Die meisten Bilder sind schwarz-weiß-Aufnahmen, einige Farbbilder sind auch dabei. Es ist ein lohnenswerter Streifzug durch die Schlaglichter und des Alltags des kleinsten Bundeslandes auf der Suche nach einem eigenen Profil.

 

Buch 4

Dirk Meyhöfer (Hrsg.): Carlos Montufar: Hamburg Aquarelle und Skizzen, Junius Verlag, Hamburg 2018, ISBN: 978-3-960-60502-7, 39,90 EURO (D)

Dieses Buch zeigt die Zeichnungen und Aquarelle des peruanisch-französischen Architekten Carlos Montufar, der zum Studium nach Hamburg kam und nun mehr als 30 Jahren lebt. Er hat in dieser Zeit immer wieder mit Pinsel und Stift die vielfältige Architektur der Hansestadt künstlerisch festgehalten. Nun erscheinen seine Werke in einem Buch, das von dem Architekturjournalisten Dirk Meyhöfer herausgegeben und mit Texten versehen wurde.

Der Architekturstudent Montufar lebte in dieser Zeit auch von der Malerei, unter dem Pseudonym CARMONT wird er schnell bekannt und stellt in Galerien aus. Dabei geht er in künstlerischer Freiheit vor und malt Hamburg auch in mediterranen Farben, verfremdet jedoch nicht seine Motive, sondern arbeitet meist exakt.

In einer längeren Einleitung stellt Dirk Meyhöfer den Lebensweg des Architekten und Künstlers sowie seine Bildsprache vor. Seine Aquarelle und Zeichnungen werden dann in verschiedenen Kapiteln präsentiert. Dies sind „Stadt, Land, Fluss“, „Schiffe an Land und auf See“, „Gebaute Hamburgensien“, also unverwechselbares Hamburgerisches, „Hammonias kultivierte Töchter“, „Hamburger Hausgesichter“, „Die Straßen von Hamburg“, „Speicherstadt – Rückkehr des Mittelalters“, „Kirchen, Seezeichen und Wassertürme“, „Brücken und Bahnhöfe“ sowie „Hamburger Moderne“. Zu jedem Aquarell und jeder Zeichnung gibt es einen informativen und einordnenden Text.

 

Hier sind alle bekannten Motive der Hansestadt zu sehen, auch für Außenstehende gibt es einige neue Bildmomente zu entdecken. Es werden sowohl alte Bauwerke als auch moderne Errungenschaften in einer wunderbaren expressiven Weise gezeigt. Die Proportionen seiner Bauten sind meist genau, in seiner Komposition des Rahmens, der Stimmung und der Atmosphäre gelingen ihm durch Lavierungen mit niedriger Farbkonsistenz melancholische und romantische Zeichnungen und Aquarelle, die fast schwärmerisch die Zuneigung für seine Wahlheimat zeigen. Seine Werke neigen in eine expressionistische Richtung: satte, leuchtende Farben machen seine Bildkomposition aus, die die Stimmung des Künstlers und auch den seiner Umgebung wiedergeben.

 

Buch 5

Titus Arnu: Tsum Glück. Ein entlegenes Tal im Himalaya, Sieveking Verlag, München 2018, ISBN: 978-3944874937, 55 EURO (D)

Das Tsum-Tal wird auch als Tal des Glücks bezeichnet und liegt versteckt im zentralen Himalaya. Es ziemlich schwer und mit modernen Transportmitteln überhaupt nicht zu erreichen. Erst seit wenigen Jahren ist die Region für Fremde zugänglich. Die Bewohner des Hochtals, das zwischen Sieben- und Achttausendern liegt, blieben unberührt von jeder modernen Entwicklung, ob aus Nepal, Indien oder dem benachbarten China. Sie leben in kompletter Abgeschiedenheit nach ihren eigenen Traditionen und in vielerlei Weise anders. Mit hohem ethischen Anspruch und dem Verzicht auf gewalttätige Handlungen leben sie im Einklang mit der Natur und pflegen die vegetarische Lebensweise.

 

Titus Arnu und der Fotograf Enno Kapitza wanderten ins Tsum-Tal und blieben dort einige Zeit, um herauszufinden, was für die etwa 2500 Einwohner des Tals Glück bedeutet. In diesem Buch wird das Tsum-Tal, das entlegen in einem Naturschutzgebiet liegt und nur von wenigen hundert Wanderern jedes Jahr besucht wird, in Text und Bild vorgestellt. Zu Beginn des Buches wird eine Karte gezeigt, wo das Tal geografisch liegt. Danach folgen zwei Texte von Titus Arnu und Nadine Plachta über das Leben und die Bedingung für Glück in Tsum. Danach werden die Aufnahmen von Enno Kapitza gezeigt, die einen großen Teil des Buches ausmachen. Zum Abschluss gibt es noch ein Interview mit Titus Arnu.

 

Dieses Buch ist ein bebilderter Reisebericht und geht der Frage nach, warum das abgelegene Tsum-Tal in Nepal als Tal des Glücks bekannt ist. Zum einen ist den Menschen der Region das Tal als Wohnort von Milarepa, dem Gründer einer Schule des tibetischen Buddhismus, wichtig. Zum anderen gibt es dort das Gelöbnis der Bevölkerung, keine Tiere zu töten und auch gegen Menschen komplett auf Gewalt zu verzichten. Nach dem tollen Buch mit vielen sehenswerten Bildern werden es wohl mehr als hunderte Touristen pro Jahr sein, die das Tsum-Tal besuchen. Hoffentlich werden dadurch nicht die geistigen und naturnahen Lebensgrundlagen der einheimischen Bevölkerung auf Dauer zerstört.

 







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