Neuerscheinungen Kunst und Bildband


Bildmontage: HF

13.01.19
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

M.S. Bastian und Isabelle L.: Bastomania, Scheidegger & Spiess, Zürich 2018, ISBN: 978-3-85881-614-6, 97 EURO (D)

Dieses Buch handelt über eine Gesamtschau des 20-jährigen gemeinsamen Schaffens von M.S. Bastian und Isabelle L.. In dieser rund 530 Seiten starken Retrospektive über das 20-jährige Schaffen des international beachteten und renommierten Künstlerpaares finden sich etwa 1.000 farbige Abbildungen der Meisterwerke, Sammlerstücke und Museumsexponate und aus Magazinen und Einzelpublikationen.

Es umfasst die verschiedensten Werkgruppen und Einzelarbeiten, präsentiert Projekte fürs Fernsehen und kurze Ausflüge in die Werbung, als die Comic-Welt gerade international hip war. Geordnet ist das Buch nach Figuren, die immer wieder im Schaffen vorkommen, nach thematischen und ästhetischen Konstellationen.

Ihre Herkunft, Vorbilder und künstlerische Vita werden ebenfalls beleuchtet. Die in der Schweiz der 1980er Jahre zu findende alternative Galerie Polstergruppe, das Zürcher Comic-Magazin Strapazin mit Thomas Ott, Andrea Caprez  und anderen Künstlern, die Begegnungen von M.S. Bastian während seines Aufenthaltes in New York 1990–1991 mit den Avantgarde-Comiczeichnern Gary Panter und David Sandlin, seiner Mitarbeit bei von Art Spiegelman und dessen Comic-Magazin Raw bis zur Zusammenarbeit mit Isabell L. unter dem Namen M.S. Bastian & Isabelle L. geht dieser historische Exkurs.

Der Comic Päng von M.S. Bastian als Interpretation von Charles Bukowskis Kurzgeschichten ist ebenso vertreten wie die Schwarzweißzeichnungen im Strapazin. Die vielfältigen Anleihen von weltbekannten Figuren aus der Comicwelt wie Mickey Mouse, Bart Simpson, Popeye, King Kong oder Spiderman und baut ihren Einbau in eigene Kreationen ist nur eines der typischen Merkmale ihrer künstlerischen Arbeit.


Die Arbeiten von M. S. Bastian & Isabelle L. sind sehr vielfältig und bewegen sich zwischen Comic-Kunst, Malerei, Skulptur, Animationsfilme und Installation. Oft scheinen die Grenzen zwischen Kunst und Trivialkultur verwischt, die Figuren begleitet etwas Absurdes und Groteskes. Einfluss des zeitgenössischen amerikanischen Comics ist jedoch unverkennbar. Diese sehr ausführliche Gesamtschau ihres bisherigen Schaffens ist mit vielen Hintergrundinformationen versehen und zeigt auch eine intensivere Beschäftigung mit Größen der Malerei.

 

Buch 2

Dominic Büttner: Dreamscapes, Scheidegger & Spiess, Zürich 2018, ISBN: 978-3-85881-598-9, 58 EURO (D)

 

Seit 2003 arbeitet der freie Fotograf Dominic Büttner aus Zürich an seinen Dreamscapes. Dies ist das erste monografische Buch, das eine Auswahl dieser nächtlichen Traumlandschaften präsentiert. Das Buch enthält eine Einführung von Nadine Olonetzky und einem Essay der Anglistikprofessorin und Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen über die Bilder und ihre Wirkungsweise.

Bei der Wahl seiner Methode beruft er sich auf Hegel, nach dem die formlose Dunkelheit der Nacht eine konzeptionelle Entsprechung zur menschlichen Seele bietet.

Seine Arbeitsweise ist folgende: „Mitten in der Nacht stellt er die Fachkamera mit einem Stativ auf, im Wald, am Stadtrand, am Strand. Für seine Bilder macht der Fotograf die Nacht ein Stück weit zum Tag: Nachdem er den Auslöser für eine Langzeitbelichtung betätigt hat, geht er Schritt für Schritt von der Kamera weg und in die Landschaft hinein. Dabei trägt er eine Leuchte vor sich her, richtet sie von sich und von der Kamera weg in die Dunkelheit hinein.“ (S. 8f)

Der Bereich des Sichtbaren bleibt so beschränkt, Büttner öffnet dadurch den Raum zur Imagination. Auf seinen Bildern sind nur die Landschaft und die Architektur zu sehen, Menschen oder Tiere nicht. Die Motive und die Orte variieren: Zu sehen ist zum Beispiel eine Tankstelle in Chemnitz, ein verwahrlostes Fabrikgebäude in Spanien, eine Schneelandschaft im schweizerischen Eggerstanden, eine Müllhalde in Punta Anipro/Italien, Waldimpressionen in Berlin-Treptow und Barcelona oder ein Flugplatz in Meilly-sur-Rouvres in Frankreich.

 

Die sind Bilder aus seiner 15jährigen Zeit als Dokumentar von nächtlichen Imaginationen aus vielen Ländern. Seine Bildwelten und Phänomene und seine interessante Herangehensweise wecken immer Emotionen: Furcht, Trostlosigkeit, Einsamkeit, Behaglichkeit, Romantik, Ruhe oder Unberührtheit. Sie sind immer von dem meist gelungenen Wechselspiel zwischen der nächtlichen Finsternis und dem künstlich erzeugten Licht gekennzeichnet, die innere Bilder im Betrachter wachrufen.

 

Buch 3

Florenz und seine Maler. Von Giotto bis Leonardo da Vinci, Hirmer Verlag, München 2018, ISBN: 978-3-7774-3064-5, 45 EURO (D)

Der Beginn der Renaissance ist eng mit der Florentiner Skulptur und Malerei verbunden. Die Alte Pinakothek versammelt rund 120 Werke von Giotto, Donatello, Fra Angelico, Filippo Lippi, Andrea Verrocchio, Pollaiuolo, Sandro Botticelli, Ghirlandaio, Leonardo da Vinci und vielen mehr in ihren Sammlungsbeständen. Diese Werke sind der Ausgangspunkt für die erste Sonderausstellung des wiedereröffneten Hauses. Leihgaben aus Wien, Paris, London, Berlin, Washington machen eine nach ikonografischen Themen organisierte Schau möglich. Dies ist der Katalog zur Ausstellung, die vom 18.10.2018 – 27.1.2019 zu sehen ist. Hier werden die revolutionären und höchst einflussreichen Veränderungen in der Florentiner Malerei nachgezeichnet und erlaubt vielfältige Einblicke in die Ideenwelt und Arbeitsweise der Florentiner Künstler.

Nach einer Einführung von Andreas Schumacher anhand eines Altarbildes von Botticelli folgen verschiedene Essays: Zunächst beschreibt Wolf-Dietrich Löhr die Künste in Florenz im 14 Jahrhundert und ihr Erbe. Weiter geht es mit dem Beitrag von Dagmar Korbacher, die die Rolle der Zeichenkunst der Florentiner Maler näher beleuchtet. Nicoletta Pons widmet sich dann den Malern in Florentiner Werkstätten des 15. Jahrhunderts, bevor Caroline Campbell die Malerei im Palast kennzeichnet. Anschließend behandelt Annette Kranz das Bildnis im 14. Jahrhundert und Ulrich Pfisterer die Stiloptionen und Wahrnehmungskriterien in der Sassetti-Kapelle. Die Florentiner Bildhauer-Werkstätten des 15. Jahrhunderts werden danach von Doris Carl skizziert, bevor Michael Cole den technischen Wandel und die Bevorzugung von neuen Materialien in Kunst und Handwerk erörtert. Scott Nethersole beleuchtet dann den künstlerischen Dialog zwischen Florenz und Siena im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts. Die Essays werden durch den Beitrag von Matteo Burioni über den Kunstgeschichtsschreiber Giorgio Vasari und das 14. Jahrhundert abgerundet.

Dann folgt der Katalogteil, der den größten Platz im Katalog einnimmt. Im Anhang findet man noch ein Literaturverzeichnis und den Bildnachweis.

 

Die Wiege der neuzeitlichen Malerei von ihren Anfängen mit Giottos Wirken bis hin zu den Schöpfungen von Leonardo da Vinci wird hier erschöpfend behandelt. Die Ideenwelt und Arbeitsweise der Künstler stehen im Fokus dieses Kataloges und auch der Ausstellung. Dank zahlreicher internationaler Leihgaben und den Höhepunkten des Münchner Bestandes sind charakteristische Werke der prominentesten Florentiner Maler vertreten, darunter Fra Angelico, Filippo Lippi, Antonio Pollaiuolo, Andrea del Verrocchio, Domenico Ghirlandaio, Sandro Botticelli, Filippino Lippi, Leonardo da Vinci, Lorenzo di Credi und Fra Bartolommeo. Es wird ausführlich gezeigt, wie sie mit neuem Selbstbewusstsein die Wirklichkeit erforschten und nach den Gesetzen von Harmonie und Schönheit suchten, sie nach der Natur und zeichneten die Werke der Antike studierten. Zu erwähnen aus einem gelungenen Katalog sind die Tafelbilder, die im Zeitalter der Medici für die Kirchen oder Paläste der toskanischen Handelsmetropole geschaffen wurden. 

 

Buch 4

Susanne Walström: Black Lava Fairy Tale, Kerber Verlag, Berlin/Bielefeld 2018, ISBN: 978-3-7356-0450-7, 40 EURO (D)

In der nordischen Mythologie diente das Pferd als Wegbegleiter ins Jenseits. Einem gestorbenen Krieger oder Reiter folgte sein Pferd in den Tod, damit dieser wohlbehalten und ruhmreich in Walhall, der Wohnung Odins, einziehen konnte. Diesem Brauch lag die Vorstellung zugrunde, dass der Krieger auf seinem Weg nach Walhall Kämpfe zu bestreiten haben würde und dass er, um im Jenseits Stand und Ehre zu behaupten, sowohl auf Waffen als auch auf sein Pferd angewiesen war.

Die hohe Wertschätzung, die der Mensch dem Pferd entgegenbrachte, zeigt sich gerade in seiner Verwendung als Opfertier. In den Sagas ist von Opferritualen die Rede: Ein Beleg für die Opferung von Pferden sind die auf verschiedenen frühmittelalterlichen Gräberfeldern entdeckten Pferdebestattungen.

Diese Verbindung von Pferden inmitten einer mythischen Umgebung wird in diesem Buch in Fotostrecken festgehalten. Die Fotografien der schwedischen Künstlerin Susanne Walström zeigen genau dieses poetische Zusammenspiel von Pferden und Natur. Die Tierfotografin erfasst die einzigartige Schönheit der Islandpferde, die majestätisch das umliegende Gebiet durchstreifen. Das Buch ist in englischer Sprache erschienen und zeigt 121 Bilder.

Die majestätischen Pferde galoppieren und stehen stolz vor der Landschaftskulisse und zeigen ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber extremen Elementen. Das Licht erzeugte mitunter brillante Farbtöne, die den gesamten Aufnahmen eine erhabene Textur verleiht. Jedes Bild visualisiert die kraftvolle, aber ruhige Natur der Pferde inmitten einer wilden Landschaft in ständigen Bewegungen. Die Pferde werden in ihrem ursprünglichen Lebensraum romantisiert und märchenhaft dargestellt.

 

Mit diesem Buch schafft Susanne Walström eine gelungene Verbindung von Mythos und Fantasie und den gezeigten Pferden. Nebenbei kann man auch die atemberaubenden Landschaften Islands entdecken. In den Sagen und Mythen kommt das berühmte, achtbeinige Islandpferd Sleipnir vor, von dem man annimmt, dass es das Geistertier des Gottes Odin ist. Daran erinnern die Tierfotografien ein wenig.

 

Buch 5

Nuno Oliveira: Die Kunst des Reitens. Gesammelte Schriften, Georg Olms, Hildesheim/Zürich/New York 2016, ISBN: 978-3-487-08558-6, 39,80 EURO (D)

 

Nuno Oliveira (1925-1989) war ein portugiesischer Reitmeister und bekannter Autor. In den 1960er Jahren wurde er durch Auftritte in großen Pferde-Shows in London, Genf und Brüssel über die Grenzen Portugals hinaus bekannt. In den 1970er und 1980er Jahren kamen Schüler aus der ganzen Welt, um von ihm zu lernen und er gab Lehrgänge in vielen Ländern auch außerhalb Europas. Oliveiras besondere Gabe bestand darin, die jeweils leicht unterschiedliche Methode für das individuelle Pferd herauszufinden, mit der es mit Erfolg zur Spitze seiner individuellen Fähigkeiten entwickelt werden konnte. Er verstand Reiten als Kunst, wo neben Technik und Gefühl, dem Handwerk und dem Wissen vor allem auch die freie Entfaltung einen großen Anteil hat: „Er recherchierte bei jenem Autor, nach jenem Detail, jener Übung, die zu diesem oder jenem Pferd passte. Sein tiefes Verständnis des Pferdes bewirkte, dass er jederzeit zu erfühlen vermochte, was dieses oder jenes benötigte. Er strebte die Mitarbeit des Pferdes an einer gemeinsamen Vorbereitung seiner körperlichen und mentalen Haltung an.“ (S. 9)

In diesem Band erscheinen erstmals die gesammelten Schriften von Nuno Oliveira in einem Band. Nach einem Vorwort von Catherine Laurenty werden die fünf Bücher mit Bildern abgedruckt. Dies sind „Klassische Grundsätze der Kunst Pferde auszubilden“ (Buch 1), „Junge Pferde, Junge Reiter“ (Buch 2), „Notizen zum Unterricht“ (Buch 3), „Gedanken zur Reitkunst“ (Buch 4) und „Ratschläge eines alten Reiters an junge Reiter“ (Buch 5).

In seinen Schriften stützte sich Nuno Oliveira bei seiner Reitausbildung auf die historischen Vorbilder von François Robichon de la Guérinière und François Baucher. François Robichon de la Guérinière beschrieb als erster eine systematische Ausbildung für das Pferd, die vom Leichten zum Schweren führt, und noch heute als Grundlage für die klassische Reitkunst gilt. Guérinière lehnte jede Gewaltanwendung bei der Ausbildung des Pferdes ab und verlangte, dass jedes Pferd individuell ausgebildet werden müsse, so wie es seine Anlagen erfordern. François Baucher war der Erneuerer der Französischen Schule. Da er erkannte, dass die "Ecole Ancienne" den Pferden nicht mehr gerecht werden konnte, entwickelte er seine eigene, auf minimale reiterliche Hilfen ausgerichtete Methode.

Weiterhin fallen seine bildhaften, fast künstlerisch anmutenden Erklärungen der Reitkunst auf. Er legt einen großen Wert auf die Präzision und Feinheiten in der Ausbildung. Eine gefühlsbetonte Mensch-Tier-Kombination mit viel Empathie für die Bedürfnisse der Pferde ist für ihn charakteristisch.

Der Band enthält das gesamte Wissen von Nuno Oliveira über Reitkunst im 20. Jahrhundert. Dieses muss nun noch mit neueren Erkenntnissen aus dem 21. Jahrhundert verbunden werden.  Das Buch enthält allerdings kein Glossar, daher ist reiterliches Vorwissen erforderlich.

Titus Arnu: Tsum Glück. Ein entlegenes Tal im Himalaya, Sieveking Verlag, München 2018, ISBN: 978-3944874937, 55 EURO (D)

 

Das Tsum-Tal wird auch als Tal des Glücks bezeichnet und liegt versteckt im zentralen Himalaya. Es ziemlich schwer und mit modernen Transportmitteln überhaupt nicht zu erreichen. Erst seit wenigen Jahren ist die Region für Fremde zugänglich. Die Bewohner des Hochtals, das zwischen Sieben- und Achttausendern liegt, blieben unberührt von jeder modernen Entwicklung, ob aus Nepal, Indien oder dem benachbarten China. Sie leben in kompletter Abgeschiedenheit nach ihren eigenen Traditionen und in vielerlei Weise anders. Mit hohem ethischen Anspruch und dem Verzicht auf gewalttätige Handlungen leben sie im Einklang mit der Natur und pflegen die vegetarische Lebensweise.

 

Titus Arnu und der Fotograf Enno Kapitza wanderten ins Tsum-Tal und blieben dort einige Zeit, um herauszufinden, was für die etwa 2500 Einwohner des Tals Glück bedeutet. In diesem Buch wird das Tsum-Tal, das entlegen in einem Naturschutzgebiet liegt und nur von wenigen hundert Wanderern jedes Jahr besucht wird, in Text und Bild vorgestellt. Zu Beginn des Buches wird eine Karte gezeigt, wo das Tal geografisch liegt. Danach folgen zwei Texte von Titus Arnu und Nadine Plachta über das Leben und die Bedingung für Glück in Tsum. Danach werden die Aufnahmen von Enno Kapitza gezeigt, die einen großen Teil des Buches ausmachen. Zum Abschluss gibt es noch ein Interview mit Titus Arnu.

 

Dieses Buch ist ein bebilderter Reisebericht und geht der Frage nach, warum das abgelegene Tsum-Tal in Nepal als Tal des Glücks bekannt ist. Zum einen ist den Menschen der Region das Tal als Wohnort von Milarepa, dem Gründer einer Schule des tibetischen Buddhismus, wichtig. Zum anderen gibt es dort das Gelöbnis der Bevölkerung, keine Tiere zu töten und auch gegen Menschen komplett auf Gewalt zu verzichten. Nach dem tollen Buch mit vielen sehenswerten Bildern werden es wohl mehr als hunderte Touristen pro Jahr sein, die das Tsum-Tal besuchen. Hoffentlich werden dadurch nicht die geistigen und naturnahen Lebensgrundlagen der einheimischen Bevölkerung auf Dauer zerstört.







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