Arctic Circle -Der unsichtbare Tod: ZDF-Seuchenthriller mit rassistischer Tendenz


Bildmontage: HF

20.03.20
KulturKultur, Debatte, TopNews 

 

Politische Filmkritik von Hannes Sies

Pünktlich zur Corona-Pandämie strahlte das ZDF fünf Wochen lang einen Seuchenthriller aus. Das ZDF macht darin antirussische Propaganda und schreibt die Geschichte des Jugoslawienkrieges um, die verkrüppelten Kinder aus der US-Uranmunition werden bösen Serben in die Schuhe geschoben.

„Arctic Circle -Der unsichtbare Tod“ (D/Fin 2018) schwankt zwischen schnulzigem Arztroman, fadem Thriller und typischem ZDF-Krimi. Die Bösen sind Slawen, meist Russen, und unglaublich brutal. Wenn Russen mit dem Eierlöffel kommen, gibt es kein Frühstück, sondern es wird ein Augapfel aus dem Schädel geholt, bei lebendigem Leibe. Die Russenmafia ist KGB-FSB-nah, sie lauert an der finnischen Grenze, macht schmutzige Geschäfte und will den Westen zerstören. Russische Frauen kommen vor: 12, davon Prostituierte der niedersten Kategorie: 12. Nur ein einziger Russe ist kein Monstrum, sondern ein fetter, glatzköpfiger und vermutlich korrupter Polizist, der tranig mit den Finnen kooperiert.

In ZDF-Manier werden kitschige Klischees bedient, wenn auch diesmal vor arktischer Kulisse in Lappland. Der Held ist ein blonder deutscher Arzt und Virenexperte, den man holt, um eine tote Russin zu untersuchen. Die (natürlich) Prostituierte starb am fiktiven „Jemen-Virus“, das sexuell übertragbar ist, nur Frauen tötet und diese auch erst im Fall einer Schwangerschaft, bei der auch das grauenhaft entstellte Neugeborene stirbt. So soll im Jemen ein ganzes Dorf ausgerottet worden sein, zuerst viele Frauen und Babys, dann der Rest, weil die Nachbardörfer den Pestherd überfielen und auslöschten. Schuld war, wie man später erfährt, natürlich ein Slawe. Die Russenmafia fährt derweil mit „Hurenbussen“ durch die skandinavische Tundra und zieht armen Finnen das Geld aus der Tasche, so dass finnische Kinder hungern müssen.

Dabei verbreiten die russischen Huren auch das grausige Jemen-Virus, nehmen die Ermittler wenigsten an. Später finden sich noch andere Wurzeln des Übels. Der Dr.Held löst das Rätsel beim Seitensprung mit einer blonden finnischen Polizistin, entlarvt die bösen Russen und man erfährt: Das Virus war eine heimtückische Biowaffe, entwickelt von -nein ausnahmsweise nicht Russen. Es waren die (seinerzeit sozialistischen) Serben, die alle bosnischen Moslems damit ausrotten wollten. Bei solcher gegen Frauen und Kinder gerichteten serbischen Bestialität, die Slawen im ZDF nun mal meist haben müssen, war im Nachhinein der völkerrechtswidrige Jugoslawienkrieg der Nato natürlich gerechtfertigt (mögen sich die ZDF-Bosse gedacht haben).

Dass es in Wahrheit die Nato-Truppen waren, die Jugoslawien überfallen haben, Belgrad bombardierten, Zivilisten massakrierten und dabei mit US-Uranmunition das Land verseuchten? Dass heute viele serbische und bosnische Neugeborene entstellt und behindert zur Welt kommen, weil die radioaktive Erblast aus US-Urangranaten als tödlicher Staub nicht nur Krebs verursachen? Dass der Bürgerkrieg zwischen Moslems und Serben überhaupt erst durch von der CIA eingeschleuste Islamisten (die damals man in Afghanistan nicht mehr brauchte) ausgelöst wurde? Für das ZDF wohl alles nur „Verschwörungstheorien“, die man mit einer eigenen Verschwörungsstory von den perfiden serbischen Völkermördern kontern wollte.

Jugoslawienkrieg heroisiert, Serben dämonisiert

Der Film ist das größte unterschwellige Propagandamedium unserer Zeit. Er eignet sich hervorragend zur Verbreitung von Meinungen und Ideen. Filme können die Gedanken und Gewohnheiten einer ganzen Nation prägen.

Edward Bernays, Propaganda: Die Kunst der Public Relations (1928) S.103

Die dichterische Freiheit wird in diesem ZDF-Thriller missbraucht, um eine rassistisch-russophobe Propaganda als Unterhaltung zu verpacken. Der ideologisch motivierte Nato-Krieg gegen einen relativ erfolgreichen Sozialismus wird zur Heldentat umgelogen. Es hat die Antikommunisten der Nato immer zur Weißglut getrieben, dass Belgrad stets offene Grenzen zum Westen hatte, ohne dass ein Exodus zum Kapitalismus stattfand. Die Fakten serbischer Leiden vor allem von Kindern an US-Urangranaten werden nun vom ZDF grotesk verdreht und die Opfer serbischen Sozialisten in die Schuhe geschoben. Verheimlicht wird dabei die Kriegsbeute der Nato: 1. Man hatte wieder einmal „bewiesen“, dass Sozialismus nicht funktionieren kann, dass Kommunisten Monstren sind und der edle Westen der Retter der Welt. 2. Man hatte Jugoslawien zerschlagen und zu „Offenen Gesellschaften“ gemacht: Die Menschen also dem Zugriff der Märkte preisgegeben.

Das ARD-Magazin Monitor enthüllte kürzlich, in welchem Ausmaß das vom Neoliberalismus zwecks Konzernprofit ausgezehrte deutsche Gesundheitswesen heute als Jugoslawien-Kriegsgewinnler dasteht: Den armen Balkanländern wurde ihr medizinisches Personal zu Zehntausenden abgeworben. Aus dem kleinen Kosovo kamen 2700 Krankenschwestern nach Deutschland, aus Serbien 9000 Pflegekräfte aus Bosnien sogar 14.000. Abwerben ist billiger als selber ausbilden und anständig bezahlen.

So konnte man in den deutschen privatisierten Krankenhäusern die Lohndrückerei immer weiter treiben, die Profite von Betreiber- und Finanzkonzernen maximieren und das Berufsfeld für inländische Arbeitnehmer immer unerträglicher machen. Monitor wies Gesundheitsminister Spahn nebenbei Lügen nach: Er faselte in die Kamera, es hätte keine Anwerbung auf dem Balkan gegeben, die wären alle von allein zu uns gekommen -natürlich fand Monitor Anwerbe-Programme von Merkels Regierung für serbisches Pflegepersonal.

Bei uns herrscht Pflegenotstand trotz neokolonialer Balkan-Ausbeutung und der Balkan selbst steht elender da als je zuvor. Aber wer weiß? Vielleicht sind die folglich steigenden Sterberaten auf dem Balkan ja auch ein Ziel dieser grausamen Politik des Neoliberalismus? Ein schleichendes Völkermordprogramm an der slawischen Bevölkerung? Immerhin hat der ideologische Vordenker des neoliberalen Ethnorassismus, Samuel Huntington, in seinem berüchtigten Werk „Clash of Civilizations“ die Slawen „dem Westen“ als eine feindliche Gruppe entgegengestellt. Das ist allemal plausibler als die krude Verschwörungstheorie des ZDF-Thrillers von der Hightech-Biowaffe aus Belgrad.

Die tatsächliche Corona-Seuche zeigt heute, dass am Menschen sparen immer am falschen Ende sparen heißt. Die Think tanks und Netzwerke des Neoliberalismus, die ausgehend von der Mont Pelerin Gesellschaft ihr Unwesen trieben, dominieren seit den 80er Jahren Ökonomie, Politik und Medien. Explodierende Konzernprofite und Spitzenvermögen sind ihr Ziel, Lohndrückerei, Abbau von Gesundheits- und Sozialsystemen sind die Mittel dazu und zugleich die Folgen für uns alle.

Die erfundene Jemen-Virus-Seuche zeigt gar nichts, sie soll diese Zusammenhänge vertuschen. Beim ZDF schreiben sie mit dem vorliegenden Seuchen-Fünfteiler „Arctic Circle“ den Balkankrieg und ihre Verbrechen im Gesundheitswesen um. Neoliberal-rassistischer Kulturkampf gegen Slawen und Sozialisten als öffentlich-rechtliche Krimiunterhaltung.







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