Neuerscheinungen Österreich


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24.08.19
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Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Gerhard Fritsch: Man darf nicht leben, wie man will. Tagebücher, Residenz Verlag, Wien/Salzburg 2019, ISBN: 978-3-7017-1705-7, 24 EURO (D)

Die Tagebücher des bedeutenden österreichischen Autors der Nachkriegszeit, Gerhard Fritsch, werden hier veröffentlicht. Sie gewähren einen intimen Einblick in seine Persönlichkeit, sein Denken und der Interpretation seiner Werke.

Hier bildet sich ein Teil seines Lebens und Schaffens ab: Seine literarischen Anfänge um die Jahreswende 1947/48 in Berührung in dem in Wien sich neu formierenden PEN-Club, und in dessen Jugendzeitschrift PlAN Fritsch regelmäßig publizierte. Seine redaktionellen Anfänge der Zeitschrift Lynkeus des Dichters Hermann Hakels kommen ebenso zur Sprache wie seine 1951 erscheinende erste selbständige Buchpublikation Zwischen Kirkenes und Bari erschienen ist, Die Tagebücher gewähren auch einen intimen Einblick in die Beziehung zwischen dem jungen Thomas Bernhard und dem älteren Schriftsteller Fritsch, dessen Schützenhilfe Fritschs dem jüngeren gewährte und die deren Krisen und Missverständnisse.

Die 1950er Jahre sind auch spannend zu sehen in Verbindung mit seiner Schaffenszeit:1954 der Gedichtband Lehm und Gestalt, 1956 der Roman Moos auf den Steinen, 1958 der Gedichtband Der Geisterkrug. Aber auch seine Erwerbstätigkeiten, um Geld für sich und seine Familie zu verdienen, werden behandelt: als Redakteur der Zeitschriften Wort in der Zeit, Literatur und Kritik und als Intellektueller des öffentlichen Lebens. Seine Beziehungen zu osteuropäischen Dichter und emigrierter Autoren im Zuge des Kalten Krieges, die regelmäßig nach Wien eingeladen wurden, wird auch deutlich. Sein fast freundschaftlich zu nennendes Verhältnis zu Elias Canetti ist nur ein Beispiel.

Fritsch war ein Mensch, der zum großen Teil ein Leben als Literat geführt hat. In seinem abwechslungsreichen Leben mit mehreren Partnerinnen und daraus resultierender Kinder fand er nie die innerliche Ruhe. Nicht nur die Persönlichkeit Fritschs und sein Charakter werden hier deutlich. Die Tagebücher sind eine wertvolle Quelle, die immer mit Verbindung mit Fritschs schriftstellerischem Nachlass, die in der Wienbibliothek im Rathaus aufbewahrt werden, gesehen werden müssen. Auch der Briefwechsel mit Thomas Bernhard kann neu verstanden werden, ebenso literaturwissenschaftliche Forschungen zu Fritschs Werken. Seine Vorliebe für Travestiekleidung und dessen angebliches Skandalon werden leider wieder neue  Nahrung und Aufregung erfahren.

 

Buch 2

Thomas Bernhard: Autobiografische Schriften mit Aquarellen von Erwin Wurm, Residenz Verlag, Salzburg/Wien 2018, ISBN: 9783701717149, 60 EURO (D)

Der 1989 gestorbene Thomas Bernhard zählte zu den bekanntesten deutschsprachigen Schriftstellern der Nachkriegsgeschichte. Bernhard verarbeitete seine Kindheit und Jugend literarisch in fünf autobiografischen Werken: Die Ursache, Der Keller, Der Atem, Die Kälte, Ein Kind.

Zum Gedenken an den von ihm verehrten Thomas Bernhard gestaltet der österreischische Künstler Erwin Wurm Buch, das seine oben erwähnten fünf autobiografischen Werke beinhaltet und sie mit einer Serie von neuen Zeichnungen und Aquarellen visualisiert.

Erwin Wurm zählt zu den erfolgreichsten Gegenwartskünstlern. Wurms Werk umfasst Materialskulpturen, Aktionen, Videos, Fotos, Zeichnungen und Bücher.

Die Kindheit und Jugend von Thomas Bernhard war für ihn zeitlebens prägend. Er wurde als nichteheliches Kind im niederländischen Heerlen geboren, wo seine Mutter Herta Bernhard als Haushaltshilfe arbeitete. Seinen Vater Alois Zuckerstätter lernte er nie kennen. Zuckerstätter wurde, obwohl er die Vaterschaft bestritt, vom Jugendamt als Vater festgestellt; er weigerte sich, Alimente zu zahlen, Ab Herbst 1931 lebte Thomas gemeinsam mit seinen Großeltern, ganz in die Nähe des Geburtsortes von Großvater und Vater, Henndorf, zu ziehen. Die Zeit dort beschrieb Bernhard in seinen Werken als die glücklichste seines Lebens.

1941 wurde Bernhard in ein nationalsozialistisches Erziehungsheim in Saalfeld geschickt. Die in Saalfeld gemachten traumatischen Erfahrungen beschrieb auch Bernhard in seiner Autobiografie. Ab 1943 war er im NS-Internat „Johanneum“ in Salzburg untergebracht. Hier ermöglichte ihm sein Großvater Violinunterricht bei Georg Steiner, einem Mitglied des Mozarteum-Quartetts. Nach schweren Bombenangriffen auf Salzburg kehrte er zunächst nach Traunstein zurück, erst nach Kriegsende 1945 besuchte er wieder das „Johanneum“. In seiner Autobiografie bezeichnete er später die Institution „Schule“ als „Geistesvernichtungsanstalt“.

1946 zog die ganze Familie von Traunstein nach Salzburg. Der Großvater setzte sich nachhaltig für eine künstlerische Ausbildung Bernhards ein. 1946 endete seine Schullaufbahn im Salzburger humanistischen Gymnasium; Bernhard brach die Schule freiwillig ab und absolvierte von 1947 an eine Lehre als Einzelhandelskaufmann in dem im Keller gelegenen Kolonialwarenladen von Karl Podlaha, was im Werk Der Keller detailliert beschrieben wird.

Im Jänner 1949 bekam Thomas Bernhard eine tuberkulöse Rippenfellentzündung, die ihn beinahe das Leben kostete. Der Großvater lag zur selben Zeit im St.-Johann-Spital und starb im Februar an akutem Nierenversagen. Die Mutter starb im Herbst 1950 an Krebs.

Der Tod und die Relativierung aller anderen Werte angesichts der steten Bedrohung durch ihn wurden in Burkhards Werken zu einem der wichtigsten Motive. Die jeweilige Stimmung der autobiografischen Schriften wird von Wurms Motiven auf den Punkt gebracht. Eine gelungene Kombination von Künstler trifft Künstler.

 

Buch 3

Michael Laczynski: Das letzte Jahr der Zukunft. Wie 1999 die Welt veränderte, Residenz Verlag, Wien/Salzburg 2019, ISBN: 7017-3442-8, 22 EURO (D)

Michael Laczynski stellt die These auf, dass das Jahr 1999 ein „Jahr der Weichenstellungen“ für den heutigen Zustand der Welt sei und die dort getroffenen Entscheidungen bis heute nachwirken würden: „Der magische zufall hatte 1999 alle Hände voll zu tun. Finanzblasen, Schuldenkrisen, Wladimir Putin und Donald Trump, der Aufstieg Chinas und der Niedergang Europas, Castingshows und packende Fernsehserien, Smartphones und soziale Netzwerke, Internet-Milliardäre und Ich-AG’s, 9/11 und die Endloskriege im Nahen Osten – viele Entwicklungen, die unser Zeitalter der Krisen und Konflikte prägen, nahmen in diesem Jahr ihren Anfang.“ (S. 16)

Diese Punkte erläutert er im Folgenden und nimmt den Leser mit zu einer Zeitreise zurück in das Jahr 1999 und seine Folgen.

Er nennt in diesem Zusammenhang den Machtantritt Wladimir Putins in Russland: Als Wunschkandidat für seine eigene Nachfolge wurde Putin von Präsident Jelzin am 9. August 1999 zum Ministerpräsidenten ernannt. Die Duma bestätigte dies eine Woche später mit knapper Mehrheit. Als Jelzin am 31. Dezember 1999 überraschend sein Amt niederlegte, übernahm Putin verfassungsgemäß auch die Amtsgeschäfte des Präsidenten der Russischen Föderation bis zur Wahl des Nachfolgers.  Am selben Tag gewährte Putin per Dekret Jelzin Straffreiheit für seine Handlungen während der Amtszeit sowie für künftiges Handeln und gewährte ihm und seiner Familie einige Privilegien.

Ein anderes Ereignis war die Einführung des Euro, der wurde am 1.Januar 1999 als Buchgeld, drei Jahre später, am 1.Januar 2002, als Bargeld eingeführt wurde. Damit löste er die nationalen Währungen als Zahlungsmittel ab. Die Euromünzen werden von den nationalen Zentralbanken der 19 Staaten des Eurosystems sowie von derzeit vier weiteren Staaten mit jeweils landesspezifischer Rückseite geprägt.

Als am 12.11.1999 in den USA das alte Gesetzt zur Verhinderung von Bankenkrisen abgeschafft und die Trennung zwischen Geschäfts- und Kundenbanken aufgehoben wurde, deutet der Autor dies als Weichenstellung zur dortigen Bankenkrise ab 2007. Andere Weichenstellungen sind für ihn der Durchbruch der Gratisnutzung im Internet, die beginnenden Vorbereitungen der Terroranschläge 2001 in den USA durch Bin Laden und seine Organisation sowie der WTO-Beitritt Chinas, ein weiterer Schritt für das Land Richtung Weltmacht.

Die hier beschriebenen Weichenstellungen und vor allem ihre Folgen sind aber in der Wahrnehmung des Autors etwas übertrieben dargestellt und werden zugespitzt dargestellt. Historische Wendepunkte waren 1989/1990, dagegen bietet das Jahr 1999 wenige zentrale Ereignisse.

Das Jahr 2001 war eher für die heutige Welt prägend. Das wichtigste Ereignis waren die Terroranschläge am 11. September 2001 auf das World Trade Center und das Pentagon in den USA, bei denen rund 3000 Menschen ums Leben kamen. Die Anschläge werden häufig als historische Zäsur bezeichnet und sorgten sowohl in den USA als auch in Europa für immer noch anhaltende Debatten um innen- wie außenpolitische Veränderungen. Sie führten den Krieg in Afghanistan in eine neue Phase und dienten als Begründung für den zwei Jahre später begonnenen Irakkrieg. Ausgehend von dem Ereignis stiegen die Spannungen zwischen der muslimischen und der westlichen Welt.

 

Buch 4

Claudia Kloihofer: Die Intelligenz der Zellen. Wie unser Denken und Fühlen das Zellgedächtnis steuert, Goldegg Verlag, Berlin/Wien 2018, ISBN: 978-3-99060-082-5, 22 EURO (D)

Claudia Kloihofer ist selbstständige Systemische Unternehmensberaterin, Wertecoach, Trainerin für Führungskräfte und Einzelpersonen. Sie gründete das Mutmachinstitut, in dem sie Menschen ermuntert, ihrer Intuition zu vertrauen. Claudia Kloihofer stellt in diesem wissenschaftlichen Werk vor, wie das Zellgedächtnis unser Denken und Fühlen steuert. Schlechte Erlebnisse führen dazu, dass unsere Zellerinnerungen voller negativer  Überzeugungen sind, was sich auch auf unsere Stimmung und unseren Gemütszustand niederschlägt. Dazu stützt sie sich auf Forschungen der Epigenetik: Die Epigenetik ist das Fachgebiet der Biologie, welches sich mit der Frage befasst, welche Faktoren die Aktivität eines Gens und damit die Entwicklung der Zelle zeitweilig festlegen. Sie untersucht die Änderungen der Genfunktion, die nicht auf Mutation oder Rekombination beruhen und dennoch an Tochterzellen weitergegeben werden.

Kloihofer wendet in diesem Zusammenhang die Körper-Resonanz-Methode an, die alte, negative Zellerinnerungen mit der Zeit verschwinden könnten. In diesem Buch wird der Leser ermutigt, sich der Energie seines ursprünglichen Wesens zuzuwenden und jene Erinnerungen zu befreien, die das Leben unterstützen um es besser zu bestehen. Durch Aktivieren des Selbstbewusstseins für eine ursprüngliche Kraft kann man die Fähigkeiten, die jeder besitzt, mit seinem Zellgedächtnis, das wie eine Informationsmatrix besitzt, umprogrammieren um sein Leben, seine Gedanken und Wirklichkeit selber zu beeinflussen.

Dieses hier ausgebreitete Wissen über die biochemischen Funktionen unseres Körpers ist kein Hexenwerk: Verschiedene Personen wie Zellbiologe Bruce Lipton haben nachgewiesen, dass unser Denken und Fühlen bis in jede einzelne unserer Zellen hineinwirkt. Vielmehr wird sowohl unser persönliches Leben als auch unser kollektives Dasein durch die Verbindung zwischen innen und außen, zwischen Geist und Materie gesteuert. Dieses Wissen kann Psychotherapeuten, Psychologen und Angehörige ähnlicher Berufe ebenso nützen wie Menschen mit psychischen Problemen. Es muss aber darauf hingewiesen werden, dass diese Transformation auf die Schnelle zu erwarten ist, es braucht Zeit und Geduld, bis sich eine spürbare Besserung einstellen kann.

 

Buch 5

Monika Frenzel / Christian Gepp / Markus Wimmer (Hrsg.): Maximilian I. Aufbruch in die Neuzeit, Haymon, Innsbruck 2019, ISBN: 978-3-7099-3462-3, 29,90 EURO (D)

Maximilian I. aus dem Geschlecht der Habsburger war durch Heirat ab 1477 Herzog von Burgund, ab 1486 römisch-deutscher König, ab 1493 Herr der Habsburgischen Erblande und vom 4. Februar 1508 bis zum 12. Januar 1519 römisch-deutscher Kaiser. Die Teilung des Hauses Habsburg in die albertinische und die leopoldinische Linie, die mit dem Neuberger Teilungsvertrag 1379 ganz gegen die Absicht Rudolfs des Stifters begonnen hatte, ging 1490 zu Ende. Sigmund von Tirol sorgte durch seinen Verzicht in Oberösterreich zugunsten des Enkels seines Bruders Ernst für die Wiedervereinigung der Habsburgischen Erblande, nachdem Friedrich schon 1463 Niederösterreich und Innerösterreich wieder vereint hatte. Maximilian konnte das Reich seinem Enkel Karl V. in Universalmonarchie übergeben.

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, die vom 25.5-12.10.2019 in der Hofburg Innsbruck, in den historischen Räumlichkeiten der ehemaligen Statthalterei gezeigt und im Anschluss an eine Dauerausstellung umgewandelt werden. Die Ausstellung widmet sich den verschiedenen Facetten der Persönlichkeit des Kaisers und stellt diese in den Kontext seiner Zeit.

Im ersten Teil des Kataloges befassen sich Beiträge von verschiedenen Autoren unter anderem mit aktuellen Ereignissen zu Baugeschichte der Hofburg Innsbruck, zu Bianca Sforza, beschreiben Rüstungen und Kunstwerke, erläutern die Beziehungen Kaiser Maximilians I. zu Burgund, dem Papst und Religion, zu Josef Fugger und Tirol und vermitteln einen Überblick über Wirtschaft, Klima, Produktionsstätten und den Orden vom Goldenen Vlies.

Danach folgt der Hauptteil, der Katalog. Er ist nach Räumen geordnet, jedes Exponat wird einzeln von verschiedenen Autoren nach folgender Systematik dargestellt: Datierung, Herkunft, eine kurze Beschreibung, manchmal auch mit Literaturangaben oder Quellen.

Im Anhang findet man noch ein Autorenverzeichnis, das Verzeichnis der Ausstellungskataloge, eine Literaturliste, einen Abbildungsnachweis der Katalogteils und einen Bildnachweis.

Maximilian erhielt den romantischen Beinamen „Der letzte Ritter“, denn er verkörperte noch das bereits geschwundene Ideal des alten burgundischen Rittertums. Zugleich erwies er sich jedoch als vorausschauender, modernisierender Herrscher der anbrechenden Neuzeit. Die Persönlichkeit des Herrschers wird in vielen Bereichen durch den Katalog dem Leser nähergebracht. Der Freydal sollte gemeinsam mit den beiden anderen illustrierten Romanen Theuerdank und Weisskunig in allegorisch-romantisierter Form das Leben Kaiser Maximilians I. erzählen. Dies hätte noch im ersten Teil näher ausgeführt werden können.

 

Buch 6

Hartmut Rosa: Unverfügbarkeit, Residenz Verlag, Wien/Salzburg 2019, ISBN: 978-3-7017-3446-7, 19 EURO (D)

In seiner Habilitationsschrift „Soziale Beschleunigung. Die Veränderung der Temporalstrukturen“ behauptet Rosa, dass Beschleunigung  sich in der rasanten Entwicklung der Technik im 19./20. Jahrhundert und der sozialen Beschleunigung der Menschen zeige. Die Geschichte der Moderne sei gleichzeitig die Geschichte von Beschleunigung. Laut Rosa führt die Vielzahl der Möglichkeiten dazu, dass ein Mensch die ihm gegebenen Möglichkeiten nicht mehr im Laufe seines Lebens ausschöpfen kann.

Rosa kritisiert, dass es keine Glückssoziologie oder Soziologie des guten Lebens innerhalb der Soziologie bislang gab. Mit diesem Buch will es damit einen Anfang machen. Dabei kreisen seine Überlegungen um den Begriff der Resonanz. Resonanz bedeutet in der Systemtheorie Niklas Luhmanns eine Übertragungsmöglichkeit (für Prozesse) zwischen miteinander verbundenen Systemen bzw. von direkt benachbarten Systembestandteilen innerhalb eines Systems aufgrund der Gleichartigkeit beider.

Die Qualität eines menschlichen Lebens lässt sich laut Rosa nicht in der Währung von Ressourcen, Optionen und Glücksmomenten angeben, stattdessen müssen wir den Blick auf die Beziehung zur Welt richten

In diesem Buch eeläutert er einen wesentlichen Bestandteil seiner Resonanztheorie, die Unverfügbarkeit. Unberechenbarkeit und Berechenbarkeit würden in unserer Zeit gleichzeitig zunehmen.

Hier vertritt Rosa die These, dass der entscheidende Grundwiderspruch unserer Gesellschaft darin besteht, immer mehr erreichen und analysieren zu können, während aber die Dinge ebenso weitgehend unkontrolliert entgleiten. Die vielen Möglichkeiten in der globalisierten Welt scheinen greifbar und beherrschbar, sind es jedoch nicht. Dieser immer größer werdende Widerspruch führt dazu, dass uns Resonanzerfahrungen mit anderen und der Natur, der Gesellschaft zunehmend erschwert. Durch die Überschreitung von bisherigen Grenzen komme es auch zum teilweisen Verlust der Selbstautonomie.„Unverfügbarkeit, die aus Prozessen der Verfügbarmachung hervorgegangen ist, erzeugt radikale Entfremdung.“ (S. 130) Dies bezieht er sowohl auf Individuen, Gruppen als auch Staaten.

Rosa spricht viele richtige Phänomene an. Der Begriff der Autonomie ist allerdings etwas vage, er lässt sich auch ganz anders deuten.

Es wird das Zeitphänomen auch außer Acht gelassen. Entschleunigung, Zeit für ein gutes Leben außerhalb der Gier nach Geld mache die geistigen Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung aus. Zeit, die am Lebensrhythmus des Menschen und der Natur angepasst sind. Darunter fallen ein zeitbewusster Lebensstil, eine zeitbewusste Politik, ein bedingungsloses Grundeinkommen, eine zeitbewusste Wirtschaft. Dies könnte eine nachhaltige menschliche Entwicklung ausmachen.

 







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