Neuerscheinungen Kultur

09.08.20
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Nicola Bardola: Ringo Starr. Die Biographie, Edition Olms, Oetwil 2020, ISBN: 978-3-283-01295-3, 25 EURO (D)

Der Beatles-Experte Nicola Bardola legt eine großangelegte Biographie über Ringo Star, seine Karriere vor und nach den Beatles und seine Zeit als Schlagzeuger der Liverpooler Kultband.

Das Buch ist in drei Bereiche aufgeteilt. Zunächst wird die Zeit ab der Auflösung der Beatles 1970 und seine Solokarriere mit vielen Höhen und Tiefen bis 2020 beschrieben. Dort werden zuerst die Wendepunkte in seinem Leben und in seiner Karriere beschrieben, dann folgen seine zwanzig Soloalben, Singles und Greatest Hits und dann noch Schlaglichter in dieser Zeit.

Der zweite Teil hat einen ähnlichen Aufbau. Dort werden die Wendepunkte bis 1969, seine Drums und Songs von den Anfängen bis 1969 und Schlaglichter der Zeit behandelt. Im dritten Teil werden wohl eher unbekannte Seiten von Starr dargelegt. Zwischen 1973 und 1988 besaß er ein Tonstudio auf dem Anwesen Tittenhurst Park Er benannte das Studio in Startling Studios um und stellte es anderen Musikern zur Verfügung. Seine Ausflüge als Schauspieler in Filmen zwischen 1968 und 1985 ebenfalls, darunter auch Broad Street von Paul McCartney. Starr produzierte auch selbst Filme, und versuchte sich als Tänzer und Fotograf.

Zwischen den Abschnitten gibt es immer wieder Farbbilder von den Auftritten, Plattencover, Plakate, private Aufnahmen oder als Botschafter für den Frieden 2018.

Im Anhang findet man noch eine Diskographie, eine Filmographie, eine Bibliographie, Informationen über den Autor und den Bildnachweis.

Bardola charakterisiert ihn als „Marathon-Drummer“, dessen Zähigkeit sich auf viele Bereiche seines Lebens übertrug. „Originalität, Ausdauer und Wille“ zeichnen ihn aus, der bei den Beatles immer etwas im Schatten seiner Kollegen stand. (S. 11) Auch seine Vielseitigkeit, Neugierde, die Suche nach Sinn und Werten, seine Belesenheit (Albert Camus) und Fähigkeit zur Reflexion treten hervor. 

Auf seine Zeit der Beatles angesprochen, bestätigte er, dass er „die Mütter und Kinder faszinierte, George die Intellektuellen, Paul die Teenager und John alle.“ (S. 227) Kaum zu glauben, dass er nach zahllosen Auftritten immer noch vor jedem Konzert Lampenfieber hat.

Trotz seiner vielen Wendepunkte im Leben und der Karriere ist Ringo Starr eine lebende Legende, die bislang unzureichend gewürdigt wurde. Die Stärke des Buches sind die gute Sachkenntnis des Autors, die Anekdoten und detaillierte Vorstellung seiner komplexen Persönlichkeit. Die Konzeption des Buches mutet dagegen seltsam an. Besser wäre es gewesen, den zweiten Teil an den Anfang zu setzen und chronologisch vorzugehen. Auch eine kurze Vita im Anhang zum schnellen Nachschlagen für den Leser wäre gut gewesen. Dennoch ist es eine lesenswerte Annährung und zeigt, dass Ringo Starr viel mehr war und ist als der Drummer der Beatles.

 

Buch 2

Jochen Wiegde: Orientalisch-persische Gartenkultur. Paradiese und Der Garten im Islam, Marix Verlag, Wiesbaden 2020, ISBN: 978-3-7374-1144-8, 28 EURO (D)

In einem epochenübergreifenden Bogen von drei Jahrtausenden zeichnet Jochen Wiegde die Entstehungen und Formen von Gärten im Perserreich und im Islam nach. Von den ägyptischen Gärten bis zur Ausformung des modernen Sehnsuchtsbildes eines Paradiesgartens werden Ausschnitte der Gartenkunst präsentiert. Dabei griff der Autor auf Forschungsarbeiten, auf eigene Reiseerfahrungen und auf solche von Forschungsreisenden zurück.

In der Einleitung wird der geographische zu untersuchende Raum angesprochen und ein historischer und politischer Gesamtüberblick gegeben. Außerdem werden die wichtigsten Charakteristika der persisch-orientalischen Gärten aufgelistet: Dort ist die Gartengrenze bestimmend als Abschottung gegen die oft lebensfeindliche Außennatur, gleichzeitig dient sie als Schutzwall vor Hitze und ständige politische Unsicherheiten. Der Garten ist sicherer Rückzugsort für die Familie des Herrschers, Ort ungestörter Glaubensverrichtungen wie im Alten Ägypten die Totenverehrung. Wasser hat praktische und symbolische Aufgaben und wird religiös und spirituell überhöht. Die Formung des Islamischen Gartens mit seinen Kanälen, Wegen und Bauten entsteht primär nicht aus ästhetischen Vorgaben, sondern begründet sich aus Notwendigkeiten für Schutz- und Nutzungsfunktion und aus strategischem Kalkül.

Danach gliedert sich die Darstellung in vier große Kapitel.

Zunächst werden Gärten in der Antike behandelt. Gärten im Neuassyrischen Reich, im ägyptischen Theben, der Tempelgarten in Amarna sowie Gartengestaltung unter den Archämenidenkönigen wie die Palaststadt Pasagadae oder Persepolis, die Hauptstadt des Persischen Reiches. Die nachfolgenden griechischen und römischen Einflüsse bis zur Sassanidenherrschaft (Klesiphon) kommen ebenfalls zur Sprache.

Im zweiten Kapitel wird die Zeit ab der Islamischen Expansion bis in die Zeit der Nachfolger Timur Lenks vorgestellt. Nach einer Abhandlung über die Bedeutung des Wassers für die Gestaltung von Gärten wird auf die Palastgärten der verschiedenen Kalifen und die Ausschmückung mit vielen Blumen und Zierpflanzen wie im Winterpalais des Kalifen von Damaskus eingegangen. Eine Weiterentwicklung gab es im 10. Jahrhundert unter Abd-al-Rahman III. mit der kurzzeitigen Anlage von Medina Azahara in al-andalus. Der Islamische Garten mit seiner Art der Vierteilung (Charabagh) eingebettet im Grün der Bepflanzung als geschützter Ort entwickelte sich heraus. Der maurische Garten in Südspanien wie der in Toledo, eine Art botanischer Garten, wird gesondert behandelt. Fliesenmosaike als typisches Kunsthandwerk der islamischen Bau- und Gartentradition und die Verwendung von Rosen als Gestaltungsmittel werden auch noch am Beispiel des Gartens von Schiras gezeigt. Schwerpunkte sind im Folgenden noch der Palast Chetel Sotun und Park in Isfahan und Timur Lenks Gärten in Samarkand.

Der dritte Abschnitt beschäftigt sich mit der Neuorientierung der Gartenanlagen. Im Unterschied zu dem klassischen und nach innen orientierten vierteiligen Garten bilden sich im Laufe wechselnder Mächte und geänderten Voraussetzungen und Bedürfnislagen neue Gartenformen heraus. Gegenüber den Lustgärten der Vermögenden und Herrschenden mit ausgreifenden wasserführenden Wegachsen außerhalb der Stadt ist das Element Wasser im Hofbereich auf das Wesentliche beschränkt. Für Nutzgärten außerhalb der Stadt bleibt die lineare Struktur in der Erschließung mit Wasser für die Bewässerung üblich. Der Garten als geschützter Bereich mit einem Innenleben blieb die Regel. Hier werden der Garten des Taj Mahal, der Schalimar Garten in Lahore, Baburs Lotosgarten und Mogulgärten näher vorgestellt.

Im letzten Kapitel werden heutige Islamische Gärten besprochen, vor allem diejenigen, die unter dem Dach der Kulturstiftung des Aga Khan in den letzten Jahrzehnten entstanden sind. Diese möchten den Geist des Islamischen Gartens in seinen prägnanten Strukturen wieder aufleben lassen. Dazu gehören Neuanlagen oder die Rekonstruktion und Neuinterpretation ehemaliger Gartenanlagen wie in Kabul oder der Gartenkomplex rund um das Mausoleum von Humayan in Dehli.

Nach einem Nachwort findet man im Anhang noch die Anmerkungen, die Zeitlinien wichtiger Reiche und Herrscherdynastien, bedeutende Herrscher während der Entwicklung von Gärten, Islamische Gärten der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste, ein Literaturverzeichnis,, ein Personen- und Sachregister sowie den Bildnachweis.

Hier werden Leitlinien der Entwicklung von Gartenkulturen eines Gebietes über Nordafrika über die Levante und dem Iran hin nach Indien und Mittelasien quer durch die Jahrtausende beschrieben, die gut in das historische und kulturhistorische Geschehen eingebettet werden.

Der Vorteil des Buches liegt darin, dass es dynamische Entwicklungslinien und Brüche aufzeigt, auch wenn es historisch, kulturell und politisch nicht so sehr ins Detail geht wie Werke über eine bestimmte Landschaft oder einen bestimmten Stil der Gartengestaltung. In diesem Buch werden aber auch kulturhistorische Zusammenhänge und Unterschiede zu westlichen Gartenkulturen aufgezeigt. Problematisch wird es bei den Konstruktionen Orient und Okzident (siehe Said: Orientalism).

Buch 3

Katharina Rein: Techniken der Täuschung. Eine Kultur- und Mediengeschichte der Bühnenzauberkunst im späten neunzehnten Jahrhundert, Büchner Verlag, Marburg 2020, ISBN: 978-3-96317-204-5, 34 EURO (D)

Dies ist die Dissertation von Katharina Rein über die Bühnenzauberkunst im Zeitraum von ca. 1860 bis 1910. Dabei werden schlaglichtartig vier paradigmatische Großillusionen untersucht: „Pepper‘s Ghost“, den ersten Bühneneffekt mit einer großen Glasplatte, den archetypischen Spieletrick, die „Verschwindende Dame“, die den Vorgang einer Teleportation inszeniert und „Second Sight“, einer Telepathie-Illusion unter Einsatz hochmoderner Kommunikationstechnologien. Die hier untersuchten Illustrationen sind insofern repräsentativ, da es sich um ikonische Bühneneffekte der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts handelte. Gerahmt und ergänzt wird dies durch drei Abschnitte zu visuellen Medien.

Das Buch beginnt mit einem Kapitel über die Phantasmagorie um 1800. Diese nimmt eine Vorreiterrolle in der Zauberkunst mit einer technischen Repräsentation von etwas scheinbar Übernatürlichem in einem Vorführzusammenhang. Die Phantasmagorie wird mit Jules Vernes Roman Das Karpathenschloss verbunden. Bei beiden werden die Grenzen zwischen Rationalität und Glauben verwischt, indem sie technische Medien als eine Art Kippmechanismus dazwischen setzen.

Im zweiten Kapitel geht es um die Verknüpfung von populärer Wissenschaft und Zauberkunst am Ursprung von „Pepper’s Ghost“. Dies ist eine paradigmatische Spiegelillusion, die nicht nur weitere Bühnenillusionen anregte, sondern auch eine Reihe von Effekten in Spiritismus, Photographie, Theater und Film. Glas- und Spiegelillusionen traten zeitgleich mit der industriellen Glasherstellung auf.

Anschließend wird die Großillusionen der „Verschwindenden Dame“, die an einer anderen Stelle im Saal wieder auftaucht, vorgestellt. Bedingt durch die Veränderungen der Raum-Zeit-Wahrnehmung in der Reform des Postwesens und in der Topologie wurden neue Erfahrungsweisen gewonnen, die in unterschiedlichen Kontexten zum Ausdruck kamen (Kunst, Literatur, Geometrie, Bühnenzauberkunst). Somit bedienten sich Zauberkünstler neuester Techniken, Materialien und Mechanismen.

Ein Exkurs widmet sich dem frühen Film, dessen Effektrepertoire Zauberkünstler als Filmpioniere in Fortsetzung des Bühnenillusionismus ausschöpften. Es wird gezeigt, wie Zauberkünstler zur Verbreitung des frühen Films beitrugen, indem sie ihn in ihre Vorstellungen integrierten.

Im vierten Kapitel geht es um die Levitation, die die Physikalität des menschlichen Körpers scheinbar aufheben zu wollen scheint, woran sich die Wechselwirkung zwischen Zauberkunst und Spiritismus zeigt. Den Eindruck von Schwerelosigkeit erzeugt dabei eine komplexe Stahlmaschine, und zwar nur dann, wenn sie für das Publikum unsichtbar ist. Dem zugrunde liegt die Erkenntnis, dass Medien nur dann effektiv sind, wenn sie selbst nicht in Erscheinung treten. Voraussetzung für das Medium war die Stahlindustrie und die Entwicklung von Personenfahrtstuhltechnik.

Das fünfte Kapitel stellt Mentalillusionen vor, die den versteckten Einsatz konkreter Kommunikationsmedien auf der Bühne offenbaren, deren Effekte losgelöst von materiellen Apparaten präsentiert wurden. Gedanken wurden durch technische Medien wie Schallwellen, elektromagnetische Wellen oder Radiowellen übertragen. Dabei zeigt sich die Zauberkunst am Kreuzungspunkt von Magie, Illusionismus, Spiritismus, Okkultismus, Wissenschaft und Technik. Ein zweiter Exkurs geht in diesem Zusammenhang auf Christopher Nolans Film The Prestige ein. Dort verschmelzen historische Motive und Figuren mit Elementen der Science-Fiktion und erzeugen eine Unschlüssigkeit, wie sie auch in der Zauberkunst auftrat.

In einer Schlussbetrachtung werden die wichtigsten Thesen nochmals zusammengefasst. Medien, Technik und Illusionismus trugen um 1900 dazu bei, die Grenzen des Möglichen und Denkbaren zu erweitern. Dabei ist die Blütezeit der Bühnenzauberkunst nicht ohne die technischen und kulturellen Entwicklungen jener Zeit denkbar. Die hier vorgestellten Großillusionen fungieren auch als Prisma, das einen Blick auf die Kultur der Moderne freigibt. Die Zauberkunst weist Verschränkungen mit Wissenschaft, Technologie, Kunst, Handwerk, Optik, Film und ökonomischen Praktiken, aber auch mit Spiritismus, Magie und Okkultismus auf. Die Großillusionen weisen Entwicklungen auf, die unmittelbar mit der Geschichte der Medien verwoben ist: „Phantasmagorie und Spiegelillusionen bringen die Medien der Illusion mit großem Aufwand zum Verschwinden, will ihre Geistererscheinungen davon abhängen, das Publikum (zumindest im ersten Moment) keine Projektionsapparatur vermutet. Dazu ist eine räumliche Trennung der Illusionsmaschinerie von den Rezipienten notwendig.“ (S. 381)

Mit der zunehmenden Technikvertrautheit und Medienkompetenz des im Umgang mit illusionistischen Unterhaltungsmedien geschulten Publikums des späten 19. Jahrhunderts, stieg dessen Skepsis gegenüber illusionistischen Methoden und Techniken. Zauberkunst verlagerte sich immer weiter in einen nicht wahrnehmbaren Bereich.

In der Mitte des Buches gibt es noch zahlreiche Abbildungen zu jedem einzelnen Kapitel.

Im Anhang findet man noch eine umfangreiche Bibliografie, eine Filmografie, ein Personenregister, ein Stichwortregister und ergänzende Quellenangaben.

Dies ist eine mit viel Hintergrundwissen verfasste Arbeit versehen mit einem Bildteil, der eine gute visuelle Vorstellung gibt. Die Verwendung verschiedener Techniken und Methoden, Illusionen in den Köpfen der Betrachter und Gefühle in den Herzen der Menschen auszulösen, wird sehr anschaulich beschrieben. An diese Arbeit könnte sich eine Analyse der psychologischen Muster in Verbindung führenden Strömungen der Zeit (Wilhelm Wundt: Erforschung der Wahrnehmungsphysiologie, Leipziger Schule, Freud, Adler, Jung: psychodynamische Sichtweise oder die ganzheitliche Gestaltpsychologie usw.) anschließen.

Buch 4

Rebecca Gablé: Teufelskrone. Historischer Roman, Bastei Lübbe, Köln 2019, ISBN: 978-3-7857-2660-0, 28 EURO (D)

Dieser Band ist bereits der sechste in der Reihe der Waringham-Saga. Er spielt in der Epoche von John Plantagenet, dem Nachfolger von König Richard im spätmittelalterlichen England. Das Ende der Herrschaft Richards und sein Tod läuten den Roman ein, dann spielen der Aufstieg und die Regierungszeit von John Plantagenet die Hauptrolle. Jon Plantagenet, auch als Johann Ohneland bekannt, gilt in der Rückschau als einer der unbeliebtesten Könige Englands. Dieses Bild rückt der Roman ein wenig gerade. Die Autorin erzählt von John Plantagenet als Prinz und später als König und liefert Erklärungen für die Verhaltensweisen, die dafür sorgen, dass man ein etwas anderes Bild von John Plantagenet bekommt. Dennoch sollen sein Verrat, seine grausamer Regierungsstil und seine Erfolgslosigkeit nicht beschönigt werden. Der englische Adel wird eher negativ beschrieben: Er steht entweder als opportunistisch zum König oder bekämpft ihn, beides aus eigennützigen Motiven. Ein wohltuender Gegenpart zum König ist der jungen heranwachsenden Ritter Yvain Waringham, der sich und seine Persönlichkeit erst noch finden muss. Des Königs Launen muss er auch ertragen und muss widerwillig lernen zu gehorchen.

Dagegen auch andere Menschen, die den Weg des jungen Ritters kreuzen, spannende Charaktere. Yvain Waringham ist der Prototyp eines mehr oder weniger untadeligen Ritters, der auch von verschiedenen Damen umschwärmt wird. Diese Romanzen und der Lebensweg von Yvain werden mit dem Gesamtbild der Regierungszeit von John Plantagenet und dem England seiner Zeit gekonnt verwoben. Für die historische Einordnung ist auch gesorgt: Es gibt geografische Karten, Bilder, einen Stammbaum der Plantagenets sowie ein Personenregister. Ausführlichere Informationen findet man noch in einem Nachwort der Autorin.

Dies ist ein mit viel Hintergrundwissen gespickter historischer Roman, der nicht nur für umfassende Einblicke in die englische Geschichte sorgt, sondern auch spannend geschrieben wird. Die fiktive Darstellung um Yvain of Waringham ist so in die reale Geschichte eingebettet, dass die Historizität nicht verfälscht wird. Das Buch ist auch zu verstehen und einzuordnen, ohne die vorherigen Bände zu kennen.

 

Buch 5

Kate Kirkpatrick: Simone de Beauvoir. Ein modernes Leben, Piper, München 2020, ISBN: 978-3-492-07033-1, 25 EURO (D)

Simone de Beauvoir (1908-1986) war eine französische Schriftstellerin, Philosophin und Feministin. Die Verfasserin zahlreicher Romane, Erzählungen, Essays und Memoiren gilt als Vertreterin des Existentialismus. In ihrer opulenten Biografie greift Kate Kirkpatrick greift auf bisher unveröffentlichte Tagebücher und Briefe zurück, und gibt einen Einblick in Beauvoirs Beziehungen, ihre Philosophie der Freiheit und der Liebe und ihr Wesen.

Kate Kirkpatrick weist nach, dass Simone de Beauvoir ein eigenständiger Charakter jenseits von ihrer Beziehung zu Sartre entwickelte, obwohl natürlich auch deren Beziehung ein Schwerpunkt des Werkes ist. Dabei arbeitet sie auch die Unterschiede zwischen ihrer Denkweise und zentralen Aspekten von Sartres Philosophie und zum Teil auch des Existenzialismus an sich heraus.

Ihre ständige persönliche Weiterentwicklung wird hier betont, das unvollkommene Wesen Mensch am Beispiel der französischen Denkerin detailliert dargelegt. Kirkpatrick legt die These vor, dass sie aus dem Grund Romane und Erzählungen schrieb, um eine lebendige Philosophie jenseits der akademischen Diskussion zu vermitteln und somit ihre Gedanken einem breiterem Publikum zugänglich zu machen.

Es wird auch die Diskrepanz zwischen ihrem öffentlichen Image und ihren intimen Wünschen und Gefühlen, die sie in ihren Tagebüchern und Briefen beschreibt, herausgearbeitet. Dadurch wird ein vollständigeres Bild von de Beauvoir gezeichnet. Trotz ihres überragenden Intellektes und ihrer facettenreichen Persönlichkeit war sie dennoch von Selbstzweifeln geplagt, was sie aber nicht von anderen Denkern von Weltrang unterscheidet.

Dies ist eine detaillierte Biographie von Simone de Beauvoir aus feministischer Sichtweise. Andere Biographien  über de Beauvoir konzentrieren sich auf ihre Beziehung zu Sartre. In diesem Buch wird offenbart, dass de Beauvoir ihr eigenes Leben führte und eine unabhängige Denkerin war, die uns auch heute noch etwas zu sagen hat.

 







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