Neuerscheinungen Architektur und Kunst

07.08.20
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Pop on Paper. Von Warhol bis Lichtenstein. Kerber Verlag, Bielefeld/Berlin 2020, ISBN: 978-3-7356-0683-9, 38 EURO (D)

Die Pop Art entwickelte sich Mitte der 1950er Jahre und zeichnet sich durch eine Hinwendung zur Alltags- und Konsumgesellschaft aus. Häufige Pop Art-Motive kommen aus der Werbung, Comics oder dem Nachrichtengeschehen und werden entkontextualisiert. Besondere Relevanz für die künstlerische Bewegung hatte der offensive Umgang mit der Druckgrafik. Durch Farbsiebdruck und Co. konnten die Künstler ihre Werke vervielfältigen und so einem breiteren Publikum abseits der Kunstelite präsentieren. In einer Ausstellung vom 3.4 bis zum 26.7. 2020 zeigt das Berliner Kupferstichkabinett ihre besten Exponate der Pop Art Sammlung. Dies ist die offizielle gleichnamige Begleitpublikation.

Hintergrundessays und Exponate werden integrativ vorgestellt. Zuerst geht es um die Verbreitung der US-amerikanischen Pop Art in der Druckgrafik. Anschließend wird der Aufbau der amerikanischen Sammlung im Berliner Kupferstichkabinett (1970-2002) beschrieben. Dann werden die Vorstufen der Pop Art, die mit Namen wie Eduardo Paolozzi, Richard Hamilton, Robert Rauschenberg und Jasper Johns verbunden sind, vorgestellt. Danach geht es in vier Beiträgen um Andy Warhol und seinen Siebdruckporträts. Mit Roy Lichtenstein wird dann die nächste Ikone der Pop Art präsentiert. Danach werden die gesamte Vielfalt der Szene behandelt: Mel Ramos, Tom Wesselmann, Allan Jones, Jim Dine, Peter Philipps, John Wesley, Claes Oldenburg, Allan D’Arcangelo, Ed Ruscha, Robert Indiana, Gerald Laing, James Rosenquist sowie einige deutsche und europäische Pop Art Künstler. Das Ausdrucksmittel des Siebdrucks in der Pop Art rundet die Essays ab.

Im Anhang findet man noch ein Verzeichnis der ausgestellten Werke und weiterführende Literatur.

Hier sind viele aussagekräftige Exponate zu sehen: die Siebdrucke von Andy Warhol und die Comic-Bilder von Roy Lichtenstein, die Gegenstands-Nachbildungen aus weichen Materialien von Claes Oldenburg, die großformatigen Bilder von James Rosenquist, die Skulpturen von Robert Indiana Andy Warhol gilt als der Pop-Künstler schlechthin, der Pop als Person und als Kunst repräsentiert. Ihre ästhetischen Hintergründe, die verschiedenen Stilrichtungen und die Erfolgsfaktoren und die Anziehungskraft der Massenproduktion auf Künstler werden fundiert dargestellt. Porträtierter Sexismus ist leider auch manchmal zu sehen, dies hätte kritischer eingeordnet werden müssen.

Buch 2

Stefan Forster Architekten: Wohnungsbau. Housing 1989-2019, Park Books, Zürich 2020, ISBN: 978-3-03860-180-7, 48 EURO (D)

Das Büro Stefan Forster Architekten wurde 1989 als Einzelunternehmen in Darmstadt gegründet und ist seit 1995 in Frankfurt am Main ansässig. Es hat sich auf großstädtischen Wohnungsbau, Stadtumbau und Transformation spezialisiert. Zu den Kunden zählen neben kommunalen Wohnungsbaugesellschaften Genossenschaften auch private Investoren und Bauträger. Die vorliegende Monografie dokumentiert 30 exemplarische Projekte aus 30 Jahren architektonischer Praxis. Sie schlägt einen Bogen vom sozialen Wohnungsbau zum Eigentumsbau, von der Siedlung zum verdichteten Bauen im gemischten Stadtquartier und vom Stadthaus auf der Parzelle zum Großblock.  Es erscheint gleichzeitig in deutscher und englischer Sprache.

Zu Beginn des Werkes gibt es eine Fotostrecke von fertigen Bauten. Anschließend unternimmt der Kunsthistoriker Michael Mönninger eine Positionsbestimmung des Architekturbüros im Hinblick auf die sozialen und historischen Veränderungen des Wohnungsbaus. Dort wird auch die Bauphilosophie des Büros deutlich: „Er (Stefan Forster, M.L.) hält nichts von der Suche nach dem zielgruppengerechten und maßgeschneidertem Bauen, das sich transparent, beweglich und verschiebbar allen wechselnden Ansprüchen und Vitalfunktionen der Bewohner anpasst. Dagegen setzt er seine Auffassung von Anonymität, Alltäglichkeit, Neutralität, Serialität und Dauerhaftigkeit im Bauen. Für ihn ist ein Gebäude gelungen, wenn es seine Bewohner überdauert, für 90 Prozent der Bevölkerung brauchbar ist und ohne den Widmungsterror von speziellen Nutzungsbeschreibungen auskommt.“ (S. 23)

Danach folgt eine ausführliche Projektdarstellung, die typologisch in vier Kapitel gegliedert ist: städtischer Block, Stadthaus, Siedlung und Transformationsprojekte. Dabei werden verschiedene Projekte in eigenen Kapiteln vorgestellt. Am Anfang findet man immer Lagepläne der verschiedenen Bauten. Das jeweilige Projekt beinhaltet neben einer ausführlichen textlichen Beschreibung, mehrere seitenumfassende Farbbilder aus verschiedenen Blickwinkeln und Schwerpunkten und einen Querschnitt. Außerdem findet man tabellarische Informationen über die Anzahl der Wohnungen, über die Geschossfläche, die Fertigstellung, den Bauherrn, Mitarbeiter und die Adresse.

Weiterhin gibt es Hausgrundrisse aller Objekte im Maßstab 1: 200 und eine Projektübersicht (neuere zuerst, dann absteigend) zum Abschluss.

Der Schwerpunkt des Buches liegt eindeutig auf der Projektschau, die sich besonders durch gelungene Fotografien auszeichnet. Ein Hintergrundessay zu der Herangehensweise des Büros ist aber etwas dünn. Informationen über Theorie, Bauökologie, Innovation, Typen, Objektivität, Material, Stadtarchitektur oder den Zusammenhang zwischen Bauen und psychosozialem Wohlfühlfaktor wären wünschenswert gewesen.

Buch 3

Hauke Horn/Matthias Müller (Hrsg.): Gotische Architektur am Mittelrhein. Regionale Vernetzung und überregionaler Anspruch, De Gruyter, Berlin/Boston 2020, ISBN: 978-3-11-057719-8, 79,95 EURO (D)

Der Mittelrhein, der 130 Kilometer lange Flussabschnitt des Rheins zwischen der Mündung der Nahe bei Bingen und derjenigen der Sieg gegenüber von Bonn, ist eine der bedeutendsten Kulturlandschaften der BRD. Der Mittelrhein weist eine hohe Dichte von mittelalterlichen Kirchenbauten und Burgen auf. Die in den Städten errichteten Kirchenbauten repräsentieren mit ihrer Gestaltung den Status und das Konkurrenzverhältnis der auftraggebenden Institutionen und vermitteln einen Aufschluss über die Bautechnik und Bauorganisation.

In diesem Band wird die gotische Architektur am Mittelrhein vor dem Hintergrund von Konkurrenzen und Konflikten. Netzwerken und Transferprozessen beleuchtet. Dies sind die Ergebnisse eines mehrjährigen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes und einer im November 2016 durchgeführten Tagung. Folgende Fragestellungen standen dabei im Mittelpunkt: Welche Rolle spielten an den etwa zeitgleichen Bauprojekten am Mittelrhein die potentiell zu ermittelnden regionalen oder überregionalen Vernetzungen von Bauleuten und Werkstätten bzw. die Transferprozesse architektonischer Motive, Formen und Techniken innerhalb der Entwurfs- und Konstruktionsprozesse? Welche Rolle nahmen die Auftraggeber, Stifter und Rezipienten bzw. Nutzer der Bauten aus Klerus, weltlichem Adel oder stadtbürgerlichem Patriziat ein, die mit einer möglicherweise von ihnen beeinflussten Formen- oder Stilwahl bestimmte institutionelle oder politische sowie dynastische Zugehörigkeiten ausdrücken oder zeichenhaft repräsentieren wollten?

In der Einleitung werden zunächst die früheren wissenschaftlichen Forschungen und deren Ergebnisse behandelt, bevor dann daran anknüpfend Ziele, Fragestellungen und Ergebnisse des DFG-Projektes und die zitierte Literatur vorgestellt werden.

Im ersten Teil wird in zwei Essays auf die Geschichte, Methoden und Perspektiven der Gotikforschung zum Mittelrhein eingegangen. Der zweite Teil beschäftigt sich mit Netzwerken und Transferprozessen in der Architektur und Ausstattung am Mittelrhein. Dazu gibt es zunächst einen längeren Beitrag von Hauke Horn über die politische und soziale Dimension mittelalterlicher Architektur im Mittelrheintal. Anschließend skizziert Eduard Sebald die spätmittelalterliche Bau- und Territorialpolitik am Mittelrhein. Hauke Horn stellt die Bautechnik und Bauorganisation des 13. -15. Jahrhunderts vor, bevor Ute Engel Mainz als Schaltstelle der Gotik um 1300 und den überregionalen Kunsttransfer am Mittelrhein präsentiert. Danach geht Sascha Köhl auf die internationalen Transferprozesse von Paris, dem stilprägenden Zentrum, und die Rezeptionsprozesse gotischer Architektur in der Peripherie des Rheingebietes ein. Die Verflechtung zwischen Straßburg und dem Mittelrhein untersucht Marc Carel Schurr, bevor Karola Sperber auf die Frage nach Herkunft und Interpretation der asymmetrischen-zweischiffigen Franziskanerkirchen eingeht. Yves Gallet stellt am Beispiel des Goldenen Altars zu Oberwesel Mikroarchitektur und Kulturtransfers zwischen Frankreich und Mittelrhein um 1340 dar.

Der dritte Teil beschäftigt sich mit den Aspekten der Transformation, Repräsentation und Innovation der Sakralbauten am Mittelrhein. Dabei geht Catharina Lathomus auf die Stiftskirche St. Kastor in Koblenz, Maria Wenzel auf den Glockenstuhl von St. Martin in Oberwesel, Hauke Horn auf die Baugeschichte von St. Martin zu Bingen und Britta Hedtke auf die Baugeschichte der westlichen Stifsklausur des Mainzer Doms. Benedikt Ockenfels stellt Eltville und den Rheingau als Ausweichresidenz der Mainzer Erzbischöfe vor.

Im vierten Teil geht es um Struktur und Verflechtung politischer und funktionaler Eliten in den Städten am Mittelrhein. Regina Schäfer setzt sich mit Struktur und Verflechtung des Hoch- und Niederadels am Mittelrhein im 14. Jahrhundert auseinander. Danach stellen Rauol Hippchen und Heidrun Ochs noch die Beziehungen von Führungsgruppen mittelrheinischer Städte (Stadtadel, Patriziat, Funktionselite) mittelrheinischer Städte vor.

Quer durch die Texte findet man noch viele schwarz-weiß Abbildungen, vergleichende Bilder, Grundrisse, zeitgenössische Stadtansichten, Längsschnitte und Zeichnungen.

Im Anhang findet man noch Farbtafeln mit Karten des Mittelrheintales, Sakralobjekte aus verschiedenen Blickwinkeln und Himmelsrichtungen, Kirchenfenster, Innenansichten von Kirchen und zahlreiche Abbildungen der Liebfrauenkirche in Oberwesel. Außerdem gibt es dort noch Abbildungsnachweise.

Die wichtigsten Ergebnisse sind die folgenden: Die Architektursprache der Sakralbauten des 13. und 14. Jahrhunderts im Mittelrheintal konnten weder einem Diözesan- noch einem Herrschaftsteil zugeordnet werden, sondern stattdessen wurde der in der Architekturforschung bisher wenig beachtete Kirchherr als maßgebliche Referenzebene identifiziert. Der Kirchherr hatte mehr Gewicht als die Zugehörigkeit zu einem Herrschaftsterritorium oder einer Kirchenprovinz. Die lokalen, regionalen und überregionalen Netzwerke der Auftraggeber weniger der Werkstätten bestimmten letztlich die Transferwege für Bauformen und Bautechniken. In diesem Zusammenhang wurde die Sakralarchitektur auch genutzt, um im geostrategisch bedeutsamen Mittelrheintal mit seinen vielfältigen Überlagerungen von Interessensphären und Herrschaftsstrukturen eine institutionelle Zugehörigkeit auszudrücken und damit verbundene Ansprüche architektonisch zum Ausdruck zu bringen.

Hier werden architektonische und kunstgeschichtliche Aspekte umfassend mit machtpolitischen, gesellschaftlichen und repräsentationshistorischen verbunden. Dies ist also kein Bildband im klassischen Sinne, wo gotische Bauten im Mittelpunkt stehen und einzeln vorgestellt werden, sondern das Ergebnis eines Forschungsprojektes mit interdisziplinärem Charakter. Dies geschieht auf dem neuesten Stand der Forschung über ein Gebiet, das überproportional mittelalterlichen Kirchenbauten und Burgen zu bieten hat. Gut ist auch der transregionale Blickwinkel nach Frankreich, speziell nach Paris.

Buch 4

Martin Steinmann/Bruno Marchand/Alexandre Aviolat: Diener & Diener Architekten Wohnungsbau, Park Books, Zürich 2020, ISBN: 978-3-03860-184-5, 48 EURO (D)

In diesem Buch werden Bauten und Projekte des Schweizer Architekturbüros Diener & Diener, die sich auf Wohnhäuser spezialisiert haben, von 1978 bis in die Gegenwart dargestellt. Dabei fokussiert es sich besonders auf die Entwicklung des Denkens, die in den jeweiligen Entwürfen fassbar wird. Es werden 30 ausgewählte Projekte erstmals umfassend und systematisch dargestellt sowie in ihren städtebaulichen und architektonischen Merkmalen diskutiert. Neben den gesammelten Vorträgen von Roger Diener konnten die Herausgeber dabei auf zahlreiche Dokumente des Büros zurückgreifen.

Das Buch wird durch drei Essays und einem Interview mit Roger Diener eröffnet.

Bruno Marchand untersucht in seinem Aufsatz die Entwicklung des Wohnungsbaus von Diener & Diener und die baulichen und gestalterischen Mittel. Alexandre Aviolat beschäftigt sich mit der Entwicklung der Grundrisse. Martin Steinmann geht auf die Vorgeschichte von Diener & Diener ein, die Arbeit des Büros von Markus Diener Architekt, das im Jahre 1943 gegründet wurde und schon rasch im Wohnungsbau Erfolge feiern konnte.  Ein Gespräch der Herausgeber mit Roger Diener über die Praxis des Entwerfens im Wohnungsbau rundet den ersten Teil ab. Dabei geht es im Einzelnen um Theorie, organische Architektur, Grundrisse, Innovation, Typen, Objektivität, Material, Ornament, Arbeit mit Künstlern und Architektur für die Stadt.

Im zweiten Teil des Buches werden dann 30 Beispiele mit ihrer städtebaulichen Situation, einer kurzen Beschreibung des Entwurfs, mit dem Grundriss eines Regelgeschosses und zahlreichen farblichen Abbildungen vorgestellt. Dabei geht es um Mehrfamilienhäuser und meist um solche, die realisiert wurden. Die Pläne sind dabei alle im Maßstab 1: 360 wiedergegeben. Dabei sind wohl die Bauten in der Hammerstraße, in Boulogne-Billancourt, München und Lyon von besonderem Interesse.

Die typische Arbeitsweise von Diener & Diener bei ihren Bauten und Projekten sind die folgenden Punkte. „Als erstes, dass ihr Denken über Wohnungsbau seit mehr als 40 Jahren auf der Deklination von einigen Typen beruht, deren Entwicklung sich durch das 20. Jahrhundert hindurch verfolgen lässt. Ihre Verwendung erweist sich als dauerhaft, weil sie nach wie vor auf die vielfältigen Bedingungen des gegenwärtigen Wohnungsbaus zu antworten vermag, wirtschaftliche wie gesellschaftliche und in unterschiedlichen städtebaulichen Formen. Dabei stellt die radikale Stellungnahme die Vorstellungen infrage, die im neueren Wohnungsbau die Architekten dazu treiben, für jedes Projekt neue Grundrisse zu ‚erfinden‘ und dabei allgemeine Lösungen zu verwerfen. Diener & Diener lehren uns weiter, dass es nicht genügt, einen Typ als solchen zu deklinieren, da dieser von Fall zu Fall eine Beziehung zum Ort eingehen muss. Diese Beziehung bereichert den Typ, indem sie ihn in die kontinuierliche Veränderung der Stadt einordnet. Das neue Bauwerk fügt dem Ort ein Stück dazu, das gleichermaßen lesbar ist als etwas Neues und etwas, das ihn weiterführt, indem es selber vom Ort bedingt ist. Das verlangt eine kontinuierliche Suche nach einem ‚labilen Gleichgewicht‘ zwischen dem, was da ist, und dem, was hinzugefügt wird.“ (S. 30)

Insgesamt ist dies ein profunder Einblick in die Herangehensweise, Planung und Realisierung von Wohnungsbauten eines der erfolgreichsten Schweizer Büros der Gegenwart. Gerade das Interview mit Roger Diener zeigt ein breites Wissen und die Auseinandersetzung mit der jüngeren Baugeschichte, wo junge Architekten oder solche, die sich noch im Studium befinden, noch etwas für den eigenen Weg mitnehmen können.

Buch 5

Mechthild Siekmann (Hrsg.): Tatort Domplatz. Der Münster-Plan von 1609 und seine Geschichte(n). Dokumentation und Faksimile, 2., korrigierte Auflage, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2019, ISBN: 978-3-7395-1169-6, 29 EURO (D)

Dieses Buch ist das Ergebnis eines Forschungsprojektes, das seit dem Frühjahr 2009 von der Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Wilhelms-Universität e.V. unterstützt und vom Institut für vergleichende Städtegeschichte. durchgeführt und verantwortet. Fachleute aus den Bereichen Geschichtswissenschaften, Kunstgeschichte, Restauration und Archiv haben sich unter verschiedenen Gesichtspunkten mit der Planansicht, die den Domplatz und die angrenzenden Straßen zeigt, auseinandergesetzt. Im Mittelpunkt des Interesses steht aber das Duell zwischen zwei Männern auf dem Domplatz: Am 17.7.1607 erstach dort Dietrich von Galen, Vater des späteren Fürstbischofs Bernhard von Galen, den Erbmarshall Gerhard Morrien.

Das Buch besteht aus sieben bebilderten Essays, das den ältesten Plan der Stadt Münster und seine Provenienz vorstellt. Zu Beginn präsentiert Ralf Klötzer die Rahmenbedingungen in Münster um 1600. Dazu geht er auf die Selbstdarstellung als Metropolis Westphaliae, den Rat, die Gilden, Erbmänner, Kirchspiele, Leischaften, Jesuiten, Protestanten, das Prinzip der Stadtrechte, die Auswirkungen des Spanisch-Niederländischen Krieges und die wirtschaftlichen Verhältnisse ein. Sehr ausführlich unterzieht dann Mechthild Siekmann dem Plan eine Feinschliffanalyse und stellt seine Ebenen und Schichten mit detaillierten Bildausschnitten dar. Dabei untersucht sie einzelne Gebäude oder Monumente, gibt Straßenbeschreibungen im Plan mit Transliteration und moderner Bedeutung an und beschreibt die Topographie des Tags des Duells, den Prozess und Überlieferung mit Bezug auf den Plan.

Frank Dierkes beschreibt Prolog, Handlung und Epilog des Adelskonfliktes zwischen Galen und Morrien. Gerd Dethlefs beschäftigt sich danach mit den Gestaltungsprinzipien und künstlerischen Medien des Plans, bevor Holger Th. Gräf eine gattungsspezifische und gattungsgeschichtliche Verortung vornimmt. Die Frage, warum der älteste Stadtplan Münsters im Stadtarchiv von Bad Homburg in Südhessen, aufbewahrt wird, und die Stationen seiner Provenienz skizziert danach Astrid Krüger. Abschließend dokumentiert Matthias Frankenstein noch Etappen der Restaurierung des Plans. Im Anhang werden noch Autoren und Mitarbeiter näher vorgestellt.

Dies ist eine sehr ausführliche Zusammenfassung der Ergebnisse des Forschungsprojektes, das sich auch durch die mehr als 100 farbigen und 37 schwarz-weiß-Abbildungen auszeichnet. Nebenbei bekommt man auch einen Eindruck über die Stadtgeschichte und die soziale Struktur Münsters am Ausgang des Mittelalters.

 

 

 







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