Neuerscheinungen Erziehung und Unterricht


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24.02.20
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Agnes Habenicht: Hunde in der Sprachtherapie einsetzen. Ein Praxisbuch, 2. Auflage, Reinhardt Verlag, München 2018, ISBN: 978-3-497-028200-7, 29,90 EURO (D)

Die Logopädin Agnes Habenicht geht in diesem Buch neben rechtlichen und organisatorischen Bestimmungen auf den vielfältigen Einsatz von Hunden in der Sprachtherapie ein. Dazu präsentiert sie über 60 Übungen zur hundgestützten logopädischen Arbeit. Die in den Übungsideen erwähnten Vorlagen können als Zusatzmaterial auf einer Homepage (S. 10) heruntergeladen werden.

Das Buch beginnt mit einer Einführung in die Arbeit mit dem Therapiebegleithund. Dabei werden die Geschichte der tiergestützten Therapie, die Ausbildungssituation, die Rolle des Therapeuten und die Dreiecksbeziehung in der hundegestützten Therapie. Rahmenbedingungen wie räumliche Voraussetzungen, Tierschutz und Versicherungsrecht und Hygienevorschriften folgen danach.

Informationen über den Hund und die Ausbildung werden dann vorgestellt: Zunächst werden Begriffsklärungen vorgenommen, die Kriterien für die Auswahl des Hundes, die Ausbildungsmöglichkeiten für Hund und Hundeführer und der dafür notwendige Zeitaufwand.

Die verschiedenen Elemente des Einflusses des Therapiebegleithundes auf das Lernen und die Wirkungen des Hundes auf den Patienten werden dann behandelt. Gründe für den Einsatz des Hundes in der Sprachtherapie, dessen Grenzen, die Einführung des Hundes in die Therapie, die vier Lernmöglichkeiten des Hundes und Kommandos, die der Hund unbedingt können muss, kommen dann zur Sprache.

Dann folgen die Praxiskapitel. Zunächst werden Praxisideen für die hundegestützte Sprachtherapie vorgestellt. Nach allgemeinen Spielideen geht es um die Therapie phonetisch-phonologischer Störungen, die Therapie semantisch-lexikalischer Störungen, die Therapie syntaktisch-morphologische Störungen, die myofunktionelle Therapie, AVWS-Therapie und Legasthenietraining und Gruppenarbeit mit Kindern. Praxisideen für Erwachsene in der Stimmtherapie, Aphasie-Therapie, Dysarthrophonie-Therapie und Gedächtnistraining für Gruppen werden im nächsten Kapitel behandelt. Die in den früheren Kapiteln beschriebenen Therapiematerialien werden danach genau erklärt und die Verwendung und Herstellung von speziellem Material beschrieben.

Im Anhang findet man noch Literaturhinweise, Kontaktadressen in der BRD, Schweiz und Österreich, weiterführende Webseiten, das Beispiel eines Hygieneplanes für allgemeine Maßnahmen und Maßnahmen in Bezug auf den Hund sowie ein Sachregister.

Aus den hier beschriebenen Erfahrungen wird deutlich, dass Hunde einen positiven Effekt auf die Therapie haben können, leider gibt es zu wenige wissenschaftliche Studien, die dies endgültig verifizieren. Für viele Informationen sorgt der umfangreiche Anhang. Wie der Hund bei verschiedenen logopädischen Krankheitsbildern eingesetzt werden kann, wird ausführlich geschildert. Über grobe Kosten der Ausbildung wird leider nichts erwähnt. Es wird explizit darauf hingewiesen, dass dieses Buch nicht die Ausbildung in einer professionellen Ausbildungsstätte ersetzen kann und soll.

Buch 2

Pauen/Roos: Entwicklung in den ersten Lebensjahren (0-3 Jahre), 2. Auflage, Reinhardt Verlag, München 2020, ISBN: 978-3-497-02929-7, 19,90 EURO (D)

Das Buch möchte ein fundiertes Grundwissen zu den Themen Entwicklung, Bildung und Betreuung kleiner Kinder im Alter von null bis drei Jahren geben. Dabei stehen entwicklungspsychologische Kenntnisse im Vordergrund. Es gründet auf aktuellen entwicklungspsychologischen Forschungsergebnissen und verfolgt eine anwendungsorientierte Perspektive.

Im ersten Kapitel geht es um die Grundlagen des psychologischen Entwicklungsprozesses des Kindes. Dabei wird herausgestellt, dass von Geburt an Säuglinge über verschiedene Lernmechanismen verfügen, über die sie ihre Umwelt erschließen und wahrnehmen. Die ersten Lebensjahre geben viele Möglichkeiten, Kindern Anregungen zu geben und ihre Lernumwelt passend zu gestalten.

Danach wird die Entwicklung von Kindern in den ersten drei Lebensjahren in sechs zentralen Funktionsbereichen beschrieben. In den ersten Lebensjahren verändern sich Körper und Motorik eines Kindes grundlegend. Motorische Geschicklichkeit kann durch regelmäßige Übung durch Hüpf- und Balancespiele, aber auch durch Roller- oder Fahrradfahren geschult werden. Dies wird am Anfang behandelt. Danach geht es um die Entwicklung von Wahrnehmung und Aufmerksamkeit, die in den ersten drei Lebensjahren fundamental ist. Anschließend werden kognitive Komponenten, die ein Spektrum unterschiedlicher Fähigkeiten umfassen, behandelt. Dann steht der Spracherwerb im Mittelpunkt: Dieser wird anhand von zehn Meilensteinen beschrieben. Weiterhin geht es um die emotionale Entwicklung: Dabei werden eine Definition, die einzelnen Entwicklungsschritte und die Regulation von Emotionen vorgestellt. Die einzelnen sozialen Entwicklungsschritte mit den nächsten Bezugspersonen bis zu den Beziehungen zu Gleichaltrigen kommen dabei zur Sprache.

Im dritten Kapitel geht es um das Zusammenspiel der verschiedenen Fähigkeiten, die das Kind in den ersten drei Lebensjahren erwirbt und um die Formierung einer geeigneten Umwelt zur Entwicklung dieser Fähigkeiten. Außerdem werden besonderer Risiken der frühen Entwicklung angesprochen und einige diagnostische Verfahren angerissen.

Vor den einzelnen Kapiteln gibt es Zusammenfassungen, am Ende Lernfragen und Empfehlungen von Literatur und Webseiten. Die Lösungen zu den Lernfragen kann man als Online-Zusatzmaterial unter einer im Buch angegebenen Homepage herunterladen.

Im Anhang findet man noch eine Literaturliste und ein Sachregister.

Dieses Buch kann für Praktiker und für Studenten in den ersten Semestern als Einführungsband benutzt werden; für Studenten im Hauptstudium bieten sich komplexere Werke an. Die Abfolge des Erwerbs wichtiger Komponenten wie die Fähigkeit sich zu bewegen, wahrzunehmen, zu denken, zu sprechen, Interaktionen aufzubauen, zu fühlen und sich selbst zu regulieren, wird hier ausführlich geschildert. Didaktisch ist es mit Zusammenfassungen, Lernfragen und den dazugehörigen Icons gut gemacht, und es folgt einem strukturierten Aufbau.

Buch 3 

Christoph Hamann: Fotografien im Geschichtsunterricht. Visual History als didaktisches Konzept, Wochenschau Verlag, Schwalbach 2018, ISBN: 978-3-7344-0713-0, 24, 90 EURO (D)

Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts nutzten Politiker die Fotografie, um mit einer bewussten Selbstinszenierung für sich zu werben. Die Nationalsozialisten konnten damit den „Führer-Mythos“ inszenieren und ihre Ideologie personalisieren. Die Pressefotografie brachte auch neue Bilder, die um die Welt gingen, heraus: Zum Beispiel der Kniefall vom damaligen Bundeskanzler Willy Brandt im Dezember 1970 vor dem Denkmal für die Opfer des Aufstandes im Warschauer Ghetto, das in der BRD im Zusammenhang mit der Ostpolitik Brandt heftig diskutiert wurde.

In diesem Band wird für die Sekundarstufen I und II detailliert gezeigt, wie diese Bilder für den Geschichtsunterricht erschlossen werden können und man mit einem kreativen Zugang und digitalen Hilfsmitteln eine Sensibilisierung und Annäherung an die Perspektivgebundenheit und Manipulierbarkeit von Fotografien erreichen kann. Er versammelt über 30 Fotografien von Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Jedes dieser Bilder wird einzeln in einer Gesamtschau analysiert und interpretiert. Dabei kommt folgender Systematik zum Tragen: Auf eine Beschreibung folgen die Einordnung in den historischen Kontext sowie Interpretationsangebote und Anregungen für konkrete Unterrichtspraxis. Zu jedem Bild sind begleitende Quellen unterschiedlichster Art abgedruckt, die zahlreiche verschiedene Einsatzmöglichkeiten erschließen. Eine Sammlung von Methoden des historischen Lernens mit Fotografien rundet den Band ab.

Fotografien sind historische Quellen, die einer kritischen Analyse und Interpretation bedürfen und sollen nicht nur zur Illustration und Visualisierung von Ereignissen oder Handlungen dienen dürfen. Die Beiträge dieser Ausgabe geben dazu vielfältige methodische Anregungen und zeigen handlungsorientierte Verfahren der Arbeit mit Fotografien auf. Die hier gezeigten Bilder repräsentieren die unterschiedlichsten Zeiten und Begebenheiten, zeigen totalitäre und demokratische Systeme und sind in ihren Analysen sehr praxisbezogen. Die vielfältigen Möglichkeiten der digitalen Manipulation von Bildern in der Gegenwart hätten allerdings ausführlicher erörtert werden müssen.

Buch 4

Reiner Becker/Sophie Schmitt (Hrsg.): Beratung im Kontext Rechtsextremismus. Felder – Methoden – Positionen, Wochenschau Verlag, Frankfurt/Main 2019, ISBN: 978-3-734-40607-2, 39,90 EURO (D)

Mobile Beratung im Kontext Rechtsextremismus unterstützt Menschen in Kommunen, zivilgesellschaftlichen Bündnissen, Schulen, Sportvereine oder Familien im Umgang mit extrem rechten und menschenfeindlichen Tendenzen. Der Sammelband dokumentiert den aktuellen Wissensstand und die diskursiven Positionen und Handlungsfelder.

In der Einführung wird Rechtsextremismus definiert und sein Einstellungspotential in der BRD gezeigt. Danach werden in einem Essay Ursprünge und Entwicklung der Mobilen Beratung beschrieben und die Grundlagen und Spannungsfelder skizziert.

Im ersten Teil wird auf typische Arbeitsbereiche der Mobilen Beratung eingegangen. Sie richtet sich an Einzelpersonen oder Organisationen und findet als Beratung in Kommunen, zivilgesellschaftlichen Bündnissen, im Kontext von Flucht und Asyl, in der Schule, in Sportvereinen sowie in der Familie statt. Zunächst geht es um das Beratungsfeld Kommunen. In einem ersten Beitrag wird gezeigt, dass Virulenz und Form des Phänomens in lokalen Kontexten von einem Ursachenbündel ausgeht, wo regionale Unterschiede deutlich werden. Dies wird an zwei folgenden Beispielen aus Hessen und Ostdeutschland klar.

In dem folgenden Beratungsfeld Schule wird erläutert, welche Erscheinungsformen Neonazismus und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit an Schulen annehmen können und welche Beratungsanlässe und Zugangsbedingungen es für die Mobile Beratung gibt.

Das nun diskutierte Forschungsfeld Sport gibt einen Überblick über Rahmenbedingungen, Charakteristika, Möglichkeiten und Grenzen der Beratung von Sportvereinen. Das letzte hier vorgestellte Forschungsfeld Familie wird illustriert, dass die Unterstützung von Familienangehörigen im Rahmen von Ausstiegsprozessen durch die Mobile Beratung ein wichtiges Potential darstellt. Gleichzeitig werden aber auch Grenzen der Arbeit deutlich gemacht.

Im zweiten Teil des Buches geht es um die Methoden. In einem Beitrag werden systemische Grundlagen, zahlreiche Methoden und Techniken sowie Vorgehensweisen der Beratungsarbeit vorgestellt.

Der dritte Teil beschäftigt sich mit einer reflexiven Perspektive auf die Mobile Beratung. Dabei wird der systemische Ansatz diskutiert. Verschiedene Autoren legen Pro und Contra sowie die Grenzen des systemischen Ansatzes dar. Stattdessen werden ein menschenrechtsorientiertes und ein ethisches Konzept der Mobilen Beratung vorgeschlagen. Außerdem gibt es einen Beitrag aus der Perspektive der Sozialarbeit in der Arbeit mit extrem rechten Jugendlichen.

Die Mobile Beratung will Grundlagen und Voraussetzungen für ein vielfältiges, gleichberechtigtes und demokratisches Zusammenleben aller Menschen schaffen. Dabei sind Ausformungen extrem rechter Ideologie und Taten in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich ausgeprägt. Aus den Beiträgen wird deutlich, dass auch Sozialarbeit mit zu ihren Aufgaben zählt, was differenzierte Kenntnisse erfordert.

Dies ist eine erstmalige gelungene Reflexion über eine junge Profession und Einrichtung, die Grundlagen ihrer Arbeit, praktische Erfolge aber auch Grenzen deutlich benennt. Am Ende des Buches wäre ein Ausblick für die zukünftige Ausgestaltung der Arbeit der Mobilen Beratung wünschenswert gewesen. Auch eine Positionierung dezidiert zu antirassistischer Pädagogik wäre wünschenswert gewesen.

Buch 5

Christiane Bertram/Andrea Kolpatzik (Hrsg.): Sprachsensibler Geschichtsunterricht. Von der Theorie über die Empirie zur Pragmatik, Wochenschau Verlag, Frankfurt/Main 2019, ISBN: 978-3-7344-0856-4, 24,90 EURO (D)

Die Bedeutung von Sprache für den Geschichtsunterricht wird immer wieder hervorgehoben, die Bedeutung von Sprache als Gegenstand der geschichtsdidaktischen Agenda ist evident. Unter den Prämissen von Mehrsprachigkeit und Heterogenität im Klassenraum und der Bedeutung von Sprache im Fach Geschichte wird das Thema Sprachsensibler Geschichtsunterricht theoretisch beleuchtet, anhand empirischer Forschungsarbeiten vertieft und bezogen auf die unterrichtliche Praxis konkretisiert. Dieser Band ist Ergebnis einer Fachtagung des Arbeitskreises „Empirische Geschichtsunterrichtsforschung“ der Konferenz für Geschichtsdidaktik (KGD).

Dabei werden drei miteinander verwobene Perspektiven unterschieden, die sich auf die Zielsetzung des Geschichtsunterrichts und auf die rezeptiven und produktiven Sprachhandlungen beziehen. Erstens geht es um Überlegungen zur Bestimmung und Förderung der narrativen Kompetenz der Lernenden. Zweitens werden die Herausforderungen des dem Unterricht zugrundeliegenden sprachlich anspruchsvollen Materials und Möglichkeiten der Unterstützung der Lernenden in den Blick genommen werden. Drittens werden Unterstützungsangebote im Hinblick einer Sprachbildung gefordert.

Der Tagungsband wird von den Herausgeberinnen durch grundlegende Überlegungen über sprachsensiblen Geschichtsunterricht eingeleitet. Zwei Beiträge beschäftigen sich dann mit der Ausbildung eines reflektierten Geschichtsunterrichts als Zielsetzung. Michele Barricelli geht in seinem Beitrag auf die theoretischen Grundlagen des sprachlich vermittelten historischen Lernens ein. Mirka Mainzer-Murrenhoff geht der Frage nach, mit welchen sprachlichen Mustern Schüler beim Interpretieren einer Quelle ihre Denkkonzepte abbilden. Anschließend steht das Material im Geschichtsunterricht (Quellen und Darstellungen) im Mittelpunkt. Benjamin Siegmund stellt sprachliche Hürden im Geschichtsunterricht aus sprachwissenschaftlicher Perspektive dar. Olaf Hartung behandelt in seinem Beitrag sowohl die Bedeutung von Gattungen als auch deren Stellenwert für Schüler im Geschichtsunterricht. Danach geht es um das Oberthema Unterrichtskommunikation: Sebastian Barsch stellt vor, wie in der Sonderpädagogik Leichte Sprache oder Gebärdensprache sowie Potentiale des CLIL-Ansatzes genutzt werden können, um historisches Lernen zu unterstützen.  Sven Oleschko behandelt die Wichtigkeit der Sprachbildung um Geschichtsunterricht und fordert von Lehrern, gezielt Sprachbildung anzubieten. Die Anforderungen eines argumentativen historischen Essays und die auftretenden Schwierigkeiten werden dann von Marcel Mierwald und Nicola Brauch behandelt. Annika Stark geht dann noch auf Perspektivensensibilität innerhalb des Geschichtsunterrichts ein.

Wie sich diese Herausforderungen in der Geschichtslehrerausbildung und in der Unterrichtspraxis konkret vermitteln lassen, wird danach erörtert. Matthias Sieberkrob stellt dabei die Ergebnisse seiner Dissertation über die Planungskompetenzen von Studierenden für die Umsetzung eines sprachbildenden Geschichtsunterrichts vor. Katharina Grannemann und Sven Oleschko behandeln die Möglichkeiten der Annäherung von Sprachbildung im Unterricht schon im Vorbereitungsdienst für zukünftige Lehrkräfte. Christiane Bertram und Doreen Bryant präsentieren dann ein kombiniertes Aus- und Fortbildungskonzept mit der dramapädagogischen Methode. Andrea Kolpatzik stellt dann ein sprachsensibles Unterrichtsvorhaben zu NS-Propaganda zur Diskussion. Im letzten Beitrag werden dann von Christiane Eckerth und Mario Resch  die zentralen Ergebnisse der Abschlussdiskussion dokumentiert.

Probleme und Perspektiven sprachsensiblen Geschichtsunterrichts werden in diesem Band auf theoretischer, empirischer und unterrichtspragmatischer Ebene differenziert diskutiert. Er stellt den aktuellen Forschungsstand und Leitfragen dar, das Thema von Sprache und historischem Lernen ist im Augenblick nicht genügend in der Geschichtslehrerausbildung integriert, so dass hier auch eine stärkere Fokussierung die Grundvoraussetzung ist.







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