Neuerscheinungen Kunst und Mode


Bildmontage: HF

22.02.20
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Lee Shulman: Midcentury Memories. The Anonymus Project, Taschen, Köln 2019, ISBN 978-3-8365-7584-3, 40 EURO (D)

Lee Shulman hat sich einem besonderen Projekt verschrieben: Er seit 2016 auf Flohmärkten und Internetplattformen private Diasammlungen aufgekauft und diese nach subjektiv bewahrenswerten Kriterien durchgesehen. Ab dem Punkt, wenn niemand mehr die Dargestellten kennt, werden die Erinnerungen an vergangene Zeiten entsorgt. Das Dia hat dabei aufgrund des begrenzten Platzes auf dem Rahmen die besten Voraussetzungen dafür, in der Anonymität zu verschwinden. Im Vorwort heißt es: „Das Anonymous Project greift unser aller Schicksal voraus. Die Bilder, die uns am Strand oder in der Küche oder am Steuer zeigen, werden letztendlich von unserer Biografie losgelöst existieren. In kürzerer Zeit, als viele von uns sich wohl vorstellen wollen, werden unsere Namen verschwinden, selbst wenn die Bilder von uns als fortan Namenlose überdauern.“ Das Buch erscheint gleichzeitig  auf Englisch, Deutsch und Französisch.

In ungeheurer Detailarbeit hat er insgesamt 700 000 Aufnahmen durchgeschaut und von diesen 10 000 ausgewählt. 200 davon werden in diesem Buch gezeigt. Es sind ausnahmslos private Aufnahmen, vordergründig unspektakulär im Motiv und erst die Projektion des Betrachters bringt sie ins Leben zurück. Sie sind im Zeitraum zwischen 1960 und 1980 aufgenommen worden, daher Midcentury Memories. Die meisten davon stammen aus den USA einige wenige auch aus Europa.

Viele davon sind Familienbilder, die quer die Erinnerungen an ein Leben widerspiegeln: Die einzelnen Mitglieder der Familie, Freunde, auf Festen, an Weihnachten, auf Partys Hochzeiten; Büropartys, bei der Besichtigung von Nationalparks oder dem Urlaub am Strand sind dabei zu sehen. Erinnerungswürdige Momenten wie Geburten, ein Kind in einem Cowboy-Outfit, ein neues Auto oder Farbfernsehgerät, Angeltouren oder einfach nur Zeichen der Liebe finden sich auch. Der Lauf der Zeit wird durch die Erzählung des Buches unterstrichen, die mit Szenen aus der frühen Kindheit beginnt und mit dem Alter endet, mit allen Lebensabschnitten dazwischen.

Keines der Fotos macht Angaben zu Entstehungszeit und Ort, das bleibt Aufgabe der Phantasie des Betrachters. Auch biografische Angaben werden bewusst unterlassen, auch wenn die Fotografen in wenigen Fällen namentlich bekannt sind.

Ein Interview im Anhang, welches Reuel Golden mit Lee Shulman führte, verrät einiges über seine Motivation, diesen Bildband zusammen zu stellen. ist im Anhang zu finden. Dieses hätte besser nach dem Vorwort abgedruckt werden sollen und sollte durchgelesen werden. 

Diese bei allen möglichen Gelegenheiten aufgenommenen Bilder sind auf den ersten Blick befremdlich, da man zu keiner der Personen eine Beziehung hat. Sich diese Leben und die möglichen Geschichten vorzustellen, die hinter den Bildern stecken, macht das Projekt aber zu einer spannenden Reise in unsere Vergangenheit.

 

Buch 2

Goya, Fragonard, Tiepolo. Die Freiheit der Malerei, Hirmer, München 2019, ISBN: 978-3-7774-3344-8, 45 EURO (D)

Das 18. Jahrhundert war eine Blüte- und Umbruchszeit der europäischen Kunst, die so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Francisco José de Goya y Lucientes (1746–1828), Jean-Honoré Fragonard (1732–1806) und Giovanni Battista Tiepolo (1696–1770) hervorgebracht hat. Mit der Ausstellung „Goya, Fragonard, Tiepolo. Die Freiheit der Malerei“, die vom 13.12 2019 bis 13.4 2020 zu sehen ist, präsentiert die Hamburger Kunsthalle Goya, Fragonard, Giovanni Battista und Giovanni Domenico Tiepolo und sein Sohn Giovanni Domenico Tiepolo (1727-1804) als Vor- und Wegbereiter der Moderne, indem sie das Schaffen der Künstler zum ersten Mal in den Kontext stellt, in deren Werken die Umbrüche und Befreiung von Konventionen in der Mitte des 18. Jahrhunderts bereits nachzuvollziehen sind. Sie reagierten mit ihrer Kunst auf die weltanschaulichen, politischen und gesellschaftlichen Umbrüche des 18. Jahrhunderts. Sie entwickelten eine radikalere Formensprache und veränderten die Malerei durch ihren Wandel der künstlerischen Normen und ihre innovativen wie ungewöhnlichen Konventionsbrüche. Dabei werden rund 150 bedeutenden Gemälden und Graphiken, versammelt aus den wichtigen nationalen und internationalen Museen präsentiert.

Dies ist der offizielle Katalog zur Ausstellung. Anhand von zehn Essays werden der Stilwandel und die Umbruchphasen der westeuropäischen Malerei deutlich. Dabei wird dieser Prozess einen Zusammenhang mit der unterschiedlichen künstlerischen Schaffensphasen der vier Künstler gestellt, ebenso werden politische, gesellschaftliche und geistige Hintergründe dieser Zeit beleuchtet. Die Abkehr von der traditionellen Malweise hin zu individuellerem Ausdruck, zu mehr Reflektion, zu mehr Atmosphäre und einer neuen Bildsprache wird anhand einzelner Werke deutlich.

Diese wurde von den einzelnen Künstlern auf verschiedene Weise interpretiert. Goyas Kunst ist die der intensiven Beobachtung der Natur und des menschlichen Verhaltens, wobei seine Motivwahl für die Zeit revolutionär war. Fragonard ist als bedeutender Vertreter des Rokoko in Frankreich, der sinnliche und atmosphärische Bilder mit einer Betonung der farblichen Elemente bevorzugte. Die Gemälde und Fresken Tiepolos und seines Sohnes in und außerhalb Venedigs wie das Deckengewölbe der Würzburger Residenz waren zwar noch dem Barock verhaftet, wiesen aber gleichzeitig durch seine Lust an neuen Elementen darüber hinaus. Die unterschiedlichen Künstler verbinden das Streben nach künstlerischer Freiheit und das Experimentieren mit innovativen Bildsprachen und künstlerischen Ausdrucksformen miteinander.

Sie bildeten keine Schule oder waren durch dieselben kunsttheoretischen Schriften inspiriert. Sie sind sich niemals persönlich begegnet und hatten auch keinen schriftlichen Austausch. Die Werke der jeweils anderen waren durch Reisen in die Kunstmetropolen jedoch bekannt. Fragonard hielt sich zwischen 1756 und 1761 in Italien auf, Goya besuchte Italien und Frankreich, Giovanni Battista Tiepolo wirkte zusammen mit seinem Sohn Giovanni Domenico in Madrid am Hofe des spanischen Kaiser Karls III.

Im Katalogteil werden die einzelnen Werke in verschiedene Gattungen eingeteilt und präsentiert. Im opulenten Anhang findet man die Künstlerbiografien, ein Verzeichnis der ausgestellten Werke, eine ausgewählte Bibliographie und ein Autorenverzeichnis.

Die Konzeption der Ausstellung, so unterschiedliche Künstler und Stile zusammenzubringen, wirkt auf den ersten Blick irritierend. Auf den zweiten Blick wird vor allem durch die informativen Essays deutlich, was diesen Künstlern und ihren Stilen Gemeinsames anhaftet. Die Konventionsbrüche und das Neue in ihrem künstlerischen Schaffen werden individuell herausgearbeitet und dann in Verbindung gesetzt. Ob sie nun Wegbereiter der Moderne sind, ist eine Frage der Anschauung: Die Wandlungen in der Kunst kann man sowohl Mitte des 18. Jahrhunderts als auch nach der Französischen Revolution verorten.

 

Buch 3

Kyoto Costume Institute: Geschichte der Mode vom 18. Bis zum 20. Jahrhundert, Taschen, Köln 2019, ISBN: 978-3-8365-7788-5, 50 EURO (D)

Das 1978 gegründete Kyoto Costume Institute (KCI) hat sich auf die Sammlung und Erhaltung historischer Mode spezialisiert. Es gehört zu den führenden Zentren der Modeforschung und betrachtet Kleider aus einem soziologischen, historischen und künstlerischen Blickwinkel. Es hat ein breites Spektrum an historischer Oberbekleidung, Unterwäsche, Schuhen und Accessoires vom 18. Jahrhundert bis zum heutigen Tag zusammengetragen und beherbergt inzwischen eine der umfassendsten Kostümsammlungen der Welt.

Verschiedene Autoren des Kyoto Costume Institutes beleuchten in diesem Buch die letzten drei Jahrhunderte der Mode vor dem Hintergrund, dass Kleider „eine essenzielle Manifestation unserer Existenz“  Gezeigt werden hochwertige Fotografien von fachkundig an speziell angefertigten Schaufensterpuppen drapierten Kleidungsstücken.

Das Buch beginnt mit einer Einleitung, in der die Arbeit des KCI und ihre Exponate vorgestellt werden. Danach stellen vier Kapitel Entwicklungslinien der Mode dar. Jedes dieser Kapitel wird durch eine Einführung in Stile und historische Ereignisse eingeleitet. Danach folgen die einzelnen Exponate, die mit Designern oder Labels versehen sind und eine Beschreibung enthalten. Meist sind die Exponate auf einer Seite abgebildet.

Im ersten Kapitel wird die Mode im 18. Jahrhundert präsentiert. Dabei wird näher auf die Damenmode des Rokoko, die Eleganz in der Herrenmode, Chinoiserie, Indienne (bemalter oder bedruckter Baumwollstoff aus Indien) und die Wandlung in der Ästhetik der Mode nach der Französischen Revolution eingegangen. Bei den Kleidungsstücken findet man unter anderem Kleider, Schuhe, Korsetts und Abendgarderoben versehen mit zeitgenössischen Bildern (Watteau usw.).

Anschließend geht es um die Mode im 19. Jahrhundert mit dem Empirestil, Hofkleidung, dem Stil der Romantik, Krinolinmode, der S-Linie, Unterkleidung, Konfektionskleidung, Kleidung für Sport und Erholung, Japonismus und die Pariser Mode. Begleitet von Gemälden von Ingres oder Manet sieht man dann unter anderem Abendkleider, Tageskleider, Details von Kleiderdrucken, Reitanzüge, Brautkleider oder Hüte.

Weiter geht es mit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit den Merkmalen des wachsenden Einflusses der Haute Couture, der Abkehr vom Korsett, der Frauenemanzipation, der Verbindung von Kunst und Mode und der Niedergang der Mode im 2. Weltkrieg. Exponate wie militärische Kleidung, Plateauschuhe, große Hüte, Tagesensemble, Turbane oder Abendumhänge werden gezeigt.

Es folgt die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Entbehrungen in der unmittelbaren Nachkriegszeit, der Ära des Massenkonsums ab den 1960er Jahren, das Wiederaufleben der Pariser Haute Couture, Pret-a-Porter und Power Dressing werden näher behandelt. Zu sehen sind unter anderem Hosenanzüge, Hippie- und Folkloremode, Jeans, Minirock, Pumps, Pullover, Sandalen und Körperschmuck.

Danach werden die im Buch erwähnten Modeschöpfer und Modehäuser in alphabetischer Reihenfolge und einer Kurzcharakterisierung vorgestellt. Dem folgen noch ein Glossar mit Verweisen untereinander und ein Namensregister.

Hier handelt es sich um eine Geschichte der westlich orientierten Mode durch drei Jahrhunderte, es ist keine Geschichte der weltweiten Mode. Dabei wird die Entwicklung der Mode in ihrem historischen Kontext immer mit gesellschaftlichen Positionen und Werten verbunden. Hier stehen allerdings die Stile und Modelle der gehobenen Klassen im Mittelpunkt, die Kleidung der breiten Masse findet eher wenig Beachtung.

Es werden Arbeiten von bekannten Modeschöpfern, darunter auch zeitgenössische, wie Charles Frederick Worth, Mariano Fortuny, Gabrielle Chanel, Sonia Rykiel, Yves Saint Laurent oder Jil Sander gezeigt. Die Ästhetik der einzelnen Exponate wird durch großformatige tolle Abbildungen verdeutlicht. Leider fehlt am Ende ein Literaturverzeichnis zum selbständigen Weiterlesen.

 

Buch 4

Marianne von Manstein/Bernhard von Waldkirch: Wilhelm Leibl. Gut sehen ist alles, Hirmer, München 2019, ISBN: 978-3-7774-3386-8, 39,90 EURO (D)

Wilhelm Leibl (1840-1900) gilt als der bedeutendste Maler des Realismus und eines reinmalerischen Stils in Deutschland sowie als Wegbereiter der Moderne.

In der Schweiz und Österreich ist eine groß angelegte Ausstellung mit dem Schwerpunkt auf Bildnissen und Figurendarstellungen Leibls zu bewundern. Die Ausstellung ist im Kunsthaus Zürich vom 25.10.2019 bis zum 19.1.2020 und in der Albertina in Wien vom 31.1. bis zum 10.5. 2020 zu sehen. Dies ist der offizielle Katalog der Ausstellung.

Neun Essays führen zunächst in die Hintergründe seine künstlerischen Leben, seines Stils und dessen Charakteristika ein. Marianne von Manstein stellt zunächst Grundlagen seiner Kunst vor, die sie zwischen Tradition und Moderne verortet. Schon als junger Künstler setzte er sich unmittelbar mit dem auseinander, was ihm direkt vor Augen stand. Als Motive suchte er sich hauptsächlich seine Familie und Freunde aus. Er setzte sich mit der Kunst der Alten Meister, vor allem der niederländischen Kunst auseinander. Mit der Zeit entstand eine Nähe zwischen Leibl und dem französischen Künstler Gustave Courbet, das jedoch zu unabhängigen Ergebnissen führte. Verbindungslinien werden ebenfalls zu Èdouard Manet gezogen. Beide vereinten die Ablehnung der offiziellen, akademischen Kunst, das Naturstudium und die Alla-Prima-Malerei.

Danach beschäftigt sich Bernhard von Waldkirch mit Leibl und dem Bauerngenre. Seine Bilder mit ländlichen Figuren entstanden vorwiegend in den lokalen Bauern- und Wirtsstuben. Dabei legte Leibl Wert darauf, dass nichts hinzugefügt und erfunden werden sollte, was den ursprünglichen Natureindruck verfälschen könnte. Derselbe Autor geht danach auf Leibls Licht- und Raumgestaltung sowie seine bildimmanente Qualität ein. Thomas Ketelsen und Janina Majerczyk präsentieren dann Leibls mit Kohle gezeichnete Schwarz-Weiß-Malerei, die sich durch eine Konzentration auf die Herausarbeitung spezifischer Lichtsituationen auszeichnete, der Details der Gesamtwirkung untergeordnet wurden. Seine Selbstbildnisse quer durch seine Schaffensperiode analysiert Monique Meyer. Jonas Beyer zeigt danach Parallelentwicklungen im Werk von Leibl und Edgar Degas auf und spricht von einer Wahlverwandtschaft der beiden Maler. Leibls Beziehungen zu den ungarischen Malern Pal Szinyei Merse und Mihaly Munkascy und zu dem Museum der Schönen Künste in Budapest wird von Zsuzsa Gonda herausgearbeitet. Marianne von Manstein beschäftigt sich in einer kurzen Rezeptionsgeschichte mit dem Leibl-Kreis und seiner Kunst als Vorbild für nachfolgende Künstlergenerationen. Zum Schluss geht Bernhard von Waldkirch noch auf die Wirkung Leibls auf die Schweizer Künstler Max Buri und Alberto Giacometti ein.

Danach folgt der Tafelteil mit 114 Exponaten. Die Bilder werden jeweils auf einer ganzen Seite gezeigt. Zahlreiche von ihnen sind Originalzitate Leibls oder seiner Zeitgenossen beigefügt.

Im Anhang findet man eine Liste der ausgestellten Werke, eine Kurzbiografie mit kleinen Bildern, eine Bibliografie, die Anmerkungen sowie Informationen zu den Autoren des Bandes.

Leibls Malweise entwickelte sich von der Akademiemalerei mit detailgetreuer Abbildung antiker Vorbilder zu den zwei Hauptströmungen, der Leichtigkeit der Pinselzüge eines Eduoard Manets und der Temperatechnik mit dicht geschlossener Oberfläche und strenger Plastizität. Dies wird sowohl in den Essays und den großformatigen Exponaten deutlich. Die Grundzüge seiner Kunst und auch Teile der Rezeptionsgeschichte werden in diesem Katalog gut herausgearbeitet, nur über ein Kapitel über die Periode des Realismus aus internationaler Sicht fehlt dabei.

Buch 5

Die Fäden der Moderne. Matisse, Picasso, Miro … und die französischen Gobelins, Hirmer, München 2019, ISBN: 978-3-7774-3456-8, 39,90 EURO (D)

In enger Verbindung zwischen Künstlern und Webern entstanden in den Manufacture des Gobelins und weiteren französischen Werkstätten nicht nur Tapisserien, sondern auch Möbel und Bodenteppiche von herausragender Qualität. Die Publikation erscheint anlässlich der gleichnamigen Ausstellung in der Hypo-Kulturstiftung München vom 6.12.2019 bis zum 8.3.2020 und in der Kunsthal Rotterdam von 28.3. bis zum 1.6.2020. Die Ausstellung versammelt Meisterwerke der Tapisseriekunst des 20. und 21. Jahrhunderts aus der Manufacture des Gobelins, der Manufacture de Beauvais und der Manufacture de la Savonnerie und stellt die Frage nach dem Stellenwert der Tapisserie in der Gegenwart.

Sechs Essays zu verschiedenen Themen führen in die Hintergründe ein, dazwischen werden im Katalogteil 63 ausgewählte Stücke gezeigt.

Im ersten Beitrag schildert Mari-Helene Massé-Bersani die Stufen des Herstellungsprozesses in den französischen Manufactures. Dabei werden die Vorbereitung, die Auswahl der Farben, und die Webtechniken vorgestellt. Danach präsentiert Thierry Sarmant die Entwicklung von den königlichen Manufakturen bis hin zu den Nationalmanufakturen. Die im 17. Jahrhundert gegründeten Manufakturen produzierten in erster Linie im Dienst des Königs mit dem Ziel, sowohl den Ruhm des Monarchen zu mehren als auch das internationale Ansehen der französischen Luxusgüterindustrie zu steigern. Der nächste Beitrag von Carina Kaminski stellt die enge Verbindung zwischen dem Medium der Tapisserie und herrschaftlichen sowie staatlicher Repräsentation heraus. Gerald Remy beschäftigt sich dann mit den politischen Symboliken der Tapisserien vom nationalen Gedanken an den 1. Weltkrieg bis hin zur Glorifizierung des Vichy-Regimes 1943.

Nach dem 2. Weltkrieg stieg die Häufigkeit und Beliebtheit der Tapisserie als künstlerisches Medium der Abstraktion. Die wachsende Bedeutung der modernen Tapisserie hatte zur Folge, dass sich zahlreiche Künstler dafür interessierten. Dies ist Gegenstand des Beitrages von K.L.H. Wells. Lucile setzt sich noch mit den zeitgenössischen Werken in den französischen Manufakturen auseinander, Für die zeitgenössischen Künstler stellt die Natur weiterhin eine der Hauptinspirationsquellen dar, außerdem reflektieren viele von ihnen auch das Medium der Tapisserie selbst und die spezifische Materialität dieser Werke.

Im Katalog wird das entsprechende Exponat auf einer Doppelseite vorgestellt. Auf der einen ist das Exponat abgebildet, auf der anderen Seite gibt es Informationen zum Künstler, Titel, Jahr, Manufaktur, Größe, verwendete Stoffe, Ausstellungsort und eine Beschreibung mit Literaturangabe  bei einer Übersetzung der französischen Werknotiz.

Im Anhang findet man eine Literaturliste, einen Künstlerindex und einen Bildnachweis.

Dieser Band beleuchtet textile Meisterwerke der Tapisserie von 1918 bis heute von nahezu unbekannten Künstlern auch von bekannten wie Henri Matisse, Pablo Picasso, Joan Miro oder Sonia Delaunay, die damit eher nicht in Verbindung gebracht werden. Diese eigenständige Gattung an Kunst und Kunsthandwerk der letzten hundert Jahre wird so wieder in den Mittelpunkt gestellt und die verschiedenen Entwicklungslinien ausführlich analysiert. Die großformatigen Abbildungen zeigen dabei viel Detail der einzelnen Exponate. Die negativen Seiten der Vereinnahmung von Kunst durch Politik und Macht wird an manchen Stücken leider auch deutlich.

 







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