Neuerscheinungen Natur und Tier


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10.06.19
KulturKultur, Umwelt, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Gerda Holzmann: Gesunde Wildkräuter aus meinem Garten. Erkennen-Vermehren-Nutzen, 2. Auflage, Löwenzahn Verlag, Innsbruck 2018, ISBN: 978-3-7066-2635-4, 27,90 EURO (D)

In diesem Buch stellt Gerda Holzmann 30 heimische Heilpflanzen und ihre positive Wirkung auf die eigene Gesundheit vor. In den Pflanzenbeschreibungen werden Bestimmungsmerkmale, Sammelzeitpunkte, Vermehrungsarten und Verwendungsmöglichkeiten sowie historisches Wissen beschrieben. Außerdem enthält das Buch Rezepte für Tees, Tinkturen, Wildkräutergerichte, Naturkosmetik und weiteren Aspekten für das eigene Wohlbefinden.

Im ersten Kapitel geht es um grundlegendes Wissen über Wildkräuter. Hier werden das Sammeln, das richtige Bestimmen, die Ernte im eigenen Garten und die Schritte zur Vermehrung angesprochen. Dann folgen die 30 Pflanzenbeschreibungen in alphabetischer Reihenfolge in einer einheitlichen Systematik: Die wissenschaftlichen und deutschen Namen werden genannt, es folgen Informationen über die Sammelmonate, Verwendung, Vermehrung. In einem kurzen Text wird die Pflanze beschrieben, ihre Erkennungsmerkmale, die Ernte im eigenen Garten, die gesundheitliche Anwendung und das überlieferte historische Wissen behandelt. Genaue Abbildungen der Pflanze und ein spezieller Tipp runden die Beschreibungen ab.

Danach wird noch ein Sammelkalender präsentiert. Anschließend geht es geht es um die Haltbarmachung und Trocknung der Kräuter, die Verarbeitung und das Kochen mit wilden Gewürzen, die Herstellung von Tees und Säften sowie das Räuchern und seine Hintergründe.

Im umfangreichen Anhang werden noch Bezugsquellen, Informationsquellen, die benutzte Literatur und ein Glossar präsentiert. Außerdem findet man ein Stichwortregister, ein Register nach Anwendungsgebieten und Wirkungen sowie ein Register deutscher Pflanzennamen.

Dieser Einstieg in die Kräuterkunde enthält viele historische Vermerke aus Sagen und Berichten, wo das traditionelle Wissen festgehalten wurde. Die Wildkräuter sind gut dargestellt und beschrieben, auch aufgrund der Bilder kann man die Kräuter gut zuordnen und schließlich auch vielseitig verwerten. Außerdem wird so der Verwechslungsgefahr vorgebeugt. Hervorzuheben ist der opulente Anhang, der ein rasches Nachschlagen ermöglicht und viele weitergehende Informationen bietet.

 

Buch 2

Elin Unnes: Garten-Verrückt. Lebensweisheiten und botanische Tricks von unsterblichen Gartengenies, Atlantik Verlag, Hamburg 2019, ISBN: 978-3-455-00552-3, 20 EURO (D)

Die schwedische Musikjournalistin und Gärtnerin Elin Unnes stellt hier in diesem Buch die Lebensweisheiten und botanischen Tricks von außergewöhnlichen Gärtnern der Weltgeschichte vor und zeigt, was wir von ihnen lernen können. Es wurde von Regine Elsässer aus dem Schwedischen ins Deutsche übersetzt und mit Illustrationen von Lucia Götz versehen. Sie hat sich nach längerer subjektiver Auswahl auf 40 Porträts festgelegt, die alle eins gemeinsam haben: „Sie gärtnerten oder gärtnern aus Protest – gegen Umweltzerstörung, Ungerechtigkeit, Dummheit, Hunger, Gier, Häuslichkeit, gegen Autoritäten und Mobber. Sie alle, mehr oder weniger, ökologische Anarchisten, ein Teil der friedensbewegten Armee, die in Gaias Namen zugesandt wurde. Ihre Gärten sind immer Zufluchtsorte, oft Angriffe, niemals jedoch Rückzug.“ (S. 12)

Es kommt zum Beispiel der bekannte schwedische Wissenschaftler Carl von Linné, der im 18. Jahrhundert schon schaffte, der bis zum eigentlichen Wesen der Natur zu sehen. Oder der Gärtner des französischen Königs in Versailles, Jean-Baptiste de La Quintinie (1626-1688), der exotische Obstbäume an sonnige Wände pflanzte, weil er von dem Nutzen der Sonne für Pflanzen überzeugt war. Oder der „Natur-Okkultist“ August Strindberg, der die Selbstversorgung in seinem Gartenparadies Kymmendö durchführte, und die Kunst des Pfropfens für das Gärtnern kultivierte. Diese Erzählungen werden mit praktischen Gartentipps und weiterführender Literatur versehen. Hinten im Buch werden die Gärtnerinnen und Gärtner mit Lichtbild, falls vorhanden, und Lebensdaten nochmals präsentiert.

Dieses Buch ist eine etwas andere Geschichte des Gärtnerns, wo Humor und eine lockere Erzählhaltung angenehm mit Fakten rund ums Gärtnern vermengt werden. Bekannte Persönlichkeiten wie Michelle Obama oder Claude Monet stehen dabei neben Gartenexperten aus der Geschichte wie Hildegard von Bingen, die alle etwas verrückter sind als andere und für eigene Inspirationen stehen.

 

Buch 3

Sven Herzog: Wildtiermanagement. Grundlagen und Praxis, Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2019, ISBN: 978-3-494-01714-3, 39,95 EURO (D)

Sven Herzog leitet seit 1998 die Abteilung Wildökologie und Jagdwirtschaft an der Technischen Universität Dresden und legt hier eine Zusammenfassung des Wildtiermanagements vor.

Das vorliegende Buch hat zwei Ziele: einen fachlichen Überblick über das Thema zu geben und anhand einzelner Beispiele die Zusammenhänge zwischen biologisch-ökologischen Gegebenheiten und menschlichen Anforderungen verständlich zu machen.

Wildtiermanagement ist ein Bereich des Naturschutzes und der Jagd, in dem Wildtiere und deren Lebensräume im Mittelpunkt stehen. Tätigkeitsbereiche sind unter anderem im Jagd- und Forstbereich, Raumplanung, Schutzgebietsmanagement, Landschaft- Arten- und Naturschutz angesiedelt, was hier ausführlich angesprochen wird. Auch Revitalisierung und Erhaltung von Lebensräumen gehören zu den Aufgaben eines Wildtiermanagers. Aspekte wie Bestandserfassungen, Um- und Ansiedlungen, Schutzgebiete, Verkehrswege, Notzeitfütterungen oder Präventionsmaßnahmen bei vom Aussterben bedrohten Tierarten werden ebenfalls beleuchtet. Wildtiermanagement in urbanen Räumen und unter Aspekten des Klimawandels kommt ebenfalls zur Sprache.

Es ist mit vielen Praxisbeispielen angereichert. Eines ist aktueller Natur: Mit der Rückkehr des Wolfs nach Deutschland steigt gleichzeitig der Wissensbedarf zur Ökologie und zum Verhalten dieser ehemals ausgerotteten Spezies. Um die Ausbreitung der Wolfspopulation zu verfolgen wurde das sogenannte Wolfsmonitoring eingerichtet. Neben der wissenschaftlichen Begleitung der Ausbreitung der Wölfe in Niedersachsen, stehen auch andere wissenschaftliche Fragestellungen im Fokus.

Im Anhang findet man noch ein opulentes Literaturverzeichnis, ein kurzes Kapitel über die Moderation von bestimmten Interessengruppen, einen Bildnachweis sowie ein Register.

Der Lebensraum der Wildtiere wird zunehmend durch den Menschen beeinflusst und eingeengt - daher ist ein verantwortungsvoller Umgang mit den Wildtierarten der Region vor unserer Haustür von größter Bedeutung. Dies ist ein gut gegliedertes Einführungsbuch in das Gebiet des Wildtiermanagement. Das Buch eignet sich für Jäger, Förster, Landwirte, Naturschützer, Studenten und alle, die sich mit heimischen Wildtieren beschäftigen. Auch Behörden und ggf. politische Institutionen können von den zahlreichen Praxisbeispielen lernen, vor allem beim Kapitel Wildtiermanagement in urbanen Räumen.

 

Buch 4

Stefan Bausewein/Julia Schuller: Die Weinmacher. Ein Jahr mit den fränkischen Winzern, Ars Vivendi, Cadolzburg 2018, ISBN: 978-3-869-13992-0, 35 EURO (D)

Die Designerin Julia Schuller und der Fotograf Stefan Bausewein wollen in diesem Buch jenseits von Romantisierung die Arbeitsprozesse des Winzers und das Wachstum der Reben vorstellen. Dazu begleiteten sie ein Jahr lang fränkische Winzer in über 25 Weingütern: „Von Klingenberg im Westen bis in den Steigerwald im Osten, von Hammelburg im Norden bis ins Taubertal im Süden fuhren wir unzählige Kilometer, stiegen hinauf in Frankens beste Lagen, stiegen hinab in Frankens Weinkeller, besuchten 25 Weingüter, eine Winzergenossenschaft, eine Büttnerei, eine LWG, waren beim Niederziehen, bei der Laubarbeit, der Lese und führten viele intensive Gespräche, um ein Buch zu schaffen, das für den Betrachter überraschende Einblicke in die Arbeitsprozesse der Winzer und das Wachstum der Reben gibt – und ungewohnte Perspektiven öffnen soll.“ (S. 3)

Zu Beginn des Buches ist nach einem Vorwort von Hermann Kolesch, dem Präsidenten des Bayrischen Landesamtes für Weinbau und Gartenbau, eine Karte der besuchten Weingüter zu sehen.

Danach ist das Buch gemäß den Jahreszeiten geordnet: Angefangen vom Rebschnitt im Winter, über den Frühling mit Drahtarbeiten, Niederziehen, Bodenbearbeitung und Begrünung, den Sommer mit Laubarbeiten, Traubenentwicklung und Lesevorbereitungen, den Herbst mit der eigentlichen Weinlese bis hin zum Winter mit der Kellerarbeit werden die einzelnen Arbeitsschritte bei Besuchen der verschiedenen Weingüter und Genossenschaften vorgestellt. Letztere werden auch selbst und ihre Geschichte beschrieben, ebenso kommen Verantwortliche in Interviews zu Wort. Ein Besuch bei der bayrischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchstheim wird ebenfalls präsentiert. Dies alles wird abgerundet durch zahlreiche Bilder.

Dieses Buch zeigt, wie hart und mühsam, aber auch wie beglückend die Arbeit als Winzer sein kann. Durch die Interviews und das eigene Erleben wirkt das Buch sehr authentisch und schildert durch tolle Bilder den Alltag von Winzern in Weinfranken.

 

Buch 5

Beetz/Riedel/Wohlfahrt (Hrsg.): Tiergestützte Intervention. Handbuch für die Aus- und Weiterbildung, Ernst Reinhardt Verlag, München 2018, ISBN: 978-3-497-02801-6, 44 EURO (D)

Tiergestützte Interventionen ist der Oberbegriff für alle Angebote, in denen geeignete Tiere eingesetzt werden, um diese positiven Wirkungen gezielt zur Förderung physischer, sozialer, emotionaler und kognitiver Fähigkeiten ebenso wie zur Erhöhung von Freude und Lebensqualität zu erreichen. Tiergestützte Interventionen können Raum schaffen für neue Erlebens-, Handlungs- und Verhaltensmöglichkeiten.

Dieses Handbuch beschreibt Themen, Modelle, Forschung und praktische Herangehensweisen der verschiedenartigen tiergestützten Interventionen. Zahlreiche Experten kommen hier in ihren bevorzugten Forschungsfeldern zu Wort. Das Handbuch gliedert sich in drei Teilbereiche:

Nach einem Abkürzungsverzeichnis werden zunächst die Grundlagen der Beziehung zwischen Mensch und Tier und der tiergestützten Interventionen vorgestellt: Begrifflichkeiten, die Geschichte, die Wirkmechanismen der Mensch-Tier-Beziehung, die Entstehung und Erhaltung von Gesundheit, die notwendigen Qualitätsstandards, die rechtlichen Grundlagen, ethische Dimensionen, die Abgrenzung zur Tierquälerei und zwischenmenschlicher Gewalt sowie hygienische Fragen werden behandelt.

Danach geht es um Tiere in der tiergestützten Intervention, die Anwendungsbereiche und die Besonderheiten ihrer Beziehung zu Menschen. Dabei wird in erster Linie auf Pferde und Hunde eingegangen, aber auch Katzen, Kleintiere, Lamas, Alpakas, Kamele, Farmtiere, Wildtiere und exotische Tiere kommen zur Sprache. Im dritten Teil geht es um die Praxisfelder der tiergestützten Interventionen: Dabei werden Anwendungsfelder in der Pädagogik, in der Sonder-/Heilpädagogik, der Psychotherapie, bei bestimmten Krankheitsbildern wie Demenz oder Palliativversorgung, in der Physiotherapie, Ergotherapie oder bestimmten Sonderformen wie Tierbesuchsdienste präsentiert. Die Trennung zwischen der tiergestützten Interventionen und der Funktion von Assistenzhunden wird dann erörtert, bevor noch über Fragen der Finanzierung der tiergestützten Interventionen gesprochen wird.

Die Herausgeber des Handbuches gehen zum Schluss nochmal auf die Ausweitung der Anwendungspraxis, Probleme und Fragen des Tierschutzes ein. Danach folgen noch ein Autorenverzeichnis und ein Stichwortverzeichnis.

In diesem Handbuch werden alle wesentlichen Felder abgedeckt. Die didaktischen Standards sind hoch und einheitlich gewählt: Definitionen sind extra eingerahmt, alle Beiträge enthalten eine Zusammenfassung und Literaturangaben. Beim ersten Teilbereich ist es jedoch seltsam, zunächst mit der Geschichte der tiergeschützten Interventionen zu beginnen und nicht gleich mit den Definitionen.

 

Der Jaga + Der Koch, Servus Verlag, Wals bei Salzburg 2019, ISBN: 978-3-7104-0206-7, 48 EURO (D)

In diesem Buch werden die Sphären des Jägers und des Kochs zusammengebracht. Der passionierte Jäger Christoph Burgstaller und der Koch Rudi Obauer lernten sich in diesem Experiment besser kennen und schauten über ihren eigenen beruflichen Tellerrand: „Der Jäger und der Koch haben dabei ihr reiches Wissen ausgetauscht und voneinander viel lernen können – über die Lebensart und das Verhalten der Wildtiere und über die kulinarische Veredelung und Verwertung des Wildbrets. Auch über das, was bei der Ausübung der Jagd und bei der Zubereitung guter Gerichte wirklich zählt – der Einklang mit der Natur und der behutsame Umgang mit ihren Gaben.“

Das Buch entstand in seinen wesentlichen Zügen auf Pirschgängen und Wanderungen bei Wildtierbeobachtung und bei Jagden. Dabei wird der Weg von Wildgerichten und die Beschaffung der notwendigen Zutaten bis zu der kulinarischen Verarbeitung nachgezeichnet. Dies beinhaltet das Wildbret, aber auch die heimischen Zutaten wie Pilze, Wildkräuter oder Beeren.

Das Buch enthält zwei Teile: die Vorstellung der Jagd und des Wildes sowie die Sphäre des Kochs und die dazugehörigen Rezepte.

Es beginnt mit einer Historie des Jagens und der zeitgemäßen Version eingebettet in den Kreislauf der Natur. Danach werden die verschiedenen Wildgattungen von den Raufußhühnern bis zum Steinwild vorgestellt. Anschließend geht es um die Pirsch (Rehjagd, Rotwildjagd, Niederwildjagd, Gamsjagd).

Danach folgt die Verarbeitung der Jagdprodukte durch Rudi Obauer. Zunächst wird seine Philosophie sichtbar: Gerichte mit stimmigen Zutaten aus dem Lebensraum der Wildtiere und Sinn für den Wechsel der Jahreszeiten. Danach folgt der Rezeptteil, wo in einzelnen Kapiteln Gerichte zu Federwild, Haarwild, Rehwild, Rotwild, Gamswild, Schwarzwild und spezielle Wildgerichte vorgestellt werden. Danach werden noch süße Kreationen wie Schwarzbeernocken oder Schwarzbeerschmarren mit Kompott präsentiert. Ein kurzes Schlusswort rundet das Buch ab.

Neben den ausführlichen Informationen über die Arbeit des Jägers und des Kochs sowie ihres Zusammenspiels enthält das Buch viele Bilder, die auf Pirschgängen und Wanderungen, bei Wildtierbeobachtung und bei Jagden in der freien Natur sowie der Rezepte entstanden sind. Beide Berufssparten werden ausführlich vorgestellt, die Liste der Rezepte ist vielfältig, regional und saisonal und dürfte bei Freunden von heimischem Wildbret auf gute Resonanz stoßen.

 







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