Neuerscheinungen Wissenschaft

27.12.20
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Detlef Fetchenhauer: Psychologie, 2. Auflage, Vahlen, München 2018, ISBN: 978-3-8006-5454-3, 39, 80 EURO (D)

Detlef Fetchenhauer, Professor für Wirtschafts- und Sozialpsychologie an der Universität zu Köln, möchte in diesem Lehrbuch vor allem Laien und Studenten im Nebenfach Psychologie das menschliche Denken, Fühlen und Handeln näherbringen. Es hat nicht den Anspruch, alle Themenbereiche der Psychologie umfassend darzulegen, jedoch die meisten. Dies ist die zweite aktualisierte und überarbeitete Auflage.

In den ersten vier Kapiteln geht es um die allgemeinen Grundlagen menschlichen Verhaltens wie Kognition, Emotion, Motivation und Lernen. Die nächsten drei Kapitel behandeln die Frage, was Wissenschaft vom Alltagswissen unterscheidet und warum Menschen an Dinge glauben, die wahrscheinlich nicht existieren wie Religion oder Aberglaube.

Die Unterschiede zwischen Menschen stehen danach im Mittelpunkt. Dabei geht es um Persönlichkeitspsychologie, psychische Störungen, Geschlechterunterschiede sowie um die Frage, inwiefern die Kultur, in der wir leben, unser Verhalten prägt.

Anschließend geht es um die Frage, wie man zu einer guten Entscheidung kommt und warum es Menschen oft schwerfällt, das Richtige zu tun, obwohl alle Fakten dafür sprechen. Die Selbstwahrnehmung und die Wahrnehmung der sozialen Umwelt und deren verschiedene Faktoren werden in den nächsten beiden Kapiteln vorgestellt. Danach folgen die Bedeutungen von Einstellungen, Stereotypen und Vorurteilen für unsere Wahrnehmung der Welt, das Denken und Handeln.

In den letzten drei Kapiteln geht es darum, wie unsere soziale Umwelt unser Verhalten beeinflusst. Menschen als soziale Wesen, die Bedeutung von sozialen Rollen, Normen und Status für unser Handeln und die Psychologie von Gut und Böse sind dabei Schwerpunkte.

Am Ende eines jeden Kapitels gibt es immer eine Zusammenfassung und vertiefende Literaturvorschläge.

Im Anhang findet man noch ein längeres Literaturverzeichnis, ein Quellenverzeichnis und ein Sachverzeichnis.

In diesem Lehrbuch werden nicht alle Bereiche der Psychologie abgedeckt, die meisten wie Sozialpsychologie, Persönlichkeit, Lernen, Verhalten oder Kognition aber schon. Didaktisch ist es gut aufgebaut, am Ende gibt es Zusammenfassungen und weitere Literatur, allerdings keine Fragen zur selbständigen Wissenskontrolle. Es gibt auch die Möglichkeit der Rückmeldung an ihn selbst per Brief oder E-Mail. (Vorwort)

Der Stil ist moderner als in den meisten anderen Lehrbüchern: Fetchenhauer sucht die Verbindung zum Alltag und will das Buch nicht mit einer wissenschaftlichen Fachsprache überfrachten. So gelingt ihm der Spagat zwischen flüssigen Schreiben und Wissensvermittlung, ohne jedoch ins Populärwissenschaftliche abzugleiten und den Sinn zu verstellen. Viele einleuchtende Experimente bringen dem Leser den Stoff näher. Die Ausführungen über Geschlechterunterschiede sollten an manchen Stellen aber nochmal überdacht und mit Ergebnissen der Gender-Studies abgeglichen werden.

Buch 2

Andreas Arndt (Hrsg.): Ludwig Feuerbach: Das Wesen des Christentums. Klassiker auslegen, De Gruyter, Berlin/Boston 2020, ISBN: 978-3-11-067695-2, 24,95 EURO (D)

In der von Otfried Höffe herausgegebenen Reihe Klassiker auslegen werden die bedeutendsten Werke der Philosophiegeschichte in Form kooperativer Kommentare von international renommierten Philosophen entschlüsselt und kommentiert. In diesem Kommentar geht es um die Hauptschrift Ludwig Feuerbachs „Das Wesen des Christentums“ (WdC). Hier werden alle Textabschnitte des Buches analysiert und die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte beschrieben.

Nach Hinweisen zu Zitierweise und Siglen präsentiert der Herausgeber in der Einleitung die Lebensstationen Feuerbachs, die Entstehungsgeschichte des Werkes, die drei Auflagen 1841, 1843 und 1849 sowie das ambivalente Verhältnis Feuerbachs zu Hegels Religionsphilosophie.

Walter Jaeschke arbeitet in seinem Essay die ambivalente Haltung gegenüber Hegels Religionsphilosophie heraus, die das WdC von Anfang bis Ende durchzieht. Christine Weckwerth charakterisiert das WdC in der philosophischen Entwicklung Feuerbach. Sie bezeichnet das Werk als „einen Schlüsseltext der nachhegelschen Philosophie“ (S. 31). Weckwerth stellt dessen philosophiegeschichtlichen Hauptquellen, die Eckpunkte bezogen auf die Entfaltung der Religionsproblematik und die theoriegeschichtliche Stellung des Werkes innerhalb der anthropologischen Philosophie Feuerbachs dar.

Im Folgenden stellen verschiedene Autoren jeweils in eigenen Essays Teile des Werkes und die Hauptaussagen vor.

In seinem Beitrag rückt Matthias Petzoldt drei Problemstellungen in den Mittelpunkt, die in besonderer Weise die Theologie herausfordern: die Fragen nach dem Zusammenhang von Anthropologie und Theologie, nach einem neuen Verständnis von Religion und nach dem spezifisch Christlichen. Dabei verdeutlicht er, wie vielfältig Feuerbachs Religionskritik bis heute nachwirkt und die gegenwärtige Theologie beschäftigt. Anschließend geht Christine Weckwerth auf die philosophischen Perspektiven des WdC ein. Sie arbeitet heraus, dass die Schrift bis heute als ein Abgesang auf das Christentum gilt, wobei Feuerbach in eine Reihe mit Religionskritikern wie Max Stirner. Friedrich Nietzsche oder Richard Dawkins gestellt wird. Im Folgenden diskutiert sie drei Perspektiven des Werkes: eine religionsphilosophische, eine anthropologische und eine moralphilosophische. Dabei hebt sie besonders letzteres hervor: „Ungeachtet der embryonalen Gestalt wie idealistischer Tendenzen enthält Feuerbachs Ethikentwurf, wie ich denke, durchaus anschlussfähige Theorieelemente. (…) Neben Feuerbachs Religionsphilosophie und Anthropologie sollte damit auch seiner im Wesen des Christentums angelegten Ethik wieder Gehör geschenkt werden.“ (S. 237)

Im Anhang findet man noch eine Auswahlbibliografie, ein Personenregister und Hinweise zu den Autoren des Bandes.

Hinter der Erläuterung geistert quer durch das Buch der Schatten Hegels. Die Hauptthese aller Beiträge lautet: Feuerbach präsentiert in diesem Buch weniger eine Religionskritik, sondern eine Kritik der Theologie, wobei er auf Hegels Religionsphilosophie zurückgreift. Dies wird detailliert und auf Basis der neuesten Forschung begründet. Auch die spannende Frage, was Feuerbach uns heute noch zu sagen hat, wird hinreichend beantwortet. Bei der Wirkungsgeschichte ist jedoch etwas Entscheidendes nicht genügend herausgearbeitet: Den direktesten Einfluss übte Feuerbach auf die Herausbildung der Philosophie von Karl Marx aus, nicht nur durch dieses Werk. Da wäre ein eigenes Essay über Feuerbach und Marx wünschenswert gewesen.

Buch 3

Oliver Mußhoff/Norbert Hirschauer: Modernes Agrarmanagement. Betriebswirtschaftliche Analyse- und Planungsverfahren, 5. Auflage, Vahlen, München 2020, ISBN: 978-3-8006-6225-8, 36,90 EURO (D)

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Das unternehmerische Risiko, die Liberalisierung der Agrarmärkte, neue gesellschaftspolitische Anforderungen, die Klimakrise, veränderte Verbraucherwünsche und die zunehmende Verflechtung der verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette sind die wichtigsten Stichpunkte dazu.

Dieses Buch will einerseits das theoretische-konzeptionelle Verständnis für die grundlegenden ökonomischen Strukturen der wichtigsten Entscheidungsprozesse und andererseits das handwerkliche Können im Umgang mit betriebswirtschaftlicher Analyse vermitteln.

Dies ist die fünfte aktualisierte und überarbeitete Auflage. Alle Inhalte wurden dem aktuellen Wissensstand angepasst, didaktische und redaktionelle Inhalte verbessert und die Literaturhinweise aktualisiert. Einige Neuerungen wurden ebenfalls vorgenommen: die agrarstatistischen Angaben und die gesetzlichen Regelungen aktualisiert, neuartige Finanzierungsformen wie Crowdfunding, staatliche Möglichkeiten zur Förderung des Risikomanagements, aktuelle wettbewerbsrechtliche Entwicklungen hinzugefügt und andere kleinere Ergänzungen und Präzisierungen vorgenommen.

Der Aufbau des Buches richtet sich nach zwei grundlegenden Aspekten des unternehmerischen Handelns. Einerseits sind die die Phasen des Entscheidungsprozesses (Analyse, Planung, Alternativenbewertung, Entscheidung und Durchführung sowie Kontrolle), andererseits in wichtige Managementbereiche aus den grundsätzlichen Funktionsbereichen wie Beschaffung, Produktion, Absatz und den damit zusammenhängenden Querschnittsaufgaben.

Im ersten Kapitel wird eine Einordnung der Agrarbetriebslehre als Wissenschaftsdisziplin vorgenommen und Lernziele und der Aufbau des Buches vorgestellt. Danach wird die Unternehmertätigkeit als Planungsprozess beschrieben. Dort werden im Einzelnen Ziele, Rahmenbedingungen der Agrarproduktion, Probleme und Unterstützungsinstrumente bei Entscheidungen und Faktoren für das Entscheidungsverhalten behandelt. Anschließend geht es um die Hauptinstrumente für die Kontrolle und Analyse von Unternehmen. Schwerpunkte sind dabei der Jahresabschluss mit Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung und die Leistungs-Kostenrechnung.

Die zentralen Inhalte der Produktionstheorie folgen danach, bevor die anwendungsorientierte Bestimmung des optimalen Produktionsprogramms dargelegt wird. Dort werden die Grundlagen der linearen Programmierung beschrieben, die die zentrale mathematische Grundlage zur Lösung praktischer Optimierungsprozesse ist. Weiterhin werden die finanzmathematischen Grundlagen aufgezeigt, mit deren Hilfe man Zahlungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten vergleichbar machen kann. Darauf aufbauend werden die Vorgehensweise bei der Rentabilitätsanalyse von Investitionen und die Zusammenhänge zwischen Investition und Finanzierung bei der Planung erläutert. Das Risikomanagement steht dann im Mittelpunkt: Dabei geht es um Risikoquellen, Maßnahmen zur Reduzierung von Risiken, Ansätze der Risikomessung und die Berücksichtigung von Risiko bei der Planung.

Das methodische Vorgehen bei der Taxation im Sinne der Feststellung situationsspezifischer wirtschaftlicher Werte folgt danach. Zum Abschluss wird die betriebliche Betrachtung verlassen und die Ebene der Corporate Social Responsibility, Verantwortungsethik und die gesellschaftlichen Folgen des einzelwirtschaftlichen Handels betreten.

Am Ende der jeweiligen Kapitel gibt es eine Zusammenfassung und kritische Würdigung der Inhalte sowie Hinweise auf Literatur.

Im Anhang findet man noch Tabellen finanzmathematischer Faktoren, Notation und Abkürzungen sowie ein Sachregister.

Dieses Buch enthält viele Informationen von betriebswirtschaftlichen Aspekten, die man als Leiter eines Agrarbetriebes oder ähnlichem unbedingt wissen sollte. Es ist für die Studierenden an Hochschulen, Beratungs- und Verwaltungskräfte und engagierte Praktiker zu empfehlen.

Es arbeitet viel mit Tabellen, Abbildungen und zahlreichen Beispielen und bildet den aktuellen Stand des Wissens ab. Die Schriftgröße ist allerdings etwas klein, wahrscheinlich um es zu komprimieren, was die Konzentration beim Lesen zusätzlich erhöht. Der Schwerpunkt liegt wie nicht anders zu erwarten auf dem Faktor der Rendite und des wirtschaftlichem Basisgrundlage der Deckung der Kosten und des Lebensunterhaltes, dennoch kommt die gesamtgesellschaftliche Funktion genauso wie die Verantwortung für die ökologischen Lebensgrundlagen (siehe Kapitel 9) zu kurz.

Buch 4

Fabian Lampart u.a. (Hrsg.): Daniel Kehlmann und die Gegenwartsliteratur. Dialogische Peotik, Werkpolitik und populäres Schreiben, De Gruyter, Berlin/Boston 2020, ISBN: 978-3-11-064513-2, 39,95 EURO (D)

Daniel Kehlmann gehört zu den populärsten Autoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Seine Romane „Die Vermessung der Welt" und „Tyll" waren Bestseller. Er wurde für sein Werk unter anderem mit dem Candide-Preis, dem WELT-Literaturpreis, dem Per-Olov-Enquist-Preis, dem Kleist-Preis, dem Thomas-Mann-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis ausgezeichnet. Mit steigendem Bekanntheitsgrad und kommerzieller Erfolg werden die Person und das Werk von Kehlmann kontrovers diskutiert: „Kehlmann und sein Werk lösen „offenbar (…) starke Affekte und ein ausgeprägtes Wertungsbedürfnis aus, und zwar sowohl auf Seite seiner Befürworter*innen als auch auf derjenigen seiner Kritiker*innen.“ (S. 1)

In diesem Band wird der Versuch unternommen, einen möglichst facettenreichen Blick auf den Autor Daniel Kehlmann und sein Werk zu eröffnen. Dabei soll Anlass zur weiteren Differenzierung der Diskussion um den Autor Kehlmann, sein Werk und seine Stellung innerhalb der deutschen Gegenwartsliteratur gegeben werden. Die meisten der in diesem Band versammelten Aufsätze zum Werk Daniel Kehlmanns wurden im Rahmen einer Tagung an der Universität Potsdam vom 13/14.12. 2018 diskutiert. Dabei geht es erstens um die Rekonstruktion von Kehlmanns Poetik mit dem Fokus auf den vielfältigen intertextuellen und intermedialen Bezügen. Zweitens geht es um die „Werkpolitik“, d.h. „Autor, Werk und ihre Wahrnehmung seitens der Literaturkritik und Literaturwissenschaften (…)“, (Ebd.) Drittens werden der Autor und sein Werk im Zusammenhang mit spezifischen Diskursen oder auch „Diskursreflexen der Gegenwartsliteratur (-wissenschaft)“ diskutiert. (S. 2)

Aufsätze von verschiedenen Expert*innen werden in den folgenden Kategorien präsentiert: Dialogische Poetik, „Werkpolitik“ und Populäres Schreiben. Diese Aufteilung ist dabei nicht exkludierend gemeint: Viele der Beiträge behandeln nicht nur einen einzelnen der oben genannten Aspekten, sondern eröffnen Verbindungen zu zwei oder dreien der Kategorien.

Spannend ist vor allem der Aufsatz von Michael Navratil über die zunehmende Bedeutung des Politischen in Kehlmanns jüngeren Texten, ein „Versuch einer übergreifenden Charakterisierung und Verortung von Kehlmanns politischem Schreiben im Feld der politischen Gegenwartsliteratur“. (S. 255) Dabei kommt er zu dem Schluss, dass Kehlmanns Engagement „eine Reaktion auf spezifische historische, gesellschaftliche und politische Rahmenfaktoren, welche zumindest zeitweise und in gewissen Äußerungskontexten eine öffentliche Positionierung der Intellektuellen erforderlich macht.“ (S. 278) Kehlmanns Abkehr von „einem von ihm selbst entschieden abgelehnten Modell politischer Autorenschaft“ wird dabei betont. (S. 276)

In diesem Zusammenhang stellt sich aber die Frage, ob es überhaupt Literatur ohne gesellschaftlich-politische Aussagen und Anspielungen oder interpretative Beschreibungen gab, gibt oder geben kann. Selbst das bewusste Weglassen von Wertigkeiten ist eine Aussage in diesem Sinne.

Aufschlussreich ist der Aufsatz von Michael Multhammer, der am Beispiel des Romans „Tyll“ zeigt, dass Kehlmann „eine/seine Frühe Neuzeit und damit eine Geschichte vom Dreißigjährigem Krieg“ erschafft, „die sich aus populären Stoffen und Figuren eben jener Frühen Neuzeit zusammensetzt. Er kombiniert sein Figurenarsenal aus populären Prototypen (…) und setzt so das Bild einer Epoche ins Werk, die zwar nicht historisch ist, aber gerade deshalb auf eine (fiktional transportierte) Wahrheit verweisen möchte.“ (S. 305f)

Eine kontroverse Diskussion dürfte der Beitrag von Leonhard Hartmann über Kehlmanns Verhältnis zur Philosophie, wo er feststellt, dass „die philosophische Kontextualisierung seiner Texte“ sich „partiell mit der Vermarktung und Selbstinszenierung des Autors Daniel Kehlmann“ deckt. (S. 57) Der Abschnitt über Kehmanns Inszenierungspraxis (S. 57ff) ist in diesem Zusammenhang besonders zu beachten.

In den drei Kategorien werden schwerpunktmäßig die beiden Werke „Tyll“ und „Die Vermessung der Welt“ in verschiedenen Bereichen analysiert. In die Diskussion einbezogen werden auch viele Auftritte Kehlmanns, seine Selbstdarstellungen und deren Beurteilung in (Print-)Medien, sicherlich auch ein Ausdruck der gewachsenen Medienpräsenz von Autoren im digitalen Zeitalter.

Es ist eine vielschichtige und kontroverse Darstellung über die schon umstrittene Person Daniel Kehlmann und dessen Werk. Solange er und sein Werk für kontroverse öffentliche Diskussionen sorgen, bleibt er medial präsent und im Blickfeld der Öffentlichkeit, was förderlich für sein Image und vielleicht auch die Verkaufszahlen seiner Werke ist. Dazu trägt auch dieses Buch bei.

 

Buch 5

Anja Bettenworth/Peter Schenk: Rufius Festus: Kleine Geschichte des römischen Volkes. Lateinisch –deutsch, De Gruyter, Berlin/Boston 2020, ISBN: 978-3-11-065830-9, 29,95 EURO (D)

Die Sammlung Tusculum ist die umfangreichste Buchreihe der antiken Klassiker der Weltliteratur. Diese Neuübersetzung bietet erstmals seit dem 19. Jahrhundert eine deutschsprachige Version der spätantiken Schrift Breviarium rerum gestarum populi Romani (Abriss der Geschichte des römischen Volkes). Die Schrift wurde im 4.Jahrhundert von Rufius Festus, einem Hofbeamten verfasst. Es behandelt aktuelle Probleme der Entstehungszeit, insbesondere die Auseinandersetzung mit dem Partherreich an der Ostgrenze des römischen Imperiums. Die Gattung der Breviarien bietet eine Zusammenfassung der römischen Geschichte, die auf Details verzichtet und „aufgrund ihrer Kürze bezüglich des behandelten Themas eine Auswahl treffen muss.“ (S. 16)

In der längeren Einleitung geht es um die Einordnung der Schrift und seinem Inhalt. Im Einzelnen werden der Name des Autors, die Biografie des Verfassers, die Gattung der spätantiken Breviarien, der Inhalt des Breviariums des Festus‘, seinen Quellen, Informationen zum Widmungsempfänger und zum Adressatenkreis und zur Sprache und Stils.

Dann folgen der Test und die Übersetzung. Die Übersetzung ist dem Original gegenübergestellt, die Kommentare sind ausgegliedert, was ein fließendes Lesen erleichtert und die Konzentration auf den Text erleichtert. Ein ausführlicher Kommentar zum Text Pfeile verweisen auf das Namensverzeichnis. Eine Auswahlbibliografie und ein Namensverzeichnis rundet das Buch ab.

Dies ist eine bislang fehlende Übersetzung einer Quelle aus der spätantiken römischen Zeit, die ein tieferes Verständnis für die Epoche geben. Die Kommentierung ist sehr umfangreich und besonders hervorzuheben. Sowohl Studenten als auch Wissenschaftler können von dieser Quelle profitieren.

 

Buch 6

Gebhard Borck: Die selbstwirksame Organisation. Das Playbook für intelligente Kollaboration, Business Village, Göttingen 2020, ISBN: 978-3-86980-486-6, 29,95 EURO (D)

Dieses Buch gibt eine praktische Anleitung zu einer veränderten Sicht auf Organisationen, wie sie arbeiten und wirtschaften. Der Autor stellt dabei sein Konzept der Betriebskatalyse in Form eines Playbooks vor, Unternehmen unter sich immer wieder ändernden Prämissen neu zu denken und Gestaltungsfähigkeit zu erlangen. Die Betriebskatalyse soll helfen, den organisatorischen Aufwand für Veränderung zu reduzieren. „Sie passt ihre Geschwindigkeit evolutionär den Möglichkeiten deines Betriebes an. (…) Sie stülpt dir keinen Standard über, der scheinbar überall funktionieren soll. Mit ihr behaltet ihr eure Einzigartigkeit. Genau das macht euch im Markt unterscheidbar. So entsteht wirtschaftlicher Erfolg.“ (S. 90f)

Die selbstwirksame Organisation wird folgendermaßen erreicht: „Den Alltag bekommen selbstorganisierte und selbstgesteuerte Belegschaften problemlos in den Griff. Bei Strategie- und Struktur-Themen brauchen sie Unterstützung. Wer unterstützt, hat keine Weisungsbefugnis. Das Ergebnis dieser Kombination ist eine selbstwirksame Organisation.“ (S. 199)

Im ersten Teil werden die Grundlagen beschrieben, dann folgt ein weiterer Teil, wo die Betriebskatalyse vorgestellt wird. Dabei werden vier Denkwerkzeuge (Die DNA der Firma, Entscheidungsdesign, Hausverstand, der innere Kompass) an die Hand gegeben, die der Schlüssel sind, „diesen Wechsel des Weltbildes erfolgreich abzuarbeiten“. (S. 91) Im dritten Teil geht es um die Umsetzung in der Firma. Dabei werden Methoden und Konzepte sowie vier verschiedene Ebenen vorgestellt, die für die erfolgreiche Umsetzung fundamental sind: Dies sind die Handlungsdimensionen, Entscheidungsdimensionen, Ergebnisdimensionen und Zeitdimensionen. Dann folgen noch einige Beispiele aus der Praxis bei verschiedenen Unternehmen.

Hier werden einige soziologische Theorien bemüht, um Organisationsstrukturen zu beschreiben, die eher wirklichkeitsfremd klingen und deren Umsetzung in der Praxis auch nicht präzise beschrieben wird. Stringenz ist etwas, was dem Buch fehlt: Anekdoten, Randgeschichten und unnötige Zeichnungen machen einen Teil des Buches aus, dies hätte gekürzt werden müssen. Häufig auftretende Probleme beim Umdenkungsprozess werden auch nicht ausreichend angesprochen und die Beispiele aus der Praxis sind auch nicht ausreichend. Es gibt wahrlich bessere Bücher für das Organisationsmanagement für Firmen, die eine Transformation benötigen.

 







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