Neuerscheinungen Sachbuch

25.12.20
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Christoph Jahr: Blut und Eisen. Wie Preußen Deutschland erzwang, C. H. Beck, München 2020, ISBN: 978-3-406-75542-2, 26,95 EURO (D)

„Nicht durch Reden oder Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden ..., sondern durch Eisen und Blut.“ So begründete Otto von Bismarck am 30. September 1862 im preußischen Abgeordnetenhaus die Notwendigkeit erhöhter Militärausgaben. Die drei Kriege gegen Dänemark 1864, der innerdeutsche Krieg zwischen Österreich und Preußen 1866 und schließlich der deutsch-französischen Krieg von 1870/71 waren die zentralen Eckpfeiler, wo Bismarcks militaristische Politik ungesetzt wurde. Christoph Jahr, Privatdozent am Institut für Geschichtswissenschaft der HU Berlin, analysiert die Vorgeschichte der Reichsgründung zeigt, wie groß die Widerstände waren – von Außen, aber auch im Inneren. Dabei verbindet er die Ereignisgeschichte mit den großen Trends der Zeit und die Perspektive von oben mit den Erfahrungen von unten. In den letzten Kapiteln zeigt er, wie die Reichsgründung bis heute fortwirkt.

Das Verhältnis von Österreich und Preußen war in den 1850er Jahren von Zusammenarbeit geprägt, danach wieder von Rivalität. Unterschiedliche Vorstellungen zeigten sich etwa beim Frankfurter Fürstentag 1863: Österreich und die Mittelstaaten wie Bayern wollten den Deutschen Bund als Staatenbund ausbauen, während Preußen eine bundesstaatliche Lösung bevorzugte

Infolge des Deutschen Krieges vergrößerte Preußen seine Macht erheblich. Zunächst schloss es am 18. August 1866 ein Verteidigungsbündnis mit seinen Verbündeten. Das Augustbündnis bereitete die Gründung des Norddeutschen Bundes vor. Mit den Annexionen vom Oktober 1866 verleibte sich Preußen die bereits im Krieg besetzen Gebiete offiziell ein: das Königreich Hannover, das Kurfürstentum Hessen-Kassel, das Herzogtum Nassau, die Freie Stadt Frankfurt und ganz Schleswig-Holstein. Fast ganz Norddeutschland bildete von da an ein geschlossenes preußisches Staatsgebiet. Darüber hinaus ging Preußen sogenannte Schutz- und Trutzbündnisse mit den ehemals gegnerischen süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg und Baden ein. Davon ausgenommen waren nur Österreich und Liechtenstein.

Im Inneren beendete Bismarck den seit 1862 schwelenden preußischen Verfassungskonflikt durch das Indemnitätsgesetz. Es billigte dem preußischen Landtag nachträglich das Budgetbewilligungsrecht, Bismarck dagegen Straflosigkeit für sein nicht verfassungskonformes Regierungshandeln zu. Die rechten Liberalen unterstützten die Vorlage des Gesetzes und arbeiteten eng mit Bismarck zusammen. Die linken Liberalen verblieben in der Opposition. Ebenso spalteten sich die Konservativen an der Frage, ob man Bismarck und seine Politik unterstützen sollte.

Im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 arbeiteten die beiden Großmächte wieder zusammen, zerstritten sich dann aber über die Beute Schleswig-Holstein. Preußens Politik gegenüber Österreich war nur möglich gewesen, weil Frankreich neutral blieb. Daher hatte Bismarck Napoléon III. mit vagen Versprechungen, Luxemburg eventuell Frankreich zu überlassen, dazu gebracht, diese Politik zu dulden. Nun sah sich Frankreich jedoch einem erstarkten Preußen gegenüber, das von den früheren territorialen Zusagen nichts mehr wissen wollte.

Durch preußische Provokation, dem Einmarsch ins österreichisch verwaltete Holstein wurde 1866 der deutsche Krieg Preußens gegen Österreich ausgelöst, in dem die Armeen Preußens und einiger norddeutscher Staaten gemeinsam mit Italien gegen die Truppen Österreichs kämpften, das mit den süddeutschen Staaten, unter anderen Bayern, Württemberg und Baden  sowie Hessen, verbündet war. Nach der Niederlage musste Österreich die Aufläsung des Deutschen Bundes anerkennen und hinnehmen, dass Preußen mit den Staaten nördlich der Mainlinie den Norddeutschen Bund als zunächst militärisches Bündnis  gründete. Dieser erhielt 1867 eine bundesstaatliche Verfassung. Die zuvor mit Österreich alliierten süddeutschen Staaten schlossen Schutz- und Trutzbündnisse mit Preußen ab.

Ausgelöst durch einen diplomatischen Streit um die Spanische Erfolge begann 1870 der deutsch-französischen Krieg.

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 und dem Deutschen Krieg 1866 war der Konflikt mit Frankreich der dritte und letzte der „deutschen Einigungskriege“. Auslöser des Konflikts war der Streit zwischen Frankreich und Preußen um die Frage der spanischen Thronkandidatur eines Hohenzollernprinzen. Nachdem Leopold von Hohenzollern seine Kandidatur bereits zurückgezogen hatte, stellte die französische Regierung weitere Forderungen an König Wilhelm I.: Wilhelm war nicht nur König von Preußen und Inhaber des norddeutschen Bundespräsidiums, sondern auch Haupt der Dynastie Hohenzollern. Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck informierte die Presse über den Kontakt zwischen dem König und einem französischem Botschafter auf provokante Weise („Emser Depesche“). Dies erregte in Deutschland und Frankreich nationalistische Empörung, woraufhin der französische Kaiser Napoléon III. am 19. Juli 1870 Preußen den Krieg erklärte.

Noch während seines Verlaufs traten Baden, Bayern, Württemberg und Hessen-Darmstadt dem Norddeutschen Bund bei. Damit und mit der Verfassung vom 1. Januar 1871 entstand das Deutsche Reich.

In Frankreich hatte der Krieg die Abschaffung der Monarchie zur Folge. Vor allem der Verlust Elsass-Lothringens erzeugte einen dauerhaften, gegen Deutschland gerichteten Revanchismus. In Deutschland wiederum verfestigte sich die Vorstellung von der so genannten Erbfeindschaft gegenüber Frankreich.

Wie sich die Reichsgründung durch den preußischen Militarismus später in Form von 2 Weltkriegen äußerte, wird danach erörtert. Ebenfalls werden Gedenkfeiern, Erinnerungskultur und Geschichtspolitik referiert und analysiert.

Im Anhang findet man noch eine Zeittafel, die Bibliographie, Anmerkungen, den Bildnachweis, Karten, ein Personenregister und ein Ortsregister.

Hier wird die Vorgeschichte der Gründung des Deutschen Reiches aus verschiedenen Perspektiven erzählt, also auch teilweise eine Geschichte von unten. Dabei stellt Jahr eine gute Balance her zwischen Angehörigen der Masse der einfachen Leute, Intellektuellen und Entscheidungsträgern an den Schalthebeln der Macht.

Jahr zeigt hier eindrucksvoll auf, wie Preußen als Machtfaktor, der sich vornehmlich auf militärische Gewalt gründete, in diesen drei grausamen Kriegen die Voraussetzungen für die Gründung des Deutschen Kaiserreiches schuf und dieses auch mit seinem Militarismus entscheidend prägte. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurden durch äußeren Zwang (Alliierte) dem preußischen Militarismus weitgehend der Boden entzogen.

Buch 2

Herausgegeben im Auftrag des Kapitels der Kathedralkirche St.-Paulus zu Münster von Udo Grote: Der Schatz von Münster – Wertvolle Reliquiare und Kunstwerke aus der Domkammer, Aschendorff Verlag, Münster 2019, ISBN: 978-3-402-13399-6, 29,90 EURO (D)

Mit ihren herausragenden Schätzen der kostbaren Goldschmiede- und Textilkunst besitzt die Domkammer in Münster eine der bedeutendsten Sammlungen in Europa. Über fast 1000 Jahre spannt sich der Bogen der Kostbarkeiten bis ins 20. Jahrhundert. Schwerpunkt jedoch ist der Reliquienschatz des Mittelalters, dessen Skulpturen und Gefäße auf der ganzen Welt nicht ein zweites Mal zu finden sind. Dieser Katalog will Funktion und Entwicklung des Domschatzes sowie ausgewählte Highlights einem breiten Publikum nähergebracht werden. Er erscheint gleichzeitig in deutscher und englischer Sprache.

Nach einem Grußwort des Bischofs von Münster folgen fünf Hintergrundessays. Zunächst setzt sich Gerd Althoff mit den theologischen, liturgischen und frömmigkeitsgeschichtlichen Voraussetzungen und Wirkungen auseinander. Danach geht Peter Raedts auf die Funktion von Schatzkammern als Repräsentationen göttlicher Allmacht und das Spannungsverhältnis zwischen Reichtum in der Kirche und Armutsideal ein. Die mittelalterlichen Archive des St. Paulus-Doms zu Münster sind größtenteils verloren, so das man nicht viel darüber weiß, wie die Schätze erworben und verwendet wurden. Inwieweit die Sammlungen der Domschätze von Lüttich, Utrecht, Osnabrück und Minden helfen können, mehr über die verlorene Geschichte des Münsteraner Domschatzes zu erfahren, diskutiert Annabel Dijkema in ihrem Beitrag. Danach gibt Holger Kempkens einen Überblick über die Geschichte des Domschatzes von Münster. Gudrun Stracke-Sporbeck geht danach auf die Bedeutung und Struktur der Paramente der Domkammer, also alle textilen Objekte, die zur Ausstattung der Kirchenraums, zum Schmuck der Reliquien und zur Gestaltung der Liturgie gehören, ein.

Danach folgt der Hauptteil mit dem Katalog. Der erste Teilbereich sind die Reliquiare des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Domschatzes am Hochaltar. Holger Kempgens gibt einen kurzen Überblick, danach werden die einzelnen Objekte in Abbildungen und einer Beschreibung mit Informationen zu Herkunft, Materialien, Alter, Besatz, Größe und Umfang einzeln vorgestellt. Die Paramente werden von Gudrun Stracke-Sporbeck ebenfalls kurz vorgestellt, nach gleichem Muster wie vorher werden die einzelnen Exponate in Wort und Bild dann näher vorgestellt. Weiterhin werden die sechs noch erhaltenen Lettnerfiguren des Doms in einem zusammenhängenden Text und einzeln im Bild vorgestellt. Außerdem werden noch Einzelobjekte wie der Reliquienschrein der hl- Felicitas, ein Altarkreuz oder die Sandsteinskulptur Christus auf dem kalten Stein dem Leser näher gebracht.

Im Anhang findet man noch ein Glossar, ein Literaturverzeichnis, die Katalog- und Inventarnummern der Schätze der Domkammer und des Bistums und einen Abbildungsnachweis.

In diesem Band werden Kostbarkeiten sakraler Kunst des St. Paulus-Doms zu Münster von mehr als 1000 Jahren erfahrbar. Dies sind die herausragenden Stücke der Domkammer in Münster, die zurzeit geschlossen ist. Die hier gezeigten Abbildungen sind großformatig und scharf, so dass auch Details gut erkannt werden können. Jedes einzelne Artefact wird genau beschrieben und ihre jeweilige Funktion außerhalb der Prachtentfaltung vorgestellt.

Buch 3

Wagner, Richard: Lohengrin. Romantische Oper in drei Akten. In Bildern von Rosa Loy und Neo Rauch, C. H. Beck, München 2020, ISBN: 978-3-406-75066-3, 34 EURO (D)

Richard Wagners romantische Oper Lohengrin in drei Akten spielt in Brabant in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts. Die junge Elsa von Brabant wird von Friedrich von Telramund des Mordes an ihren Bruder Gottfried angeklagt. Zu ihrer Verteidigung naht ein von einem Schwan gezogener Nachen mit dem Gralsritter Lohengrin. Lohengrin besiegt Telramund im Gotteskampf und erklärt Elsa für unschuldig. Lohengrin will Elsa heiraten und verbietet ihr, nach seinem Namen, seiner Herkunft oder seiner Art zu fragen. Telramund und seine Gattin Ortrud schwören Rache und planen Lohengrin der Zauberei anklagen.

Der bekannte Leipziger Maler Neo Rauch und seine Partnerin Rosa Loy haben 2018 für den Bayreuther Lohengrin Bühne und Kostüme illustriert. Dieses sinnlich gestaltete Buch zeigt nun Zeichnungen, Kostüm- und Bühnenbildskizzen dieser Inszenierung. Darin eingefügt ist das Libretto Lohengrin, das als Text bekannt sein dürfte und hier nicht so sehr im Mittelpunkt steht.

Dies ist die künstlerische Ausgestaltung von Rauch und Loy. Man sieht symbolisch aufgeladene Bilder, die märchenhaft erscheinen und somit die künstlerische Stimmung der Romantik, auf dessen Höhepunkt Wagners Werk uraufgeführt wurde, wiederspiegelt. Die Dramaturgie der Bilder ist ausgeprägt, sie transportieren immer eine hochemotionale Stimmung und sorgen für eine von der Wirklichkeit entrückte Impression, vor allem dort, wo Blau im Mittelpunkt steht. Immer wieder werden allerdings mal eben die Zeitebenen gewechselt, moderne Dinge werden mit dem Brabant des 10. Jahrhunderts kontrastiert. Damit entwickelt das Künstlerpaar eine eigene Note und in Teilen eine modernisierte Version von Wagners Oper.

Am Ende des Bandes wird noch eine Einführung des Dirigenten Christian Thielemann abgedruckt, die dort aber fehl am Platze ist und an den Anfang gehört.

Die Verbindung aus Kunst und Musik ist insgesamt gut gelungen: Den Leser erwarten 52 stimmungsvolle Bilder von einem der renommiertesten Künstlerpaare der Gegenwart.

Buch 4

Marita Krauss: Ich hab dem starken Geschlecht den Fehdehandschuh hingeworfen. Das Leben der Lola Montez, C. H. Beck, München 2020, ISBN: 978-3-406-75524-8, 24 EURO (D)

1846 kam die irische Tänzerin Lola Montez nach München und stieg bald nach einer ihr gewährten Audienz zur Geliebten des bayrischen Königs Ludwig I. auf. Sie erhielt eine luxuriöse Villa in der Barer Straße in München, einen Adelstitel (Gräfin von Landsfeld) und finanzielle Unterstützung von Ludwig. Ihre Einbürgerung konnte er erst nach dem Rücktritt seines Ministers Karl von Abel durchsetzen. dankte Im Revolutionsjahr 1848 nach seiner Affäre mit Lola Montez dankte er zugunsten seines Sohnes Maximilian II. ab.

Zum 200. Geburtstag von Lola Montez (1821-1861), alias Eliza Rosana Gilbert, erscheint diese neu angelegte Biografie von der Historikerin Marita Krauss, die erstmals die Tagebücher Ludwigs I. auswertete.

Sie wurde in Indien als Eliza Rosana Gilbert geboren, als kleines Kind zieht sie mit ihrer Familie nach Indien. Bald darauf wird sie als junges Mädchen nach England ins Internat geschickt. Sie verliebt sich und heiratet früh, was für sie aber dann zu eng wird. Nach der Trennung ist sie auf sich gestellt und macht eine Metamorphose zur spanischen Tänzerin Lola durch, was sich nach einer Weile als geschickter Schachzug erweist. Sie wird schnell international gefragt.

Nach einer Tournee durch London, Paris, St. Petersburg kommt sie 1846 nach Bayern, wo sie den König den Kopf verdreht und zu seiner Geliebten wird. Durch ihren damals für eine Frau skandalösen Lebensstil macht sie sich in München viele Feinde und Neider. Ludwig überschüttet sie mit Geld, selbst nach seiner Abdankung und ihrer Flucht in die Schweiz. Als Ludwig I. aber erfährt, dass sie neben ihm noch mehrere Liebhaber hat, stellt er die Zahlungen an sie ein und Lola muss wieder als Tänzerin auftreten. Sie begibt sich abermals auf Tournee. Diesmal nach Amerika wo sie auch als Schauspielerin große Erfolge feiert. Bis nach Australien kommt sie schließlich auf ihren Reisen. Ihr Privatleben bleibt unstet, zweimal heiratet Lola, doch die Ehen scheitern nach kurzer Zeit. Sie zieht als Vortragsreisende durch Nordamerika. Sie stirbt mit kaum 40 Jahren an einem Schlaganfall 1861 in New York.

Sie wird als sehr selbständige Frau beschrieben, die auf Männer eine Faszination ausübte. Die Regeln der damaligen Gesellschaft und das erwartete Frauenbild erfüllte sie nicht. Sie wollte es auch gar nicht. Genüsslich rauchte sie in der Öffentlichkeit, damals ein Skandal. Dies bescherte ihr viele Feinde, aber auch heimliche Bewunderer. Tänzerinnen waren damals zugleich erotischer Anziehungspunkt und moralisch verwerflich zugleich. Sie konnte aufgrund ihrer Schönheit bei Männern alle Register ziehen, auch zu ihrem eigenen Vorteil. Sie war forsch im Auftreten und sehr temperamentvoll und emotional, auch verletzend anderen gegenüber.

Ihre Allüren kommen nicht so sympathisch rüber. Was beeindruckt, war ihr Mut, gegen die Konformität der Gesellschaft ihr Leben zu leben und das gängige Frauenbild auf den Kopf zu stellen.

Dass Lola Montez mit für die Abdankung des König Ludwig I. verantwortlich war, ist im Prinzip ja schon interessant genug, aber darüber hinaus bietet ihr Leben noch viel mehr Abenteuerliches. In dieser erstklassigen Biographie erfährt man viel über das abenteuerliche Leben dieser femme fatal, die ihre Zeit eindeutig voraus war.

Buch 5

Matthew Rye (Hrsg.): 1001 Klassik-Alben, die sich hören sollten, bevor das Leben vorbei ist, 2. aktualisierte Neuausgabe, Edition Olms, Zürich 2020, ISBN: 978-3-283-01309-7, 35 EURO (D)

35 Musiker oder Musik-Kritiker stellen in diesem Buch ein breites Spektrum von Musikaufnahmen mit ca. 800 Abbildungen vor. Von den Gregorianischen Gesängen des Mittelalters (vor 1400), den Madrigalen und der überwiegend weltlichen Musik der Renaissance (1400–1600), der komplexen Barockmusik (1600–1750), der wohlstrukturierten Musik der klassischen Periode (1750–1820), den emotionsgeladenen Kompositionen der Romantik (1820–1900), bis zu den innovativen und teils herausfordernden Werken des 20. und 21. Jahrhunderts sind alle Musikströmungen vertreten. Neben den Aufnahmen gibt es auch Informationen zu den Komponisten, Dirigenten und wichtigsten Musikern. Dies ist die zweite aktualisierte Auflage des Buches nach der Erstauflage aus dem Jahre 2008.

Nach einem Vorwort, einer Einführung und einem Titelverzeichnis beginnt die chronologische Vorstellung der Klassik-Alben.

Es gibt unter dem Namen des Albums und der Entstehungszeit immer eine Tabelle mit Informationen zu Genre, Dirigent bzw. Instrument, Interpreten, Jahr der Aufnahme und das Label. Bei einigen gibt es noch eine Abbildung des Albums bzw. des Künstlers, ein Zitat des Komponisten oder des Interpreten und andere empfehlenswerte Aufnahmen.

Nach den Alben gibt es noch ein Glossar, um benutzte Fachausdrücke nachzuschlagen, ein Verzeichnis der Komponisten, Informationen über die Vita der 35 Autoren und einen Bildnachweis.

Dieses Werk ist eine Reise quer durch die Welt der klassischen Musik, das sich durch einen weiten zeitlichen Bogen auszeichnet. Die Auswahl ist natürlich subjektiv und ein wenig angelsächsisch gefärbt, trotz des Mitwirkens von 35 beteiligten Personen. Es hat eine kleine Schriftgröße, die bei der Einführung und beim Verzeichnis der Komponisten etwas Schwierigkeiten macht, was wohl dem Umfang geschuldet ist. Als Einführungsband ist es vor allem zu empfehlen.

Buch 6

Jim Carrey/Dana Vachon: Memoiren und Falschinformationen. Ein (fast) autobiografischer Roman, Droemer, München 2020, ISBN: 978-3-426-28258-8, 20 EURO (D)

Jim Carrey, einer der erfolgreichsten Comedians in Hollywood, und die Autorin der Wall-Strret-Satire „Merges & Acquisitions“, Dana Vachon, verfassen in diesem halb autobiografischen, halb fiktionalem Buch einen unkonventionellen Memoiren-Abschiedsbrief an die Zivilisation, wie sie es nennen.

Die Geschichte handelt von der übertriebenen und künstlichen Hollywood-Kultur und der existenziellen Krise eines einst geliebten Stars, Jim Carrey. Carrey ist in einem kaputten chaotischen und paranoiden Zustand. Genauso wie sein Seelenleben ist Los Angeles apokalyptisch und seelenlos. Carrey ist eine apokalyptische Person innerhalb einer Apokalypse.

Das Buch enthüllt seine Welt von Schauspiel, Agenten, Berühmtheit und Privilegien als Star und die Schattenseiten. Er selbst als Person sehnt sich nach Freundschaft, Romantik und Sinnhaftigkeit jenseits des goldenen Käfigs als Star. Carrey trauert um die Welt, sein verlorenes Selbst und hat Angst vor dem Leben und Angst vor dem Tod.

Er lässt seine Karriere Revue passieren, spottet über die Sucht von Prominenten nach Schönheitsoperationen und macht sich über Nicolas Cage, Gwyneth Paltrow und Tom Cruise lustig. Der Gedanke an John Lennons letztes Porträt in der Leichenhalle versetzt ihn in rasenden Wahnsinn. Er selbst stellt sich vor, wenn er stirbt, dass dann Fans in der Leichenhalle an Foto von ihm an den Meistbietenden verkaufen. Skurril wird es, als Carrey sich auf seine Rolle als Mao vorbereitet und dabei seine Identität verliert.

In einer Welt, wo sogar das Reality-TV gefälscht ist, fragt sich Carrey immer wieder: Was ist real.

Am Ende kämpfen Carrey und andere Stars gegen eine außerirdische Invasion, ein Slapstick-Finale, das sich über das Buch wahrscheinlich selbst lustig macht.

Carrey und Vachon legen hier eine schwarze Komödie der Hollywood-Kultur vor. Sie beschreiben die Illusion, auf der die Gesellschaft aufgebaut ist, und die daraus resultierenden Auswirkungen auf das individuelle Leben.

Das Buch untersucht die Kultur, in der wir leben, und die Menschen, die sie geprägt haben. Die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fiktion verschwimmt immer mehr, Existentialismus und die Frage nach der eigenen Identität wird mit Carreys speziellem Humor und Vachons manchmal lyrischer Prosa verbunden. Das Buch ist voller Metaphern, Bildern und Symboliken.

Es ist nicht jedermanns Sache, der andere Autobiografien von Stars gewohnt ist. Wer psychodelischen Humor und Realsatire gespickt mit apokalyptischen Visionen mag, sollte dieses eigensinnige Buch lesen.

 







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